Riesenmaschine

04.05.2007 | 13:54 | Anderswo | Alles wird besser | Vermutungen über die Welt

Die Zukunft der Freizeit


Sitting-Out Area, Hongkong

Sitting-Out kurz vor Toresschluss
Was werden wir, die Metropolenbewohner dieses Planeten, eigentlich zukünftig in unserer Freizeit machen? Uns selbst in der Pfeife rauchen, wie es der einstmals sehr bekannte Zukunftsforscher Björn Engholm wohl bis heute tut? Oder werden wir uns weiterhin den momentan beliebtesten Freizeitbeschäftigungen, Sex und Sport, hingeben? Wahrscheinlich keins von allen dreien. Wir werden draussen herumsitzen, in speziell dafür geschaffenen, stahlvergitterten Sitting-Out Areas, auf gefliesten Pollern unter Stadtautobahnbrücken, so wie man das schon heute in der Megametropole und Future City Hongkong tut. Für alle andere Aktivitäten ist zukünftig kein Platz. Wird dann abends um 23 Uhr der Herumsitzraum geschlossen – der von der Hongkonger Freizeit- und Kulturverwaltung übrigens unter Pleasure Grounds gelistet wird –, legen wir uns in einer Box schlafen, und träumen von hundert Kilometer langen Bänken, auf denen kein anderer sitzt, nur wir.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Die Zukunft von keine Arbeit

Christian Y. Schmidt | Dauerhafter Link | Kommentare (6)


27.04.2007 | 07:10 | Anderswo | Was fehlt | Zeichen und Wunder

Wofür?

Warum gibt es Plattentektonik nur auf der Erde? Wieso haben Joghurt-Gums ohne Fett trotzdem so viele Kalorien? Weshalb sind alle Führhunde kastriert? Das sind alles Fragewörter, die andere benutzen mögen. Wir fragen stattdessen: Wofür? Wofür steht zum Beispiel dieser Easy Cheque Deposit-Automat unter der Pacific Plaza in Hongkong, wo doch der Scheck dabei ist auszusterben? Nun, letzteres trifft zwar für Europa zu, aber nicht für Südostasien (inkl. Hongkong und Macao). Die haptisch orientierten Menschen hier misstrauen der abstrakten Überweisung, weshalb man in der Region Scheck -Deponierautomaten allenthalben findet. Bleiben noch: Was, Wozu, Wieso. Was also ist mit dem am Automaten aufgeklebten Taschenrechner? Gewiss, es ist ein stolzer Casio HS -8VE Two Way Power, der für den Preis von 3,99 USD vertrieben wird, aber wozu soll man ihn benutzen? Ausrechnen, um welchen Betrag man vom Scheck-Aussteller über den Tisch gezogen wurde? Mutters Telefonnummer eingeben? Nachschauen, wie spät es ist? Und wieso ist in den Rechner die Zahl 4.000 – schwer zu erkennen, aber wahr – bereits eingegeben? Wir wissen's nicht, aber wahrscheinlich ... Sie!

Christian Y. Schmidt | Dauerhafter Link | Kommentare (8)


24.04.2007 | 11:44 | Berlin | Anderswo | Zeichen und Wunder

Ewige Jugend in Peking


Die Jugend wird immer älter, aber nicht unbeweglicher
Was kann man eigentlich daraus schliessen, wenn eine Bandikone des 20. Jahrhunderts in der mutmasslichen Hauptstadt des 21. Jahrhunderts auftritt, diese Band immer noch Sonic Youth heisst, ihre Mitglieder aber einen Altersdurchschnitt von genau 49 Jahren haben, und einem durchschnittlich 35 Jahre alten Publikum, das es sich leisten kann 35 Euro Eintritt zu zahlen, was ungefähr dem Monatsgehalt einer Pekinger Kellnerin entspricht, "Teenage Riot" vorspielen? Wahrscheinlich gar nichts, weil zu viele Variablen. Genauso unmöglich ist es im Moment noch zu bestimmen, ob Peking bereits Berlin voraus ist, was Auftrittstermine internationaler Bands angeht, oder immer noch zurück. Wer den gestrigen, übrigens sehr, sehr guten Auftritt von Sonic Youth im Pekinger Star Live Club verpasst hat, muss bis zum 27. Juni warten, bis er die Band in der Columbiahalle sehen kann. Oder er war im Dezember letzten Jahres da.

Christian Y. Schmidt | Dauerhafter Link | Kommentare (2)


21.04.2007 | 12:56 | Anderswo | Alles wird besser | Vermutungen über die Welt

Konkrete Utopie


Bulgarien und Malta vertreten die EU

Voll besetzt und angereichert: Iran

Der letzte Vertreter der EU: Myanmar
Während die gerade zu Ende gehende Art Cologne sicher irgendwie zum Stand der Kunst in Deutschland Auskunft gegeben hat (liegt immer noch darnieder, liegt gar nicht mehr so darnieder, hat eigentlich nie darnieder gelegen), erfuhr man auf dem heutigen, von den ausländischen Vertretungen organisierten International Charity Bazaar Day in Peking doch einiges über die momentane Motiviertheit der internationalen politischen Szene. So hielten am reichlich verwaisten Stand der EU bereits zwei Stunden vor Ende der Veranstaltung nur noch Bulgarien und Malta die Stellung, während kaum zwanzig Meter weiter der Stand der islamischen Republik Iran immer noch voll besetzt war. Hier machte man mit allerlei islamisch-republikanischen Trödel gute Geschäfte. Die EU wurde ansonsten nur noch von einem kleinen burmesischen Jungen repräsentiert, der eine Basecap mit den EU-Sternen trug, dazu aber die Fahne des Schurkenstaates Myanmar schwenkte. An einigen anderen Ständen von Staaten, die hier nicht genannt werden sollen, liessen sich die Originalstaatsbürger des jeweiligen Landes durch ihre chinesischen Angestellten vertreten. Letztlich ist das gar keine schlechte Idee: Man könnte auch einfach die deutsche Kanzlerin und sämtliche Minister durch geschultes chinesisches Personal ersetzen; das fiele vielleicht am Anfang ein bisschen auf, käme aber auf die Dauer sehr viel billiger. Sind dann irgendwann alle Staatsoberhäupter dieser Welt Chinesen, verstünde man sich untereinander auch viel besser, die Kriege stürben aus und allen ginge es von nun an nur noch super.

Christian Y. Schmidt | Dauerhafter Link


16.04.2007 | 21:35 | Anderswo | Sachen anziehen | Listen

Weimar Dessau Hongkong


Bauhaus Hongkong, gleich neben Joy Division, China
Der international erfolgreichste, deutschstämmige Markenname ist mit an SgW Bauhaus. Eine europäische Baumarktkette mit Zentrale in der Schweiz nennt sich bereits seit mehr als vierzig Jahren so; interessanter Weise darf sie nicht den Untertitel "Home Store" führen, denn das wurde ihr vom amerikanischen Konkurrenten Home Depot verboten. Bauhaus aber kann jeder heissen: Eine britische Post-Punk- bzw. Prae-Gothik-Band, ein Polstermöbelhersteller im Nordosten Mississippis, eine amerikanische IT-Firma, ein Buchcafé in Seattle, eine Immobilienfirma in Montenegro.

In Hongkong trägt die vor Ort grösste Kette für Casual Wear den klaren deutschen Namen. Hier werden Hosen- und Kleiderstücke von berühmten Bauhaus-Designern wie Walter Levis', Mies Sixty oder Hannes Chip & Peppers verkauft, und zwar auch mit Hilfe eines internetbasierten Retail Management Systems (Net-RMS). So weiss man in der Bauhaus-Zentrale sofort, wenn in einer Filiale die Kandinskys aus sind. Der zweiterfolgreichste internationale deutsche Marke aber ist mit an ngSgW Bräu- bzw. Brauhaus. Am unpopulärsten scheint gegenwärtig Die Kochmützen zu sein. Dieser Name ist international nur einmal vergeben, und zwar an ein deutsches Restaurant in Peking. Wer einem Amerikaner auch nur einmal beim Versuch zugehört hat, den Namen auszusprechen, weiss auch ganz genau, warum.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Wiedergutmachungsbäckerei

Christian Y. Schmidt | Dauerhafter Link | Kommentare (1)


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