Riesenmaschine

06.11.2007 | 15:35 | Alles wird besser | Was fehlt | Listen

Wollt ihr den total nachhaltigen Krieg?


Ferner sollten für Kriegsgedenkstätten keine vom Aussterben bedrohten Stein- und Metallarten verwendet werden. (Foto: kubina) (Lizenz)
Keine Woche ohne Uno-Gedenktag, und deswegen ist am 6. November seit 2001 der nach Uno-Resolution 56/4 verfügte Internationale Tag für die Verhütung der Ausbeutung der Umwelt in Kriegen und bewaffneten Konflikten. Denn, hey: Nichts gegen Krieg. Aber auf die Umwelt sollte man schon achten!

Die Redaktion der Riesenmaschine fordert daher: 1. Keine Minen in Pandaschutzgebieten vergraben. 2. Agent Orange nur noch im Herbst verwenden und nicht bei Nadelbäumen (nicht artgerecht) 3. Schluss mit dem Individualverkehr: Keine Panzer, sondern Geschütze auf Zügen. 4. Wenn doch Panzer: Alternative Kraftstoffe wie Biodiesel nutzen; ausserdem sitzen in so einem Panzer oft nur wenige Soldaten: Fahrgemeinschaften bilden! 5. Bodybags aus Jute. 6. Keine Atombomben mehr, lieber Solar- oder Windkraftbomben. 7. Nur noch solarbetriebene Jets verwenden, statt den alten kerosinfressenden F-16s. 8. Umweltneutrale Angriffe – wer versehentlich einen Wald zerbombt, muss zum Ausgleich eine Autofabrik zerstören. 9. Bei Maschinengewehren eine Spartaste einbauen, für wenn man mal gar nicht SO oft schiessen muss. 10. Oder einfach besser zielen. 11. Und die Patronen hinterher wieder einsammeln, der nächste Krieg kommt bestimmt.


28.10.2007 | 02:09 | Nachtleuchtendes | Was fehlt

Leopardenritt


Fundorte des schmerzlich Vermissten (Credit: NASA/JPL-Caltech/E. Daddi (CEA Saclay)
Nagut, jetzt gibt es also einen ausgewachsenen Leoparden für Macs. Was allerdings wenige wissen: Lange vorher schon gab es eine Software namens Leopard, die ihren Benutzer (übrigens jeden beliebigen Benutzer) befähigte, in den Archiven des Spitzer-Weltraumteleskops nach total interessanten Daten zu suchen, also Infrarotbildern von diesem Weltall da draussen. Insiderinformation: Leopard wurde noch nicht auf Leopard getestet! Jetzt aber eine Nachricht, die uns alle angeht: Spitzer hat ein paar hundert Schwarze Löcher entdeckt, was nur so mittel interessant klingt – hundert, was ist denn das für eine lächerlich kleine Zahl. Bis man folgendes erfährt: Offenbar haben uns in den letzten Jahrzehnten viele Millionen Schwarze Löcher gefehlt. Eine Meldung, die zunächst betroffen, dann erhaben macht. Die Fähigkeit, etwas zu vermissen, was man nicht mal sehen kann – ist es das, was uns vom Leoparden unterscheidet? Dazu Astronom David Elbaz diplomatisch: Jetzt können wir den Elefanten zum ersten Mal sehen.


24.10.2007 | 12:37 | Alles wird besser | Was fehlt

Übergadget Spielkonsole

Das Gerät, das alles auf einmal kann, ist der heilige Gral der Gadgetologen. Zunächst konzentrierte sich die Suche jahrzehntelang auf die Küche und die Schweiz, allerdings vergeblich. Im digitalen Zeitalter schien es dann nur noch eine Frage der Zeit zu sein, bis sich der Computer in die Rolle des Übergadgets hineinevolutioniert. Bis er schliesslich vor einigen Jahren vom Handy aus der Favoritenrolle gedrängt wurde, das seitdem einsam seine Kreise zieht, dabei immer mehr Funktionen aufsaugt und so ewige Talente wie das Haus locker auf Distanz hält.

Doch nun kommt ein Aussenseiter aus der Deckung: Die Spielkonsole. Schon länger ist sie serienmässig mit Internetzugängen ausgestattet, die PlayStation Portable verfügt etwa über einen Browser, einen RSS-Feed-Leser und ist zudem das einzige Gadget, auf dem die Universal Media Disc, das Medium der Zukunft schon heute läuft, ferner wurde erst neulich bewiesen, dass acht Playstations einen Supercomputer ersetzen können. Und nun das: Wie man bei Siliconera lesen kann, gibt es seit dem 18. Oktober den DS Bungaku Zenshuu, einen EBook-Reader für das Nintendo DS. Im Startpaket sind 100 Bücher enthalten, ab dem 6. November können weitere direkt aufs DS geladen werden. Bücher jetzt also endlich auch für unterwegs, was kommt als nächstes, tragbare Telefone?

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Wunschzettel 06: Unified Gadgeting


04.10.2007 | 18:07 | Was fehlt | Vermutungen über die Welt

Das Böse kann warten


Verpasst nicht nur den Bus (Foto: Jan Bölsche)
Die Welt ist furchtbar komplex und die Anforderungen an das Leben vielfältig. Wir wären verloren, könnten wir nicht üben. Und wie lernte man besser für das Leben als von Computerspielen? Wie es sich anfühlt etwa, wenn das andere Staatsoberhaupt offenbar das Vertrauen in bilaterale Abkommen verloren hat und beginnt, im Grenzgebiet einen Raketenschutzschild zu errichten – und das völlig zu Recht. Oder wie man beim Drogentransport vom Hafen nach Downtown Miami mit dem Ford Mustang elegant durch die Fensterfront des Strassencafés Biscayne Blvd Ecke Northeast 15th Street rutscht, so über dreieinhalb Sekunden rausholt und die Polizei hilflos fiepend hinter sich lässt. Oder wie, mit der richtigen Schlagtechnik, die unbewaffnete Pandapflegerin Ling Xiaoyu den bescheuert tänzelnden, gepanzerten und besäbelten Ninjaritter in den überaus verdienten Tod prügeln kann.

Was es braucht, um handlungsfähig zu bleiben, ist gutes Training also. Oder eben: ein Mittel zur Reduktion der Komplexität. Luhmann befand, nichts sei zu diesem Behufe besser geeignet als Geduld und Spucke Vertrauen, wenngleich er einräumt, ebendies sei stets eine riskante Vorleistung. Gemeinhin gilt Vertrauen als etwas, das aus guten Erfahrungen in der Vergangenheit und der Hoffnung auf das Gute im Menschen entsteht. Wie aber das Gute mit dem Training verbinden, werden sich die Macher des Taxispiels gefragt haben bevor sie machten. Ihnen gelang so Erbauliches wie Lehrreiches, dass die Schöpfer des Wartespiels vergangen sein müssen vor Neid. Denn wo letztere sich in einem stoisch-nihilistischen Mischwasser suhlen, das nach unvermeidlichem Verpassen stinkt, haben erstere den Sinn hinter das Warten gesetzt.

Pffft, mag mancher sagen, toller Sinn das, wenn eine Fliege angesummt kommt (Warten), obwohl auch Affen aufs Dach aufschlagen und die Heckscheibe herunterpoltern könnten (H drücken). Die so sprechen, vertrauen eben ungenügend, und werden nie das Lächeln sehen, das dem Passagier nach 7 Stunden übers Gesicht huscht, wenn die Klaviatur des Bösen ungespielt bleibt. Wer stets Böses tut, verpasst unterhaltsame Nebensächlichkeiten des Lebens. Für den Einsatz von Nuklearsprengköpfen gilt das übrigens auch. Es sei denn, die anderen haben angefangen.

Bettina Andrae / Jan Bölsche | Dauerhafter Link | Kommentare (6)


17.09.2007 | 21:58 | Was fehlt | Zeichen und Wunder

Nice try, though


Foto, Lizenz
Drüben bei den anderen Kindern ereifert man sich über eine Eismaschine, die, je nach Glücklichkeit des Benutzers, mal mehr (sehr unglücklich), mal weniger (auch ohne Eis glücklich) Softeis ausspuckt – das ganze in einem Projekt von Demitrios Kargotis, das auf der Ars Electronica in Linz landete. Einige erinnert das Gerät freudetrunken gar an das von Douglas Adams beschriebene Nutri-O-Matic ("Share and Enjoy"). Jetzt aber mal stop hier.

Warum bitte ist es eine Errungenschaft, wenn der, lediglich am Klang der Stimme übrigens, erkannte Glückszustand des Benutzers in eine extrem schlichte quantitative Eismenge übersetzt wird? Sind wir nicht mehrere tausend Jahre vom Sklavenmarkt entfernt, dem letzten Ort, an dem komplexe menschliche Bedürfnisse noch ungestraft in eindimensionale Zahlenangaben übersetzt werden durften? Ist Glück als Produkt nicht wenigstens etwas komplexer als eine Eistüte frei konfigurierbarer Grösse, sagen wir, so komplex wie ein Individualurlaub in der Dominikanischen Republik mit Voodoo-Zauber und Seeigel im Fuss? Eismenge als Handelsäquivalent für Glück, wie gestern ist das denn bitte.


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