21.09.2005 | 13:42 | Was fehlt | Sachen kaufen
 (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)Anhänger des Jugendstilnachfolgers Tropenlook konnten bisher in der Möbelfrage zwischen Bambus und Rattan wählen. Das ist auf Dauer sogar für Menschen zu wenig, denen offenbar die Auswahl zwischen zwei Parteien vollkommen ausreicht (jetzt erst klarwerdender Vorteil dieses Systems: Dem Wort "Schwampel" ist dort a priori jede Existenzgrundlage entzogen). Ein österreichischer Möbelanbieter mit dem merkwürdig skandinavisch anmutenden Namen Lars Bambussen führt nun stolz eine Anzahl von Alternativen ins Feld. Seegrasmöbel, Bananenblattmöbel und für Liebhaber der Extremexzentrik: Wasserhyazinthmöbel (Abbildung: Hässliches Bananenblatt-Sofa). Das ist theoretisch genau der Beitrag, der uns in der hier (und hier) beleuchteten Diskussion um den Werkstoff der Zukunft gefehlt hat! Vor allem, weil die Wasserhyazinthe in einigen Teilen der Welt ein Schädling ist, wenn sie auch Wasser von Arsen und anderen Schadstoffen reinigt. Sie erstickt nämlich andere Wasserpflanzen und wächst ohne Fressfeinde unfassbar schnell. Aber ach, beim näheren Hinsehen wird klar, dass die Hoffnung der Vielfalt hier auf Augenwischerei beruht: Die Möbel, egal ob Bananenblatt, Seegras oder Wasserhyazinthe, bestehen im Kern weiterhin aus Rattan und werden nur verbergend umwickelt. Manchem mag diese Oberflächenschummelei ausreichen – für eine echte Belebung der Werkstoff-Debatte taugt sie nicht. Auch wenn man offenbar aus Seegras hervorragende Katzenstreu machen kann.
21.09.2005 | 13:00 | Nachtleuchtendes | Sachen kaufen
 (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)Keine gute Abteilung "Nachtleuchtendes" wäre vollständig ohne den Glow Brick des britischen Designteams Suck UK. Tagsüber speichert die in den Acrylblock eingelassene Glühbirne Licht, um es nachts wieder abzugeben. Suck UK wurde hier schon mal im Zusammenhang mit Flaschenöffnern für Mädchen genannt, zeichnet sich insgesamt aber leider durch denkfaulste Beschränkung auf den üblichen Designschrott aus: originelle Salz-und-Pfefferstreuer, originelle Weinaufbewahrungsgestelle, originelle Kaffeetassen und originelle Aschenbecher. Entsprechend enthält eben auch der "Glow Brick" leider innen ein Designerhumorelement in Form einer Glühbirne, d.h. das Ganze ist "made with a real light bulb", funktioniert aber ganz anders, haha. Da das Glühbirnenhumorelement in der amtlichen Rangfolge der lahmen Humorelemente gleich nach dem Gummiquietschehintern mit Ohren kommt, möchte man – nachtleuchtend hin, nachtleuchtend her – eigentlich nicht von Menschen nach Hause eingeladen werden, die so was besitzen. Außerdem wird schon sehr bald außer den Manufactum-Katalog-Herausgebern niemand mehr wissen, was das eigentlich mal war, eine Glühbirne. Wir erwähnen den "Glow Brick" also wirklich nur der Vollständigkeit halber.
20.09.2005 | 20:11 | Alles wird besser | Sachen kaufen
 (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)Als das WWW noch ganz neu war, wusste auch niemand so recht, was man damit anfangen sollte. Deshalb soll man dem schwedischen Gerät Ghost Reminder, auf das wir durch OhGizmo! aufmerksam gemacht wurden, auch keinen Vorwurf aus seinem erst mal etwas unklaren Verwendungszweck machen. Der Ghost Reminder enthält ein Mikrofon, einen Bewegungssensor und einen Lautsprecher und spielt eine vorher aufgenommene Nachricht ab, sobald jemand in seine Nähe kommt. Man braucht sich also, so der Hersteller, zum Beispiel keine Nachrichten mehr "med läppstift" an den Spiegel zu schreiben. Sehr wahrscheinlich wird aber dieses vielseitige Gerät schnell ganz andere Einsatzzwecke finden. Vielleicht werden sie mit sprechenden Fahrrädern zu tun haben, vielleicht mit prätentiösen Kunstprojekten, wahrscheinlich aber mit etwas grundlegend Anderem, das wir uns jetzt noch gar nicht so richtig vorstellen können.
 (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)Mit der gleichen gespannten Erwartung erfüllt uns Mr. Limpy, der in vier Farben erhältliche "ultimate realistic limp penis", der der etwas rätselhaften Zielgruppe unter anderem im Format "extra small" angeboten wird. Ist das jetzt die sexuelle Postmoderne und das Ende des Leistungsdrucks im Bett? Oder geht es in den Zeiten der Silden-, Tadal- und Vardenafile darum, bei Bedarf jederzeit auch mal ein schlaffes Glied zur Hand zu haben? Und sei es nur so zur Erinnerung daran, wie das früher mal war? Man weiß es nicht, und das ist spannend und spricht außerdem dafür, dass wir dringend noch mehr Gegenstände unklarer Zweckbestimmung brauchen. Wofür? Ach, das findet sich dann schon.
20.09.2005 | 12:27 | Anderswo | Alles wird besser | Sachen kaufen | Essen und Essenzielles
 Während die Deutschen den letzten Sonntag mit sinnlosem Wählen verbrachten, feierten die Chinesen das Mittherbst- oder auch Mondfest. Dieses geht auf gleich mehrere Legenden zurück, in welchen unter anderem der weltbeste Bogenschütze, seine Frau, ein Unsterblichkeitstrank, zehn Sonnen und ein Hase, der sich selbst brät, tragende Rollen spielen. Traditionell werden anlässlich dieses Feiertages so genannte Mondkuchen verschenkt, kreisrunde süsse Küchlein aus Mürbeteig, die mit allem gefüllt werden, was dem Chinesen unterkommt: salzige Enteneier, Gehacktes, Stinkfrucht-Mus, Rote-Bohnen-Paste oder Häagen-Dasz-Eis. Für den bestechungsfreudigen Beamten hält die Mondkuchen produzierende Industrie bisweilen sogar mit echtem Gold gefülltes Gebäck bereit, im Wert von einigen Tausend Euro. Allerdings sind auch klassische Mondkuchen nicht gerade billig: Für einen der möglichst überdimensionierten Kuchenkartons wandern in der Regel zwei- bis vierstellige Eurobeträge über den Ladentisch.
Die Chinesen zahlen diese Mondpreise leichten Herzens; in den letzten Wochen sah man praktisch keinen Pekinger ohne mindestens einen Kuchenkarton auf der Strasse. Das ist insofern bemerkenswert, als dass das teure Feiertagsgebäck kaum einem Chinesen schmeckt. Eine Blitzumfrage der Riesenmaschine in der chinesischen Hauptstadt ergab, dass knappe zwanzig Prozent der einheimischen Mondkuchenempfänger diese auch tatsächlich verzehren. Der Rest entsorgt die gefürchteten Kalorienbomben nach einigen Anstandswochen diskret über den Hausmüll.
Dass dieser Kuchenkauf- und Vernichtungsrausch nicht unerheblich zum anhaltenden, gigantischen chinesischen Wirtschaftswachstum beiträgt (voraussichtlich 9,5% für 2005), wurde bisher von den Ökonomen dieser Welt nicht hinreichend berücksichtigt. Vielleicht aber behält die sich demnächst irgendwie konstituierende deutsche Bundesregierung dieses Konjunktur-Ankurbelungsrezept im Auge und führt auch in Deutschland das Mondfest ein.
17.09.2005 | 11:45 | Sachen kaufen
 (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)Es gibt ja Produkte, die lassen sich nicht so ohne Weiteres derart weiterentwickeln, dass sie wenigstens minimal Schlagzeilen machen oder im Idealfall gar die Aktienkurse der Herstellerfirma nach oben treiben. Ein einfaches Bluetooth Headset mag dazu gehören. Die Entwicklungsabteilungen der entsprechenden Firmen versuchen dieses Problem auf jeweils verschiedene Weisen zu lösen. Wenn 'kleiner und leichter' als Strategie nicht mehr funktioniert, versuchen sie es oft genug mit der beliebten Funktionsdoppelung. Dazu verschmelzen sie entweder zwei bis dahin völlig unabhängige Geräte, wie etwa ein Bluetooth-Headset und eine Sonnenbrille. Oder sie gehen den umgekehrten Weg und statten das Gerät selbst mit einem zusätzlichen Feature aus. So hat Nokia nun mit dem Wireless Image Headset zum ersten Mal ein Headset mit einem Bildschirm versehen. Weil das Headset dadurch natürlich etwas grösser wird, kann es nicht mehr direkt am Ohr getragen werden, sondern hängt an einem Bändel um den Hals und ist von dort wiederum mit einem Kabelkopfhörer, also einer Art traditionellem Headset, mit dem Ohr verbunden. Der Bildschirm selbst hat im Wesentlichen die gleiche Funktion wie derjenige am zugehörigen Mobiltelephon. So kann man zum Beispiel via Bluetooth Bilder vom Handy aufs Headset laden und dort anschauen. Das ist natürlich äusserst praktisch. Wenn die Designer von Nokia es jetzt noch schaffen würden, eine Tastatur in das Gerät zu integrieren, dann hätten sie etwas wirklich Neues geschaffen: Ein Telefon, das via Bluetooth auf alle Funktionen eines Telefones zugreifen könnte. Und wenn sie zu guter Letzt noch das lästige Kabel durch eine, sagen wir einmal, Bluetoothverbindung ersetzten könnten, na dann, aber hallo!
Dieser Beitrag ist ein Update zu: Bluetoothbrille
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IN DER RIESENMASCHINE
ORIENTIERUNG
SO GEHT'S:
- Banane
- Pfeifhase
- Matratzeneis
- Dinkelpower (immer noch)
SO NICHT:
- uffjeschriebener Dialekt
- Heiratsantrag mit von Fickwunsch zerfurchtem Gesicht
- Hermelin auf der Speisekarte (Tschechien)
- Saugschmerle in der Anstalt
AUTOMATISCHE KULTURKRITIK
"Inside Out", Pete Docter, Ronnie Del Carmen (2015)
Plus: 37, 45, 80, 101, 117, 123, 132, 140 Minus: 1 Gesamt: 7 Punkte
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