15.12.2005 | 13:48 | Alles wird besser | Sachen anziehen
 Verblüffend: Kein Unterschied zu erkennen! (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)Wird die Hollywood angegliederte Hässliche-Entlein-Industrie (Brillen, Pferdeschwänze, Zahnspangen) schon bald nur noch ein Schatten ihrer selbst sein? Zu diesem Schluss kommt man, wenn man die Insignien der filmischen Blitzverhässlichung unter dem Blickwinkel des kosmetischen Fortschritts betrachtet. Die Brille als zentrales Verwandlungsmodul einer 16-jährigen Playmate-Granate zur verlachten Vogelscheuche ist schon länger überflüssig. Letztlich funktioniert sie wegen der Kontaktlinsenschwemme nur noch in Verbindung mit der Zahnspange, dem Zahnzepter aller hässlichen Entlein weltweit. Und genau dieser letzte Unterscheidungspunkt, der sich bisher stählern funkelnd seiner kieferorthopädischen Alternativlosigkeit bewusst zu sein schien, fällt nun lautlos in sich zusammen. Denn – Highschools der Welt, hört her – die unsichtbare Zahnspange ist erfunden. Von der erfindenden Firma Invisalign schamhaft klageabwendend (USA!) "nahezu unsichtbar" genannt, werden in einem komplizierten computergesteuerten Verfahren transparente Folienschichten so verklebt und verhärtet, dass sie über die Zähne gestülpt ihrer korrigierenden Tätigkeit ungesehen nachgehen können. In Hollywood bleibt damit zur Unterscheidung der schönsten und der hässlichsten Schülerin auf dem Abschlussball lediglich die Haarfrisur übrig, wie im richtigen Leben auch.
Dieser Beitrag ist ein Update zu: Zahntag und Pastenwahn
11.12.2005 | 17:17 | Berlin | Fakten und Figuren
 (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)Wahrheit in der Werbung ist eine gute und richtige Sache, die unterstützt werden sollte. Leider muss man an dieser Stelle die Createure (mit creativem C) der Werbelandschaften ein wenig bremsen, oder vielmehr lenken. Denn nicht jede Wahrheit sollte in der Werbung auch ausgesprochen werden. Ein verdeutlichendes Beispiel liegt bei. Es ist vollkommen korrekt, denn von den 149.000 Google-Treffern für "Dusch-WC" ist erst der 42. von der Firma Closomat, bedeutend besser steht übrigens der Cleanoseat da. Im Sinne der produktverbessernden Konkurrenzsituation ist auch begrüssenswert, dass nicht jedes Dusch-WC ein Closomat ist, wie dieses Plakat im Schaufenster eines Sanitärfachhandels in der bereits beschriebenen Falckensteinstrasse sagt. Ärgerlicherweise glänzt dieses Fachwissen um Dusch-WC-Marken nicht durch besondere Interessanz, um es vorsichtig auszudrücken.
09.12.2005 | 15:37 | Berlin | Was fehlt
 (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)Mit der Umbenennung von Strassennamen hat man in Berlin grosse Erfahrung. Im Wesentlichen kann man vier grössere Umbenennungswellen ausmachen, alle selbstredend im chaotischen 20. Jahrhundert angesiedelt, von dem sich allgemein viel zu selten distanziert wird. Die erste Umbenennungswelle kam kurz nach der grossen Eingemeindung von Berlin 1920, als hunderte Strassen in Berlin gleich hiessen, weil 40 Kilometer entfernte Dörfer jetzt eine Stadt waren und sich zuvor kaum um Namensoriginalität geschert hatten. Die zweite Welle wurde von den Nazis angeschoben, die alle Namen änderten, die jüdisch, kommunistisch oder irgendwie zweifelhaft erschienen. Nach dem Krieg wurde in einer dritten Welle vieles wieder zurückbenannt oder im Ostteil mit den Namen kommunistischer Ikonen und Ikönchen versehen. Was nach der Wende 1989 wiederum als unzeitgemäss und damit änderungswürdig empfunden wurde (Vierte Welle). Ein ausgesprochen schmuckes Beispiel (wenn auch die DDR-Rückumbenennung fehlt) ist die heutige Singerstrasse, die von 1748-1926 Grüner Weg hiess, ab 1926 Paul-Singer-Strasse genannt wurde, 1933 treffend in Brauner Weg umgenannt wurde, was verständlicherweise 1947 in der Sowjetischen Besatzungszone unpassend geworden war und man die Strasse teilrückbenamte in Singerstrasse. Zu finden sind diese und noch viel, viel mehr interessante Informationen im guten und richtigen Berlin Lexikon, besonders schön das historisch aufbereitete Strassennamenverzeichnis. Soviel zum geschichtlichen Teil, es folgt nun der farbig bebilderte heutige Teil, denn offenbar steht eine 5. Umbenennungswelle unmittelbar bevor, die den Regeln der Neuen Deutschen Rechtschreibung folgt. Das jüngst in Kreuzberg aufgenommene Foto beweist, dass die Falckensteinstrasse inzwischen ohne das altertümliche c nur noch mit k geschrieben wird. Wir wissen nicht, ob General Eduard Vogel von Falckenstein diese Umbenennung gutgeheissen hätte. Wir warten von nun an aber entzückt auf das erste Strassenschild mit dem Namen Qdamm.
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08.12.2005 | 12:50 | Berlin | Zeichen und Wunder
 Ein Teil von den The Strokes 2004 in Weston Park (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)Niemand soll behaupten können, es lohne sich nicht, die Riesenmaschine zu lesen. Heute nehmen wir Freunden der Stromgitarrenmusik den Wind aus den Beschwerdesegeln, indem wir einen total geheimen Geheimgig ankündigen. Bereits Mitte November kündigte die Band Geheimkonzerte zur Vorstellung des neuen Albums "First Impressions of Earth" an und begann eine Clubtour mit Auftritten in Tokio, Sydney, London, Paris, Amsterdam, Stockholm – und am Montag, den 12. Dezember in Berlin in der Maria am Ufer, An der Schillingbrücke. Kartenvorverkauf ist am Freitag vor Ort, wo es 350 Stück zu kaufen gibt, und zwar eine pro anwesender Person. Um Weiterverkäufe zu vermeiden und die Hysterie zu schüren, werden den Kartenkäufern bereits am Freitag Bändchen ums Handgelenk gebunden, die dann eben drei Tage dranbleiben müssen. Bleibt noch festzustellen, dass das Geheimkonzert wohl nicht so geheim ist, als dass es nicht auf der Website des Clubs regulär im Programm angekündigt wäre. Und auf der Website der Strokes unter Dates. Geheimkonzert, quo vadis?
07.12.2005 | 17:58 | Berlin | Sachen kaufen
 Das inzwischen abgerissene "Ahornblatt" (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)Die nichtironisch gemeinte Wendung "früher war alles besser" ist ja zum Glück weitgehend ausgestorben. Die dahinterliegende Haltung nicht, denn in der Regel handelt es sich um eine der beiden grossen -talgien (Nos, Os), also um Gefühle, die der Riesenmaschine fremd sind und spätestens mit Übernahme der Weltherrschaft abgeschafft werden. Die weinerlich-wehmütigen -talgien dürfen jedoch keinesfalls verwechselt werden mit einem vergangenheitsbezogenen Kulturinteresse, etwa für die beschriebene Ostmoderne. Elegant auf der Grenze zwischen beiden Ansätzen tänzeln die Zornigen Kinder entlang, ein Projekt, das Sofakissen zum Kulturmedium erhebt. Geschickt werden die oft genug in Hassliebe verbundenen Bereiche Architektur und Innenarchitektur miteinander verbunden, indem auf die Kissen stilisierte DDR-Gebäudemotive aufgebracht werden. Die Botschaft wird auch durch den Namen transportiert, es geht um die derzeit bauenden Architekten, die keinen Respekt gegenüber den Bauten ihrer Väter zeigen, sondern sie nach und nach für ihre eigenen Parkhäuser und Einkaufszentren verschwinden lassen. Hinter diesem Projekt steckt die Berlier Firma s.wert design und damit Sandra Siewert, Ingo Müller und Dirk Berger, die sich als architektonisch-kulturwissenschaftlich ausgebildetes Trio mit Ostarchitektur beschäftigen und auch ein Buch über den Fernsehturm als grafisches Symbol ("Von der Partei zur Party") herausgebracht haben. Bezugsadressen und Bestellmöglichkeit findet man hier, ebenso wie das hervorragende Motto der schönen Kissen: "Fassaden zum Kuscheln".
Dieser Beitrag ist ein Update zu: Ostmoderne.com
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IN DER RIESENMASCHINE
ORIENTIERUNG
SO GEHT'S:
- Hose vergessen, scheißegal!
- hydraulischer Mörtel
- Hospital for Sick Kids
- geheizte Mirabellen
SO NICHT:
- Autorität untergraben
- dubiose Handelsmarken
- beissender Gestank
- Samba-Slipper
AUTOMATISCHE KULTURKRITIK
"Waltz With Bashir", Ari Folman (2008)
Plus: 3, 6, 12, 23, 35, 37, 42, 45, 46, 55, 69, 79, 91, 93 Minus: Gesamt: 14 Punkte
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