Riesenmaschine

27.08.2005 | 03:46 | Fakten und Figuren | Vermutungen über die Welt

Der Kern des Ganzen


(Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)
Verstörende Nachrichten erreichen uns aus dem Inneren der Erde, einer überaus faszinierenden Gegend. Dort gibt es einen Kern (gut, das weiß man schon länger), bestehend aus schönem, solidem Eisen, was erstmal sehr beruhigend klingt. Dann aber heute die Hiobsbotschaft: Dieser feste Kern wiederum schwimmt in einer Blase aus flüssigem Eisen (einem sogenannten Stahlbad), und schlimmer noch: Er rotiert, und zwar schneller als der Rest der Erde. Man muss den Tatsachen ins Gesicht sehen: Wir leben auf einem gigantischen Power Ball, einem kugelförmigen Ding also, in dem eine kleinere schwere Kugel schnell rotiert. Irgendjemand, der sehr groß und vor allem außerordentlich kräftig sein muss, hat vor langer Zeit wohl die Erde benutzt, um seine Unterarme zu trainieren, und so den Eisenkern in Drehung versetzt. Man kann nur spekulieren, warum dieser Jemand die Lust an seinem Spielzeug verlor, aber wir alle sollten wohl froh darüber sein. Vielleicht übt er jetzt Diskuswerfen mit Spiralgalaxien.

Aleks Scholz | Dauerhafter Link


26.08.2005 | 02:52 | Sachen kaufen | Vermutungen über die Welt

Herzlichen Glückwunsch, Pong


(Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)
Endlich mal eine richtig cool aussehende Spielkonsole, denkt man sich, wenn man das Ding hier links sieht, bevor einem klar wird, dass es sich um den Atari Flashback 2 handelt, den man zumindest in den USA mittlerweile wohl auch kaufen kann. Der "neue" Flashback sieht ganz genauso aus wie der legendäre 2600, anders ausgedrückt wie ein 70er Jahre Kofferradio aus der DDR, und bietet zudem voll monochromatische Spiele wie "Missile Command", "Asteroids" oder "Breakout". Angesichts der Bewunderung, die jeder erwachsene zurechnungsfähige Mensch diesem Ding sofort entgegenbringt, wird unmittelbar klar, wie stark unser angeblich so abgeklärtes Koordinatensystem von trostlosen Milchpausen in der Grundschule beeinflusst ist. Die Großeltern können wenigstens noch von Nächten an der Flak schwärmen; uns dagegen bleibt nur eine hässliche Spielkonsole. Anlass der Neuauflage übrigens: Vor dreißig Jahren erscheint ein total kompliziertes Videospiel mit dem Namen "Arcade Pong".

Aleks Scholz | Dauerhafter Link


25.08.2005 | 07:34 | Alles wird besser | Sachen kaufen

Der dicke, grüne Steinschreiber


(Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)

Clint Eastwood wäre heute nicht Clint Eastwood, sondern entweder erhängt oder erschossen, hätte es nicht schon zu seiner Zeit Stifte gegeben, die auf Felsen schreiben konnten. Nur so war es ihm möglich, glaubhaft vorzutäuschen, dass er den Ort, an dem das Geld versteckt ist, auf einen Steinklumpen schreibt, was er selbstverständlich niemals wirklich tut. Während diese Superstifte im 19. Jahrhundert also offenbar zur Grundausstattung jedes verarmten Banditen gehörten, ist es heute gar nicht so einfach, auf Stein schreibende Stifte zu finden. Man mag einwenden, dass man mittlerweile vielleicht auch ohne ganz gut zurechtkommen kann; trotzdem freut man sich, wenn es den Klassiker unter den Steinschreibern, den Faber-Castell Multimark, jetzt auch in einer Jumbo-Version gibt. Für den harten Einsatz in der Hitze des amerikanischen Bürgerkriegs bietet der Multimark Jumbo zwei zusätzliche, vielleicht lebensrettende Features: Zum einen widersteht die Tinte auch starker Sonneneinstrahlung. Zum anderen kann man sie mit dem eingebauten Spezialradierer problemlos wieder entfernen – auch von Steinen – und so den nichtsahnenden Widersacher ziemlich raffiniert reinlegen.

Aleks Scholz | Dauerhafter Link


24.08.2005 | 03:22 | Anderswo | Supertiere

Big Brother


(Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)
Erschreckende Erkenntnis: Wildtiere sind keinesfalls scheu und ängstlich. Sie verkriechen sich auch nicht in ihren Höhlen, sobald man den Wald betritt, sondern beobachten alles ganz genau, um uns dann gerade so knapp nicht zu begegnen. Wenn man sich also erschrocken umdreht, weil da hinten doch ein Schatten und hat da nicht gerade ein Ast – dann völlig zu Recht, denn es handelt sich nicht um Paranoia, sondern um einen Grizzly oder so. Wir wissen das allerdings nur, weil Michael Quinn und sein Team den Spieß jetzt umgedreht haben, und zwar indem sie in irgendeinem Wald in den Rocky Mountains vierzig winzige Kameras an Bäume bauten, die mit Hilfe von Wärmedetektoren immer genau dann losfotografieren, wenn ein Elch, ein Hase, ein Angler, ein Puma, ein Liebespaar, ein Brillenbär, ein Nudist, ein Reh oder Koyote oder sonst was vorbeikommt. Nehmt das, Tiere! Privatsphäre und Geheimnistuerei, das könnt ihr jetzt vergessen! Wir lassen uns doch nicht von behaartem Zeug an der, ähm, Nase herumführen! (Ein weiteres überraschendes Resultat: Elche und Rehe mögen offenbar Kameras, die eitlen Dinger.)

Aleks Scholz | Dauerhafter Link


23.08.2005 | 04:04 | Sachen kaufen | Vermutungen über die Welt

Aufgeblasen


(Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)

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Deutschland wird nie so fröhlich und farbenfroh sein wie Amerika. Das liegt vor allem daran, dass man in Amerika immer noch Luftballonhersteller werden kann, wenn man nicht geschickt genug ist, um neue Planeten zu bauen. Die Folge: Jede, aber wirklich jede noch so perverse Phantasie kann im Laden um die Ecke als kilometerhohe, aufgeblasene Skulptur bestellt werden. Der Luftballon wird so zum integralen Bestandteil amerikanischer Optimismuskultur; er ist unverzichtbar bei Raketenstarts, Präsidentschaftswahlen, Kriegserklärungen. In Deutschland dagegen belächelt man den Luftballon immer noch als Kinderspielzeug; sein Potential als Macht- und Herrschaftsinstrument wird weitgehend ignoriert. Ballonhersteller wird man hierzulande, wenn man erst als Flohzirkusdirektor, dann als Straßenclown, schließlich auch noch als Webdesigner gescheitert ist, wie man klar und deutlich erkennen kann. Infolgedessen reichen die Ideen für neue Produkte so ungefähr von roten Herzen über Mickeymäuse und gelbe Herzen bishin zu Mickeymäusen und blauen Herzen – manchmal sogar so einen knappen Meter groß. Zum Glück muss man sich dieses kleingeistige und viel zu wenig aufgeblasene Elend nicht ansehen, weil die Webseiten dafür zu langsam sind.


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"Mojin - The Lost Legend", Wuershan (2015)

Plus: 14, 22, 33, 66, 69, 73, 80, 82, 94, 96
Minus: 15, 39, 46, 93, 102, 147, 195
Gesamt: 3 Punkte


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