29.04.2007 | 10:50 | Anderswo | Essen und Essenzielles
 Die Museumsmeile in NieheimDas Westfalen Culinarium in Nieheim ist verspielt. Wenn man etwa einer Speise ein Getränk gegenüber stellt – ähnlich wie bei einarmigen Banditen – zeigt ein grünes oder rotes Licht, ob sie zueinander passen. Zum Beispiel: Weinbrand mit Rotkohl oder Lauchknust, Milch mit Pfefferpotthast mit Nieheimer Goldklumpen oder Herforder Pils mit Blutwurst vom Weideschwein gebraten. Dabei zeigt sich, dass Herforder Pils zu allem passt. Es passt zu: Kabeljau, Leberwurst, Sülze, Mettwurst, Knochenschinken, Holzofenbrot und Butter, zu Westfälischem Streusel- und Apfelsandkuchen. Herforder Pils passt auch zu Molke aus Menne's Schaukäserei natur oder zu Milchkaffee mit Söppkes, dem Sonntagsfrühstück der Westfalen.
Allgemein sind die Mitarbeiter des Westfalen Culinarium von Herforder Pils begeistert. Denn die gefühlvollen Dokumentarfilme, die das Museum zu Musik von Jan Garbarek und dem Hilliard Ensemble (Kirchenmusik mit irgendwelchem Sopraninosaxophonkram drüber) vorführt, weisen lange Einstellungen mit Herforder Pils-Plakaten auf. Es werden auch alte Herren gezeigt, die genüsslich Herforder Pils verdrücken und den Biermilchbart (gibt es das?) von der Oberlippe wischen.
Kurzum: Eigentlich könnte das Westfalen Culinarium auch Herforder Pilsianum heissen. Es bleibt nur noch, auf die Implementierung der Herforder Bierkreiszeichen zu warten.
20.04.2007 | 02:55 | Supertiere | Alles wird besser | Essen und Essenzielles
 (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.) (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.) (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)So kann's gehen: Vor ziemlich genau einer Woche wurden für diesen Beitrag über T-Shirts Beispiele für absurde Blogs benötigt und nach einiger Sucherei (wo sind bloss die Schraubenblogs, wer hält sie versteckt?) schafften es dann ein Tintenfisch- und ein Kryptozoologieblog in den Text. Zugegeben, die kann man sich gut anschauen, gerade das Tintenfischblog bringt einen in zuverlässiger Regelmässigkeit auf so schöne Seiten wie die Flowers&Squids-Kollektion von Ugly Stickers – aber die wirklichen Bringer waren das nicht, eher so Verlegenheitslösungen.
Und wie das dann immer so ist, stolpert man nur kurz darauf über das absolute Über-Beispiel, das Suicide Food-Blog nämlich. Hier werden Tiere vorgestellt, die für Restaurants werben, wo es sie selbst zu essen gibt – eine Tradition, die unmittelbar an die sprechende Kuh aus Das Restaurant am Ende des Universums erinnert, in Wirklichkeit aber schon viel älter ist. Schon jetzt ergeben die Beiträge eine wertvolle Sammlung US-amerikanischer Gastronomie-Grafik, die sicherlich irgendwas über unsere oder zumindest die amerikanische Gesellschaft zu sagen hat, genau wie übrigens auch das Flickr-Set Scary beings eating themselves. (Verlegenheitsschluss, die wirklich gute Idee hab ich dann erst in einer Woche oder so.)
17.04.2007 | 19:48 | Alles wird schlechter | Essen und Essenzielles | Zeichen und Wunder
 Im Grossversuch: Der Unterschied in der Zeit, die liegende und stehende Flaschen für die gleiche Abkühlung benötigen, beträgt etwa 50%. Bleibt die Frage, ob man aufstehen oder liegenbleiben soll. (Foto: traxo) (Lizenz)Morgens an die Thermodynamik denken lässt einen die Decke über den Kopf ziehen: Du kannst nicht gewinnen, du kannst nicht einmal unentschieden spielen, und du musst am Spiel teilnehmen.
Wenn einem die Sonne das Schlafzimmer aufheizt und es unerträglich macht, den Tagesbeginn weiter zu verschieben, sollte man schon mal über das Kaltgetränk der Wahl im Kühlschrank nachdenken, welches einen am Abend erwartet. Wahrscheinlich hat der fleissige Mitbewohner im Home Office aber alles geleert und nicht wieder nachgelegt. Dann kann man stattdessen im Halbschlaf darüber sinnieren, ob es besser für die schnelle Kühlung wäre, neue Flaschen aufrecht oder waagerecht in den Kühlschrank zu legen. Die zugehörigen Fluid- und Thermodynamikgleichungen am besten auf einem Taschentuch festhalten, dann kann man sie besser referieren, wenn man um 11:30 im Büro aufschlägt.
14.04.2007 | 04:56 | Alles wird besser | Essen und Essenzielles
 Mehl, Zucker, Wasser, Öl (Foto: baraskit.se) Minimalismus ist der Gang der Welt. Und zwar, weil Minimalismus die vorwärtsgerichtete Kleinmachung der Welt, also eine Art post-antizipierte kopernikanische Wende darstellt, wobei man sich sicher auch andere hirnrissige Erklärungen ausdenken könnte, wenn man auf sowas steht. Jedenfalls: Minimalismus ist der Gang der Welt. Da stimmt es froh, dass uns die Russen in Schweden zeigen, wie man Minimalismus gekonnt mit dem schon oft beschworenen Untergang der Küche verbindet: Pancakes lassen sich nämlich vollkommen ohne Herd und Pfanne herstellen, alles, was man braucht – Spritzbesteck, Feuerzeug, russische Kreditkarte, Löffel, Wachtelei – hat der durchschnittlich originelle Stadtbewohner ohnehin ständig dabei. Die übersichtliche Bilderserie, die man sich wohl wird ansehen müssen, räumt nicht nur mit dem oft propagierten Vorurteil auf, Mehlspeisen "gingen nur in Lines", sondern demonstriert zudem, dass im Kleinen keinesfalls Unordnung und Chaos liegt, wie es uns manche neumodische Atomphysik beibringen möchte. Bleibt die Frage, warum man bei konsequenter Ausweitung dieser Methoden verhungern würde. Weil der menschliche Leib im Gegensatz zum Geist von Grössenwahn beherrscht wird?
12.04.2007 | 00:12 | Essen und Essenzielles
 (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)Sich mit Wein, Whisky oder Zigarren auskennen – geschenkt. Wer auf Laber-Events brillieren will, muss Begriffe wie "Serifen", "Durchschuss" und "Kerning" locker aus sich herausgleiten lassen. Kaum etwas befriedigt das Distinktionsbedürfnis so sehr wie Fonts. Peter Praschl mag schöne Fonts so sehr, dass er die Besucher seines Weblogs bei jedem Reload mit einem von 178 (Quelle: Seitenquelltext vom 11.04.2007) zufällig ausgewählten Fonts begrüsst. Einen Font besonderer Güte hat Robert Bolesta entwickelt, er besteht aus 46 Supermarkt-Hackfleischpäckchen und stellt einen gelungenen Gegenentwurf zu all den glitzy und curvy Fonts der Neuzeit dar. Von nahezu existenzialistischer Tragweite ist, dass hier en passant Dingen mit abgelaufenem Haltbarkeitsdatum eine Art von Unsterblichkeit verliehen wurde.
(Gesehen bei boingboing.net.)
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IN DER RIESENMASCHINE
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SO GEHT'S:
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AUTOMATISCHE KULTURKRITIK
"Ace Attorney", Takashi Miike (2012)
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