Riesenmaschine

19.04.2007 | 01:31 | Fakten und Figuren

Stahl (das stählerne Update)


(Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Über Stahl, das Wundermetall aus der Stahlforschung, kann gar nicht genug Neues und Stolzes gesagt werden. Das findet auch "Innovate! – Das Magazin für Forschung und Technik", herausgegeben von EADS, Oerlikon, Roche und ThyssenKrupp in seiner März- (und vermutlich jeder anderen) Ausgabe. Die daraus entnommene Abbildung zeigt als einzige Abbildung der Welt endlich nicht nur, wie ein Löffel voller Molybdän, Steinkohle oder Mangan, sondern auch, wie Wissen aussieht, nämlich entweder wie ein Löffel oder unsichtbar. Die Bildunterschrift "Wissen ist Stahl" deutet darauf hin, dass eher der Löffel gemeint sein könnte, so dass Unwissen – ein Thema, das einige Riesenmaschine-Autoren aus beruflichen Gründen beschäftigt –, vermutlich die Form einer Gabel oder eines Messers hat. Aber vielleicht ist Unwissen auch ein stählerner Tortenheber! Man weiss ja so wenig über Stahl.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Stählerner Stahl (Stahl)


18.04.2007 | 17:00 | Anderswo | Supertiere | Fakten und Figuren

Pulipogromprognose


Aus Rechtegründen ein recht junger Puli, ältere Tiere haben wesentlich längere Dreads.
(Foto: tanjadebie / Lizenz)
Jetzt ist es raus, Polen und die Ukraine dürfen in fünf Jahren die Fussball-EM ausrichten, Italien reitet beleidigt vom Hof, hat aber im Vergleich zur Doppelbewerbung von Ungarn und Kroatien, die genau null (in Worten: null) Stimmen bei der Vergabeabstimmung erhielt, noch gut abgeschnitten. Da hat es auch nichts genützt, dass sich der ungarische Bewerbungskommittee-Vorsitzende Tamás Gyárfás extra noch mit einem so wirren wie wirren Aufruf an die interessierte Öffentlichkeit gewandt hat, die kroatoungarische Bewerbung zu unterstützen. Ein Aufruf, der mit der Bestätigung, dass Italien die beste Bewerbung vorgelegt hat, beginnt ("If a computer were to decide where to hold UEFA EURO 2012, Italy would win because a computer can only assess data. A machine is "square" but (luckily) a ball is round."), und mit seltsamen, man möchte fast sagen: wirren Zahlenspielen endet ("Here is a related fictional calculation. If the hosting performance of the Croatian Football Association (founded in 1912 and reborn in 1991) and the Hungarian Football Association (founded in 1901) were compared in connection with the above events, the result would be 0:0.").

Dass es am Ende doch Polen/Ukraine geworden sind, lag wie so oft einzig und allein am Webdesign, was jeder bestätigen kann, der auch nur einen kurzen Blick auf die Gewinner-Website und die von Italien wirft. Während in Italien der Schuldige also bereits gefunden ist und demnächst nach Landessitte mit Honig bestrichen und den Bienen zum Frass vorgeworfen wird, ist die Diskussion diesbezüglich in Ungarn und Kroatien noch im vollen Gange. Leider werden sich die Medien, wie immer in solchen Fällen, auf die Maskottchen einschiessen, also konkret auf den ungarischen Puli, der in seiner liebenswert-tolpatschigen Hilflosigkeit dem Aufruf von Tamás Gyárfás in nichts nachsteht, als Bewerbungstier für ein internationales Sportgrossereignis aber unter Umständen etwas zu wenig aggressiveness mitbrachte. Es ist zu befürchten, dass es in Ungarn bald zu Pulipogromen kommen wird, wegen der Namensähnlichkeit vielleicht auch zu Pumi- und Mudipogromen. Sollten Sie also die Chance haben, einen Puli bei sich aufzunehmen, bis sich die Wogen geglättet haben, zögern Sie nicht! Unsere Freunde von www.puli-mamas-hunde-forum.de stehen Ihnen gerne mit Rat und Tat zur Seite.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Bitte lasst den Puli leben!


17.04.2007 | 03:24 | Fakten und Figuren

Geisternoten


(Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Alle tauchen plötzlich auf. Die Zimmermänner mit ihren gruseligen Klapphornversen, Vashti, die schottische Ziegenhirtin, nach 35 Jahren mit einer Ode an den Hasen. The Stooges, Throbbing Gristle, die wellerlosen Jam, die Geisterplatte Chinese Democracy von GnR (hat schon 5 Rezensionen bei Amazon), alle wollen sie auch noch mal etwas vom Kuchen. Die schönsten Wartezeiten sind bekanntlich die sehnsuchtsarmen, die man nicht als solche wahrnimmt, weil mit einer Fortsetzung zu rechnen man längst aufgegeben hat.

So auch bei Philipp Quehenberger. Nachdem er 30 Jahre gewartet hat, veröffentlicht er nun endlich sein Debut. Verehrt von Sonic Youth, Sunn O))), Merzbow und Franz West begründet der fies aussehende Musiker seine Absenz mit den vielen so genannten Geisternoten in seinem antipuristischen, manischen Freejazztechnohybrid: "Wenn man vier Töne im richtigen Rhythmus spielt, hört man den fehlenden fünften."
Ahnend wohl, dass das für das Ohr des einfachen Mannes auf der Strasse zu kompliziert ist, verzichtete er so lange auf Veröffentlichungen, auch, "weil niemandem die Musik gehört, früher hat die Kirche bestimmt, was erlaubt ist und was nicht, heute machen das die Kunsttheoretiker und Cultural-Studies-Typen." Klar, dass man sich von solchen Eierköpfen nicht auch seine Geisternoten zerlegen lassen möchte.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Manchmal braucht es eben ein bisschen länger

Tex Rubinowitz | Dauerhafter Link | Kommentare (2)


15.04.2007 | 00:19 | Fakten und Figuren | Papierrascheln

Nothing beats rock


Foto: Meme!, Lizenz
Das ist natürlich Unsinn, Papier schlägt Stein, eine wenig intuitive Regel, die auf die chinesische Antike zurückgeht. Und sonst würde ja jedes Spiel unentschieden Rock zu Rock ausgehen, wie in der Seinfeld-Folge "The Stand-In". Wie man wirklich Rock-Paper-Scissors (RPS) spielt, das legt seit Mitte des 19. Jahrhunderts der World RPS Club in Toronto fest – ehemals in England gegründet, um die Ausübung von RPS "for honour" zu garantieren, diente das Kinderspiel doch ansonsten zur Beilegung von ernsthaften gesetzlichen Zwistigkeiten, für die sich sonst keine Lösung finden liess. Oder für die man sich sonst umständlich hätte duellieren müssen. Im Orient lief der Vorgang interessanterweise andersherum ab, und Streitigkeiten bei RPS führten zur Erfindung von ganz neuen Kampfsportarten. Man erkennt daran, dass es Sinn macht, die taktischen Feinheiten des nicht-transitiven Spiels zu beherrschen. Im Mittelpunkt der RPS-Strategie stehen die zahllosen Gambits, dreistufige Wege zum Sieg, beispielsweise "The Avalanche" (3x Rock), ein "relentless and devastating offensive manoevre", für Anfänger vielleicht nicht zu empfehlen. Und wenn man das alles beherrscht, so wie Superstar Bob "The Rock" Cooper, vermeidet man nicht nur körperliche Auseinandersetzungen, nein, man gewinnt möglicherweise auch viele tausend Dollar bei der RPS-Weltmeisterschaft und zahlreichen anderen internationalen Turnieren. Oder zumindest Ruhm und Ehre, zum Beispiel am 14. April beim Turnier der Kappa-Sigma-Fraternity des MIT. Moment, das war ja gestern.


11.04.2007 | 10:25 | Anderswo | Fakten und Figuren | Essen und Essenzielles

Wiedergutmachungsbäckerei


Der Böse, Brecht's Bar, Hongkong

Angestelltenschliessfächer Bäckerei "Das Gute", Hongkong
Der böseste Deutsche aller Zeiten ist nicht wegzukriegen aus dem globalen Gedächtnis. Nicht durch noch so viele Imagekampagnen der Bundesregierung oder den Export von Juli Zeh nach China. Durch Spiegel-Artikel schon gar nicht. Hier sieht er mit Hakenkreuzaugen auf die Gäste einer Szene-Bar in Hongkong herab. Wie das gemeint ist, ist nicht hundertprozentig deutbar. Die von Hongkongern geführte Bar heisst Brecht's; das Bildnis des guten Menschen aus Augsburg ziert die Speisekarte (Erdinger Weissbier, Hoegarden, Stella Artois). Ein paar Meter weiter hängt Mao an der Wand, in ähnlicher Manier karikiert wie der Führer. Besäuft man sich im Brecht's also totalitarismustheoretisch? Wahrscheinlich ist das nicht. Eher soll die Bebilderei komplette Craziness signalisieren, die vollhippe Libertinage oder so was. Das glauben jedenfalls seine Besucher.

Der böse Deutsche kann aber nicht überall sein. In Hongkong stellt sich ihm "Das Gute" entgegen, eine deutsche Bäckerei mit zwei Filialen, eine davon im traditionsreichen Western Market. "Das Gute" repräsentiert das neue, grüne, eben grundgute Deutschland, das, weil es anders kaum geht, auf Werbetafeln auch gleich und ausschliesslich in der grünsten aller Sprachen beworben wird: "Die Natur ist unser Vorbild. Rezepte nach traditioneller Herstellung mit reinem Quellwasser und naturbelassenen Getreide." Serviert werden – zu Erdinger Weissbier – klassische deutsche Gerichte wie "Angel Hair with Korean Beef & Vegetable", zu kaufen gibt's "Brot wie aus dem Berchtesgadener Land." Das kommt gut an, auch bei Engländern, die allenfalls die vermeintlich falsche deutsche Rechtschreibung bemängeln. Doch halt, "wie aus dem Berchtesgadener Land"? Stand eben dort nicht einst ein einsamer Berghof? Arrgh, da ist er wieder, der Böse. Einfach nicht wegzukriegen aus dem deutschen Image, nicht in Asien, nicht auf der ganzen Welt. Auch nicht in tausend Jahren.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Deutsch China

Christian Y. Schmidt | Dauerhafter Link | Kommentare (8)


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