Riesenmaschine

14.01.2008 | 12:36 | Nachtleuchtendes | Fakten und Figuren

Aktion Bock zum Gärtner


Unter der Laterne ist es bekanntlich am dunkelsten. (Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Mit der Corporate Social Responsibility (CSR) ist das so eine Sache. Einige, wie der Economist, halten sie für rundheraus verzichtbar. Auf jeden Fall wird es immer schwieriger, den zum eigenen Geschäftsgebaren passenden, zudem noch unverbrauchten Aktionsradius zu finden. Wie leicht hatte es da doch der CSR-Pionier Krombacher, der sich mit seiner Saufen für den Regenwald-Kampagne einfach arbiträr auf das nächstbeste und publikumsträchtigste Charity-Thema werfen konnte. Heute sind die Claims abgesteckt, und die kritische Öffentlichkeit will eine Verbindung sehen. Da hilft im Einzelfall nur die Flucht nach vorn und ab durch die Mitte. Nach diesem Schema konnte sich etwa der Erdölkonzern BP als klimaschützende NGO neu erfinden. Danach ist es kaum noch irritierend, wenn nun auch der CEO von McDonald's UK öffentlich Videospiele als Dickmacher der Jugend geisselt. Und von daher wäre auch der deutsche Mobilfunkanbieter Debitel durchaus zu seinem im vergangenen Jahr gestarteten, neuerdings mit riesigen Aussenplakaten beworbenen Engagement gegen Kinderarmut zu beglückwünschen. Mal sehen, ob sie damit davon kommen, oder dieses eine Mal vielleicht doch zu sehr auf die Ablenkungswirkung des blinding flash of the obvious vertraut und spekuliert haben.


13.01.2008 | 15:54 | Berlin | Alles wird schlechter | Fakten und Figuren

Sind Zwerge die besseren Eisenbahner?


Ein Modellbahnbahnhof, in dem möglicherweise ein Modellbahnanlagenmodell steht. Noch.
(Foto: wiseguy71) (Lizenz)
Der aktuellen Berliner Zeitung ist zu entnehmen, dass die Deutsche Bahn alle vier in Berliner Bahnhöfen aufgestellten Modellbahnanlagen abschaffen will. Eine bestürzende Nachricht. Denn zwar ist gegen generelles und kopfloses Rumändern an sich natürlich nichts einzuwenden – doch gehört die Miniaturnachbildung des eigenen Lebensumfelds zu den fürnehmsten und edelsten Dingen, die der Mensch überhaupt tun kann, ja eigentlich ist sie es, die den Menschen erst von den Tieren unterscheidet (ausser den Bibern). Bitter ist die Nachricht auch für die Anlagenaufstellerfirma, die gerade erst die Modelle in einer kostspieligen Umbaumassnahme durch zeitgemässe Windräder ergänzt hatte. Zu den Gründen äussert sich die Bahn derweil nur ungenau, man wolle mehr Platz für andere Dinge schaffen, so heisst es. Die wahre Ursache scheinen aber eher Sicherheitsbedenken zu sein: Unerklärlicherweise ist es seit Jahren nicht möglich, den Brand in der Spandauer Modellbahnanlage zu löschen.


09.01.2008 | 16:05 | Supertiere | Fakten und Figuren | Essen und Essenzielles | Vermutungen über die Welt

Farbe Lebewesen


Herumliegevorbild grauer Löwe (Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Viel Notwendiges wurde hier in den letzten Jahren über Energydrinks gesagt. Ununtersucht blieb bisher die Frage, warum alle Energydrinks nach dem Schema "Farbe Lebewesen" benannt sind: Red Bull, Blaue Sau, Dark Dog, Red Devil, Red Horse, Red Rooster, Red Dragon, Black Cat, Black Dragon, Black Panda, Black Panther, Black Stallion, Black Tiger, Blue Bear, Blue Delphin, Blue Fox, Blue Ox, Golden Lion, Red Puma, Red Rhino, Red Shark, White Shark, um nur mal ziemlich viele Beispiele zu nennen.

Nun könnte man die Ursache im Markterfolg von Krating Daeng und dessen Nachfolger Red Bull vermuten, aber die Riesenmaschine ist keine Heimstatt unterkomplexen Denkens. Unsere Forschungsarbeiten ergeben vielmehr Folgendes: Der Mensch fühlt sich dem immer-emsigen Tier unterlegen und hofft auf Kompensation durch den Konsum magischer Tiergetränke. Faule Tiere haben auf dem Abendgestaltungssektor keine Vorbildfunktion, weshalb es auch kein "Blue Wombat", kein "Rote Blindschleiche" und kein "Golden Sloth" gibt. Aber Energydrinks sind auch nicht nach nimmermüden Kribbeltieren benannt, sondern nach Tieren, die Grosses leisten (gut aussehen, Kopf stolz in den Nacken werfen, kleinere Tiere totbeissen). Nach dem Leisten darf dann wieder herumgelegen werden. Denn wach sein, aber nicht arbeiten, das ist es, was wir heimlich wollen.

Die rote, blaue, schwarze, weisse oder goldene Farbe des Tiers wiederum ist Resultat geschickten Semidrogenmarketings, das Energydrinks zum wesentlich beliebteren Blogthema als beispielsweise Glühweinsorten gemacht hat: Wer bunte Tiere nicht herbeihalluzinieren darf, muss sie kaufen. Wer aber gelbe, orange, grüne, rosa, lila und silberne Tiere sehen will, ist weiterhin auf herkömmliche illegale Drogen angewiesen. Vermutlich irgendeine Patentsache.


07.01.2008 | 18:56 | Fakten und Figuren

Feiern, ach, nachher irgendwann


"Today", verstehen Sie? (Foto: mc) (Lizenz)
Wie wir Mitte November von unserem Terminlieferanten erfahren haben (aber erst neulich dazu kamen, die Mail zu öffnen), war am 5. September Be-Late-For-Something-Day, vielleicht war auch der 5. September 2005 gemeint. Veranstalter ist der Procrastinators Club of America, auf dessen Prokrastinationswebsite beruhigenderweise "It is now okay to celebrate it" steht. Man sollte das dann also mal machen, morgen oder so.


06.01.2008 | 10:40 | Supertiere | Fakten und Figuren

Wie das Kleben das Laufen lernte


Credit, Lizenz
Foraminiferen sind eine Art Amöben mit Hardshell, die Panzerkreuzer unter den Einzellern (im Bild ein Exemplar aus Kalifornien). Sich eine harte Schale zuzulegen ist ein kluger Schachzug, denn so wird man unsterblich: Forams sind in diversen Formen bis ins Kambrium (Gegenwart minus 500 Mio. Jahre) nachweisbar; kein einziger Mensch hat sich derart nachdrücklich in der Erdgeschichte verankert, nichtmal Hitler. Die Schalen der Forams bestehen aus zusammengeklebten Sandkörnern, und man fragt sich wirklich, was die Evolution eine halbe Milliarde Jahre lang getan hat, wenn sie schon im Kambrium Sandkörner zusammenkleben konnte. Sandkörner zusammenkleben! (Don't try this at home.)

Der amerikanische Foraminiferen-Experte Sam Bowser hat jetzt herausgefunden, dass der Klebstoff, der Foramschalen zusammenhält, nicht etwa irgendein total simples Zeug darstellt, wie man es von ordentlich-naiven Einzellern erwarten könnte, sondern im Gegenteil hochkomplex sein kann (und ausserdem wasserfest sein muss). Offenbar haben Forams nicht nur das Kleben erfunden, sondern gleich das perfekte Kleben. Intelligent Design beim Sandkleben? Ein sympathischer Weltgeist, der sich um Gehirnentwicklung und aufrechten Gang nicht schert, sondern lieber mit klebrigen Substanzen spielt.

(via Medgadget)

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