Riesenmaschine

13.05.2007 | 02:25 | Alles wird schlechter | Fakten und Figuren | Sachen anziehen

Dysfunktionale Zahlen


Welcome, Number Overlords. (Foto: dark_imp666) (Lizenz)
Einem bejahrten T-Shirt-Witz zufolge spaltet sich die Menschheit in drei Gruppen: die, die zählen können, und die, die es nicht können. Eine Variante besagt, es gebe 10 Gruppen, nämlich die, die das Binärsystem verstehen, und die, die es nicht verstehen. Das stimmt aber alles nicht, in Wahrheit sind es nämlich drei Aspekte, der Mathematikversteher, der Mathematikverehrer und der Mathematikverächter, aus denen sich jede Person zusammenschrauben lässt. Dem letzteren Aspekt kann man, dem ersteren muss man nicht helfen, aber der in der Mitte, der die Zahlen nicht begreift, aber vor ihrer Objektivierungsmacht in Ehrfurcht erstarrt und sie sich als Werkzeug zunutze machen will, muss bekämpft werden, denn andernfalls nimmt er die Pistolen, die er sich aus Statistik, Spucke und Dreistigkeit geschnitzt hat, und schiesst mit ihnen die Welt über den Haufen.

Er führt dann zum Beispiel eine Studie an 140 Kindern durch, die ein Jahr dauert, und mit beeindruckend klingenden hierarchischen linearen Modellen nachweist, dass Kinder, die wenig Selbstvertrauen und negative Grundhaltungen haben, von Widrigkeiten leichter zu depressivem Verhalten getrieben werden. Es gibt, mit anderen Worten, zwei Sorten von Forschern. Solche, die das Offensichtliche ignorieren, und die, die es faktoranalytisch in seine Bestandteile Offen, Sich und Licht zerlegen und das Ergebnis dann publizieren. Leider nicht auf T-Shirts.


08.05.2007 | 19:25 | Alles wird besser | Alles wird schlechter

Endlich mehr Zeit. Oder weniger.


Wo die Zukunft gemacht wird (cwsteeds) (Lizenz)
Wenn jeder Tag nur zwei Stunden länger wäre, wie viel besser könnte die Welt sein. Man könnte sich den Wecker stellen und dann zwei Stunden lang zufrieden die Snooze-Taste drücken, jeden Tag. "Ach ja, aber unmöglich", seufzt der Mensch. "Gar nicht unmöglich", erwidert die Globale Erwärmung, "sagt doch was, lässt sich alles einrichten!" Denn durch die Erwärmung werden die Tage länger oder vielleicht auch kürzer, genauer weiss man es noch nicht, aber als dem Optimismus verpflichtete Berichterstatter gehen wir einfach mal von einer Tagesverlängerung um die angekündigten elf Hunderttausendstelsekunden pro Jahrhundert aus. Dazu braucht lediglich der Kohlendioxidausstoss der Menschheit jährlich um 1 Prozent zu steigen. Um noch innerhalb der eigenen Lebenszeit auf die angestrebten zwei Stunden zu kommen, muss also nur der CO2-Ausstoss täglich um ungefähr zweihunderttausend Prozent gesteigert werden, woran amerikanische Wissenschaftler bereits intensiv arbeiten. Und falls die Tage stattdessen doch kürzer werden, hat das auch sein Gutes, denn wir werden dann alle weniger arbeiten zum selben Tagessatz.


27.04.2007 | 16:22 | Alles wird schlechter | Sachen anziehen

Es wird ein extremer Sommer


Gummi-Clogs: "Sie werden so massiv über uns hereinbrechen, dass jeder Mensch zwei Paar gleichzeitig tragen wird." (Kathrin Passig) (Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Wie auch immer die Menschheitsgeschichte verlaufen mag, ob linear geradeaus oder in Zyklen im Kreis herum, der unumstössliche Witz an ihr ist, dass jede Epoche mit völliger Übersteigerung ihrer Charakteristika abschliesst: Gegen Ende des Imperium Romanum wurde mehr gekotzt als gefressen, zum Ausklang der Scholastik ereiferte man sich in hässlichen logischen Spitzfindigkeiten, der Barock kippte nach der Explosion seiner kolossalen Sinnlichkeit um in die dröge Aufklärung und das Zeitalter der modernen Ideologien zerplatzte schliesslich in einem schillernden Atompilz. Was für Geschichte im Allgemeinen gilt, gilt für die Trendproduktion in Potenz: Die Anzeichen mehren sich, dass die Geschichte der Sommerschuhe sich einem vorläufigen optischen Fluchtpunkt nähert, und zwar in Gestalt von Gummi-Clogs in transästhetischen Formen und gleissenden Farbgebungen. Schon bald wird das ganze Land seine Fusswege mit diesen grobschlächtigen Pantoletten bemeistern und der furchtlose Betrachter kann sich an ihnen erfreuen, wissend, dass hier der Boden für Neues breitgetreten wird – wenn die Geschichte zyklisch läuft, dann nächsten Sommer vielleicht wieder barfuss, lediglich gekleidet in Schorf und Grind.

Ruben Schneider | Dauerhafter Link | Kommentare (21)


26.04.2007 | 05:04 | Alles wird schlechter | Vermutungen über die Welt

Die Krankheit der Massen


Was kommt als Nächstes, anonym über Regierungen abstimmen? (Foto: hjl, Lizenz)
Drüben in der ausländischen Blogo-Ecke reden gerade alle wild durcheinander, weil Whoissick.org ans Licht der Öffentlichkeit getreten ist. Who-Is-Sick ist eine unglaublich geistreiche Erfindung, mit der man zum Beispiel erfahren kann, dass es in Göttingen im Moment drei anonyme Menschen mit Kopfschmerz, aber nur einen mit Magenschmerzen (Klein-Lengden) gibt. Das kann sich natürlich praktisch jederzeit ändern, Magenschmerzen gehen ja manchmal ganz plötzlich vorbei, zum Beispiel auf dem Klo. Das Theater fing wohl damit an, dass Boingboing am Dienstag manisch-aufgeregt herumpostulierte, es handele sich bei der Kopfschmerz-Spielerei um ein valides wissenschaftliches Instrument zur Epidemiologie. Medgadget, seit langem das Kompetenzzentrum in Sachen Medizin in Bloggy Nation, kann das so nicht stehenlassen, und sieht Who-Is-Sick stattdessen als offene Einladung an Hypochonder, ihre einfältigen Symptome publik zu machen. Das ist wohl eine komplett richtige (obschon der Selbstdarstellung der Schnupfen-Masher widersprechende) Feststellung, die nur zwei Gegenargumente zulässt: Welcher Hypochonder möchte schon anonym bleiben? Und selbst wenn, eine Landkarte der Hypochondrie, warum nicht? And there it goes, hin und her, Kopfschmerz, Durchfall und Cholera, es ist nicht schön, wie so oft, wenn es um Krankheiten geht. Und irgendwo in den Kommentarschlünden oder auch in der kongenialen Diskussion über die Abstimmung über Verbrechen in Grossstädten schlummert hier die fundamentale, jedoch leicht zu beantwortende Frage, wie weise die usergenerierte Weisheit der Masse schon sein kann, wenn man sie zum Beispiel durch ein Google-Öhr zwängt. Oh, da, eine laufende Nase in Kassel.

Aleks Scholz | Dauerhafter Link


25.04.2007 | 20:13 | Berlin | Alles wird schlechter

Neue Höflichkeit – Rückrufaktion

Die Graffitivermeidungstechnik "Neue Höflichkeit" (links im Bild), über die wir im Sommer 2005 berichteten, ist, wie sich (rechts im Bild, aktueller Zustand der Mietsache) herausgestellt hat, leider defekt. Wir bedauern aufrichtig die Unannehmlichkeiten, die manchem Leser durch unsere Berichterstattung entstanden sein mögen, bitten aber um Verständnis. Wer stets von der vordersten Front des Fortschritts berichtet, kann nicht immer zwei Jahre abwarten, ob sich ein neues Verfahren in der Praxis bewährt. Dass sich das Klingelschild deutlich tagfreier darstellt als zum Zeitpunkt unserer ersten Veröffentlichung, macht weitere Untersuchungen erforderlich, von deren Ergebnissen wir in aller gebotenen Voreiligkeit berichten werden.

(Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Neuer Trend zur Höflichkeit


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