22.08.2005 | 21:07 | Sachen kaufen
 (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)Fußballvereinsfans aufgepasst! Das mit dem Johlen, Grölen und Singen war gestern. Und wenn wir mal ehrlich sind, war es ja auch anstrengend – und insgesamt viel zu leise. Die Zukunft der Ekstase heißt tuten und blasen beziehungsweise doppelstimmig tröten. Das Prinzip ist ebenso einfach wie patentgeschützt: Dank einer Membran, eines Klemmringes und eines "auf den Zehntelmillimeter exakt gefertigten Kunststoffrohres" ist das Loslärmen ab sofort so stimmbandschonend wie nie. Ohne Gas, ohne Batterie, nur mit Puste. Satte 130 Dezibel, soviel wie ein startender Jumbo-Jet, bietet die Normal-Powerfanfare mit Trageschläufchen. Das Tolle ist: Es gibt sie in allen möglichen Vereinsfarben inklusive metallic! Etwas dezenter (100 dB) als die Jumbo-Tuba tönt das doppelläufige Medium-Modell "Duda-Cap". Die mitgelieferten Clips und ein paar Handgriffe machen noch aus der allerbescheidensten eigenen Basecap im Nu die lauteste Mütze der Welt. Kostenpunkt: kaum der Rede werte 10,50 Euro. Wer es tiefer und fetter möchte, bekommt für 1,50 Euro eine zusätzliche Rohrverlängerung und damit Soundverbesserung. Nur Ohrstöpsel liefert die Firma nicht mit. Das verstehe, wer noch kann.
22.08.2005 | 18:14 | Berlin | Sachen kaufen
 (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)"Die Idee eines Tauschringes ist nicht neu", das hat der neue Berliner Tauschring exchange*me richtig erkannt. "Neu bei exchange*me ist, die Idee des Tauschringes auf das Internet, als dafür ideale Kommunikationsplattform, zu übertragen." exchange*me basiert wie alle Tauschringe auf einer internen Tauschwährung, dem ME!, denn "dadurch spart exchange*me Geld und Sie können Dienstleistungen in Anspruch nehmen, die Sie sich sonst vielleicht nicht leisten würden".
Aber die Schlitzohren von exchange*me haben sich zum Geldsparen ein weiteres, innovatives Konzept zurechtgelegt: "Für das Buchen eines Tauschgeschäftes wird ein Kleinbetrag zwischen 1 EUR und 3 EUR erhoben, je nach Umfang des Tauschgeschäftes (...) Alternativ gibt es die Clubmitgliedschaft für einen Jahresbeitrag von 39 EUR, bei der alle Transaktionen gratis sind."
Bei diesem EUR handelt es sich um eine Tauschwährung, für die man – im Gegensatz zum ME! übrigens – bereits in mehreren europäischen Ländern Waren und Dienstleistungen eintauschen kann. Wir möchten jetzt nicht unnötig skeptisch wirken, würden aber persönlich dann doch genau wie die exchange*me-Betreiber eher direkt auf diesen EUR setzen – das Konzept scheint uns einfach, ja, zukunftsträchtiger.
Dieser Beitrag ist ein Update zu: Godot Trends II: Wearables
22.08.2005 | 15:46 | Berlin | Sachen kaufen
Gross war das Heulen und Zähneklappern, als Ende Juni das White Trash Fast Food in der Torstrasse, unser Stamm- und Lieblingslokal irreversibel seine Pforten schloss. Viel des hübschhässlichen Chinamafia-Inventars wurde in den letzten Nächten zerdeppert, wir blieben mit einer Wodkaträne im Knopfloch und der vagen Ankündigung zurück, das White Trash sei keine Location, sondern eine Idee, die schon sehr bald in nächster Inkarnation wiedergeboren werden würde. Am vergangenen Wochenende nun hat auf der Filet-Brache zwischen Jannowitzbrücke, S-Bahn und Spree der Wild West Rock'n Strand Markt eröffnet, eine Mischung aus Flohmarkt und Strandbar im Geiste des alten White Trash.
Mit erkennbarer Liebe zum Detail haben die Macher hier eine verschlafene Western-Kulissenstadt inklusive Kirche ("Church Bar") und mittlerweile berlintypischem künstlichem Berg ("Matterhorn Bar", vgl. Volkspalast ) erstehen lassen, was das ganze wohltuend von den Berliner Flohmarkt-Flohmärkten abhebt. Die Verpflegung mit frischem Barbecue ist ausgezeichnet, und über alles dudelt relaxte Yankee-Mucke, die ganz offensichtlich nicht vom greisen Entertainer stammt, der am Rande des Geschehens hinter seiner Hammond-Orgel eingeschlafen ist. Das vertraute Personal aus tätowierten Backenbärten und schlampigen Trashqueens bevölkert die Szene, wirkt jedoch im milden Tageslicht weitaus gesitteter als früher. Etwa die Hälfte der Stände ist noch unbewirtschaftet, was das ganze hübsch überschaubar hält. Neben den unvermeidlichen kunsthandwerklichen T-Shirt-Ständen fällt eine leicht signifikante Häufung von Lederjacken, grossformatigen Sonnenbrillen und Rockplatten auf. Ansonsten alles ganz normal und entspannt. Als Flohmarktalternative kommt der Rock'n Strand Markt damit absolut in Betracht. Eine neue Stammkneipe werden wir uns wohl suchen müssen.
[Update: Inzwischen (Jan. 2006) ist der Flohmarkt wohl für immer geschlossen, dafür das Neue White Trash offen]
 (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)
 (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)
21.08.2005 | 13:12 | Nachtleuchtendes | Sachen kaufen
 (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)Was macht eigentlich einen echten Mann aus? Er hat eine rauhe Schale, einen wachsweichen Kern, er riecht nicht nach Blumen. Sondern nach Patschuli. Moment, Irrtum, das war die Definition einer echten Männerkerze. Die kleine Kerzengießerei Creative Candles aus Kansas City ist jedenfalls überzeugt davon, dass Männer in ihren "Büros oder Höhlen" eigene Kerzen brauchen und nicht dieses weibische Herumgewachse, das am Ende noch mit Floralverkehr daherkommt. Die Männerkerze gibt es in den männlichsten Farben der Welt, nämlich Blutrot, Elfenbein, Gold, Rost, Jägergrün und Saphirblau. Sie wird verpackt (natürlich!) in Sackleinen und verschnürt mit Rohleder. Ihre schon erwähnte rauhe Schale besteht aus dem Wachs flotter Bienen und aus Lorbeerwachs (eventuell zum drauf Ausruhen?). Während Mädchenkerzen Mädchenherzen mit Blumenduft höher schlagen lassen, ist in der Kerlekerze original Patschuliöl. Und spätestens an dieser Stelle fragt man sich: warum hat man hier nicht bis zu Ende gedacht? Weshalb ist das nicht besonders heterosexuelle Patschuli in die Kerze geraten? Wieso hat man nicht konsequent Moschus verwendet, also das Hodensekret von Tundra-Ochsen? Schade! So bleibt die Männerkerze leider nur bei 90% stehen.
20.08.2005 | 19:42 | Alles wird schlechter | Sachen kaufen
 (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)Wenn man einen Architekten oder Designer im Bekanntenkreis hat, den man heimlich hasst, dann kann man sich stets eine Freude machen, indem man ihm Hundertwasser-Devotionalien schenkt. Praktisch jeder Mensch, der professionell mit Gestaltung zu tun hat, bekommt Zitterkrämpfe, wenn die überbunten Kringelkatastrophen ins Blickfeld rücken. Das liegt nicht allein am Zeitgeist. Wie auch der artverwandte Jugendstil war Hundertwasserdesign schon vor seiner Erfindung hässlich, ist es noch und wird es auch immer bleiben. Worin diese unumstösslich feststehende Tatsache begründet liegt, sollen Spezialisten für Wahrnehmungsästhetik klären. Trotzdem gibt es eine wachsende Anzahl von Verwirrten, die in einem fort Dinge kaufen, die vom massiven Drogenmissbrauch der Produktgestalter zeugen. Wie etwa die gesamte Geschirr- und Bestecklinie der Firma All U Can Handle. Die nebenstehend sichtbaren Eiskugelkellen sind da nur die Spitze des Eisberges; Zartbesaitete und Menschen, die von ihrer visuellen Geschmackssicherheit leben, sollten sich keinesfalls den Pizzaschneider ansehen und schon überhaupt nicht die Maiskolbenhalter. Ein Gutes hat dieses Besteck aber doch: weil bekanntlich das Auge mitisst, dürfte FDH damit sehr leicht durchzuhalten sein.
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IN DER RIESENMASCHINE
ORIENTIERUNG
SO GEHT'S:
- Hypno-Hardcore
- Die innere Zeitlupe annehmen
- Früchte des Zorns
- die Strings nicht verknoten (verrückt!)
SO NICHT:
- 32-Augen-Gespräch
- Rollos der ewigen Finsternis
- Fast-Forward bei 95° Fahrenheit
- Obstkorb der Gefühle
AUTOMATISCHE KULTURKRITIK
"Kidnap Capital", Felipe Rodriguez (2015)
Plus: 11, 123 Minus: 96, 99, 118, 140, 147, 214 doppelt Gesamt: -5 Punkte
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