Riesenmaschine

25.08.2005 | 11:39 | Anderswo | Vermutungen über die Welt

Asche zu


(Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)
Ja, trotz ihrer welterklärenden Funktion ist auch die Riesenmaschine von Zeit zu Zeit ratlos. Warum in aller Welt hat dieser Aschenbecher, gefunden in einem Biergarten in Linz, ein Schloss? Gab es ein Problem mit randalierenden Kippenresträubern? Kommt der österreichische Besitzer des Biergartens aus dem Burgenland, wo eh an jeder Ecke ein Schloss ist? Wir wissen es nicht. Wahrscheinlich werden wir es nie erfahren, denn auch Google ist ratlos. Und bitte nicht mit dem billigen Wortspiel antworten: "Du willst doch auch nicht, dass man dir deine Asche klaut!"


24.08.2005 | 21:35 | Anderswo | Essen und Essenzielles | Vermutungen über die Welt

Aborigines Weckerln


(Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)
Menschen, die Exotik pur kennen lernen wollen, die fremden Sitten und Gebräuchen ebenso wie andersklingenden Zungen etwas abgewinnen können, haben von jeher eine reichhaltige Auswahl an Reisezielen. Zum Beispiel Österreich. Unser kleiner Nachbar ist kaum je verlegen, sich von Deutschland auf's Deutlichste zu unterscheiden – ganz besonders im Sprachgebrauch. Die österreichische Supermarktkette Billa zeigt, dass die Exotik bis hinunter zum Gebäck reicht: ein Mehrkornbrötchen heisst dort "Aborigines Weckerl". Ob es an den eher untypisch beigemengten Erbsen liegt? An einem zur Schau gestellten Bündnis unter Exoten? Oder daran, dass der Ursprung der Aborigines mehr oder weniger die Antipode zu Deutschland ist?


23.08.2005 | 21:52 | Alles wird schlechter | Sachen kaufen

Zeitlose Uhr


(Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)
Wann genau die Fantasywelle anfing zu rollen, weiß niemand, bzw. ich nicht. Fest steht, dass die Sehnsucht nach einer Art magischem Mittelalter zum Anfassen durch J.R.R. Tolkien ein erstes literarisches Fundament bekam und sich durch neuzeitliche Informationstechnologie weiter verbreitete, weil Menschen zueinander finden konnten, die nie aus dem Haus gehen. Nun ist Fantasy, vergleichbar mit Ziegenurin oder Giftfischen, total okay, so lange es dort bleibt, wo es hingehört: in den Köpfen von Gymnasiasten ohne Mädchenkontakt. Zunehmend sucht sich Fantasy aber auch den Weg ins richtige Leben, womit der Umkehrschluss von Adorno ein weiteres Mal bewiesen wäre: es gibt Falsches im richtigen Leben. Ein gutes Beispiel für fantasyorientierte Alltagsprodukte ist die Uhr mit dem Namen "Gates of Time" der Firma Watchcraft. Bevor man weiß, wie spät es ist, muss man das Tor zur Zeit öffnen. Und das ist ja wohl die erbärmlichste Metapher seit, ja nun, seit langer Zeit. Dazu ist die Uhr fabelhaft umständlich, weil man die Zeit nur beidhändig ablesen kann. Wenigstens spielt die Konstruktion damit in der gleichen Liga wie das nebenstehende Logo von Watchcraft. Obwohl. Ein visuelles Wortspiel, bei dem andersfarbige Buchstaben das Wort "Art" bilden, das ist noch eine Spur bemühter, eine Idee volkshochschulkreativer, mithin einen Hauch bescheuerter. So gilt auch weiterhin: wenn man eine Uhr haben möchte, aber nicht wissen will, wie spät es ist, kauft man sich eine Sonnenuhr. Oder man bastelt sich eine für's Handgelenk.


23.08.2005 | 18:22 | Sachen kaufen

Browning Bamboobag


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Eine Handtasche aus Bambus – warum nicht? Holz gilt immerhin schon seit Jahrhunderten als Baustoff der Zukunft. Das Bambuskaufhaus Bamboo 54 weiss aber, dass man mit überraschendem Material allein heute nicht mehr punkten kann. Der Konsument von heute ist featuresüchtig. Da muss mindestens Bluetooth in die Nähmaschine und jeder Fusswärmer braucht ein herausnehmbares Massageteil. Daher gibt es im Retail-Shop von Bamboo 54 eine Bambushandtasche mit einem interaktiven Modefeature: je länger man mit dieser leicht grünlichen Tasche im Sonnenlicht herumspaziert, desto bräunlicher wird sie – sie reift gewissermassen erst zur erwachsenen Bambustasche heran. Die Tasche zeigt damit an, wie es um die Tagesfreizeit der Trägerin oder des Trägers bestellt ist und wie oft sie ausgeführt wird. Ein zarter, schöner Tamagotchi-Ansatz, der sich sicher ausbauen lässt. Ob die Tasche auch dann ihre bambusbraune Färbung erhält, wenn man schummelt und sie ins Solarium mitnimmt, müsste noch ausprobiert werden.


21.08.2005 | 13:12 | Nachtleuchtendes | Sachen kaufen

Kerlekerze


(Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)
Was macht eigentlich einen echten Mann aus? Er hat eine rauhe Schale, einen wachsweichen Kern, er riecht nicht nach Blumen. Sondern nach Patschuli. Moment, Irrtum, das war die Definition einer echten Männerkerze. Die kleine Kerzengießerei Creative Candles aus Kansas City ist jedenfalls überzeugt davon, dass Männer in ihren "Büros oder Höhlen" eigene Kerzen brauchen und nicht dieses weibische Herumgewachse, das am Ende noch mit Floralverkehr daherkommt. Die Männerkerze gibt es in den männlichsten Farben der Welt, nämlich Blutrot, Elfenbein, Gold, Rost, Jägergrün und Saphirblau. Sie wird verpackt (natürlich!) in Sackleinen und verschnürt mit Rohleder. Ihre schon erwähnte rauhe Schale besteht aus dem Wachs flotter Bienen und aus Lorbeerwachs (eventuell zum drauf Ausruhen?). Während Mädchenkerzen Mädchenherzen mit Blumenduft höher schlagen lassen, ist in der Kerlekerze original Patschuliöl. Und spätestens an dieser Stelle fragt man sich: warum hat man hier nicht bis zu Ende gedacht? Weshalb ist das nicht besonders heterosexuelle Patschuli in die Kerze geraten? Wieso hat man nicht konsequent Moschus verwendet, also das Hodensekret von Tundra-Ochsen? Schade! So bleibt die Männerkerze leider nur bei 90% stehen.


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