Riesenmaschine

24.09.2008 | 12:05 | Nachtleuchtendes | Alles wird besser

Waiting is a way of life


Bild: Martin Baaske
Sind wir alleine im Weltall? Anders gefragt, ist das Leben nicht entsetzlich anstrengend, so im Allgemeinen? Fragen, die man mit wissenschaftlicher Systematik angehen sollte, behauptet jedenfalls das WETI-Institut, eine Einrichtung von mehreren Riesenmaschineautoren und anderen Kapazitäten zur Erforschung von Leben im Universum. Der Ansatz ist weltweit einzigartig: Im Unterschied zu Gruppierungen wie dem amerikanischen SETI-Institut, das nach draussen geht und nach ausserirdischen Intelligenzen sucht, verzichtet WETI auf jeden Aktionismus und wartet darauf, von den Ausserirdischen gefunden zu werden. Das WETI-Institut gibt es zwar schon seit vielen, vielen Jahren, aber in der aktuellen Lage von globaler finanzieller Unsicherheit und Bestürzung erlebt es einen ungeahnten Boom. Nicht zuletzt ist WETI eine inhärent kostensparende und von den Aktienmärkten vollständig unabhängige Methode. Sie funktioniert sogar, wenn man gar keinen Computer hat. Man verwendet dann einfach ein Buch.


23.09.2008 | 05:22 | Anderswo | Nachtleuchtendes | Alles wird besser

Rauchende Japaner

Wie Riesenmaschinekorrespondent Christian Y. Schmidt kürzlich hier erzählte, werden die Raucher in Hongkong hart an die Kandare genommen. In Japan ist es ähnlich. Einerseits kann man zwar nach wie vor in Bars und Restaurants kräftig qualmen. Ein Verbot wäre auch widersinnig, weil die beliebten Yakitorilokale sowieso schon dermassen russig und verraucht sind, dass es so aussieht, als rauchten die Raucher gegen den Rauch an. Vielleicht ist ihnen das so peinlich, dass man jetzt zum Ausgleich auf den Strassen ein generelles Rauchverbot erlassen hat. Verbotsschilder stehen an allen Ecken. Aus dem Automaten kann man Zigaretten nur noch mit einem Taspo ziehen, einem Raucherpass. Manche haben sogar einen Erwachsenen-Erkennungsknopf, der muss gedrückt werden, dann fotografiert der Automat den Kunden und schätzt sein Alter anhand der Falten und Tränensäcke. Ist der Kunde klar über 20, gibt der Automat die Zigaretten heraus. Im Zweifelsfall verlangt er einen Ausweis, den die Kamera auch lesen kann. Und weil die Japaner so gerne und so emsig tüfteln, haben sie jetzt einen neuen Trend erfunden. Nachdem alles immer leichter geworden ist, Joghurt wie Zigaretten, und nicht noch leichter werden kann bzw. in Kanada sogar verboten wird, hat nun der japanische Marlboroableger eine extrastarke Mentholzigarette auf den Markt geworfen. Es wird beworben mit einem grossen schwarzen Pferd, vielleicht eine versteckte Botschaft auf die Schädlichkeit des inhalierten Teers? Schliesslich sind ja schwarze Pferde so ziemlich das Schädlichste, was man rauchen kann.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: No smoking in hell


19.09.2008 | 03:54 | Anderswo | Alles wird besser | Essen und Essenzielles

Crowdsource the disco


Die neue längste Theke der Welt (Foto, Lizenz)
Provinz- und Grossraumdiskotheken waren immer schon Horte des besinnungslosen Fortschritts. Seit Jahren werden die Getränke dort vollkommen elektronisch mit ausgegebenen Chip- oder Magnetkarten bezahlt, und an den Kassen akzeptiert man auch EC-Karten. Die Verbannung des Kleingelds, ein uralter Traum der Menschheit, ist zwischen den Themenräumen Discostadl und Rittersaal längst Realität. Im Agostea Koblenz hat man beispielsweise den Gedanken der Automatisierung völlig verinnerlicht. Nicht nur, dass die Chipkarten hier beim Eintritt durch ein hochkompliziertes visuelles Aufnahmeverfahren mit einem Bild des Gastes versehen werden, um Missbrauch vorzubeugen. Es wurden auch, vorerst als Ergänzung zur Theke, Getränkeautomaten aufgestellt, die kalte Softdrinks und Bier zu vergünstigten Preisen bereithalten. Informanten berichten, dass sich Ähnliches anderswo schon viel länger beobachten lässt, aber das lässt es sich ja immer.

Die Einführung von Getränkeautomaten in Clubs steht dem Geschäftsmodell der Tanz-Gastronomie jedenfalls nur auf den ersten Blick diametral gegenüber. In Wirklichkeit ist damit der Grundstein gelegt, um endlich auch hier das Prinzip des Crowdsourcing durchsetzen zu können: In Zukunft werden Diskotheken alle Bars abschaffen und nur noch Getränkeautomaten aufstellen. Kostspielige DJs werden ersetzt durch die Möglichkeit für Gäste, eigene CDs mitzubringen, für die Lichteffekte hat einfach jeder eine bunte Taschenlampe dabei und den Strom macht man auch selbst. Morgens früh räumen dann alle zusammen auf und putzen die Klos. Das alles zu "vergünstigten Eintrittspreisen"! Wer würde da nicht gerne in der Provinz oder im Grossraum wohnen?


01.09.2008 | 03:47 | Alles wird besser | Zeichen und Wunder

Im Bauch des Internets

Das Internet weiss alles, kann alles und macht alles (behauptet es jedenfalls). Im Jahr 2008 gehen immer mehr grosskalibrige Institutionen dazu über, der Kompetenz des Internets Rechnung zu tragen, und sich gar nicht mehr die Mühe zu machen, bestimmte Arbeiten selbst zu erledigen. Beispiel 1: Die chinesischen Sportbehörden kümmern sich nicht mehr um das Alter ihrer Turnerinnen, sondern lassen es nachträglich von amerikanischen Bloggern bestimmen.


Bärin in Alaska: Obwohl ihre Fruchtblase schon geplatzt ist, fährt sie munter fort im politischen Treiben. (Foto, Lizenz)
Beispiel Nummer 2: Der amerikanische Präsidentschaftskandidat John McCain musste am Freitag kurzfristig die Stelle der Vizekandidatin besetzen. Anstatt, wie üblich, dutzende von Kandidaten sauber zu durchleuchten und sich dann für den besten zu entscheiden, nahm er einfach die einzige gutaussehende Bewerberin, Sarah Palin, Governeurin von Alaska, und überliess das Durchleuchten dem treudoofen Internet. Und siehe da: Schon 48 Stunden später hatte das Internet nicht nur ein umfangreiches Dossier über die erstaunliche Biographie der Kandidatin angelegt (Auszug: "Sarah Palin places fossils in the ground to test your faith." – "Death once had a near-Sarah Palin experience."). Nein, zusätzlich hatte das unermüdliche Ding sogleich herausgefunden, dass Sarah Palin ihr letztes Kind, einen im April geborenen behinderten Jungen, gar nicht selbst zur Welt gebracht hat, sondern nur so tat, damit nicht auffällt, dass in Wahrheit ihre 16jährige Tochter die Mutter und Palin somit die Oma ist. (Wer jetzt verwirrt ist, der hat vollkommen recht.) Die Details dieser erstaunlichen, ja, bizarren, fast meta-katastrophalen Enthüllungsgeschichte soll jeder bitte selbst mühevoll nachlesen. Niemand kann derzeit behaupten, es handele sich hierbei um die volle Wahrheit, aber das dürfte keinen stören. Denn in seiner ununterdrückbaren Freude am Möglichen ähnelt das Internet allen anderen denkenden Wesen auf diesem Planeten.


25.08.2008 | 23:36 | Anderswo | Supertiere | Alles wird besser | Zeichen und Wunder

Eichhörnchenrésistance


Balinesisches Hörnchen auf dem Kriegspfad
Ein beachtenswerter Akt zivilen Ungehorsams ereignete sich gestern in Zürich. Als sich die halbe Schweiz die verabscheungswürdige Olympiakitschschlussfeier anschauen musste, war plötzlich Bild und Ton weg. Ein Aufatmen ging durch das Land und man fragte sich, welcher Held diese so nötige Mission vollbracht hatte. Jetzt kam heraus: Ein einzelnes Eichhörnchen, im Alleingang, das sich todesmutig in eine Trafostation geworfen hat und dafür mit seinem tapferen, kleinen Leben bezahlt hat. So sieht es also aus, wenn sich die Eichhörnchen endlich aktiv ins Weltgeschehen einmischen. Dass davon auch ein paar aufrechte, unschuldige Formel-1-Zuschauer betroffen waren und 6000 Haushalte in Zürich komplett auf Strom verzichten mussten – das muss in diesem Krieg einfach akzeptiert werden. Aber man darf hoffen, dass der Widerstand nun endgültig erwacht, dass sich die Nagetiere aktiv ins Weltgeschehn einmischen und der nötige Wandel bis London 2012 vollzogen sein wird – die Weltherrschaft wird in vernünftigen Händen liegen und Milliarden von Menschen müssen sich keine albern verkleideten Männer auf albern leuchtenden Einrädern von 2008 Millimeter Durchmesser mehr anschauen.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Viele Hasen sind des Hundes Tod


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