Riesenmaschine

12.11.2007 | 19:04 | Alles wird besser | Sachen kaufen | Sachen anziehen

Was ihr wollt.


Fetisch mit menschlichem Antlitz
Kulturpessimisten beklagen, dass die Sitten allgemein verrohen. Bekannte (Frank Schirrmacher) und unbekannte (Alice Schwarzer) Feministen vermuten im Internet den Hort alles Bösen und in der Jetztzeit den Trend zu immer weiterer Verhärtung aller Dinge, was nur zum Teil zutrifft. Wenn auch die aus dem Boden schiessenden kostenlosen Videoplattformen klar anzeigen, dass in der Hardcorepornografie der Trend eindeutig zu reichlichem (Peter North), ja fontänenartigen (Cytherea) Flüssigkeitsausstoss, sowie zu eingehender Mundpenetration unter Tonsillenquetschung (Gagging) geht, soll doch andererseits nicht unerwähnt bleiben, dass in ebenjenem Internet auch ganz neue Softporno-Inspirationen schlummern. Hier sei exemplarisch www.wolltraum.de genannt, wo es herrliche Balaclavas, Willywarmer und grelle Unterwäsche gibt. Alles aus feinstem Mohair, Merino und weichsten Wollen. Einen Gagball hingegen sucht man vergebens.


15.10.2007 | 17:50 | Anderswo | Sachen anziehen | Essen und Essenzielles

Pizza Inkognito

Es ist mal wieder typisch: Da wurde die Initiative eines bayrischen Gastwirtes, der keine Kinder unter 12 Jahren mehr in seinem Restaurant zulässt (vgl. taz) inzwischen in so ziemlich allen wichtigen Internetforen kontrovers diskutiert – praktische Lebenshilfe sucht man aber (abgesehen von diesem Vorschlag) mal wieder vergeblich.

Was aber tun, wenn man als Elter in Kraiburg mal wieder eine leckere Pizza Ungarn 2 essen und einen Russen trinken möchte, aber für die Kinder keinen Babysitter findet, weil der bereits den Nebentisch reserviert hat und sich auf seine Atztekenpfanne und seinen Neger freut? Riesenmaschine-Spezialtipp: Die Kinder einfach tarnen! Sollte der Wirt irgendwann dahinterkommen und das Restaurantverbot auf Duftbäume ausweiten, nimmt man stattdessen halt ein Furzkissen mit. Oder ein riesiges gelbes Marshmallow-Küken. Oder eine Eistüte, eine Banane, eine Erbsenschote, ein Stück Pizza oder einen Hot Dog. Andererseits: Warum noch essen gehen, wenn man auch kristallklare Eiswürfel lutschen kann?

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11.09.2007 | 18:10 | Alles wird schlechter | Sachen anziehen

Risikosportart Gummischuh


Sommertrend 2008: Schuppen und Krallen
(Foto, Lizenz)
Der Sommer ist nahezu vorbei; was bleibt anderes übrig, als Bilanz zu ziehen, nach fünf Monaten im Banne des Sommertrends Gummischuh. Es fing damit an, dass Kathrin Passig im April aus freien Stücken erfand, bald würden die Menschen mehrere Crocs auf einmal tragen, so massiv würden sie über uns hereinbrechen. Natürlich ging der widerliche und gewissenlose Wunsch in Erfüllung, wie es in der Prophezeihung stand. Vollkommen unerwartet jedoch das vernichtende Ausmass des Debakels in Folge der löchrigen Fussgummierung: Erst grosse Panik wegen elektrostatischer Aufladung, bis hin zum Versagen von lebensnotwendigem Equipment. Dazu ernstzunehmende Hinweise auf Wolken aus Blitzen, hervorgerufen durch nur scheinbar unschuldige Kautschukpantinen. Im selben Atemzug Warnungen vor dem Fallenlassen von scharfen Alltagsgegenständen wie Skalpellen und Infusionsnadeln, was da alles passieren kann, hat man ein Loch im Schuhwerk! Und schliesslich, selbstverständlich aus dem fortschrittlichen Japan, die ultimative, allerletzte Warnung vor einer Wiederholung des Croc-Sommers: 40 Fälle (vierzig!) von Japanern, die wegen ihres Schuh-Geschmacks versehentlich mit dem Fuss in Aufzugtüren steckenblieben. Vierzig mal Leid, Pein und Elend untenrum. Vierzig japanische Katastrophen, die nicht hätten sein müssen. Be warned.

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01.09.2007 | 16:00 | Alles wird besser | Sachen anziehen

Bricks and Mortar


Back to Backstein (Foto: Daniel Ulrich, Lizenz)
In der aktuellen Ausgabe der ZEIT findet sich ein interessantes Gespräch mit Helmut Schmidt von Giovanni di Lorenzo, nein nicht das über die RAF, sondern "Auf eine Zigarette mit" im ZEIT-Leben, wo es diesmal um Architektur geht. Schmidt bekennt darin, dass er selbst "von ganzem Herzen" gern Architekt geworden wäre, wenn nicht der Krieg dazwischen gekommen wäre. Es folgt ein flammendes Plädoyer gegen die "moderne Allerweltsarchitektur" aus Stahl und Glas, gegen "Brutalbeton" und für den hanseatischen Backstein. Obwohl dieser in der Nachkriegszeit nur noch aus kosmetischen Gründen vor die Betonfassaden geklebt wurde, hätte es laut Schmidt die Chance gegeben, den "der Landschaft angemessenen" Baustoff "zu einem Signum Hamburgs zu machen".

Nur scheinbar outet sich der Altkanzler damit als unverbesserlicher Buddenbrook'scher Kulturpessimist, der mit seinem Bekenntnis zu Stein und Mörtel posthum die gesamte Postmoderne inklusive New Economy in die Tonne tritt. Unerwartete Schützenhilfe erhält er nämlich aus der Süddeutschen Zeitung, die unter Ökologie-Gesichtspunkten eine ähnliche Breitseite gegen die zeitgenössische Architektur abfeuert, und konstatiert, dass das weitgehend aus "Planziegel XP 11" von Eder gebaute Energetikhaus 100 das ökologische Bauen weiter vorangebracht hat, als die Zunft der internationalen Star-Architekten zusammengenommen. Statt "Zurück zum Beton" könnte es demnach bald heissen: "Zurück zum Ziegel", was unterm Strich auch die bessere Alliteration ist.


09.06.2007 | 08:23 | Supertiere | Sachen anziehen

Schafphasen


Schaf, Seinslehre (v.r.n.l.), Foto, Lizenz
Izzy Lane verkauft Kleidung hergestellt aus der Wolle von Schafen, die vorher mühevoll und kostspielig von der Schlachtbank gerettet wurden (via Trendwatching). Die Philosophie dahinter: Das Schaf existiert nicht nur, weil wir es essen. Sondern zum Beispiel auch, um geschoren zu werden. Nun ist es müssig, über den Wert von Kleidung im Vergleich zum Wert von Hammelfleisch zu streiten, jedenfalls ausserhalb der Antarktis. Jedoch stellt sich die Frage, ob das eine Schaf nach der Schur wirklich noch existiert, also als dasselbe Schaf in seinem Schafsein verharrt. Immerhin ändern sich mit dem Haarwechsel die Akzidentien des Dreckstiers, und nachdem die Akzidentien der Substanz inhärieren, hat sich auch irgendwo die Substanz geändert, trotz ihrer Horntieridentität. Kann man also zweimal in anderen Haaren existieren? Steigt man nicht nur einmal in dasselbe Fell? Kann also der Haarwechsel wirklich ohne Folgen für die Schafexistenz bleiben? Und was unterscheidet die Schur somit ontologisch noch vom letztgültigen Ende beim Schlachter, offenbar nach Expertenmeinung auch nur eine beliebige Grenze zwischen Hier und Da? Nichts. Eben. Denn nur der Schwamm, der König der Tiere, ist wirklich in allen Facetten unsterblich.


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