Riesenmaschine

26.04.2007 | 05:04 | Alles wird schlechter | Vermutungen über die Welt

Die Krankheit der Massen


Was kommt als Nächstes, anonym über Regierungen abstimmen? (Foto: hjl, Lizenz)
Drüben in der ausländischen Blogo-Ecke reden gerade alle wild durcheinander, weil Whoissick.org ans Licht der Öffentlichkeit getreten ist. Who-Is-Sick ist eine unglaublich geistreiche Erfindung, mit der man zum Beispiel erfahren kann, dass es in Göttingen im Moment drei anonyme Menschen mit Kopfschmerz, aber nur einen mit Magenschmerzen (Klein-Lengden) gibt. Das kann sich natürlich praktisch jederzeit ändern, Magenschmerzen gehen ja manchmal ganz plötzlich vorbei, zum Beispiel auf dem Klo. Das Theater fing wohl damit an, dass Boingboing am Dienstag manisch-aufgeregt herumpostulierte, es handele sich bei der Kopfschmerz-Spielerei um ein valides wissenschaftliches Instrument zur Epidemiologie. Medgadget, seit langem das Kompetenzzentrum in Sachen Medizin in Bloggy Nation, kann das so nicht stehenlassen, und sieht Who-Is-Sick stattdessen als offene Einladung an Hypochonder, ihre einfältigen Symptome publik zu machen. Das ist wohl eine komplett richtige (obschon der Selbstdarstellung der Schnupfen-Masher widersprechende) Feststellung, die nur zwei Gegenargumente zulässt: Welcher Hypochonder möchte schon anonym bleiben? Und selbst wenn, eine Landkarte der Hypochondrie, warum nicht? And there it goes, hin und her, Kopfschmerz, Durchfall und Cholera, es ist nicht schön, wie so oft, wenn es um Krankheiten geht. Und irgendwo in den Kommentarschlünden oder auch in der kongenialen Diskussion über die Abstimmung über Verbrechen in Grossstädten schlummert hier die fundamentale, jedoch leicht zu beantwortende Frage, wie weise die usergenerierte Weisheit der Masse schon sein kann, wenn man sie zum Beispiel durch ein Google-Öhr zwängt. Oh, da, eine laufende Nase in Kassel.

Aleks Scholz | Dauerhafter Link


25.04.2007 | 20:13 | Berlin | Alles wird schlechter

Neue Höflichkeit – Rückrufaktion

Die Graffitivermeidungstechnik "Neue Höflichkeit" (links im Bild), über die wir im Sommer 2005 berichteten, ist, wie sich (rechts im Bild, aktueller Zustand der Mietsache) herausgestellt hat, leider defekt. Wir bedauern aufrichtig die Unannehmlichkeiten, die manchem Leser durch unsere Berichterstattung entstanden sein mögen, bitten aber um Verständnis. Wer stets von der vordersten Front des Fortschritts berichtet, kann nicht immer zwei Jahre abwarten, ob sich ein neues Verfahren in der Praxis bewährt. Dass sich das Klingelschild deutlich tagfreier darstellt als zum Zeitpunkt unserer ersten Veröffentlichung, macht weitere Untersuchungen erforderlich, von deren Ergebnissen wir in aller gebotenen Voreiligkeit berichten werden.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Neuer Trend zur Höflichkeit


25.04.2007 | 12:29 | Berlin | In eigener Sache

Berlin Bunny Lectures Vol. 25

Endlich ist es soweit, am jetzt kommenden Freitag um 20 Uhr werden wir (Supatop- und das Hilfscheckerbunny) die heitere Performance-Bühne des nbi betreten und uns dort mit dem wichtigsten Thema der heutigen Zeit auseinandersetzen: Mit Kunst – pro und contra! Dabei stehen uns klugen Bunnies drei schillernde Vertreter aus der internationalen Kunst und Karikaturszene zur Seite: F.W. Bernstein wird über Karikaturen sprechen und noch über so allerlei! Helge Flemming wird über "erfolglose Künstler" sprechen und darüber wie man mit Bilderrahmen Geld verdient! Und Daniel Richter wird Fragen zum Thema "erfolgreicher Künstler" beantworten und dafür sorgen, dass viele gut aussehende Kunststudentinnen im Publikum sitzen!

Ausserdem werden unsere singenden Musen, FIL, Jens Friebe und Swingin' Cäsar, ein paar schöne Kunstlieder und Avantgardistische Popsongs betragen! Worauf wartet ihr noch? Lasst Eure Pinsel und Sprühdosen fallen und kommt vorbei!


25.04.2007 | 01:08 | Anderswo | Nachtleuchtendes

Leute, sie haben uns


What a bloody disgusting planet (Credit: E. De Jong and S. Suzuki, JPL, NASA)
Wie wir in diesem Moment erfahren, haben sie uns jetzt. Sie – die Bewohner von, wie sie es nennen, Planet Erde, nach unseren Studien ein Fels-Wasser-Derivat, etwa zwei Drittel so gross wie unser Planet, den sie idiotischerweise Gliese 581c nennen. Es war irgendwann auch nur noch eine Frage der Zeit. Immerhin sind sie nur 20 Lichtjahre weg und jede mittelgute Zivilisation kommt irgendwann auf die Idee, Dopplerverschiebungen von Sternen zu messen, und so Planeten zu finden. Sie waren relativ schnell, 12 Jahre nur von der ersten Planetenentdeckung 1995 (was die Leute auf 51 Peg ganz schön verwirrt hat) bis zur Entdeckung unseres "habitablen" Planeten. "Habitabel" nennen sie es, ha, wenn sie wüssten, was man alles habitabilisieren kann, wenn man nur will. Aber jetzt sind sie ganz aufgeregt, weil es bei uns genauso warm ist wie bei ihnen, und das, obwohl wir gerade unter globaler Erkältung leiden. Nach unseren Erfahrungen wird es jetzt nur noch ein paar Jahre dauern, bis sie unsere Atmosphäre finden, dann unser Meer, dann unser Radio hören und schliesslich Pläne schmieden, unsere kargen Sandvorräte zu rauben. Verdammt, ausgerechnet jetzt, wo wir kurz davor stehen, herauszufinden, wie man Diamanten in dieses preiswerte schwarze Heizmaterial umwandelt.


24.04.2007 | 11:44 | Berlin | Anderswo | Zeichen und Wunder

Ewige Jugend in Peking


Die Jugend wird immer älter, aber nicht unbeweglicher
Was kann man eigentlich daraus schliessen, wenn eine Bandikone des 20. Jahrhunderts in der mutmasslichen Hauptstadt des 21. Jahrhunderts auftritt, diese Band immer noch Sonic Youth heisst, ihre Mitglieder aber einen Altersdurchschnitt von genau 49 Jahren haben, und einem durchschnittlich 35 Jahre alten Publikum, das es sich leisten kann 35 Euro Eintritt zu zahlen, was ungefähr dem Monatsgehalt einer Pekinger Kellnerin entspricht, "Teenage Riot" vorspielen? Wahrscheinlich gar nichts, weil zu viele Variablen. Genauso unmöglich ist es im Moment noch zu bestimmen, ob Peking bereits Berlin voraus ist, was Auftrittstermine internationaler Bands angeht, oder immer noch zurück. Wer den gestrigen, übrigens sehr, sehr guten Auftritt von Sonic Youth im Pekinger Star Live Club verpasst hat, muss bis zum 27. Juni warten, bis er die Band in der Columbiahalle sehen kann. Oder er war im Dezember letzten Jahres da.

Christian Y. Schmidt | Dauerhafter Link | Kommentare (2)


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