30.10.2005 | 16:17 | Anderswo
 (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)Ganz, ganz früher genügte es als Reisekonzept, z.B. dorthin zu fahren, wo auf der Landkarte noch nichts eingezeichnet war, also etwa zu den Nilquellen. Später tippte man mit dem Zeigefinger irgendwo auf den rotierenden Globus und hoffte, nicht in Sibirien oder Frankreich zu landen. In den letzten Jahren konnte man die Schnittpunkte der Längen- und Breitengrade bereisen und abfotografieren, Pilgerfahrten dorthin unternehmen, wo die Internetbackbones im Atlantik verschwinden oder versuchen, mit den GPS-Koordinaten der Reiseroute einen Elefanten zu zeichnen, aber nennenswerte Distinktionsgewinne sind hier schon länger nicht mehr zu holen. Daher hier rechtzeitig zur Urlaubsplanung für 2006 das IKEA-Konzeptreise-Reisekonzept: Dänemark, Schweden und Norwegen werden anhand der IKEA-Ausstattung der eigenen Wohnung bereist (im Bild ein fiktives Beispiel). Allerdings führt nur der Besitz von Teppichen nach Dänemark, Norwegen ist recht dünn von Betten und Kleiderschränken besiedelt, und Finnland bleibt komplett unbesucht – wohl wegen seiner schwer vermittelbaren Ortsnamen; wer möchte seine Wohnung schon mit einem Uusikaupunki teilen? Wer Ergänzungsvorschläge zu diesem Plan (6,99 / 2 m) machen möchte, weil er z.B. die ganze Aktion (6,99) für billig (0,49) ausgedacht und keineswegs optimal (1,49) hält, der sei auf die unter dem Beitrag exakt (2,00 / 2 Stück) zu diesem Zweck vorgesehenen Trollfjorden (3,99) verwiesen.
28.10.2005 | 16:02 | Anderswo | Alles wird schlechter
  (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)Dass sich die Testimonials des Nationalsozialismus weltweit äusserst grosser Beliebtheit erfreuen und weiterhin Menschen in ihren Bann ziehen, wurde bereits verschiedentlich dargelegt. Dass aber auch die Idee und die Partei dahinter, der ideologische Rattenschwanz quasi, noch ihre Jünger haben, wird da gerne mal vergessen. Beispiel Libanon: Hier feierte eine nationalistische, sozialistische Partei namens, ausgerechnet, PNSS überraschende Erfolge. Die in den 1930ern gegründete Partei ist nicht einmal eine faschistische Partei im Sinne des deutschen Nationalsozialismus. Ähnlichkeiten in der Ideologie sind – wenig überraschend – allerdings nicht zu vermeiden. Selbiges gilt für das Erscheinungsbild der Partei, die sog. Corporate Identity. Und dass die vier Ärmchen des Windrades für Freiheit, Pflichterfüllung, Disziplin und Stärke stehen und damit nur knapp an den deutschen Tugenden vorbeisegeln – geschenkt! Ganz offenbar: Ein weiterer Fall von schlimmer, schlimmer Produktpiraterie! Auch wenn diese Meinung aktuell in Deutschland eher schwach repräsentiert wird, ist der Nationalsozialismus samt seiner Logos (Hakenkreuz, SS) eine der stärksten deutschen Marken. Gerade in Zeiten, in denen DaimlerChrysler schwächelt, ein Pfund, mit dem man sich nicht zu gut sein sollte zu wuchern.
Heute Deutschland – morgen die ganze Welt, übermorgen allerdings nur noch der Rest der Welt, und der auch noch nur mit einem billigen Abklatsch. So, liebes Deutschland, geht's nicht weiter.
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26.10.2005 | 17:46 | Anderswo | Zeichen und Wunder
 Der Korrespondent der Riesenmaschine hatte zwar bereits an anderer Stelle darauf hingewiesen, doch so recht wollte es dann doch mal wieder keiner glauben. Deshalb hier alles noch einmal, erstmals jedoch mit noch nie publizierten Fotos (Farbe), noch brauneren Details und einer brandneuen Überschrift: Er ist wieder da, der Hitler-Hof in Busan (Pusan), Südkorea. Allerdings tanzt man den Adolf Hitler nicht mehr über dem "SevenEleven" irgendwo in der Innenstadt (es gibt etwa vier Dutzend 7/11-Filialen in der koreanischen Millionenmetropole), sondern eher versteckt im entlegenen Stadtteil Bukgu in einer Strasse namens Deogcheon.
Auch auf die Romanisierung des einprägsamen Kneipennamens wird mittlerweile verzichtet. Trotzdem bleibt der "Hof" (deutsch-koreanisch für "Kneipe") selbst für Menschen, die des Hangeul, des hiesigen Alphabets, nicht mächtig sind, eindeutig identifizierbar. Voraussetzung sind allerdings gute Augen und ein Riesenmaschinenriecher, denn die Führer-Fotos an den zwei Fronten des Etablissements sind nunmehr auf halbe Bettlakengrösse geschrumpft. Dafür haut der Gruppenleiter Kneipenbesitzer im Treppenhaus umso kräftiger auf die Nazipauke. Hier schwingt das Maskottchen der Live-Musik-Schwemme auf einem echten Nazi-Poster nicht bloss die Fahne mit dem Hakenkreuz. Auf einem Aushang blickt er auch noch recht düster auf ein frisch gezapftes Bier, als sei es ihm nicht blond genug.
Wie es im Inneren des Sturmlokals aussieht, konnte nicht in Erfahrung gebracht werden. An dem Nachmittag, als diese Fotos entstanden, war es leider noch geschlossen. Weiter gefordert bleiben also Korrespondenten der Riesenmaschine, die zufälligerweise in und um Südkorea herum weilen.
Dieser Beitrag ist ein Update zu: Nazi Göring
25.10.2005 | 11:56 | Anderswo | Sachen kaufen
 (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)Die lesenswerten Popnutten haben bereits vor Urzeiten, bzw. vor 2,8 Tagen über The Bubble Project berichtet. Dieses Projekt des Künstlers und ehemaligen Werbers Ji Lee begann 2004 in New York und besteht aus der charmanten Idee, Werbeplakate mit Comic-Sprechblasen zu bekleben, die zwangsläufig von Passanten ausgefüllt werden, und diese dann zu fotografieren. Dahinter steht laut Manifest die Idee eines Gegenangriffs der privaten Öffentlichkeit auf die allgegenwärtige Werbung – eine Art "reclaim the street attention". Der Gedanke der Veränderung von Werbeplakaten aus genau diesem Grund ist aber nicht unbedingt brandneu. Zuletzt veranstalteten 2003 die Adbusters mit der Blackspot Campaign eine Aktion mit ähnlichen Zielen, die konsequenterweise in einem Werbespot gegen Werbung (unten rechts auf CNN klicken) endete. Die Techniken des Marketing scheint Ji Lee, der früher bei der Grossagentur Saatchi & Saatchi arbeitete, nicht vollständig verlernt zu haben: Bei seiner selbstverständlich illegalen Kunstaktion rief er nicht nur die Öffentlichkeit zur Plakatveränderung auf, sondern dokumentierte das Kunstwerk des Anonymen Passanten (Mob Art? Gibt es das schon?) auch für sein neustes Produkt – das Buch mit der Fotodokumentation dieses für Exwerbehasis typischen Projekts erscheint 2006 im Mark Batty Verlag.
22.10.2005 | 19:01 | Anderswo | Vermutungen über die Welt
Wenn man in der weltweiten Öffentlichkeit als überaus aggressive Terrortruppe gilt, sich selbst aber eher als teilmilitante Moslem-CSU versteht, sollte man sich über eine Neupositionierung mittels Public-Affairs-Methoden Gedanken machen. Die libanesische Hisbollah stand vor diesem Problem – und hat reagiert.
In Kfar Kila, einem historisch wie politisch wichtigen Grenzübergang zu Israel (der selbstverständlich nicht zu nutzen ist; wie man überhaupt aus dem Libanon nicht nach Israel kommt), da über ihn im Jahr 2000 die israelische Armee den besetzten Südlibanon räumte, hat die Hisbollah beispielsweise ein spielerisches, aggressionsanbauendes Feature eingerichtet, mit dem der meist wenig geneigte arabische Besucher seinem Unmut Ausdruck verleihen kann: Zwei Steinsäulen (im Hintergrund) sind errichtet worden, gegen die man Steinchen werfen darf – symbolische Kiesel gegen Israel. Darauf wäre die Bundeszentrale für politische Bildung nicht ohne Weiteres gekommen.
 (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.) 10 Meter daneben steht der Touristenshop mit Promotionartikeln der Hisbollah, in dem neben arabischer, oft antizionistischer Folklore, Postkarten mit Bildern des Anführers Scheich Nasrallah, Anti-Israel-Stickern, arabischem Kitsch und DVDs mit von der Hisbollah produzierten Spielfilmen über den Kampf gegen die Besatzer auch sehr schicke Hisbollah-T-Shirts zu kaufen sind. Das ist zielgruppenadäquat und äusserst populär, kurz: ein Bombenerfolg. An Sonntagen ist der Grenzübergang Ziel von Familienausflügen samt verschleierter Mütter und Töchter, die lachend Kieselsteine gegen Israel werfen. 20 Meter und zwei Stacheldrahtzäune weiter sitzen israelische Soldaten in einem Bunker. Nur einen Steinwurf entfernt ist die erste Siedlung in Israel. Diese wiederum soll ihrerseits jedoch nicht neu positioniert werden.
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IN DER RIESENMASCHINE
ORIENTIERUNG
SO GEHT'S:
- Bilinguale Wortwitze (Der Schnee geht zu neige)
- Handy-Futurismus
- Pompfe
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- Landstuhl
- Herrenbikini in der Heissmangel geschrumpft
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AUTOMATISCHE KULTURKRITIK
"Ich sehe den Mann deiner Träume", Woody Allen (2010)
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