Riesenmaschine

02.02.2007 | 02:30 | Essen und Essenzielles

Tubenverehrung

Die Briten sind die Könige des Fertigessens, was vielleicht, wie ihr ungebrochener Hang, für Sternenkunde viel Geld auszugeben, etwas mit Insellage und daraus folgender Seefahrt zu tun hat, wie sich ja überhaupt fast alles mit Geographie erklären lässt. Es verwundert daher kaum, dass ausgerechnet in England die Tube und in ihrem Innern die Paste weiterhin ein hohes Ansehen geniesst. So bietet Kavli seit einigen Jahren diverse Käsevarianten, unter anderem "Cheese and Ham" und "Cheese and Prawns" in Tubenform an. Tubenkäse spart nicht nur das verschmierte Messer, sondern auch notfalls das Brot, beides im Käsekonsum ansonsten unerlässliche Hilfsutensilien. Zudem erlaubt nur die Tube die Käsezufuhr auch unter Wasser und bei halbseitiger Lähmung, und ist auf diese Weise sowohl der Scheibe als auch dem Quader deutlich überlegen. Das Käsebeispiel zeigt die unerreichbare Praktikabilität der Tuben-Pasten-Kombo. Komplett unverständlich, wie es geschehen konnte, dass die Technik ansonsten lediglich bei der Zahnreinigung und in der Raumfahrt populär ist. Frei zitiert nach John Lennon: You give me a fucking tube, I'll get you something out of it.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Europa: Sieger im Schnellkochen


01.02.2007 | 18:00 | Fakten und Figuren | Zeichen und Wunder

Die Wahrscheinlichkeit der Formel

Wenn es mit ernsthaften Problemen in der Wissenschaft, z.B. der Suche nach der Weltformel, mal nicht vorwärts geht, kann man sich mit kurzweiligeren Problemen auseinandersetzen, z.B. der Suche nach der Weltformel, die sich in der Tageszeitung unterbringen lässt. Für jedes Problem lässt sich ein Wissenschaftler auftreiben, dessen Prokrastinationsneigung gerade gross genug ist, um eine Theorie zu einer Beliebigkeit aufzustellen, die weder Statistik oder Algebra jenseits der 10. Klasse erfordert, unabhängig von der Komplexität des Problems.


They are scientists. (Foto: jurvetson) (Lizenz)
Nachrichten der geheimen Formel für den gewinnmaximierten Hollywood-Film geisterten gerade durch die Medien, für Horrorfilme ist die Wahrheit bereits ans Licht gedrungen. Über derartige Profanitäten werden ernsthaft bummelnde Forscher aber nur müde hinwegklicken, kann man sich doch um Liebe, Eheglück, bzw. das allgemeine Glück kümmern. Trotz der Durchsichtigkeit des Schemas hat es aber eine ganze Weile gedauert, bis endlich eine Theorie zur Prokrastination erschien.

Die Erscheinungswahrscheinlichkeit einer Formel E lässt sich übrigens gut aus der Gemeinplatzigkeit des Begriffs G, dem Prokrastinationpotential in der Wissenschaft P und der allgemeinen Nachrichtenlage im Wissenschaftsteil N mit E = G *P/N approximieren, wie jemandem, der einen US-Mathematiker kennt, heute unter der Dusche eingefallen ist.


01.02.2007 | 10:39 | Anderswo | Supertiere

Albern, aber aktuell


Intelligente Ente in Myanmar, kein Huhn
Das klügste Huhn der Welt, so meldet heute China Daily, heisst Guai Guai und wohnt zufälligerweise in der Yirenbao-Stadt Shenyang. Es kann rechnen, erkennt die Namen von Autos, Früchten sowie Tieren, und küsst seine Besitzerin, Frau Li. Die hatte das hochbegabte Tier rein zufällig auf dem Markt gekauft. Als es dann ein Geldstück aufhob und zurückbrachte, erkannte Frau Li seine Intelligenz und begann es zu unterrichten. Nach nur fünf Tagen konnte Guai Guai bereits lesen, und zwar die Buchstaben A, B, C und D.

Nun behaupten Tierexperten, Frau Lis Huhn sei gar nicht so schlau, wie es die ganze Zeit tut. Das Rechnen zum Beispiel sei kein echtes Rechnen, sondern lediglich ein bedingter Reflex. Das klingt missgünstig, doch anscheinend haben die Experten Recht. Wäre Guai Guai nämlich wirklich clever, hätte es das Geld behalten und auf die hohe Kante gelegt, um später mal die hohen chinesischen Studiengebühren zahlen zu können. So aber wird es sicher nichts mit dem Chicken Master oder dem Professor Doktor Huhn.

Christian Y. Schmidt | Dauerhafter Link | Kommentare (4)


01.02.2007 | 03:34 | Nachtleuchtendes | Essen und Essenzielles

Opas Haftpulver und die zeitgenössische Kunst


(Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Was die Liste der circa 100 ausstellenden Künstler angeht, hüllt sich der künstlerische Leiter der documenta 12, Roger M. Bürgel, in fortgesetztes Schweigen. Als Zugeständnis ans Publikum liess er sich vor geraumer Zeit die Namen der beiden ersten und der beiden letzten im Alphabet entlocken, und diesem Umstand ist es zu verdanken, dass wir, nicht zuletzt dank der Riesenmaschine, wissen, dass Molekularkoch Ferran Adrià dazuzählt, während zumindest die im Künstlerlexikon gelisteten bildenden Künstler zwischen Magdalena Abakanowicz und Jankel Adler traurige Gewissheit haben, dies nicht zu tun, vielleicht.

Das Innovative an Adriàs Molekularküche ist, dass sie physikalische und chemische Prozesse bei der Zubereitung von Speisen und Getränken verwendet, die irgendwie am Aggregatzustand einzelner Produkte drehen. Adrià selbst unterteilt seine Experimente in drei Klassen: sferificación, gelificación und emulsificación. Das bleibt natürlich nicht unkopiert, und selbst in den entlegensten Provinzkoch- und Volkshochschulen halten Molekularkochkurse inzwischen Einzug.


(Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Am bekanntesten ist wohl der sphärifizierte Melonenkaviar, bei dem der mit einem speziellen Pülverchen vermischte Melonensaft mittels spezieller Spritze ins mit einem anderem speziellen Pülverchen versetzte Kochwasser geträufelt wird, worauf die Oberfläche sofort abbindet und kaviarähnliche, innen noch flüssige Kügelchen entstehen. Will man das als Privatperson nachmachen, kann man entweder für teuer Geld Adriàs Original-texturas und -Werkzeuge bestellen, oder man geht in die Apotheke und besorgt sich für sehr viel weniger Geld Calciumchlorid-Dihydrat, eine Einwegspritze und eine Packung Protefix Haftpulver für die Dritten, das zu 100% aus dem beim Maitre "ALGIN" genannten Natriumalginat besteht.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Wer im Glashaus schwitzt


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