Riesenmaschine

29.03.2007 | 23:19 | Nachtleuchtendes | Alles wird besser

Ureysuppe (verbesserte Rezeptur)


Wenn das Leben da rausgekrochen kam, muss man sich dann noch wundern? (Foto: basak) (Lizenz)
Viele Produkte, die der Mensch sich in den Mund stecken und dann zu teigigem Brei zerkauen soll, haben Sternchen auf die Verpackungen draufgedruckt, in denen dann oft Sachen stehen wie "Neu! Jetzt mit Geschmack! oder "Neu! Jetzt! Total! Viel! Vitamin! C!" oder auch einfach nur Ausrufezeichen ganz ohne Text, der Kunde weiss dann schon. Man nennt das Werbung, und wenn man wittert, dass nur in den seltensten Fällen tatsächlich irgendwas Relevantes am Rezept geändert wurde, wird man schon recht haben.

Anders beim Conveniencefood Ursuppe. Die wurde 1953 erstmals unter grossem Bohei in Chicago gebraut, 1983 mit verbesserter Gasrezeptur dann nochmal. Aber wo sich 1953 noch schwupps Aminosäuren gebildet hatten, passierte 1983 gar nichts. Ha, riefen die Kreationisten, kein Schwupps gesehen, keine Evolution und triumphierten jahrzehntelang vor sich hin. Jetzt wurde das Rezept für Ursuppe nochmal verbessert – Neu! Jetzt mit noch mehr Eisen! – und die Aminosäuren sind zurück. Das heisst natürlich nicht, dass wir auch wirklich aus einem Teller Ursuppe gekrochen sind, damals, das ist nach wie vor nur eine Theorie (genauso wie die Sache mit den nach unten fallenden Dingen). Aber kaufen könnte man schon mal ein paar Dosen davon. Ausrufezeichen.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Urey lebt


28.03.2007 | 12:17 | Anderswo | Nachtleuchtendes

Gottesbeweise


Auch am Omegapunkt muss man erstmal einen Parkplatz finden. (Foto: Kai Schreiber)
Der durchgedrehte Physiker Frank Tipler behauptete vor einigen Jahren, einen Gottesbeweis vorlegen zu können, inklusive unser aller Unsterblichkeit. Sein Beweis lief im Wesentlichen darauf hinaus, dass in der Zukunft die Vergangenheit auf einem Emulator laufen wird, inklusive aller ihrer Bewohner, und wir also alle wiederkommen. Der Gedanke ist eng verwandt mit dem Argument Nick Bostroms, wonach wir alle nachweislich schon jetzt in einer Simulation leben. Er ist ausserdem natürlich fast vollkommen bescheuert und also wunderbar.

Etwas weniger, aber auch noch ziemlich bescheuert ist das auf diesem Foto abgebildete Interface eines Parkautomaten in Santa Cruz, in dem die Technologie der Gegenwart (mehrfarbige hochauflösende LCD-Flachbildschirme) die der Vergangenheit (eine einfache LCD-Anzeige, inklusive einer simulierten Plastikmaske drum) ohne sachliche Not emuliert und so mitleidig am Leben erhält. In fünfzig Jahren, wenn es virtuelle, riechbare 3D-Displays mit tastbaren Oberflächen geben wird, werden sie ohne Zweifel aussehen wie ein Casio-Taschenrechner, nach Fahrradöl stinken und sich anfühlen wie ein Abakus. Unsterbliche Vergangenheit, du bist Gott.


27.03.2007 | 11:32 | Supertiere | Fakten und Figuren

Sokratten


Sollte man so mit metakognitiven Sophonten umspringen? Wohl kaum. (Foto: mupwangle) (Lizenz)
In der Antike wusste man so manches nicht. Man wusste nicht, wie man aus Mais Chips macht, man wusste nicht, dass man Blei nicht trinken darf, aber immerhin ahnte man, dass man nichts wusste. Dieses Wissen um den eigenen unerfreulichen Geisteszustand nennt man bekanntlich Metakognition, und unser Wissen um die Metakognitionsfähigkeiten der Antike entsprechend Kilometakognition. Als Megakognition hingegen bezeichnet man die allerneueste Erkenntnis, dass sogar Wanderratten, von denen Sokrates nichts wusste, weil sie damals noch in China wohnten, die Metakognition beherrschen, und in der Lage sind, sich nur dann eine Frage stellen zu lassen, wenn sie auch die Antwort wissen. Nagetiere, eben.


26.03.2007 | 21:40 | Supertiere | Alles wird besser | Zeichen und Wunder

Von Fischen lernen heisst Fliegen lernen


Das erste Luftschiff, das mit dem Schwanz wedeln kann, wenn man es lobt. Wir loben das. (Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Fische können so Verschiedenes. Glotzen, zum Beispiel, Eierlegen und portionsweise auf reisessigsauren Reis gelegt können sie ganz lecker schmecken. Sie können ausserdem schwimmen, Wasser atmen – obwohl Wasser gar keine Luft ist – und sich Sachen hinter die Kiemen schieben. All das war Anlass genug für den Menschen, sich Flossen wachsen zu lassen oder jedenfalls im Tauchbedarf welche zu erwerben und mal schnorcheln zu gehen. Die meisten Menschen belassen es dabei. Wieder mal einen Schritt weiter als der Rest ist aber die Schweiz, wo man einen Gedanken, der für alle anderen völlig unsichtbar ist, konsequent zu Ende gedacht hat, und, was läge näher, ein Luftschiff gebaut hat, das wie eine Forelle durch die Luft schwimmt, mit Hilfe elektroaktiver Polymere in seiner Schwanzregion. Die Vorstellung hundert Meter langer Lustfische, Verzeihung, Luftfische mit Bierwerbung drauf ist natürlich für sich schon sehr schön, aber wenn jetzt noch jemand fliegende Reisbatzen erfände, das Glück über den Wolken wäre grenzenlos. Wir hoffen, Japan liest mit.


22.03.2007 | 15:17 | Alles wird besser | Was fehlt

Das Spock-Prinzip


Emotionaler Krüppel, Utilitarist, oder beides? (Foto: DreaSan) (Lizenz)
War es der Begründer des europäischen Utilitarismus Jeremy Bentham, oder einer seiner berühmtesten Verfechter, John Stuart Mill, der die philosophische Überlegung auf die knappe Formel brachte, wonach "das Wohl vieler wichtiger [ist] als das Wohl weniger, oder eines Einzelnen"? Nein, es war keiner der beiden, und auch Peter Singer war es nicht, sondern der emotional behinderte Mann mit den spitzen Ohren, eingeschlossen in einem Reaktorraum mit böser Strahlung, und kurz bevor er sein emotional behindertes Katra auf Dr. McCoy übertrug. Wie sich, Jahrzehnte nach der Verfilmung und Jahrhunderte vor der Ereignung, jetzt herausstellt, ist dieser Einfall der Autoren kein Zufall. Beschädigt man nämlich beim Menschen eine bestimmte präfrontale Gehirnregion, die für die Erzeugung sozialer Emotionen gebraucht wird, dann handeln diese beschädigten Menschen in moralischen Zwickmühlen plötzlich utilitaristisch. Sie stecken dann nicht wie der Rest von uns hysterisch wimmernd den Kopf unters Kissen, sondern sind zum Beispiel bereit, ein Leben zu opfern um mehrere andere zu retten. "Live long and prosper (on average)" eben.


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