Riesenmaschine

22.05.2010 | 02:32 | Anderswo | Alles wird besser | Essen und Essenzielles

Swissialism, update


Bratwürstchen-Kommunismus am Zürichsee
Wir haben ja an dieser Stelle schon mehrfach darüber gemutmasst, ob die Schweiz nicht eigentlich als verkappt sozialistisches Gemeinwesen die DDR in gut emuliert, zuletzt angelegentlich der öffentlichen Grills, die an innerstädtischen Plätzen zur freien Verfügung vorgehalten und regelmässig gereinigt werden. Aber was tun, wenn gerade keine Grillkohle und Anzünder zur Hand? Zum Wohle, Nutzen und Frommen auch dieser verpeilten Genossen hat der Sowjet der Stadt Zürich die Einrichtung öffentlicher Elektrogrills beschlossen und am Seeufer in Wollishofen, unweit der Roten Fabrik (!) auch bereits umgesetzt. Münzeinwurf: Fehlanzeige. Einfach Knopf drücken und Grillgut auflegen. Wo kämen wir denn da hin?

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Zürich-Spezial V: Der Beste Ort der Welt 1.9


17.04.2010 | 01:58 | Alles wird besser | Essen und Essenzielles

XYCHINE XTEST

Die Zukunft der Energydrinks muss neu geschrieben werden. Das gilt natürlich nur, falls die Zukunft überhaupt schon geschrieben worden ist und wenn ja, von wem, was niemand so genau weiss. Deshalb zunächst einmal etwas über die Vergangenheit, so eine Art Zukunft für Arme. Dort nämlich wurde vor einem Jahr oder so bei Xyience beschlossen, eine Xenergy-Serie aus Energiegetränken herzustellen, die nicht nur alles enthalten, was man in so einen Trunk hineinhauen kann (Taurin, Koffein, Guarana, Gingseng, Vitamine X, Y, Z), sondern ausserdem auch noch nicht nach Pferdeurin schmecken wie nahezu alle Vorgänger. Das muss als mittleres Weltwunder gelten, ein Perpetuum Mobile in Flüssigform, hat sich die Wissenschaft doch vor geraumer Zeit darauf verständigt, dass Energydrinks immer, immer, immer nach Pferdeurin schmecken. Xenergy gibt es in X verschiedenen Geschmacksrichtungen, von denen eine, Cherry Rush, gnadenlos herausragt und den Rest des Getränkesektors mit einem machtvollen, satten Fump plattmacht. Cherry Rush schmeckt wie eine Mischung aus New Age, Panprotoexperimentalismus und stark gezuckertem Möbiusband, und viel mehr kann man von der Zukunft kaum verlangen. Wenn sie denn nur endlich mal käme.


07.04.2010 | 12:51 | Sachen kaufen | Essen und Essenzielles | Vermutungen über die Welt

Hartwurstenergie

Die offizielle Markteinführung war schon zu Jahresbeginn, seit kurzem hängen auch die Citylight-Plakate der neuen Bifi Energy (offenbar vom gleichen Designer wie die Congstar-Kampagne), und ein, nunja, ungewöhnlicher Werbefilm liegt ebenfalls vor. Dabei zeitigte ein der Riesenmaschine zugeschicktes Testmuster mit drei Bifi Energys den gewünschten Effekt in mindestens zwei Fällen. Der bifitypische Geschmack wird weder vom Guarana noch von den Überraschungszutaten Blutorange und Chili beeinflusst, lediglich die Öligkeit scheint leicht über dem Bifi-Durchschnitt zu liegen.

Ob Bifi Energy am Markt bestehen wird oder das Schicksal der weitestgehend vergessenen Bifi-Line-Extensions Bifi Wiener und Bifi Roll Korn erleidet, lässt sich noch nicht absehen. So oder so könnte sie aber der Ausgangspunkt von zwei kommenden Grosstrends werden: 1. das Ende der Dominanz der Flüssignahrung im deutschen Energy-Lebensmittelsektor. Und 2. die Verlagerung von Wachmacherzutaten aus rein anlassbezogenen Speziallebensmitteln in Alltagsprodukte, die man eh konsumiert.

Wobei Bifi für 2. nur ein Zwischenschritt sein kann, denn wer isst schon gerne den ganzen Tag Bifi? Erst mit Energy-Keksen, Energy-Pizza, Energy-Brot und Energy-Milch wäre wirklich ein neues Nebenbeiheits-Level im Wachmachsegment erreicht. Danach dann bitte Shampoos, bei denen Koffein nicht ausschliesslich der Haarwurzelstärkung dient, ein Energy-Waschmittel, mit dessen Hilfe man Modafinil direkt über die Haut aus der Kleidung aufnehmen kann und natürlich: Koffein-Kondome. Obwohl, die gibt es ja schon.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Raffinierte Getränke


03.04.2010 | 16:54 | Alles wird besser | Essen und Essenzielles

Der Repariertee


Weidenzweige brechen nicht unter dem Schnee
Der neue Öko-Lebensstil unterscheide sich vom alten, heisst es, durch seine Abkehr vom "Jutesack und Asche"-Asketismus und seine Hinwendung zu Hedonismus und Stilbewusstsein bei gleichbleibend gutem Gewissen. Dennoch wohnte auch dem LOHAS nach unserem Gefühl noch immer eine gehörige Portion Protestantismus inne, indem er die düsteren Seiten und Abgründe eines jeden durch schlichtes Leugnen zu negieren suchte. Indem wir uns zu Gutmenschentum und gesunder Lebensweise bekennen, gelingt es uns auch, so zu leben. Weil die Realität bekanntlich anders aussieht, mieden wir realiter auch die neuen Bioläden – als Horte einer Kirche, der wir leider niemals angehören können. Jetzt aber zeichnen sich erste Risse im puritanistischen Purismus ab, die sich zum Wurmloch für unsereinen weiten könnten. In der Reihe der hübsch designten und selbst für Bioläden hochpreisigen "Hausfreunde"-Kräutertees von Herbaria (4,85 €) gibt es neben den Geschmacksrichtungen Hals, Balance, Nase, Bauch und Nerven seit jüngstem auch Kater: ein Repariertee als echte Alternative zum Stützbier und wie gemacht für uns LOPAS (Lifestyle of Punk and Sustainability).


02.03.2010 | 23:47 | Alles wird besser | Essen und Essenzielles

Joe's Revolution

Trader Joe's ist eine Supermarktkette aus Kalifornien, die sich vor kurzem mit dem Aldi-Imperium verbündet hat, und bald den Rest der Welt übernehmen wird. Sobald das geschieht, ist endlich Schluss mit der Mars-Hölle auf dem Schokoriegelsektor, denn Trader's Joe hat das Genre neu definiert.

Trader Joe's verkauft seine Riegel in einer Doppelverpackung: Erst werden sie in silberne Folie eingeschweisst, dann in rechteckige Mini-Kartons verladen, die entfernt an Zahnpastaverpackungen erinnern. Die Riegel selbst erinnern zum Glück überhaupt nicht an Zahnpasta.

Der "PB&J bar" von Trader Joe's hat gerade zum fünften Mal in Folge den Internationalen Snickerkongress gewonnen. Vor allem begeistert er durch seine Konsistenz: massiv, solide, lippenfest, aber weich und warm im Inneren. Er riecht wie ein Wildschwein zehn Meter gegen den Wind, allerdings nicht nach Wildschwein, sondern nach Erdnussbutter und dunkler Schokolade. Geologisch besteht er aus einer dünnen Lage schwarzer Marmelade, dann eine Schokoladencreme und schlieslich im unteren Drittel die gründliche Erdnusspaste. Es heisst, der Riegel sei bei ersten internen Tests zu perfekt gewesen, weshalb man das leicht nervige Fruchtgelee noch obendrauf geklatscht hat. Aber die Konsistenz, die einmalige Konsistenz blieb ihm erhalten.

Noch extremer ist nur Trader Joe's "Lumpy Bumpy Bar", der wohl demnächst gesetzlich verboten wird. Zu perfekt sei dieser Schokoriegel, zu offensichtlich seine übernatürliche Herkunft, der Wettbewerb darum illegitim verzerrt, so wird die (schwache) Begründung lauten. Taxonomisch ist Lumpy Bumpy ein Snickers mit dunkler Schokolade, wobei die Erdnüsse sowohl in der seltsam weissen Nougatcreme als auch ganz oben angebracht sind. Lumpy Bumpy ist was Schokoriegel angeht das Ende der Fahnenstange, evt. auch, was Dinge überhaupt angeht. Lumpy Bumpy FTW!!! Yes!!!!!! An dieser Stelle endet der Testbericht.


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*  SO GEHT'S:

- Schmiegeprofi Tintenfisch

- Baby in Biotonne

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- Schlattenschammes

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- argumentieren wie ein Marder mit Kühlwasserschlauch im Mund

- vierter bis siebter Kreis der Hölle

- Baby in Mülltonne


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"Saw III", Darren Lynn Bousman (2006)

Plus: 3, 21, 31, 32, 45, 48, 80
Minus: 1, 36, 73, 99
Gesamt: 3 Punkte


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