Riesenmaschine

02.05.2006 | 19:44 | Berlin | Zeichen und Wunder

Sit&Watch&Copy&Paste


So nicht. (Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Auch Werbeagenturen müssen sparen. Deshalb gibt es für die Gestaltung von Sit&Watch-Plakaten schon längst Computer-Programme, die man nur mit einem Bild und ein paar Produktinfos füttern muss und die dann mit Hilfe von einer Handvoll Buzzwords fertige Plakate erstellen. Das führt dazu, dass wir seit Jahren immer wieder die gleichen schlechten Kalauer lesen müssen, auf einfachste assoziative Zusammenhänge hingegen nicht eingegangen wird: Wenn man schon ausgerechnet auf einer Toilette für Eddings wirbt, dann natürlich mit dem Spruch "Edding. Wer keinen hat, kann hier nichts hinschreiben". Das Plakat könnte man dann auch gleich noch in U-Bahnen hängen.


02.05.2006 | 14:07 | Alles wird schlechter

Tätowationen für alle


(Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Nachdem der letzte Schmetterling auf der Schulter gelandet war, der letzte Delphin, der letzte Tribalquatsch sich um den Arm geschlängelt hatte, und alle Steissbeine mit Geweihen versehen waren, wurden die Tätowierer müde, sie legten ihre Nadeln beiseite und ruhten sich aus und überlegten, was man der nicht endenwollenden Schlange der Tätowiersüchtigen noch in die Haut stechen könnte. Der Junkie Pete Doherty war einer der ersten, der den Trend zum notizenhaften Gekritzel wieder populär machte, wie sein grosses Vorbild GG Allin, der, wie auch er, recht grosszügig auch mit einer anderen Nadel umging, womit er sich dann, wie er es angekündigt hatte, auf der Bühne ein pathetisches Ende bereitete, etwas, was Doherty noch bevorsteht. Und für all jene, die befürchten, dieser räudige Chic könnte für sie eines Tages karrierehemmend beim Vorstellungsgespräch sein, lanciert man nun, nachdem auch die nur in der Disco sichtbaren Tätowierungen, Tätowierungen für Hasenfüsse und die Stilmöbel bereits durch sind, den allerneusten Trend: Auf den Finger tätowierte Schnurrbärte. Und dann braucht man auch nicht mehr den kleinen albernen Taschenkamm, wenn man mal wie Mel Brooks den Hitler macht.

Tex Rubinowitz | Dauerhafter Link | Kommentare (5)


02.05.2006 | 10:36 | Anderswo | Alles wird besser | Was fehlt

Wahrheitlichkeit


(Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Der Titel dieses Beitrags ist eine ungefähre Übersetzung des amerikanischen Wortes des Jahres 2005, "Truthiness". Dieser Titel wird in den USA von der American Dialect Society vergeben, und wenn man sehen will, warum man in Deutschland komödien- und humortechnisch gearscht ist, muss man sich nur anschauen, was die Gesellschaft für deutsche Sprache e.V. 2005 zum Wort des Jahres gewählt hat: Bundeskanzlerin (auch noch im Rennen waren: Gammelfleisch oder Jamaika-Koalition). "Truthiness" ist ein Wort, das vom amerikanischen Satiriker Stephen Colbert populär gemacht wurde und steht für die Qualität, Wahrheit zu fühlen, ohne sich dabei von Fakten beirren zu lassen. Stephen Colbert: "I don't trust books. They're all facts and no heart."

Colbert, der in seiner Show auf unglaublich schnelle und treffende Weise die rechten Talkshowhosts wie z.B. Bill O'Reilly oder Rush Limbaugh karikiert, ist mittlerweile so beliebt, dass er dieses Jahr eingeladen wurde, die Rede beim jährlichen "White House Correspondents' Association Dinner" zu halten, die man hier nachlesen und sich hier ansehen kann. Und sich durchlesen und ansehen sollte, denn die Rede ist mit Sicherheit die schneidendste Abrechnung mit der Regierung Bush, die öffentlich in Anwesenheit des Präsidenten gehalten wurde. In der amerikanischen Bloglandschaft wird Colbert als "Mann mit Eiern aus Titan" gefeiert. Zu Recht:

The greatest thing about this man is he's steady. You know where he stands. He believes the same thing Wednesday, that he believed on Monday, no matter what happened Tuesday. Events can change, this man's beliefs never will.
...
Everybody asks for personnel changes. So the White House has personnel changes. Then you write they're just rearranging the deck chairs on the Titanic. First of all, that is a terrible metaphor. This administration is not sinking. This administration is soaring. If anything, they are rearranging the deck chairs on the Hindenburg.
(Ausschnitt).


01.05.2006 | 18:17 | Berlin | Zeichen und Wunder | Vermutungen über die Welt

Alle Kreter sind Werber


Bildunterschrift (Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Seit vielen Jahren kursiert diese Liste lustiger Phrasen aus Gebrauchsanleitungen in Foren und Blogs. Man muss zwar zugeben, dass der Aufdruck auf einem Pappbecher "Caution: Hot beverages are hot!" manche Stunde erheitern kann, und dass solche Zusätze vermutlich der US-amerikanischen Rechtssituation geschuldet sind. Viele der ins Deutsche übertragenen Listen sind aber von so plattem, dümmlichem Antiamerikanismus getragen, dass sich die dazugehörigen Texte durch "suchen: amis > ersetzen türken" in jedem Neonaziforum gut machen könnten. Offenbar begreift niemand, dass Pauschalisierungen uns generell nicht weiterhelfen.

Die Methode aber, auf Offensichtliches mit schriftlichen Hinweisen hinzuweisen, erhält mit diesem derzeit verbreiteten Aufkleber, fotografiert im "Bergstübl" in Berlin Mitte, einen neuen Drall. "Werbefreier Raum", mit der roten Betonung auf frei, man ahnt, dass hier eine Aktion aus dem Fahrwasser der Adbusters dahintersteht, fragt sich aber doch, wieviel Ironie darin verborgen sein mag. Wahrscheinlich werden die Macher der Aufkleber feststellen, dass sie zu wenig öffentliche Resonanz bekommen und bei der nächsten Druckwelle die Internetadresse mitaufdrucken. Womit sie sich in ein schwieriges semantisches Antinomieproblem begeben würden. Wenn sie da nicht schon ohnehin sind, weil der Aufkleber deutlich Form und Farbe eines Post-it® von 3M hat.


01.05.2006 | 13:54 | Anderswo | Supertiere

Jetzt gehts dem Wollschwein an den Kragen


(Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Dem Ideal einer allesbedienenden "Eierlegenden Wollmilchsau", die Freiherr von Goethe einst zusammenfabulierte, kommt das Mangalitzaschwein am allernächsten, auch wenn es sich, im Gegensatz zu Elchen und Birken, noch nicht so recht melken lässt, weil die Säue die Zitzen ihrer Milchleisten nach etwa 50 Millilitern erst einmal dicht machen und selbst eine Weile pausieren. Und es deshalb den ganzen Tag über dauern würde, bis man genügend Milch zusammen hätte für ein leckeres Schweinemilchfrappé, oder einen Schärbät, den aserbaidschanischen Erfrischungsdrink Nr. 1, Milch mit Basilikum.
Würste des Tieres dieser ehemals fast ausgestorbenen Rasse, die man mühsamst rückgezüchtet hat, aus alten Beständen von von der industrialisierten Massentierhaltung unberührten und durch unwegsame Täler abgeschnittenen Bauern der Karpaten, sollen nun, laut der ungarischen Riesenmaschine, nachdem der Feinschmeckermarkt offenbar damit gesättigt zu sein scheint, bei Spar verschleudert werden. Demnächst dann also auch Schweinepullover bei Aldi?

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Bitte lasst den Puli leben!

Tex Rubinowitz | Dauerhafter Link


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