Riesenmaschine

26.01.2007 | 12:10 | Alles wird besser | Papierrascheln

Vom mechanischen Verhalten biomedizinischer Substanzen


Biomedizinische Substanz mit spitzen Noppen und Sexualorganen.
Es ist ja immer ein bisschen aufregend, wenn etwas Neues in die Welt kommt. Ob dem bebenden Berg eine Maus entkraucht oder dem Schaum oder dem Gotteskopf ein nacktes Weib, ob das Chaos einen tanzenden Stern oder der Autor eine kitschige Metapher gebiert, immer guckt man sich das neue Gebilde ein bisschen neugierig und interessiert an und sagt herzlich Dutzidutzi, denn man kann einfach nicht anders. So geht es uns auch beim grade aus der Taufe gehobenen Journal of the Mechanical Behavior of Biomedical Materials, dessen Titel Hoffnung macht, hier werde endlich an einem ordentlichen Wissenschaftsporno gearbeitet, bei dem dem Zuschauer nicht der Kopf einschläft. Die Ankündigung, sich mit "deformation, damage and failure" der "biological materials" befassen zu wollen, klingt zwar ein bisschen nach einem Nischentitel, aber man ist auch offen für "emerging experimental and theoretical techniques". Dutzidutzi. Wir können es kaum erwarten.


26.01.2007 | 05:35 | Anderswo | Alles wird besser | Zeichen und Wunder

Das Ü ist da


See Ü
Die Presse feierte die Überraschung auf den ersten Seiten, die Stimmen der Reporter an der Protokollstrecke überschlugen sich, und Fähnchen schwingende Pekinger sangen mit Tränen in den Augen das alte chinesische Volkslied von den drü Chünüsün müt düm Küntrübüss. Das stimmt zwar alles gar nicht. Wahr aber ist: Nach seinem Siegeszug durch den angelsächsischen Sprachraum ist in dieser Woche das Ü in China angekommen. Es kam auf recht leisen Sohlen, auf einem Plakat von The Gate, einer Shopping-Mall in der Zhong Guan Cui-Ecke Pekings, auch bekannt als das Silicon Valley Chinas. Dafür steht der deutsch-türkische Umlaut überflüssiger als je in der Gegend. Jetzt wartet hier alles gespannt auf die Ankunft des Ä und Ö. Nur auf das SZ ist keiner scharf.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Gute Nacht, Ümlaut

Christian Y. Schmidt | Dauerhafter Link | Kommentare (8)


25.01.2007 | 19:55 | Alles wird besser

Rumspielen im Hirn


Bild: Laboratory of Brain and Cognition
Dass Forscher jetzt das Altruismus-Zentrum im Gehirn gefunden haben, ist grundsätzlich positiv zu bewerten. Was man mit dieser Erkenntnis anfangen soll, weiss man zwar noch nicht so ganz genau, sicher ist aber, dass es generell gut wäre wenn dieses Zentrum sich nicht nur finden, sondern auch irgendwie aktivieren liesse. Möglicherweise funktioniert das mit derselben Technik, mit der kürzlich ein herunterladbares Geräusch gebastelt wurde, das den Effekt von Kaffee simulieren soll. Das geht, so der Erfinder, weil das Geräusch eine bestimmte Art von Hirnwellen erzeugt, die denen nach dem Morgenkaffee ähnlich sein sollen. Warum also nicht Altruismus-Sound? Einen Versuch wäre es wert.

Sollte das allerdings nicht klappen, haben andere Forscher das passende Tool zur Hand: Ein Kabel nämlich, das aus Nervenfasern quasi von selbst wächst. Eigentlich ist es dazu da, Gehirn und Prothesen zu verlinken, damit die nicht immer blöd rumhängen, sondern sich tatsächlich bewegen lassen. Um diese Linkkabel sind Proteine gewickelt, warum, weiss kein Mensch, und sie sind technisch so sophisticated, dass es eigentlich auch gelingen sollte, sie irgendwie aus dem Hirn herauszuführen und einen USB-Anschluss dranzubauen. Womit sich dann Altruismus bzw. Kaffee direkt ins Hirn downloaden liessen. Was Umwege wie Moral und Kaffeetassen erspart.


25.01.2007 | 14:07 | Alles wird besser | Was fehlt

Einschienenindividualverkehr

Die Zukunft steht praktisch schon vor der Tür, sie sucht nur noch die Klingel, und wenn sie da ist, werden wir dank Materiecompilern und Second Life unsere Wohnungen nur noch zur staatlich verordneten Fortpflanzung verlassen müssen, es ist dann ja ohnehin viel zu warm da draussen. Sollten wir das aber tun, werden wir unsere Sprungfederstiefel, unser anschnallbares Stahltriebwerk oder unser Skycar nutzen, Autos, Busse und Strassenbahnen wird niemand mehr benötigen. Doch Obacht, zuständige städtische Planungsreferate, macht nicht den Fehler, alle Strassenbahnschienen einfach rauszureissen. Auf denen wollen wir nämlich an den besonderen Draussen-Feiertagen mit unseren fahrenden Kissen, Trailboards, Kristallen, Polygonstühlen und den anderen Dingen von den Hehe-Leuten herumcruisen und von einer noch besseren Zukunft träumen. (via Boing Boing)


25.01.2007 | 05:21 | Nachtleuchtendes | Fakten und Figuren

Getretener Pentaquark


Süsse Teilchenphysik: Aprikonen in einer Pentaquarkmatrix.
(Foto: kochtopf)
Man darf der Physik nicht böse sein. Zwar hat ihre Ausübung über die Jahrhunderte Atombomben und Handys ermöglicht, aber auch das Internet und Wasserpistolen, und im Ganzen gleichen sich die Vor- und Nachteile aus, und die Wissenschaft von den Sachen und ihren Erlebnissen ist nutzneutral. Ganz genauso verhält es sich zufällig mit Materie und Antimaterie im Universum, Prozesse, die die eine erzeugen, erzeugen in den allermeisten Fällen auch die andere, und selbst wo das nicht so ist, weil mutwillig eine Symmetriebrechung verübt wird, gibt es keine Präferenz für die gute oder die böse Materie in den Modellen der Physik. Warum also gibt es mehr von der einen, und weniger von der anderen da draussen?

Diese Frage ist der Kern einer bislang unspaltbar harten Nuss, aber jetzt gibt es endlich eine Antwort. Einige Physiker folgten Eisenhowers Tipp, unlösbare Probleme einfach zu vergrössern, und bauten sich eine Theorie, die nicht nur das Fehlen der Antimaterie entschuldigt, sondern auch gleich noch erklärt, wo die ebenfalls sehr rätselhafte und noch nirgendwo direkt beobachtete dunkle Materie herkommen könnte. Die Antwort ist natürlich unbegreiflich und enthält so herrliche Dinge wie Baryogenese, Pentaquarks und Sphaleronen, was so grossartig klingt, dass sie eigentlich nur falsch sein kann. Und also, dem Bohr-Prinzip zufolge, wahr sein muss. Sphaleronen und Pentaquarks! Wer hätte das gedacht.


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Plus: 21, 35, 37, 45, 55, 87, 135, 153
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