Riesenmaschine

04.09.2005 | 03:38 | Anderswo | Vermutungen über die Welt

Messerterrorismus


(Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)
Eigentlich sollte hier ein Beitrag über eine intelligente und menschenverachtende Fluggesellschaft stehen, die zum 11. September extrem billige Flüge nach New York anbietet. Da sich ein solches Angebot auch nach langen, oberflächlichen Google-Recherchen nicht finden lässt, soll hier stattdessen darauf hingewiesen werden, dass die berühmte kanadische Luftfahrtgesellschaft mit dem naheliegenden Namen "Air Canada" demnächst wieder auf Metallmesser in der Business-Class umsteigt, nachdem als Konsequenz aus diesen Hochhausgeschehnissen alle mit Plastikmessern zu leben hatten. (Metallgabeln waren dagegen, warum auch immer, weiterhin erlaubt.) Bemerkenswert ist Folgendes: Der Rückkehr zum Metallmesser wird, wie die NY Times berichtet, nahezu auf den Tag genau vier Jahre nach 9/11 stattfinden, was so seltsam ist, dass noch nicht mal uns dazu ein geschmackloser Scherz einfällt. Vielleicht ist es mittlerweile ohne richtige Waffe einfach zu gefährlich im Flugzeug. (Na bitte, geht doch.) Economy-Class-Passagiere haben das Problem natürlich gar nicht, weil sie die formlosen Sachen auf ihren Tellern ohnehin mit Plastikwerkzeug zerkleinern müssen, egal ob jetzt Terroristen im Flugzeug sind oder nicht. (Der Selbstversuch zeigt übrigens, dass man auch mit diesen Plastikdingern ganz schön tiefe Schnittwunden erzeugen kann.)

Aleks Scholz | Dauerhafter Link


02.09.2005 | 19:24 | Anderswo | Zeichen und Wunder

Key Visuals I: Damentennis


(Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)
Dass die Schweizer als Eigenart neben dem fehlenden Esszett auf der Tastatur ein besonderes Händchen für Key Visuals haben, lässt sich etwa an der Covergestaltung des NZZ-Folio ablesen, die regelmässig eine hübsche und überraschende grafisch-symbolische Punktlandung zu einem Thema markiert. Derzeit fällt im Zürcher Stadtbild ein Plakat auf, das unter dem Motto "The girls are back in town" für das Damen-Tennisturnier Zürich Open im Oktober wirbt und kess der Vermutung Ausdruck verleiht, das Hauptaugenmerk des – als männlich vorgestellten – Damentennisaficionados könne womöglich nicht primär dem sportlichen Wettkampf gelten.


02.09.2005 | 04:41 | Anderswo | Nachtleuchtendes | Alles wird schlechter

Elektrische Mülltonnen


(Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)
Weltweit gibt es eine klare Tendenz zu Multifunktionsgeräten, zum Beispiel durch Kombination von Handy und Kamera, Brille und Freisprecheinrichtung, Litfaßsäule und Mülltonne. Es ist klar, dass die letztgenannte mutige Erfindung nur im fortschrittlichen Kanada getestet werden kann – mit zweifelhaften Erfolgsaussichten, wie sich schnell zeigt, denn die Menschen sind mit dem revolutionären Konzept wohl noch überfordert. Kritiker wenden ein, dass die über zwei Meter hohen und anderthalb Meter breiten Mülltonnen irgendwie doch ganz schön viel Platz wegnehmen. Zudem seien Orte, an denen viel Müll entsteht, nicht automatisch auch Orte, an denen optimale Sichtbarkeit für Werbeplakate besteht, was zu gewissen Konflikten führen könnte. Schließlich wäre es ja wohl übertrieben, Mülltonnen mit Strom zu versorgen, um die Werbung auch angemessen zu beleuchten. Andererseits: Wie oft hat man schon stundenlang vergeblich im Dunkeln nach dem Papierkorb gesucht? Eben. Das wahre Problem der ersten Müllwerbetonnen ist jedoch, dass sie genauso aussehen, wie man sich die schon lange überfälligen öffentlichen Internet-Terminals vorstellt, mit diesem Tower-Design, bunten Anzeigen und verschiedenen Schlitzen für CDs und Disketten. Wer kann ahnen, dass das Bunte in Wahrheit die komplizierte Anleitung zur Mülltrennung und der Schlitz der Einwurfschacht für Zigarettenreste ist? Wenn man die Leute so dreist hinters Licht führt, muss man sich über Unmut, Missbilligung, Abscheu und letztlich Vandalismus nicht wundern.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Kichernde Mülltonnen


01.09.2005 | 05:21 | Anderswo | Sachen kaufen | Essen und Essenzielles

Wirbelsturm in Pulverform


(Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)
Ein angemessener Riesenmaschinenbeitrag zum Hurrikan "Katrina" wäre im Jahr 1718 erschienen, knapp vor der Gründung von New Orleans, und hätte eindringlich davor gewarnt, diese Gegend ernsthaft zu besiedeln, weil kaum 300 Jahre später ja ohnehin alles von den Naturgewalten undsoweiter. Dafür ist es jetzt, zugegeben, etwas spät; uns bleibt nur, darauf hinzuweisen, dass es im Mardi Gras Outlet den "Hurricane Cocktail Mix" zum Discount-Preis gibt, gerade mal fünf Dollar für die 36oz-Packung. Das Rezept der Pulvermischung stammt aus der legendären Bar Pat O'Brien's im French Quarter in New Orleans, aber weil man dort im Moment etwas schlecht hinkommt, ist es wirklich ratsam, auf Instant-Hurricane umzusteigen – einfach mit Wasser, Eis und Rum mischen, fertig. Die Großpackung reicht für eine ganze Gallone (gut vier Liter, 32 Longdrinks), und wenn man bedenkt, dass schon nach einem einzigen Hurricane der Mississippi angeblich rückwärts fließt, dann kann man im Moment wohl kaum etwas Sinnvolleres unternehmen. Wir warnen übrigens eindringlich vor einer Besiedlung des Saturnmondes Enceladus, viel zu riskant.

Aleks Scholz | Dauerhafter Link


31.08.2005 | 21:46 | Anderswo | Alles wird besser

Fremdgehen jetzt noch flexibler


(Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)
Es ist soweit: Kanadas Männer dürfen seit heute auch mit Männern fremdgehen, um ihre Ehefrau loszuwerden. Diesen beachtlichen und weltweit einzigartigen Schritt zu mehr persönlicher Freiheit hat ausgerechnet eine (anonyme) Frau zu verantworten, vertreten vor Gericht von ihrer Anwältin barbara findley, deren Name aus unerfindlichen Gründen nur kleingeschrieben werden darf. Zum Verständnis ist es hilfreich zu wissen, dass Ehescheidungen in Kanada nur möglich sind, wenn man entweder ein Jahr getrennt lebt, sich unentwegt prügelt oder aber einer von beiden Ehebruch begangen hat, und zwar mit jemandem vom anderen Geschlecht, natürlich, was auch sonst. Diese lästige Einschränkung ist seit heute wohl Geschichte, zumindest in Kanada, weil besagte barbara findley unerschrocken bis zum höchsten Gericht in British Columbia vorgedrungen ist, um, ja, die Welt zu verändern. Ein großer Moment, denn erst seit wenigen Wochen sind, nach zähem Ringen, Eheschließungen zwischen gleichgeschlechtlichen Partnern in Kanada erlaubt; jetzt dürfen sie auch offiziell miteinander fremdgehen. Zum Vergleich: Weltweit gibt es nur drei weitere Länder, in denen Schwule so richtig heiraten dürfen (Spanien, Holland, Belgien), dagegen noch sechs Staaten, in denen Homosexualität mit dem Tod bestraft wird.


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