29.08.2005 | 13:21 | Alles wird besser | Was fehlt
 (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)Schon seit einiger Zeit gibt es U-Bahn-Pläne verschiedener Grossstädte für den iPod zum runterladen (gesehen unter anderem bei Cool Hunting). Vor einigen Tagen ist als erste deutsche Stadt nun Berlin dazugekommen, Grund genug für uns, darüber zu berichten und natürlich: mehr zu fordern. Denn der nächste Schritt ist ebenso naheliegend wie wunderbar. Es möge sich ein Grüppchen Programmierer finden, die die erfolgreichste Internet-Anwendung (google maps) und die erfolgreichste Hardware (iPod) der letzten Zeit miteinander verbinden. Entwickler! Schreibt Programme, damit wir google maps auf unseren iPod Photo laden können! Erfindet endlich podmapping! Wir wollen die ganze Welt in der Westentasche!
29.08.2005 | 11:47 | Berlin | Was fehlt
 (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)Für einen Moment der erwartungsfrohen Starre dachten wir, dass die hier bereits erwähnten neuen Konservativen elegant eine der letzten linken oder wenigstens proletarischen Bastionen im Sturm eingenommen hätten: Street Art nämlich. Einen Augenblick lang hatten wir sogar herbeigesehnt, dass hier der Beweis erbracht wurde für die Existenz des humorvollen, aktivistischen Wertkonservativen, der akzeptiert hat, dass Kunst im öffentlichen Raum irreversibel Teil des urbanen Lebens geworden ist und nun einen ästhetischen Gegenentwurf wagt. Ja, für eine Sekunde träumten wir bereits von Horden von Schwarzstuckateuren, die nachts Häuser mit Überraschungserkern, Dächer mit heimlich aufgebrachten Zinnen und Zugabteile mit barock-verspielten Echtholzintarsien verzieren würden. Dann riss ein Plakat uns in die traurige Realität zurück: die Gipsrosette an der Hauswand ist eine Werbemassnahme der Firma Stuckdiscount, die in diesem grauen Haus ansässig ist. Es wäre auch zu schön gewesen.
Dieser Beitrag ist ein Update zu: Street Art & Weise
28.08.2005 | 20:18 | Alles wird schlechter | Fakten und Figuren
 (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)Als wäre Wahlwerbung nicht ärgerlich genug, ersinnen viele offenbar minderkreative Agenturen vor Bundestagswahlen auch noch Wahl-Werbung. Also Reklame für normale Produkte, die im pseudopolitischen Kontext daherkommen. Der weitaus grösste Teil der Wahl-Werbungen besteht aus der schmalbrüstigen Sinndopplung "wählen" (politisch) und "wählen" (auswählen). Als zentrales Visual – jetzt bitte an einem schweren Gegenstand festhalten, es folgt eine Überraschung vom Ausmass des Krakatoaschen Vulkanausbruchs von 1883 – fungiert in den allermeisten Fällen ein handgeschriebenes Kreuz in einem runden Wahlfeld. Die hier abgebildeten Plakate sind von germanwings und Möbel Höffner (links). Burger King kommt mit seiner Aktion Deutschland braucht einen König noch so gerade eben als Einäugiger unter den Blöden davon. Was sich die Unternehmen von Wahl-Werbung versprechen, ist nicht ganz klar, denn sowohl positive Konnotationen als auch erhöhte Aufmerksamkeit gegenüber Werbung im Wahlmantel wären äusserst gewagte Thesen. Es bleibt, wie so oft, als vermutet beabsichtigter Mehrwert Unterhaltung durch Ironisierung. Das aber gibt ein grosses "Gewollt-und-nicht-gekonnt"-Sternchen im Zentralregister kreativer Werbung. Einen anderen Ansatz, mit der Neuwahl umzugehen, liefert die Agentur Salz Kommunikation mit ihrer Seite Agenturneuwahlen, auf der Kunden aufgefordert werden, eine neue Agentur zu wählen. Das ist zwar auch nicht der ungekrönte Herrscher des Werbekonzepts, aber immerhin neu. Vermutlich.
28.08.2005 | 16:56 | Sachen kaufen | Vermutungen über die Welt
 (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)Ohne allzu kulturpessimistisch zu sein, kann man sich doch fragen, was um Himmels Willen die Jugend unterwegs getan hat, bevor mobile Devices zwischen Handy und Gameboy erfunden wurden. "Lesen" und "mit sich selbst beschäftigen" können nicht die einzigen Antworten sein – zu gering scheint die Zerstreuung für weniger reflexionsbegeisterte Bevölkerungsschichten zu sein. Teil der Antwort könnte eine neue Produktserie der Firma Channel Craft sein. Dort besann man sich der alten Tradition der Dosenspiele, die in den Vereinigten Staaten am Ende des 19. Jahrhunderts sehr hip gewesen sein sollen. Ein Dosenspiel eignet sich für ein oder zwei Personen und ist an herkömmliche Sportarten wie Golf, Segeln und Baseball angelehnt. Aber auch ein Eisenbahn- und ein Angelspiel sind im Angebot. Wenn man nun bekritzelte und geworfene Zettelchen als Local Area SMS-Ersatz gelten lässt, ist man vermutlich der Antwort schon relativ nahe, was Jugendliche früher getan haben. Zuviel sollte man sich allerdings mit diesem Thema nicht beschäftigen, weil sonst unweigerlich die unangenehme Frage auftaucht, was man selbst vor Erfindung des Internets so gemacht hat.
27.08.2005 | 21:12 | Alles wird besser | Was fehlt
 (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)Telling Names sind von jeher in der Literatur ein beliebtes Stilmittel. Nun haben sie ihren Weg hinunter ins Wortsediment der Sanitäraccessoirbenamung gefunden. Der führende Toilettenraum-Ausstatter Ille hat unter anderen folgende Produkte im Angebot: die Seifenspenderin Soap Susi, den Wellness-Spender Tricky Ricky, den Handtuchspender Hanky Panky, aber auch Big Willy und Little Joe, die beiden Toilettenpapierbehälter. Dazu kommen Polly Dolly, die Toilettenbürste und Smoky, der Aschenbecher. Im Bild übrigens Triple Willy links und rechts, Sie werden es geahnt haben, lehnt Freddy Fresh lässig an der Wand, der für freshe Luft durch freshen Duft zuständig ist. Würden alle Hersteller von unbeachtetem, aber notwendigem Kram so umsichtig handeln wie Ille, die Welt wäre lustiger und dadurch besser. Liebe Hersteller unter den Lesern, verstehen Sie das durchaus als Vorwurf und Aufruf, Ihr nächstes Produkt nicht WRT54GSV2.0 (ein ansonsten fantastischer Wireless Router) zu nennen, sondern einfach mal Dieter Drahtlos. Bis dieser Aufruf wirkt, können wir uns ja die Zeit vertreiben zu raten, wie ein Kondomautomat von Ille heissen würde. King Kongdom vielleicht.
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IN DER RIESENMASCHINE
ORIENTIERUNG
SO GEHT'S:
- Abhang runter (Augen zu)
- Feuchtes Toilettenpapier "Happy End" (Penny-Markt)
- Aschermittwoch
- wilde Spekulationen
SO NICHT:
- neo-Schmiedeeisenkunst
- Mockturtlesuppe (Fake!)
- Brokatimitat
- Verdammt in alle Ewigkeit (zu viel Commitment, sorry)
AUTOMATISCHE KULTURKRITIK
"One & Two", Andrew Droz Palermo (2015)
Plus: 12, 42, 51, 117 Minus: 1, 40, 184 Gesamt: 1 Punkte
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