Riesenmaschine

27.07.2006 | 11:49 | Anderswo | Alles wird besser | Essen und Essenzielles

Vollgestopft im Hier und Jetzt


Bekanntlich haben Keks- und Kuchenkonsumenten Probleme mit der genauen Uhrzeit und dem exakten Datum. Ist es gestern oder morgen, vorhin oder bald, 1956 oder 2014? Orion Corp., einer der grössten koreanischen Keks- und Medienkonzerne (35% Marktanteil am koreanischen Kabelfernsehen), hat sich jetzt des Problems angenommen, und verkauft seine Kekse und Kuchen nur noch mit präziser Zeitangabe. Wer als Orion-Kunde eine Orion Keks- oder Kuchenpackung in der Hand hält, weiss also genau: Es ist nicht 1974, als Orions Flagschiffkuchen, der Choco Pie, erstmals in Korea auf den Markt kam, es ist auch nicht 1995, als Orion nach China expandierte und der Choco Pie auch hier wie Bombe einschlug, es ist nicht mehr eben, als sich der Kunde gleich drei der künstlich-klebrig schmeckenden Schokoteile auf einmal in den Mund stopfte, es ist zum Glück auch noch nicht gleich, wenn ihm entsetzlich schlecht sein wird, sondern: It's now, jetzt, dieser Moment und Augenblick, wo gerade noch erstaunlich viele kleine Orion-Choco Pies in den Kuchenmampfer reinpassen. Danke, Orion Food Corp., für die präzise Auskunft!

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Thementag: Das Vergehen der Zeit

Christian Y. Schmidt | Dauerhafter Link | Kommentare (5)


27.07.2006 | 04:22 | Fakten und Figuren | Vermutungen über die Welt

Causas Cognoscere Rerum


Hält sich gern in der Nähe von Mäusen auf: Blätterteiggebäck
Mit allen anderen Sätzen dieses Beitrags verhält es sich übrigens genauso wie oben beschrieben. Dass wir den Lichtschalter betätigen, weil das Licht angegangen ist, glauben zumindest die Versuchspersonen in diesem Experiment, das die Frage "Kommt jetzt eigentlich vor oder nach jetzt?" abschliessend beantworten soll. Oder macht das Meer mit seinen Wellen, dass es windig wird? Erzeugen die Bäume mit ihren Blättern erst den Wind? Manchmal fragt man sich ja: Tritt man auf einen Zweig, weil er knackt? (Bei diesem scheinbar letzten Satz handelt es sich eigentlich um den ersten.)

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Thementag: Das Vergehen der Zeit


27.07.2006 | 00:03 | Vermutungen über die Welt

Thementag: Das Vergehen der Zeit

"Kann man die Zeit erzählen, diese selbst, als solche, an und für sich? Wahrhaftig, nein, das wäre ein närrisches Unterfangen!" fragt und antwortet der Erzähler sich im siebten Kapitel von Thomas Manns Zauberberg, als dessen eigentliches Thema das Vergehen der Zeit gilt. Und Überraschung: Es geht doch. Ist man mit dem Buch durch, so ist es zum Teil deutlich später als am Anfang. Trotzdem bleibt die Zeit, insbesondere ihr Vergehen (das im übrigen auch ein grosses Thema im Werk der Autorin Kathrin Passig ist) ein grosses Mysterium, dem sich auch Heinz Strunk in seinem Lied "Zeit" auf dem Album Einz nur wortlos wortreich nähern kann: "Ein Weilchen, eine Ewigkeit, die Frage nach der Zeit: Sie kann rieseln, rennen, rollen, gekrümmt sein oder gestaucht. ... 'Im Aufenthaltsbereich ist Aufenthalt verboten.' Absurd wie dieser Satz verhält sich auch die Zeit." Der, wenn man nicht drüber nachdenkt, einfach, wenn man drüber nachdenkt, schwierig zu beantwortenden Frage "Wann ist jetzt?" widmet die Riesenmaschine heute mit einem Thementag ihre ungeteilte Aufmerksamkeit. Zumindest für diesen Moment.


26.07.2006 | 17:31 | Berlin | Fakten und Figuren

Dreisatzprobleme im Alltag

"Sie haben für jeden eine Kugel", so steht es am Weisbeckerhaus in Berlin, das nach dem rechts im Bild aufgeführten Thomas Weisbecker benannt ist. Dass Weisbecker und Carlo Giuliani wie auch der unten rechts als Fussnote nachgetragene Georg von Rauch von deutschen bzw. italienischen Polizisten erschossen wurden, ist zwar unstrittig. Auch dass die europäische Exekutive über genügend Munition verfügt, um jeden Bürger des Erdteils in die ewigen Nichtwählergründe zu befördern, wollen wir aus Recherchefaulheit mal einfach so annehmen. Aber, so die Hausaufgabe: Wenn das Schweinesystem in 34 Jahren drei Bürger hingemeuchelt hat, wie lange braucht es dann, um mit den übrigen 730 Millionen Einwohnern Europas fertig zu werden?


26.07.2006 | 11:34 | Alles wird besser | Essen und Essenzielles

Machtwort der Neugier

Im unentschiedenen Kampf um die Impertinenz von Colainhaltsstoffen bisher unberücksichtigt blieb der Beitrag der altenglischen Getränkebrauerei Fentiman's, die eigenwillig keine Zusatzstoffe weglässt, wie es die Marktführer vormachen, sondern im Gegenteil Dinge hinzufügt. Im Fall der "Curiosity Cola" sind dies das stadtbekannte Stimulanzium Guarana, ein klein wenig Alkohol sowie etwas Rindenextrakt des südamerikanischen Catuaba-Baumes, der anregend, eventuell aphrodisierend und vielleicht sogar HIV-Infektionen verhindernd wirkt, jedenfalls bei Mäusen. ("Jedenfalls bei Mäusen" sollte in Zukunft hinter jedem Satz einschränkend vermerkt werden.) Vollkommen egal, ob das nun wirklich gesund ist oder vielleicht doch nicht, was dabei herauskommt, benimmt sich jedenfalls vorschriftsmässig interessant im Mund, und hat ausserdem einen schraubbaren Kronkorken als Verschluss. Aussenseitererfolg für England im Colakrieg.


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