Riesenmaschine

08.04.2006 | 12:16 | Anderswo | Fakten und Figuren | Vermutungen über die Welt

Früher Fake und Guten Rutsch


MISHING YOU A HAPPY AND PROSPEROMA NEW YEAR
Wann man in China genau damit begann, westliche Wort- und Bildmarken unerlaubt zu kopieren, ist wahrscheinlich kaum zu klären. Dass es aber früher war, als der gemeine Riesenmaschinenleser glaubt, beweist diese Zigarettenschachtel aus der Sammlung des historischen Museum Shanghai, die wahrscheinlich aus den Dreissiger Jahren stammt. Wie man es in China aber immer wieder schafft, einerseits durchaus komplexe Micky Mäuse perfekt zu kopieren, andererseits aber beim Abschreiben eines eher unkomplexen englischen Satzes zu versagen, bleibt wie so vieles hier im ollen Asien komplett rätselhaft. Immerhin bietet uns die alte Schachtel einen an den Haaren herbeigezogenen Anlass, unseren theravada-buddhistischen Lesern ebenfalls viel Glück und Prosperoma für das Jahr 2549 zu wünschen, das eigentlich erst am 13. April beginnt, aber bereits heute Abend im Bürgerhaus an der Rilkestrasse in 50127 Bergheim-Quadrath vorgefeiert wird.

Christian Y. Schmidt | Dauerhafter Link


07.04.2006 | 18:09 | Supertiere

Generation Axolotl


Hier stand ein nicht rechtefreies Bild, das man mit einer Suche nach "axolotl pudding" leicht finden kann
Dieser Beitrag entsteht auf Anregung von Riesenmaschine-Leserin Maike, die sich dazu einen kleinen Film wünscht, "der einen Axolotl beim Atmen und Kriechen zeigt, wahlweise auch nur beim Atmen oder Kriechen." Filme, kein Problem, gibt es hier und hier, wobei im ersten Link ein Deppenapostroph in der URL zu bestaunen ist, eine noch grössere Rarität als der Axolotl.

Obwohl der Mexikaner ihn isst und er nur an wenigen Stellen wild vorkommt, ist der Axolotl keineswegs vom Aussterben bedroht, denn man kann ihn im Versandhandel bestellen. Das liegt daran, dass die Wissenschaft ihn schätzt und gern mit ihm herumexperimentiert, vermutlich, um herauszufinden, wie man auch beim Menschen so kleidsame Kiemenquasten wachsen lässt wie beim Axolotl.

Einziger Vorwurf, den man dem Axolotl machen kann: Sein dreifach redundantes Atemsystem (Kiemen, Lungen, Hautatmung) erinnert ein wenig an Leute, die stets ein Leatherman-Tool, ein Reisenähzeug und eine Taschenlampe am Schlüsselbund mit sich herumtragen, um jederzeit auf einen Flugzeugabsturz in der Arktis vorbereitet zu sein. Ansonsten ist der Axolotl das geborene Wappentier unserer Generation, denn er verbringt sein ganzes Leben zufrieden im Larvenstadium und lässt sich nur mit Gewalt zum Erwachsenwerden zwingen. Hat er sich einmal widerwillig in einen richtigen Salamander verwandelt und eine feste Stelle beim Finanzamt angenommen, verkürzt sich seine Lebenserwartung drastisch, und die bezaubernden Büschelkiemen fallen ab. Wir sind gewarnt!


07.04.2006 | 15:48 | Anderswo | Supertiere | Essen und Essenzielles

Made in Mexiko


(Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Tequila. Ein Wort wie ein Donnerhall des Kopfschmerzes. Mezcal. Ein Wort wie das pubertärste Geschenk der Welt, nämlich ein Schnaps mit Wurm (eigentlich Raupe) drin, also Yps mit Gimmick für 18jährige. Dass in manchen Mezcals eine Raupe ist, hat einen historischen Hintergrund, und zwar einen Marketinggag von 1950. Dabei stellte Herr Jacobo Lozano Páez in Mexiko fest, dass raupenbefallene Agavenblätter einen anderen Mezcalgeschmack ergeben als unbefallene. Eins kam zum anderen und schliesslich suhlten sich kichernde, angetrunkene Abiturienten im wohligen Madenekel.

Doch die Nuller Jahre forderten auch vom Ekel an sich ihren Tribut, die Raupe war irgendwann durch, been there, done that, hundertmal gesehen. Ausserdem war sie irgendwie nicht krass genug, man stellt sich dann einen Jugendlichen vor, der sonst in seiner Freizeit per Handy Videos von Hinrichtungen tauscht, da kann eine Raupe nicht viel.

Insofern ist es nur konsequent, sowohl einen Mezcal als auch einen Wodka mit einem Skorpion statt einer lächerlichen ebenso harm- wie beinlosen Kreatur auf den Markt zu bringen. Wohin das alles schlussendlich führen könnte, möchten wir an dieser Stelle nicht konkretisieren, werfen aber mal das Stichwort "Wodka Meiwes" in den Raum.


07.04.2006 | 10:23 | Anderswo | Fakten und Figuren | Vermutungen über die Welt

Freiwillige Feuerwehr löscht (vielleicht) in Shanghai

Deutsche Produkte erfreuen sich in China grösster Beliebtheit, besonders im Bereich des Bauens. Das geht so weit, dass seit Dezember 2002 in der Nähe von Shanghai eine komplette "deutsche" Vorstadt für 50.000 Bewohner errichtet wird: die "German Town Anting". Was allerdings an der Suburb spezifisch deutsch sein wird, ist fraglich. Zwar wird die Stadt von Albert Speer geplant; zumindest dem Namen nach der deutscheste aller Architekten. Doch die falschen Fachwerkfassaden, die sich die Chinesen von ihm wünschten, wird es leider nicht geben. So bleibt das einzige "echte" Deutsche an der Stadt das Goethe- und Schillerdenkmal auf dem Stadtplatz, das Antings Partnerstadt Weimar spendierte – und die deutschen Firmen, die am Bau beteiligt sind.

Anders verhält es sich mit der Firma Ou Dian (Europäische Klassik), die sich auf Englisch Order Flooring nennt. Die erzählte ihrer Kundschaft in Hochglanzbroschüren, sie sei ein Joint Venture mit "Order Germany", einem der führenden deutschen Parketthersteller. Diese Firma, bereits im Jahre 1903 gegründet, habe neben vier weiteren Produktionsstätten in Deutschland ihre 500.000 Quadratmeter grosse Zentrale im bayerischen Rosenheim, von wo aus man das mit dem "Blauen Engel" ausgezeichnete Parkett in über 80 Länder exportiere. Was so urdeutsch und umweltfreundlich ist, hat natürlich in China seinen Preis, und zwar die Kleinigkeit von 200 Euro pro Parkettquadratmeter. Vor ein paar Wochen recherchierten jedoch chinesische Journalisten in Deutschland, und fanden dabei heraus: Es gibt in De Guo (Land der Tugend; der chinesische Name für Deutschland) gar keine Firma namens "Order Germany", weder in Rosenheim noch sonst wo. Sie hätten allerdings auch einfach die Homepage von Order China aufrufen können. Klickt man hier auf die deutsche Flagge, tut sich so viel wie bei den Fahnen der anderen zehn Nationen: Gar nichts nämlich.

Garantiert wirklich echt deutsch aber ist dieser Feuermelder, der die Riesenmaschine auf dem Flur der 19. Etage des Courtyard by Marriot Hotels in Shanghai ansprang. Hier hat man nun die Begeisterung für deutsches Bauen ganz gewiss übertrieben. Nicht bloss, weil im Brandfall kaum jemand mit Aufforderungen wie "Knopf tief drücken" etwas anfangen kann. Sondern auch, weil man sich fragt, welche Feuerwehr da wohl kommt, sollte doch einem das Betätigen des Alarmknopfs gelingen. Bis die Freiwillige aus – sagen wir mal – Rulle im Osnabrücker Land vor Ort ist, ist das gar nicht mal so schöne Hotel jedenfalls bis auf die Grundmauern abgebrannt.

Christian Y. Schmidt | Dauerhafter Link | Kommentare (4)


06.04.2006 | 17:05 | Essen und Essenzielles

Kraftquelle Zimmerpflanzen


(Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Dass man zu Hause im Kleiderschrank Cannabispflanzen grossziehen kann, und dass dieser Prozess einschliesslich professioneller Ausrüstung, Zeitaufwand und Stromrechnung kaum mehr kostet als der Einkauf der Endprodukte im Stadtpark, ist mittlerweile Allgemeinwissen. Aber lassen sich eigentlich auch andere Drogen im Eigenbau herstellen? Es gibt schliesslich gepflegtere Tätigkeiten als das Schnupfen von Substanzen, die aus den Därmen fremder Menschen stammen. Und siehe da, man kann, und damit meinen wir nicht nur Pilze: Hier, aber auch anderswo werden die beerenartigen Samen von Erythroxylum coca bereitwillig mit der Post verschickt. Mit etwas Glück wächst daraus bald eine zierende Zimmerpflanze oder ein Coca-Bonsai. Die Blätter kann man wie der Andenanrainer kauen oder zu munter und gutgelaunt machendem Tee verarbeiten. Der Umbau zu handelsüblichem Kokainhydrochlorid dürfte für die meisten Nicht-Chemiker zu kompliziert sein; man hört auch, dass der Konsum den direkten Weg in die Werbeagentur darstellt, also lieber Finger weg. Noch komplexer als die chemische Reaktion ist die Reaktion des Rechtsstaats, aber das ist ja in anderen Lebensbereichen (MP3s tauschen, Bier trinken im Park) auch nicht anders.


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