Riesenmaschine

30.07.2008 | 17:13 | Supertiere | Alles wird besser | Sachen kaufen

Molekularkuscheln


Supercute!
Nach Jahren kommt überraschend wieder Bewegung ins totgeglaubte Plushie-Business. Da es mittlerweile alle erdenkbaren Mikroben und Bakterien zum Kuscheln gibt, wird von dieser Basis fortan in zwei Richtungen gearbeitet: The Particle Zoo hat die Stufe der Kuschelzellen und -atome behände übersprungen und bewegt sich auf submolekularer Ebene. Das Sortiment umfasst 33 niedliche Elementarteilchen, darunter Quarks, Leptonen, Eichbosonen, Baryonen, hypothetische Teilchen und natürlich auch 11 dazu passende Antiteilchen (separat verpackt). Die I Heart Guts (beide via Geekology) hingegen haben sich auf dem entgegengesetzten Weg schon bis zur Organebene vorgearbeitet. Neben den Klassikern wie Niere, Leber und Lunge gibt es seit neuestem auch das Gehirn und das limitierte Herz aus Gold. Als nächsten Schritt wird es dann wohl komplexe Kuschelorgansysteme, Kuschelskelette und später womöglich ganze Kuschellebewesen geben.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Endlösung der Kuscheltierfrage


29.07.2008 | 11:23 | Sachen kaufen | Vermutungen über die Welt

Ein nur für manche schöner Tag in der Werbeagentur


Stenzel kochte. Dieses Arschloch. Er hatte es schon wieder getan! Wonnegat, Junior Creative Director aus dem 2. Stock, war mal wieder "rein zufällig" beim Meeting für die neue Hornbach-Frühjahrs-Aktion in den Konfi geschneit, hatte mal wieder wie nebenbei einen Satz gemurmelt, den Dr. Vöckel, Chief Creative Officer und extra aus Düsseldorf angereist, mal wieder umgehend zum Kampagnenclaim erklärt hatte. Stenzels eigene Arbeit – vier Wochen lang Marktdaten, Creative Briefs und Brand-Core-Analysen lesen, die Werbung aller deutschen Baumärkte seit 1985 auswendig lernen und aus diesem Wissen dann zehn verschiedene Kampagnenideen erstellen – war dahin.

Seit Jahren ging das nun so. Stenzel hatte sich "Yippiejaja yippie yippie yeah" ausgedacht – das als Markenclaim schon vor langem durch Wonnegats "Es gibt immer was zu tun" ersetzt worden war. Stenzel hatte Schnick und Schnack, die Hand-Drauf-Aktion, den Stuntman-Spot und die Hornbach-Sommerspiele erfunden – Wonnegat hatte im Vorbeigehen "Mach es fertig, bevor es dich fertig macht", "Sie werden wachsen. Mit jedem neuen Projekt" und "Jedes Projekt macht dich besser" getextet. Und statt von Stenzels "Liebe Dein Zuhause. Dann liebt es Dich auch" oder der "Blixa Bargeld liest Hornbach"-Aktion redeten alle nur über die angeblich schlichte Genialität von "In jedem Projekt steckt ein Teil von dir" und "Mach's wie du willst – aber mach's". Aber wie konnte Wonnegat, der ohnehin schon parallel auf zwei Grosskunden arbeitete, bloss immer wieder neue Claims aus dem Ärmel schütteln?

Später am gleichen Tag lag Wonnegat zufrieden in seinem Bett. Düsseldorf freue sich auf ihn, so hatte Dr. Vöckel bei seiner Verabschiedung versichert. Wonnegat öffnete die Nachttischschublade, holte seinen beim Firmenwichteln 2002 gewonnene Abreisskalender "365 Spruchweisheiten für den Freiberufler von heute" hervor und wog ihn liebevoll in seinen Händen. Er hatte ihn auch dieses Mal nicht im Stich gelassen und dabei war er erst beim 15. Januar angekommen.

Mal schauen, was auf der nächsten Seite stand... aha: "Wem du bei deinem Projekt vertraust, dem kannst du bei allem vertrauen". Ausgezeichnet, dachte Wonnegat. Daraus sollte sich doch was für die Sommer-2008-Kampagne machen lassen.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Ein dann doch noch ganz schöner Tag in der Hama GmbH & Co KG


19.07.2008 | 17:28 | Was fehlt | Sachen kaufen | Vermutungen über die Welt

Ein dann doch noch ganz schöner Tag in der Hama GmbH & Co KG

Salweiders Präsentation lief, wenn man ehrlich war, nicht so besonders. Die erste Slide zeigte das Shampoo "Wash & Go", mit dem der 2-in-1-Markt 1989 unter mühsamen Kampagnen zur Aufklärung der Käufer erschlossen worden war. Weiter ging es mit den Folgeerscheinungen: den Zweiphasenprodukten, den Biermixgetränken und dem Schnabeltier. Langatmig stellte Salweider die 3-in-1-Produkte und die 4-in-1-Produkte vor. Ab 10-in-1 ging es eigentlich nur noch um Kartenlesegeräte. Als er endlich bei den 39-in-1-Produkten ans Ende der Vorgeschichte gelangte, kämpften nicht nur Wrobel und Engolding mit dem Schlaf. Salweider riet unter Berufung auf das Gesetz des abnehmenden Grenznutzens dazu, es der Konkurrenz gleichzutun und die Finger von 40-in-1-Produkten zu lassen. Die Lage schien aussichtslos.

Die nächste Slide aber riss die Geschäftsleitung aus ihrem Halbschlaf. Die Hama 1-in-1-Fernbedienung! "Salweider, Sie Fuchs!", "Der Salweider mal wieder!", so hiess es, und beim unmittelbar folgenden Sektumtrunk wurden die Nachfolgemodelle "0-in-1-Fernbedienung" und "1-in-2-Fernbedienung" gleich in einem Aufwasch mit abgesegnet.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Ein durchschnittlicher Tag in der Aufzugfirma


10.07.2008 | 14:23 | Alles wird besser | Sachen kaufen | Essen und Essenzielles

Glücklicher experimentieren


13 Köstlichkeiten
Die Welt der Experimentierkästen war in den verwichenen 30 Jahren eine Welt der Langeweile. Kristalle züchten, Mittelwellenradios zusammenklötern, mit müden Chemikalien wie Kupfersulfat und Natron herumpanschen – als stark rockende Experimente konnte man das alles nicht bezeichnen. Schön, dass das Unternehmen Kuenen unter der Produktlinie "Wahnsinnswissen" nun endlich Experimentierkästen für Kinder anbietet, die Eltern das Fürchten lehren. Da gibt es z.B. das kinderzimmergefährdende Set "Explosive Experimente", die Kiste "Gewaltiger Vulkan", den "Schaurigen Augapfel" für den jungen Medicus und – was wirklich hoffen lässt – den "Kranken Magen", inklusive der ermutigenden Mottozeile: "Stelle dein eigenes Erbrochenes her". Wie täuschend echt der hiermit erstellbare regurgitierte Mageninhalt aussehen kann, wird auf der Website des Anbieters unter der selbstkritischen Rubrik Erfahrungsberichte in aller Deutlichkeit gezeigt. Das ideale Weihnachtsgeschenk.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Das Geschenk für den Jungen


04.07.2008 | 14:58 | Anderswo | Sachen kaufen | Vermutungen über die Welt

Teppichmesser to go

Der 11. September 2001 war vor allem aus einem Grund im Gedächtnis der Menschheit geblieben: Als der Anfang vom Ende des Passagierflugbetriebs. War den Fluggästen zuvor bis auf die Mitfuhr von Bomben und Schusswaffen im Prinzip alles erlaubt, hagelte es danach Restriktionen: Erst wurden Scheren und andere spitze Gegenstände verboten (gefühlt 2002), danach Flüssigkeiten jeglicher Art (2006), später Löffel (2009), Papier (2011), Blackberrys (2012), Wollkleidung (2014), Göffel (2014), Obst (2017), usw. (2021) – bis es den Leuten irgendwann zu dämlich war, nur mit extraweichen Linoleumbademänteln bekleidet ins Flugzeug zu dürfen, und sie fortan wieder mit dem Zug in den Urlaub fuhren.

Die Bahngesellschaften hatten diesen Wettbewerbsvorteil freilich schon früh erkannt und seitdem behutsam zum Markenkernwert aufgebaut. Im Bild ein Pilotprojekt, das 2008 auf dem Osnabrücker Bahnhof gestartet wurde: Ein Multifunktionsautomat (baugleich mit diesem Modell), in dem die Bahnkunden günstige und sofort einsetzbare Teppichmesser kaufen können.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Schwerter zu Flugscharen


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