Riesenmaschine

03.08.2006 | 12:02 | Anderswo | Nachtleuchtendes | Vermutungen über die Welt

Brandneu


Der Weed Burner von Brookstone (Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Die Welt ist gross und voll mit seltsamen Dingen. Doch seltsam ist nicht gleich seltsam und was in Deutschland mit staunenden Augen betrachtet wird, zählt an anderen Orten mitunter zum banalen Alltagsrüstzeug – man denke an Vorsicht-Elch-Schilder (Schweden), 10-Liter-Popcornbecher (USA) oder Weihnachtspalmen (Südsee). Dass es auch umgekehrt geht, haben vor kurzem mehrere einschlägige US-Gadgetblogs (OhGizmo!, Uber-Review, Geek24) gezeigt: Sie feierten die schlichte und in jedem deutschen Provinzdorf bekannte Methode des Gasbrennereinsatzes gegen Gestrüpp in Gehwegplattenzwischenräumen als nigelnagelneuen Nerdspass. Wenn die wüssten, dass wir in Deutschland ganze Diskussionsforen mit solchen Fragen füllen und ohnehin längst die Fugenhexe entwickelt haben.


03.08.2006 | 03:08 | Supertiere

Im Walschuppen


Schüssel und Japan. (Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Wann immer Michel aus Lönneberga etwas ausgefressen hatte – zum Beispiel Suppe aus der guten Schüssel, in der er dann steckenblieb – wurde er in den Strafschuppen gesperrt, und schnitzte dort ein Holzmännchen. An diesem Schuppeninhalt also konnte Michel ablesen, wie oft er straffällig geworden war, was das Lönnebergaer Rechtswesen beträchtlich entlastet haben dürfte. Ähnlich, wenn auch ganz anders, verhält es sich mit dem Walfischen und Japan.

Der japanischen Erklärung nämlich, wieder mehr Wale fangen zu wollen – aus rein wissenschaftlichen Gründen natürlich, um die Altersstruktur der Bestände ermitteln, und nicht etwa um die Produktion von Waleis ankurbeln zu können – setzt nun, wie die Zeitschrift Nature morgen berichtet, der Forscher Peter Harrison aus Neuseeland ebenfalls Schuppen entgegen. Walhautschuppen, genauer gesagt, aus deren Telomerstruktur sich das Alter ebenfalls ermitteln liesse, ohne das Tier dafür totmachen zu müssen, wenn auch ungenauer. Aber das ungefähre Alter eines lebenden Wals sei besser als das genaue Alter eines toten Wals, argumentiert Harrison. Ob man aus dem ungefähren Alter lebender Wale auch Eiskrem machen kann, und ob man beim Ausfressen derselben dann in Schüssel steckenbleibt, erklären uns die Japaner dann demnächst.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Wer will Wale


02.08.2006 | 18:58 | Alles wird besser

Speichel auf Rezept


Speichelfabrik (typähnlich) (Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Endlich! Beziehungsweise sehr bald schon wird man künstlichen Speichel kaufen können. Die Pharmafirma BioProgress erbarmt sich dieser unfassbar klaffenden Marktlücke und bringt ein Salivaspray namens HypoSalix auf den Markt. Das war gar nicht so einfach, denn wie alle wissen ist menschlicher Speichel ein kompliziertes Sekret und besteht zudem fast ausschliesslich aus dem komplexen und schwer handhabbaren Chemieprodukt Wasser. Zum einen technologisiert das Speichelspray die alte Kulturtechnik des Anspuckens, der daher eine neue Hochphase vorausgesagt wird. Zum anderen steht mit HypoSalix endlich ein adäquates Mittel gegen die Volkskrankheit Xerostomia (oft auch "trockener Mund" genannt) zur Verfügung, die unter anderem im Zusammenhang mit Krebstherapien oder seltener nach schwerwiegendem Alkoholmissbrauch auftritt. Oder halt einfach wenn der Mund ausgetrocknet ist. Wegen der unberechenbaren Nebenwirkungen von künstlichem Wasser möchte Bioprogress sein Speichelspray verständlicherweise nur gegen ärztliche Verschreibung verkaufen. Salivajunkies, ihr müsst weiterhin am Wasserhahn schnüffeln.


02.08.2006 | 10:27 | Anderswo | Alles wird besser

Neues aus Lüdenscheid


(Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)

(Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)

(Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Neues aus Lüdenscheid: Nach langem Hin und Her wurde im Zuge der Neugestaltung des Rathauses auch der Rathausplatz renoviert und passend zur iPod-weissen Rathausfassade mit hellem chinesischen Granit ausgekleidet, der sich allerdings als überaus empfindlich erweist. Insbesondere nach Markttagen wie heute häufen sich Obst- und Gemüseflecken, die bleibende Spuren hinterlassen: "Kirsch- oder Aprikosenkerne, achtlos fallen gelassen von Kunden, die an den Ständen probiert haben. Heruntergefallenes Obst, unabsichtlich zertreten. Abgeknickte Blüten und Blätter. Oder auch Blumenerde: An Markttagen ist das einfach so, liegt all das auf dem Boden herum – nicht nur in Lüdenscheid", fassen die Lüdenscheider Nachrichten gestern das Ärgernis ebenso atemlos-dramatisch wie ratlos-lakonisch zusammen. Schon wird diskutiert, ob die Lüdenscheider künftig wenigstens die Schuhe ausziehen sollen, wenn sie die "gute Stube" der Kreisstadt betreten.

Derweil schreitet unter der Erde die Verhübschung mit Siebenmeilenstiefeln voran. Das Forum-Parkhaus unter dem ehemaligen Wellenbad, das zunächst eine Grossraumdisko werden sollte, nun jedoch einen Kinderspielplatz beherbergen wird, wurde von Künstlerhand umgestaltet. Jede Säule trägt eine eigene künstlerische Handschrift, die einen grübeln macht, was an anonymen und kargen Parkhäusern so schlimm war.

Die eigentliche Basisinnovation stammt jedoch vom Lüdenscheider ÖPNV. Die örtliche Verkehrsgesellschaft MVG hat kurzerhand eine zusätzliche Einnahmequelle erschlossen, indem sie die Namen der Bushaltestellen an örtliche Gewerbetreibende verkloppte, und das deutlich günstiger als zum Beispiel anderswo in NRW – für eine Einrichtungsgebühr von 99 Euro und eine Monatsmiete von 59 Euro pro Haltestellenpaar heissen die Stopps nun nach Autohäusern, Steuerberater-Praxen, Optikern und Heilpraktikern, oder nach dem einzigen McDonald's am Ort. Der Bürgerprotest angesichts der Vermarktung des öffentlichen Raumes hielt sich bislang im Rahmen. Anders als Lenin hat die Reclaim the Streets-Bewegung es bislang anscheinend nicht bis Lüdenscheid geschafft.


02.08.2006 | 04:36 | Alles wird besser

Pochpoch


Ordentliche Gleichgewichtsorgane, aber zu wenig nackte Frauenwaden. (Originalfoto von AMagill.) (Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Nach der Einführung neuer Technologien dauert es üblicherweise ein Momentchen, bis sie tatsächlich zu irgendwas taugen. Von der Erfindung der Beine durch irgendein unförmiges Vorzeittier bis zum Einsatz der nackten Damenwade als Entscheidungshilfe in der Werbung zum Beispiel brauchte es skandalöse 1,5 Milliarden Jahre. Das ist zu lang.

Anderer Fall: seit ein paar Jahren gibt es Laptops, die eingebaute Beschleunigungsmessgeräte haben, vorgeblich entwickelt, um die Festplatte abzuschalten, wenn das Gerät runterfällt, tatsächlich aber, damit Laptops das Sensorsignal in Lichtschwertbrummen umwandeln können, zum Beispiel für diese Parodie des berühmten Star-Wars-Kids, mit Laptop statt Golfball-Aufheber. Das ist ähnlich unsinnig wie die Verwendung attraktiver Körperteile für sowas Profanes wie Rumlaufen.

Diesmal aber musste man nicht Milliarden von Jahren auf Erlösung warten, sondern es gibt schon jetzt ein sinnvolles Einsatzgebiet fürs Laptop-Innenohr: man kann neuerdings per Klopfzeichen mit dem Gerät kommunizieren. Es ist nun nur noch eine Frage von Minuten, bis jemand den Treiber aufbohrt und Laptops komplett Klopfwitz-fähig werden. Endlose Freude ist garantiert: "Poch-Poch" – "Wer da?" – "Kunde" – "Kunde wer?" – "Kunde Festplatte ma abschalten, bitte?"


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