Riesenmaschine

03.08.2006 | 03:08 | Supertiere

Im Walschuppen


Schüssel und Japan. (Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Wann immer Michel aus Lönneberga etwas ausgefressen hatte – zum Beispiel Suppe aus der guten Schüssel, in der er dann steckenblieb – wurde er in den Strafschuppen gesperrt, und schnitzte dort ein Holzmännchen. An diesem Schuppeninhalt also konnte Michel ablesen, wie oft er straffällig geworden war, was das Lönnebergaer Rechtswesen beträchtlich entlastet haben dürfte. Ähnlich, wenn auch ganz anders, verhält es sich mit dem Walfischen und Japan.

Der japanischen Erklärung nämlich, wieder mehr Wale fangen zu wollen – aus rein wissenschaftlichen Gründen natürlich, um die Altersstruktur der Bestände ermitteln, und nicht etwa um die Produktion von Waleis ankurbeln zu können – setzt nun, wie die Zeitschrift Nature morgen berichtet, der Forscher Peter Harrison aus Neuseeland ebenfalls Schuppen entgegen. Walhautschuppen, genauer gesagt, aus deren Telomerstruktur sich das Alter ebenfalls ermitteln liesse, ohne das Tier dafür totmachen zu müssen, wenn auch ungenauer. Aber das ungefähre Alter eines lebenden Wals sei besser als das genaue Alter eines toten Wals, argumentiert Harrison. Ob man aus dem ungefähren Alter lebender Wale auch Eiskrem machen kann, und ob man beim Ausfressen derselben dann in Schüssel steckenbleibt, erklären uns die Japaner dann demnächst.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Wer will Wale


02.08.2006 | 04:36 | Alles wird besser

Pochpoch


Ordentliche Gleichgewichtsorgane, aber zu wenig nackte Frauenwaden. (Originalfoto von AMagill.) (Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Nach der Einführung neuer Technologien dauert es üblicherweise ein Momentchen, bis sie tatsächlich zu irgendwas taugen. Von der Erfindung der Beine durch irgendein unförmiges Vorzeittier bis zum Einsatz der nackten Damenwade als Entscheidungshilfe in der Werbung zum Beispiel brauchte es skandalöse 1,5 Milliarden Jahre. Das ist zu lang.

Anderer Fall: seit ein paar Jahren gibt es Laptops, die eingebaute Beschleunigungsmessgeräte haben, vorgeblich entwickelt, um die Festplatte abzuschalten, wenn das Gerät runterfällt, tatsächlich aber, damit Laptops das Sensorsignal in Lichtschwertbrummen umwandeln können, zum Beispiel für diese Parodie des berühmten Star-Wars-Kids, mit Laptop statt Golfball-Aufheber. Das ist ähnlich unsinnig wie die Verwendung attraktiver Körperteile für sowas Profanes wie Rumlaufen.

Diesmal aber musste man nicht Milliarden von Jahren auf Erlösung warten, sondern es gibt schon jetzt ein sinnvolles Einsatzgebiet fürs Laptop-Innenohr: man kann neuerdings per Klopfzeichen mit dem Gerät kommunizieren. Es ist nun nur noch eine Frage von Minuten, bis jemand den Treiber aufbohrt und Laptops komplett Klopfwitz-fähig werden. Endlose Freude ist garantiert: "Poch-Poch" – "Wer da?" – "Kunde" – "Kunde wer?" – "Kunde Festplatte ma abschalten, bitte?"


29.07.2006 | 02:24 | Alles wird besser

Sumozart


Suma, a 45-year-old elephant and long-time resident of the Zagreb Zoo, was bereaved and inconsolable
Musik ist für so allerhand zu gebrauchen. Nachbarn ärgern, Aufzüge verpesten, Filme versauen, Reise nach Jerusalem, die Welt ist ein Open-Air Festival mit eitel Blasmusik. Man könnte sich seit einigen Jahren Musik sogar unterwegs anhören, wenn endlich mal jemand Kopfhörer dafür erfände. Und neuerdings erleichtert Musik auch Elefantentröstern ihre harte, deprimierende Arbeit, seit nämlich Elefantendame Suma durch Mozart über den Verlust ihres Elefantengatten hinweggetröstet wurde. Und von weniger Jobgejammer der Elefantentröster profitieren wir ja alle. Danke, Musik.


22.07.2006 | 18:50 | Vermutungen über die Welt

Die Evolution des Paul


Sexsymbol Riesengeldschein (Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
1990 wurden in Deutschland Zweihundertmarkscheine eingeführt, eine Stückelung, die wohl keiner zum Bezahlen brauchte. Der Zweck war indes ja auch ein anderer, wurde einem einer dieser Scheine gestohlen, erlangte der Dieb nämlich nicht nur Geld, sondern auch eine ordentliche Portion Ehrlichkeit und wurde durch also per negativem Feedback abgeschafft – ähnlich wie die Geweihgier der Hirschweiber zum Verschwinden des Mega-Hirsches Megaloceros führte, sorgte der Ehrlich-Transfer dafür, dass heute praktisch niemand mehr Zweihundertmarkscheine klaut. Und mit "ähnlich" ist hier gemeint, dass beides nicht stimmt.

Ehrlich ist mithin auf dem Vormarsch, und seit Rapaport mit seinem Tit for Tat-Algorithmus bewies, dass Altruisten die besseren Egoisten sind, werden ständig neue Erklärungen dafür präsentiert, warum Menschen sich zum Wohle anderer selbst schaden. Keine Erklärung aber hat die Wissenschaft dafür, dass jetzt kürzlich ein Fahrraddieb in Bayern seinem Opfer den Kaufpreis anonym erstattete, oder dass ein kroatischer Motorradraser sich per Netz selbst anzeigte. Jedenfalls behauptet sie, keine Erklärung zu haben, um sich so üppige Forschungsgelder zu erschwindeln – auf denen kein einziger Ehrlich mehr zu finden ist. Zufall?


21.07.2006 | 18:20 | Essen und Essenzielles

Ein Werkzeug der Chaosmächte


Auf dem Weg in die Negasphäre (Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Vor kurzem wurde in den Spalten der Maschine ein Getränk positiv präsentiert, das zu den infamsten Giftcocktails zählt, die die an Giftcocktails nicht eben arme nahrungsmittelchemische Industrie hervorgebracht hat. Aber nicht nur schmeckt Coca Cola Zero wie ein Plastiklutscher mit Chemieunfallaroma, es hat auch meuchlings die einzig erträgliche Alternative zu übersüssten, Diabetes auslösenden Säureplörren hinweggerafft. Coke C2 nämlich, das so heisst, weil nur die Hälfte des sonst üblichen Zuckerberges drin ist, wird zwar offiziell noch produziert, aber zumindest hier in Kalifornien nirgendwo mehr angeboten, weil die dunkle Null dem wehrlosen Vorgängergetränk mit den unschuldigen Kulleraugen Regalplatz und Kampagnenetats wegfrass.

Freilich ist auch das nur der Sieg des grösseren über das kleinere Übel, denn bei C2 wurde nicht nur Zucker weggelassen, sondern leider auch durch einen Süssstoffcocktail ersetzt. Der eigentliche und zentrale Scheissdreck ist ja nämlich die grundverkorkste Haltung, die mit den Nachteilen des Lasters auch seine Attraktivität abschafft und eine hohle Genussimitation übriglässt. Nahrungsmittel, die über die menschliche Evolutionsgeschichte hin im grossen Supermarkt der Natur meist ausverkauft waren, und auf deren Ergreifung das Hirn deshalb wonnige Preisgefühle auslobte, sind plötzlich im Überfluss zu haben. Der Feiertagsbraten mit Kompott verkommt per dieser Verfügbarkeit zum Hamburger mit Brause, und bekommt anschliessend die wegen Dauerkonsum schädlichen Glückssubstanzen auch noch ausgetrieben und durch Industrieabfälle ersetzt. Es führt der übermächtige Erfolg des Menschen, dem kalten Gestein süsses Manna sich abzupressen, zur pauschalen Abschaffung des Manna und zum täglichen Auskauen blossen Gerölls zur Vortäuschung des Genusses, den er sich zugleich gönnen und versagen zu müssen meint: die negative Dialektik des Schleckertriebs.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Die schwarze Null


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