Riesenmaschine

16.09.2009 | 17:48 | Alles wird besser | Zeichen und Wunder

Abschied von H0

Die Abschaffung sämtlicher Materie mit Ausnahme von Schaumzuckermäusen ist seit jeher eins der zentralen Ziele der Riesenmaschine. Materie, gleich nach dem Fickwunsch zweitwichtigstes Übel der Menschheit, belästigt und beschwert uns bei vielen Gelegenheiten von der Schlüsselbundsuche bis zum Klaviertransport. Aber ganz ohne Umstellungsschmerzen wird sich der Abschied von der Materie nicht vollziehen lassen, Übergangslösungen sind gefragt. Wo auf Materie nicht verzichtet werden kann wie z.B. im Modelleisenbahnbau oder beim Bezahlvorgang, da kann man zumindest versuchen, ihre Menge so gering wie möglich zu halten. Mit gutem Beispiel geht David K. Smith voran, der die kleinste Modelleisenbahn der Welt sowie eine noch etwas kleinere Modelleisenbahn gebaut hat (via Hacker News). Im Video nicht zu sehen: Im letzten Waggon sitzt ein Männchen, das Gesichter in Kirschkerne schnitzt. Ein sperriger Hobbykeller ist damit nicht mehr erforderlich, er wird von der zuständigen Materieentsorgungsstelle nach Terminvereinbarung kostenfrei abgeholt.


19.08.2009 | 01:52 | Alles wird besser | Zeichen und Wunder

Embracing Blight


Fassade von Honest Ed's in Toronto, cirka 2020 (Originalfoto von Greencolander, 2008) (Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Wie bei allen philosophischen Supertrends waren die Anfänge von Embracing Blight scheinbar irrelevant und pathologisch. Kathrin Passig musste sich von Teenagern auf offener Strasse "erfolglose Kolumnistin" rufen lassen, als sie im Jahr 2004 damit anfing, kaputte Wäscheständer zu fotografieren. Aleks Scholz wurde von US-Sicherheitsbehörden als "geisteskrank, aber harmlos" eingestuft, nachdem er 2001 das Konzept Airport Hiking entwickelt hatte. Und Moritz Metz schliesslich, der Erfinder von Europep, verlor gar seine Ehrenmitgliedschaft im Mensaverein, als seine seltsamen Neigungen für unschöne Autoaufkleber bekannt wurden.

Embracing Blight, die Umarmung der hässlichen Auswüchse des Alltäglichen, entstand hierzulande aus inkonkreten und zufälligen Ansätzen. Was die drei Riesenmaschinenautoren in diesen harten Jahren nicht wussten: Wie so oft in der Evolution der Dinge entwickelt sich zur selben Zeit in Kanada eine analoge Daseinsform von Embracing Blight: Not Fooling Anybody und sein Schwesterprojekt Cloney Times dokumentieren in beispielloser Genauigkeit und beinahe gewalttätiger Energieverschwendung die hässlichen Fassaden von Fastfood- und sonstigen Läden. Insbesondere geht es hier um die Verwandlung der Fassaden, entweder durch Löschen und Ersetzen, oder aber, im Falle von Cloney Times, durch Kopieren und Einfügen. Unvollkommenheit und Veränderung sind die Leitmotive sowohl dieser Chronik als auch der Gegenwart.

Gleichzeitig liefert Liz Clayton, Schöpferin von Not Fooling Anybody, das originale Manifest der jungen Bewegung und begreift dabei als Erste den Gesamttrend: Embrace blight! We have no other hope. Und somit bricht eine neue Zeit an – die einzige Zeit, die wir noch haben. Es gelten nur zwei Grundregeln: 1) Empirische Präzision. 2) Ästhetische Gleichgültigkeit. In der indirekten Nachfolge von Post-Nihilismus, Post-Antirealismus, Post-Post-Moderne und natürlich Post-Apokalypse schält sich "Embracing Blight", die neue Form der Wirklichkeitsbetrachtung, aus ihrer brüchigen Eischale und betrachtet aufmerksam und gelangweilt die verschandelte Welt.


15.08.2009 | 21:50 | Listen | Zeichen und Wunder

Panamakanalspasstag

Anlässlich der Panamakanal-Erstdurchquerung am 15. August 1914 wurde dieser Tag zum Welttag des Panamakanals ernannt. Ein Feiertag nicht nur für die Seefahrt, sondern auch für Freunde von fünf- oder mehrsilbigen Wörter die nur auf einem einzigen Vokal basieren. Wie Minibikini. Oder Ottomotormonopol. Oder Uluruumrundung. Oder Geleewettessen. Brennelemente. Rokokomottoshow. Kennenlernfete. Iltisminipli. Wallhallanachhall. Schenkelbesenfresse. Mississippischiff. Papaya-Ananas-Schawarma. Brennnesselteerezepte. Lederpflegeexperte. Fetteckenmenetekel. Ubuntuunfug. Madagaskarspassbad. Teekesseltester. Sesselelement. Katamaranbasar. Messerwerferneffe. Erdbeersektwette. Analapparat. Bonobokompott. Ebereschensterben. Mastdarmtransplantat. Totorokomplott. Alaskaaal. Oder Abstraktkatarakttraktat. Kaputt, danach geht nix mehr.


24.05.2009 | 17:35 | Berlin | Alles wird besser | Zeichen und Wunder

Hubschraubereinsatz


Foto: Fritz Zimmermann


Auf dem Riesenmaschine-Wunschzettel 2008 stand eine flächendeckende Versorgung mit Helikoptertaxis nach dem Vorbild von São Paulo ganz oben. Das sollte natürlich nur die Vorstufe zu einer Gesellschaft sein, in der jeder Mensch seinen eigenen Hubschrauber, Gyrocopter oder Jetpack besitzt und damit bequem am frühen Nachmittag ins Café zum Arbeiten hoovert. Wirklich voran ging es in der Frage dann aber nicht, bis vor kurzem ein temporäres Pilotprojekt der Berliner Senatsverwaltung für Verkehrsplanung in seine Alphaphase ging: öffentliche Helipads auf Berlins Strassen. Die eigentümliche ovale Form der Landeplätze weist übrigens auf eine bevorstehende supergeheime Helikopterinnovation hin. Spätestens 2011 wissen wir mehr!

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Wunschzettel 2008: rotierende Freunde


23.05.2009 | 09:54 | Berlin | Alles wird besser | Sachen kaufen | Zeichen und Wunder

Beitrag in einem Blog


(Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Die Riesenmaschine sendet eine Solidaritätsadresse an den hier bereits erwähnten Spätkauf "Bier und mehr Bier" in der Rigaer Strasse. Denn hier wird Zivilicourage gelebt und ein mutiger Kontrapunkt gegen den alles vereinnahmenden Dauertrend der kreativen Gewerbebenamung gesetzt. Ein Trend, der bereits die gesamte Friseurinnung in seiner Gewalt hat und auch in anderen Branchen sein dunkles Unwesen treibt (Uhranus, Teeater, Bar jeder Vernunft). In einer besseren Welt tragen Läden hingegen ehrliche Namen wie "Wurst", "Brot und Brötchen", "Lebensmittel (diverse)", "Hosen, vor allem Jeans", "Benzin, alle Sorten" oder auch mal "Billiger Tand", und die Riesenmaschine wird "Lustig gemeintes Weblog mit vorübergehend verminderter Intensität" heissen.


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"Eisenfresser", Shaheen Dill-Riaz (2008)

Plus: 3, 28, 37, 42, 45, 49, 74
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