Riesenmaschine

11.12.2007 | 19:22 | Alles wird besser

Luftkampf

Japan! Heute schon vorbereitet auf den unvermeidlichen Kampf mit den Ausserirdischen, die man natürlich nur mit unkonventionellen Mitteln bekämpfen kann. Weil sie komplett anders funktionieren als wir, ist das, was für uns Gammastrahlen sind, für sie, sagen wir, Luft. Weswegen die Japaner vor wenigen Tagen eine gigantische Luftkanone entwickelt haben. Das Video beweist, dass man mit einer solchen Wunderwaffe eine Kerze auf 21 Meter Entfernung ausblasen kann. Nun ist eine Kerze kein Ausserirdischer, so dumm sind auch Japaner nicht. Daher testen sie nur wenige Tage später die Luftkanone an einem Schimpansen, wie man seit der Dokumentarserie Planet der Affen weiss, die beste Approximation für Aliens. Und tatsächlich: Wenn man ihn mit Luft bombardiert, reisst der Ausserirdische verängstigt aus und gibt dabei das Affenäquivalent zu "what the fuck" von sich (auf japanisch).

(via Technovelgy)


11.12.2007 | 02:08 | Berlin | Alles wird schlechter | Essen und Essenzielles

Das offizielle Ende einer besseren Welt

Erst vor wenigen Wochen betitelte die FASZ in einem Artikel das immer stärkere Aufkommen der Lohas, gesund lebenden und korrekt konsumierenden Menschen, als eine Bionadisierung der Gesellschaft. Dabei schlingert aktuell ausgerechnet das Trendflaggschiff in eine Glaubwürdigkeitskrise. Die Abfüllung in Plastikflaschen, die unsmoothe Klage gegen Plus, die Bigger-Than-Jesus-Kampagne, der Einzug ins McDonald's-Portfolio – alles zusammen war einfach zu viel für Bionade: Wurde die pseudogutmenschenhafte Microsite stille-taten.de noch lediglich mit Nichtachtung gestraft, regt sich nun offener Widerstand, wie das obenstehende Bild, aufgenommen in der Neuköllner Hobrechtstrasse, zeigt. Das Design folgt dabei den Regeln der Cute Culture, erst beim zweiten Hinsehen wird man der Dollar- bzw. McDonald's-Zeichen in den Augen der kleinen Figuren gewahr, Kapitalismuskritik mit menschlichem Antlitz, so weit sind wir inzwischen immerhin schon. Dennoch, Kritik ist Kritik, und in einer mittelsteilen Analogie erklären wir hiermit Bionade zum Google des Getränkesektors, was für die Bionade-Leute ja irgendwie nicht die allerschlechteste Variante sein dürfte.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Me-Too-Nade


09.12.2007 | 18:35 | Nachtleuchtendes | Fakten und Figuren

Die nackte Eichel von Kecksburg


Quelle
Der Dezember 1965 war ein seltsamer Monat. Erst veröffentlichten die Beatles We can work it out mit der B-Seite Day Tripper (warum?), dann kam plötzlich Weihnachten, und dazwischen, am 9. Dezember, heute vor exakt 42 Jahren, wurde auch noch ein UFO gesichtet. Es tarnte sich als Meteorit, flog irgendwie über die Wälder von Pennsylvania, um dann über den Erie-See hinweg nach Kanada zu verschwinden. So jedenfalls die wissenschaftliche Erklärung, die sich knapp vierzig Jahre lang einigermassen hielt.

Fairerweise muss man sagen, dass das nicht alle glaubten, speziell nicht die Menschen in Kecksburg/PA, das gern so wie Roswell sein würde, nämlich berühmt. Deshalb stürzte das UFO bei ihnen in ein paar Bäume und wurde von NASA bzw. Militär bzw. bösen Mächten so irre konspirativ weggeschafft, dass es dabei gründlich beobachtet werden konnte. Das UFO sieht natürlich aus, man ahnt es, wie eine sehr sehr grosse Eichel. Die Konsequenz: Die Journalistin Leslie Kean und ihre Coalition for Freedom of Information verklagen im Jahr 2003 die NASA: Sie soll endlich die Eichel herausrücken.

Fuck it, sagt sich die NASA, und wirft einfach noch eine dritte Theorie unters Volk: Das UFO könnte doch auch einwandfrei Teil eines Satelliten sein, und zwar der russischen Sonde Cosmos 96, die vorher tragisch explodiert war. Dies allerdings ist unmöglich, wie NASA-Verantwortliche bereits zwei Jahre früher bekanntgaben. Verwirrend? Vielleicht! Folgerichtig verkündete Kean unter Berufung auf dieses Statement: The Cosmos 96 question is settled once and for all. Wenn aber die Cosmos-96-Frage erledigt ist, und die UFO-Antwort Quatsch ist, wohingegen die Meteorit-Sache komplett plausibel ist, welche Frage ist genau noch offen? Genau das ist jetzt nicht mehr Keans Problem, sondern das der NASA, die nach vier Jahren Gerichtsverfahren jetzt verdonnert wurde, alle Akten herauszurücken. Aber, hey, die NASA hat Menschen zum Mond gebracht, sie wird es also wohl auch schaffen, ein schon lange gelöstes Geheimnis aufzuklären.


09.12.2007 | 02:25 | Alles wird besser | Sachen anziehen

Der neue Twingo

Der neue Renault Twingo ist da. Hier ein zufällig aufgenommener Schnappschuss eines Erlkönigs in der Berliner Torstrasse. Der alte Twingo, bekannt als rollendes Kindchenschema, galt hausintern als Problemfall: viel gemocht, von einigen sogar heiss geliebt, von der Masse aber wenig gekauft. Eine Renovierung des 1993 eingeführten niedlich dreinblickenden Kleinwagens nach dem Vorbild von VW-Käfer oder Mini war überfällig. Nur wie vorgehen? "Die eine Hälfte der Firma wollte wieder ein mystisches Auto machen, die andere warnte davor. Wir ruderten im Zickzack und waren dabei, uns selbst abzuschiessen," so Renault-Chefdesigner Patric Le Quément in brandeins. Letztlich habe sich aber die Erkenntnis durchgesetzt, dass gerade junge Menschen ein Auto suchen, mit dem sie als Erwachsene ernst genommen werden. Man entschied sich deshalb für einen radikalen Neuanfang und ging volles Risiko: die vertraute Niedlichkeit wurde restlos aufgegeben zugunsten einer insgesamt bulligeren Erscheinung mit kantiger Linienführung. Akzentuiert wird dieser neue Charakter durch martialisch wirkende Details wie den Raupenantrieb und einen hydraulischen Heckspoiler, der bei 30 Stundenkilometern automatisch ausfährt. An den alten Twingo erinnert nur noch der Name, den abzuändern schlicht zu teuer gewesen wäre. Autojournalisten weltweit begrüssen den mutigen Schritt von Renault, bemängeln aber die insgesamt unausgewogenen Proportionen des Fahrzeugs: Das ausladende Chassis wirke im Verhältnis zum schmalspurigen Kettenfahrwerk doch ein wenig überfrachtet.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Poesie und Alltag


08.12.2007 | 07:13 | Nachtleuchtendes

Schutzverdunkelung


Sehr sympathisch: Florian Silbereisen für ein besseres Klima im Dunkeln verschwunden.
Der Klimaschutz trägt nachweislich religiöse Züge: es gibt Klimapäpste (Al Gore), es gibt ein Weltuntergangs- und Höllenszenario (die Klimakatastrophe), eine Erbsündenlehre ("die Menschheit ist schuld") und eine Erlösungslehre: Wenn sich alle nur schön brav bekehren und ihre Umweltsünden abbüssen und ein nunmehr sündenfreies Leben leben, werden wir noch gerettet. Es fehlen auch nicht die gutmenschlichen Gesichter dazu, die klimafrommes Überzeugtsein dokumentieren und Pilgerpfade zum Ziele säumen, wie jetzt die neue Büsseraktion "Licht aus! Für unser Klima." Überzeugt am Ausschaltknopf und auf der Seite der Guten: Jeanette Biedermann, Frank Elstner, Marie-Luise Marjan, die Pfarrerin des Berliner Doms, das Brandenburger Tor, (wo ist Oberausschalter Peter Lustig?). Und dazu Google, das mit einer nun verfinsterten Startseite schon vorsorglich unsere Bildschirme ausgeknipst und sich unsichtbar gemacht hat. Alle Lampadinen und Stromverbraucher aus, bis auf den Fernsehbildschirm als Notbeleuchtung natürlich, denn Pro 7 wird das Licht der Rechtschaffenheit in unser Dunkel bringen und live berichten von der luziden Verfinsterungsaktion. Wenn auf den Flughäfen auch noch die Positionslichter ausgelöscht werden, dann sind wir obendrein auch noch errettet von den klimazerstörenden Kerosinbombern in der Luft. Klimakatastrophe, geh weg, es ist niemand zu Hause.

Ruben Schneider | Dauerhafter Link | Kommentare (17)


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