Riesenmaschine

17.04.2007 | 19:48 | Alles wird schlechter | Essen und Essenzielles | Zeichen und Wunder

Thermodynamik in Flaschen


Im Grossversuch: Der Unterschied in der Zeit, die liegende und stehende Flaschen für die gleiche Abkühlung benötigen, beträgt etwa 50%. Bleibt die Frage, ob man aufstehen oder liegenbleiben soll. (Foto: traxo) (Lizenz)
Morgens an die Thermodynamik denken lässt einen die Decke über den Kopf ziehen: Du kannst nicht gewinnen, du kannst nicht einmal unentschieden spielen, und du musst am Spiel teilnehmen.

Wenn einem die Sonne das Schlafzimmer aufheizt und es unerträglich macht, den Tagesbeginn weiter zu verschieben, sollte man schon mal über das Kaltgetränk der Wahl im Kühlschrank nachdenken, welches einen am Abend erwartet. Wahrscheinlich hat der fleissige Mitbewohner im Home Office aber alles geleert und nicht wieder nachgelegt. Dann kann man stattdessen im Halbschlaf darüber sinnieren, ob es besser für die schnelle Kühlung wäre, neue Flaschen aufrecht oder waagerecht in den Kühlschrank zu legen. Die zugehörigen Fluid- und Thermodynamikgleichungen am besten auf einem Taschentuch festhalten, dann kann man sie besser referieren, wenn man um 11:30 im Büro aufschlägt.


11.04.2007 | 14:26 | Berlin | Zeichen und Wunder

Konferenz mit Rückkanal


Das Empörium spricht zurück (Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Die Re:Publica-Konferenz in der Berliner Kalkscheune hat begonnen, und, da mit über 700 Teilnehmern die deutsche Bloggerszene quasi geschlossen angetreten ist, werden die Inhalte ausführlich in allen anderen Blogs nachzulesen sein. Wir wollen an dieser Stelle lediglich eine Format-Innovation loben, die eine gelungene Mischung aus Onkel Milgrams Open Mike, Jim Avignons SMS-Orakel (derzeit nicht in Betrieb) und dem Crawl auf Viva2 darstellt: Die Möglichkeit, Vorträge live und anonym per SMS zu kommentieren, was dann als bunte Sprechblasen-Kaskade auf die Leinwand gebeamert wird (hier auch als Livestream für zu Hause). Die bisherige Ausbeute – "CH3ap VIagRa!", "Ich geh mal um blog!" und "Die 43 bitte zum Leergut, das Band ist voll!", um nur eine repräsentative Auswahl wiederzugeben – sollte nicht unmittelbar pessimistisch stimmen. Schliesslich muss auch diese Sniper-Kommentarfunktion wie jede neue Kulturtechnik erst noch erlernt werden.


04.04.2007 | 11:39 | Anderswo | Alles wird besser | Zeichen und Wunder

Unplötzliche Verwandlung


Wo ist hier bloss der Witz?
"Das Lachen ist ein Affekt aus der plötzlichen Verwandlung einer gespannten Erwartung in nichts", sagt Immanuel Kant in der Kritik der Urteilskraft. Und im Prinzip sagen das die meisten anderen Lach- und Humortheoretiker auch: Es muss mindestens etwas Überraschendes sein, das uns Lachen macht. Warum aber lachen manche Menschen immer wieder über uralte Witze, längst verbrauchte Wortspiele, simple Rechtschreibfehler. Woran liegt's? Genetischer Defekt, das Alter, Komplettkaputtness? Schön wäre es, wenn die Wissenschaft mal diese Frage klären könnte. Gemeint sind Wissenschaftler, keine Freudianer, bitte! Hinhauen tut dagegen Kants alte These bei folgender Passage aus dem jüngsten Buch von Helmut Schmidt, in der der Altbundeskanzler seine Begegnung mit Mao Tse Tung im Jahr 1975 schildert, wobei Kant selbst eine kleine Rolle spielt: "Er begrüsste mich mit den Worten: 'Sie sind ein Kantianer', was so nicht stimmte, und sagte dann: 'Und ich bin ein Marxist.'" Tatsächlich: Grosse Overtüre, gespannte Erwartung, und dann das aller Welt Bekannte, somit das Nichts. Sehr komisch. War also Mao – dessen zweiter Sohn übrigens vorletzte Woche im Alter von 84 Jahren gestorben ist – letztlich der Kantianer? Auch dazu schweigt die Wissenschaft.

Christian Y. Schmidt | Dauerhafter Link | Kommentare (4)


03.04.2007 | 17:45 | Fakten und Figuren | Zeichen und Wunder

Kaskadenwerbung


(Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Dem Bahn-Kundenmagazin "mobil" entnehmen wir, dass die nimmermüde Welt der Werbung eine neue Ausdrucksform geboren hat: Der Schlüsselanhänger in Trikotform mit Hertha- und DB-Logo vereint zwei Marken, zwei Waren und cirka drei Metaebenen auf eine Weise, die sich mit dem Verstand nur noch so fassen lässt, wie man etwa ein Zen-Koan zu fassen versucht. Nach mehrminütiger Meditation über dieses perplexierende Produkt wurden wir erleuchtet und fassten den Plan, die Riesenmaschine-T-Shirt-Serie 2007 mit Hilfe von T-Shirts zu bewerben, auf denen Riesenmaschine-T-Shirts abgebildet sind. Ja, und vielleicht drucken wir das Ganze dann auf eine Tasse, die wir im Ausdruckstanz in Fussgängerzonen darstellen. Darüber wird man noch ein paar Minuten weitermeditieren müssen.


30.03.2007 | 20:11 | Was fehlt | Zeichen und Wunder

Unfreundliche Übernamen


Autsch! (Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Die final nicht zu erklärende Neigung von Friseuren, bei der Benamsung ihrer Etablissements zum schlechten Wortspiel zu greifen, ist als Topos hinlänglich gut etabliert und damit sicher nichts, womit sich die Riesenmaschine befassen müsste. Allenfalls können wir den mutmasslichen End- und hoffentlich damit auch Totpunkt dieser Entwicklung verzeichnen, den ein Mannheimer Friseur gesetzt hat, indem er dem mässig originellen Namen "Notaufnahme" ohne erkennbare Not auf der Schaufensterscheibe noch ein "Hair einspaziert" beigesellte. Danach kann wirklich nicht mehr viel kommen. Schwerer wiegt, dass derlei marottenhafter Irrsinn nach wie vor auch auf Unternehmens- und Konzernebene grassiert. So wird vermeldet, dass der Karstadt-Quelle Konzern sich für sicher kein kleines Geld von einer Namensfindungsagentur als zukünftige Firmierung das sperrige Kunstwort "Arcandor" hat andrehen lassen. Mal abgesehen davon, dass die Assoziation von Arkanpolitik nicht gerade das ist, was als zeitgemässes Unternehmensleitbild durchgeht, weckt die schmierige Endung unheilige Erinnerungen an im Prinzip alles, was mit der New Economy zielstrebig Bauch oben gegangen ist. In dieser Hinsicht "ein typischer 90er-Jahre-Name", wie selbst dem Handelsblatt auffiel. Vor allem aber klingt es reichlich suspekt nach irgendetwas aus "World of Warcraft", und ist es wohl tatsächlich auch. Warum tun Menschen so etwas? Und warum schmeissen sie statt dessen nicht einfach den kostenfreien Web 2.0 Name Generator an? Jeder Name, den diese zauberhafte Website ausspuckt, wäre unterhaltsamer, sprechender und zeitgemässer, als dieser aufgeblasene Niedergang. Auch Friseure dürfen diese Seite übrigens benutzen.


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