Riesenmaschine

25.02.2006 | 17:09 | Vermutungen über die Welt

Korfball kann kommen

Immer wenn olympische Spiele sind, sommers wie winters, kann man ein interessantes Phänomen beobachten, Leute, denen Sport ansonsten eher schnuppe ist, interessieren sich plötzlich für den Rummel und dann ganz besonders für Randsportarten, Orchideendisziplinen wie Curling und Buckelpiste, weil es einfacher ist, diese im Gegensatz zu den massenkompatiblen Wettbewerben ironisch zu sehen, ausserdem glauben sie, dass ihre Individualität dadurch prima vertreten wird. Dabei sind deren Protagonisten ebensolche Ehrgeizlinge, Vereinsmeier und Sportdeppen wie bei Abfahrt, Biathlon und Bob.

Nun sorgt das IOC gnadenhalber immer wieder dafür, dass die eine oder andere "neue" (in Wirklichkeit mitunter uralte, teilweise schon einmal olympisch gewesene) Disziplin aufgenommen wird, damit unsere Schmunzelindividualisten einen Grund zum Sportschauen haben, und so kreisen u.a. Faustball und Casting, Monoflosse, Kanupolo und Tauziehen noch in der Warteschleife. Alle vier Jahre können auch sie sich wie die olympisch geadelten Sportler, allerdings unter Ausschluss von Öffentlichkeit und Medien bei den Worldgames austoben, und finden dabei noch weniger Beachtung als die Paralympics – wenigstens ein Gebiet, auf dem behinderte Sportler nicht die randigsten aller Randgruppen sind. Und doch gibt es immer noch hybride Sportarten, die es noch nicht mal zu den Worldgames geschafft haben, Federfussball, Unterwasserrugby (die einzige Sportart, die dreidimensional gespielt wird/Ball ist mit Salzwasser gefüllt), Sitzfussball und das rurale Bosseln.

Riesenmaschinesuperprognose: Schmunzeltrendsportart des kommenden Sommers wird Korfball, ein so genannter Mannschaftssport, obwohl hier 4 Männer und 4 Frauen chancengleich zusammenspielen (müssen), die sich aber nicht berühren dürfen, ein ausgesprochen höflicher Sport, ("Der Verteidiger signalisiert seine Verteidigung, indem er einen Arm hoch hält, in Richtung Angreifer streckt und diesen dabei anschaut"), der auch in der Wasserversion zu haben ist (siehe Bild).

Tex Rubinowitz | Dauerhafter Link | Kommentare (2)


25.02.2006 | 13:00 | Alles wird besser | Papierrascheln

Godot Trends: E-Paper in da house


So flach, dass es unter jeder Tür durchpasst
Godot hat soeben das Gebäude betreten, wenn auch auf schmalem Fusse: Wie die Berliner Zeitung vorgestern meldet, sollen nun 200 Probeleser der belgischen Tageszeitung De Tijd in den Genuss kommen, ihre morgendliche Lektüre auf elektronischem Papier bestreiten zu dürfen. Die Philips-Tochter iRex stellt das entsprechende Gerät, den Iliad E-reader ER 100 zur Verfügung, der noch dieses Jahr in Serie gehen soll. Trotz 8'1-Zoll-Display auf E-Ink-Basis soll die Batterielaufzeit über zehn Stunden betragen, weil die darin eingelagerten Schwarz-Weiss-Kügelchen nur in dem Moment Strom ziehen, wenn sie gedreht werden. Auch bei der Financial Times Deutschland, der Rheinischen Post und der Riesenmaschine denkt man angeblich bereits über Testläufe mit dem Iliad nach.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Godot ist aus Papier


24.02.2006 | 19:11 | Supertiere

Ein Wurmschuh ist kein Schuhwurm

Das Image des Wurms ist nicht besonders gut. Es ist ihm auch im Gegensatz zu ähnlich schlecht beleumundeten Kollegen wie dem Schwein, der Ratte und der Natter bisher nicht gelungen, mit irgendeinem liebenswürdigen Feature aufzuwarten, ein neugeborener Wurm sieht halt leider nicht so süss wie ein rosa Ferkel aus und ein Mehlwurm nicht so sexy wie eine Ratte in Stöckelschuhen. Das Image wurde auch nicht unbedingt besser, als man vor ein paar Tagen in der Partnerstadt Ingolstadts, im lieblichen, zentralserbischen Kragujevac bei einer Frau einen 11 cm langen Spulwurm im Auge fand.

Auf der anderen Seite gab es durchaus Bestrebungen, den Wurm positiv im Gesellschaftsleben zu positionieren, lange Zeit reservierte man z.B. im "Haus der Natur" in Salzburg extra einen Platz für einen Tatzelwurm, es fand sich bisher nur leider keiner. Immerhin starten jetzt die Fadenwürmer eine Offensive, um ihre Branche in besserem Licht erscheinen zu lassen. Auch ihnen kann schlecht werden, auch sie ekeln sich vor bestimmten Speisen. Und vielleicht wird ihnen ja auch noch von anderen Dingen übel, z.B. von Arnold-Schwarzenegger-Filmen?

Und wenn uns jetzt auch noch der Wurm näher ist, als man bislang angenommen hat, so ist es doch ausgeschlossen, dass er an der Entwicklung eines Kinderschuhs namens "Max der Wurm" mitbeteiligt war. Denn wenn es so wäre, könnte sich der Schuh ja von alleine fortbewegen, und liesse sich nicht nur schnöde wie der Balg eines Akkordeons auseinanderziehen.

Tex Rubinowitz | Dauerhafter Link


24.02.2006 | 16:03 | Anderswo | Alles wird besser | Papierrascheln

Vogelgrippen verboten

Ziemlich künstlich regt man sich gerade bei
Spiegel online auf. Weil Deutschlands Panikmagazin Nummer 1 offenbar beschlossen hat, dass einmal mehr die Apokalypse droht, wird dort mit harten Worten ("wenn es wirklich einmal losgeht, dürfte dem Verfasser dieser Alberei das Lachen vergehen") auf ein paar Spass-Spatzen geschossen, die bei eBay mit über Nacht bedruckten Vogelgrippe-T-Shirts einen schnellen Euro machen wollen. Zwar sind die Aufdrucke der Shirts nur bedingt bis gar nicht lustig ("Vogelgrippe herzlich willkommen!"), doch ist das gewiss kein Grund, eBay indirekt aufzufordern, das "Schlagwort auf den Index" zu setzen sowie Abmahnanwälte zu animieren, sich mal mit ein paar kleinen T-Shirt-Heinis zu beschäftigen. Denn, so SPON: "Über 140 Millionen tote Vögel und fast 100 menschliche Seuchenopfer sind schon jetzt kein Gag mehr."

Wesentlich entspannter geht man da in Vietnam mit dem Thema um. Zur Erinnerung: Das ist das Land, in dem im Jahr 2003 die Vogelgrippe ihr Revival erlebte, und das die Weltvogelgrippen-Charts mit 93 von der WHO bestätigten Avian-Influenza-Fällen und 42 Toten anführt (Stand 20. Februar). Zwar wurde in Vietnam auch massenhaft (aber keineswegs flächendeckend) allerlei Federvieh gekeult. Ansonsten hängen die Vietnamesen einfach nur überall im Land Plakate auf, auf denen man die blöden Hühner und Enten durchstreicht. Auch für einen kleinen Vogelgrippespass ist man im Vogelgrippeparadies immer zu haben, wie nebenstehendes Foto eines Kinderkarussells im Stadtpark von Hoian zeigt. Damit die böse Ente keinem Kind schaden kann, haben – wie wir fest glauben – Vogelgrippeschützer ihren Kopf mit brauner Farbe übermalt. Dass diese entspannte Haltung dennoch Früchte trägt, beweist die Statistik. In diesem Jahr gab es in ganz Vietnam noch keinen einzigen Vogelgrippefall.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Asien Spezial: Korea & Vietnam

Christian Y. Schmidt | Dauerhafter Link


24.02.2006 | 06:06 | Sachen kaufen | Zeichen und Wunder

Undurchsichtiges Wasser

Vielleicht ist es tatsächlich so, dass es keinen Sinn hat, sich neue Produkte voll hervorragender Features und mit blinkenden LEDs auszudenken. Vielleicht sollte man sich viel mehr darauf konzentrieren, Sand, Salz oder weisse Farbe mit unsichtbaren Eigenschaften auszustatten und damit reich zu werden. Mit positiven Gedanken, freundlichen Worten und Musik behandeltes Wasser, aus Obst extrahiertes Wasser, in Lemniskatenform verwirbeltes Wasser, sauerstoffangereichertes Wasser und Diätwasser zeigen, nun ja, irgendwas bestimmt. Am Ende haben die Hersteller all dieser Spezialprodukte auch noch Recht und wir Skeptiker, die wir lieber ganz andere aus Obst extrahierte Getränke oder uninformiertes Bier zu uns nehmen, stehen dumm da. Wer weiss schon, was diese Dipol-Dipol-Kräfte und das andere geheimnisvolle Zeug im Wasser so machen, wenn man nicht genau hinsieht? Es ist ja schon absurd genug, wenn man hinsieht. Ein Glück, dass wir bereits reich sind und uns mit so was nicht die Hände sauber machen müssen.


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