01.02.2006 | 12:06 | Anderswo | Listen | Zeichen und Wunder
 Guyana, Land der weissen Wolken, Bustouristen und Strommasten (Foto: ciroduran / (Lizenz)Gott würfelt nicht. Er arbeitet systematisch, wie die tief im Inneren des Riesenlexikons Wikipedia schlummernde Wunder-Kategorie Guyanese Actors beweist. Demnach hat Gott drei Schauspieler in dem südamerikanischen Land Guyana (769.000 Einwohner) erschaffen, und zwar, weil er es so wollte, in exakt alphabetischer Reihenfolge. Zunächst William Austin, später Norman Beaton und schliesslich Shakira Caine. Dass Gott noch nicht weiter ist, muss daran liegen, dass ihm die Erschaffung der ersten weiblichen Schauspielerin Guyanas so viel Mühe machte. Erst musste er nämlich dem sehr guten Schauspieler Michael Caine einen Kaffee-Werbespot (Maxwell House) mit der ehemaligen Miss Guyana zeigen. Noch in derselben Minute verliebte sich der grosse Mann in das Weib, und heiratete es etwa fünf Sekunden später. Hätte Caine das nicht getan, wäre Gott schon bei "B" stecken geblieben, denn Frau Caine hiess zuvor Baksh.
Danach war Gott sehr müde. Er ist es heute noch. Nur deshalb konnte er auch noch nicht die 150 guyanischen Schauspieler in seine Enzyklopädie einarbeiten, die im Jahr 2004 wie aus heiterem Himmel in dem Film Guiana 1838 des indischen Regisseur Rohit Jagessar auftauchten. Zurzeit arbeitet Gott daran, die Leute in eine ordentliche alphabetische Reihenfolge zu bringen, weshalb er sich auch nicht um jeden anderen Blödsinn (Kosmos) kümmern kann.
30.01.2006 | 12:21 | Berlin | Zeichen und Wunder
 (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)Den Zusammenhang von Space Invaders und Rassismus, Faschismus, Sexismus, Antisemitismus und Homophobie muss uns die TU-Berlin-Antifa eines Tages auch noch mal genauer erklären. Sind die kleinen gepixelten Freunde so von Mitgefühl erfüllt, weil man sie selbst bei jeder Gelegenheit mit schwerem Geschütz diskriminiert, ohne vorher das Gespräch zu suchen? Vielleicht lässt sich bei Gelegenheit das Aufkleberangebot noch ein wenig ausbauen mit "Sam&Max, Freelance Police gegen den Polizeistaat", "PacMan gegen Essstörungen", "Tetris-Steine gegen Parkraumbewirtschaftung", "Moorhühner gegen Geflügelgrippe-Massenschlachtung" und "Donkey Kong gegen Ölpreiskartelle" (bitte unsere URL mit aufdrucken). Sehr zu loben ist in jedem Fall die mutige und kontextsensitive Platzierung des Aufklebers auf den Damentoiletten des notorischen Antisemitentreffpunkts nbi.
30.01.2006 | 04:51 | Sachen kaufen | Zeichen und Wunder
 (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)Es ist an der Zeit, ein Duschgel zu feiern, wie es so gebraut kein zweites gibt. Bei der Discount-Handelsmarke TIP (i.e. Toll im Preis) ist es zu Hause. "Avocadoöl & Mandelmilch" steht auf dem Etikett. Aber das ist eine Mogelpackung, denn vom ersten Moment des Öffnens verströmt der Inhalt – anders als das mit nur moderatem Aroma-Impact ausgestattete Markenprodukt Fa Joghurt Vanilla Honey – ein schwindelerregend betörendes Vanille-Aroma, das wie die Proustsche Madeleine Instantassoziationen glücklicher Kindertage heraufbeschwört. Daran, wie die Grossmutter, im Kittel am Herd stehend, mit dem Holzkochlöffel rührend warmen Vanillepudding herstellt. Verteilt man die Substanz auf dem Körper, ist es, als tauchte man in ein Bad aus warmer Puddingcreme ein. Konsistenz und Optik entsprechen, wie bei jedem guten Duschzeug, der von Sperma, was besonders den weiblichen Teil der Nutzerschaft zusätzlich erfreuen dürfte. Wer einmal seine Dünkel gegenüber räsonabel bepreisten Körperpflegeprodukten überwunden hat, kann dieses täglich sprudelnden Freudenquells teilhaftig werden, auf den mich erst der Lebemann und Connaisseur Wolfgang Herrndorf mit der Nase stossen musste.
26.01.2006 | 10:33 | Anderswo | Alles wird besser | Listen | Zeichen und Wunder
 smell you later, perpetrator (Foto: J Wynia)Es ist allgemein bekannt, dass Angehörige der U.S. Streitkräfte bisweilen umständehalber gezwungen sind, das 5. Gebot zu brechen. Weniger bekannt sind ihre umfangreichen Bemühungen, den Beruf des Soldaten in der Ausübung lebensfreundlicher zu gestalten. Und zwar mit Hilfe von Non-Lethal Weapons (NLW).
Nichttödliche Waffen sind, wie jeder Krawallprofi oder -amateur mit schmerzverzerrtem, zahnluckertem Grinsen und gebrochenem-Daumen-rauf bestätigen wird, nicht nur viel weniger tödlich als tödliche Waffen, sondern bereiten auf aktiver Seite in der Anwendung oft mehr Freude als das altmodische Zielen und Ballern mit anschliessendem Herumbluten und optionalem Gedärmesortieren. Zum Nutzen aller erdenken und entwickeln deshalb Ingenieure, Waffenhersteller, Sicherheitsspezialisten und verrückte Wissenschaftler Möglichkeiten, den Gegner mit einer unangemeldeten Schaumparty mit schnell aushärtendem Schaum zu überraschen oder ihm zuvorkommend Mikroben in den Tank zu kippen, wenn der Zucker gerade alle ist. Ihn herrlich retro wie Spiderman mittels sogenannter entangler einzuwickeln oder ihn Jackass-style mit tieffrequentem Schall zur spontanen Darmentleerung zu zwingen. Teenager, die man – so geboten es oft erscheint – nicht einfach umbringen darf, werden mit nur für sie hörbaren hochfrequenten Tönen vergrämt. Exzentriker mit Hang zum Superschurkentum lassen gegnerische Fahrzeuge durch in die Strasse eingelassene Airbags umkippen (das Fraunhofer-Institut arbeitet daran, nachdem man Airbags zur Abwehr von Asteroiden und Büroschlaf für untauglich befunden hat) oder lassen – einfach, genial und slightly offtopic – den Anführer der feindlichen Streitmacht mit einem Hologramm zu Tode erschrecken.
Das ist jedoch noch lange nicht das Ende der Fahnenstange. Wie das Sunshine Project enthüllt, denkt man innerhalb der Kategorie nichtletaler chemischer Kriegsführung, deren Produkte in so klangvolle Unterkategorien zerfallen wie Calmatives, Incapacitants, Irritants, Malodorants, Marking Agents, Convulsants (um nur einige zu nennen) und in Strassenhandel und Veterinärpraxis gut eingeführte Substanzen wie Ketamin umfassen auch bereits seit Jahren über pheromonbasierte Kampfstoffe nach, die den Gegner wahlweise für Ungeziefer und Nagetiere oder, in der Steigerung, für den eigenen Kameraden besonders attraktiv machen sollen (harrassing, annoying and bad guy identifying chemicals (...) one distasteful but completely non-lethal example would be strong aphrodisiacs, especially if the chemical also caused homosexual behaviour."). Man ahnt, dass (Anti-)Kriegsfilme in Zukunft nicht mehr das sein werden, was sie einmal waren.
Produkte der NLW-Forschung kommen nicht nur im Krawall- oder Kriegsfall zum Einsatz. Marking oder Tagging Agents markieren die nicht ganz so billigen Teile bei H&M genauso effektiv wie den Dieb, und Weihnachtsbaumwilderer in den USA machen Bekanntschaft mit Malodorants, im speziellen Fall mit einer Art synthetischer Fuchspisse, die erst bei Raumtemperatur ihr volles Aroma entfaltet. Mit ähnlichen Mitteln sollen in Zukunft auch Skifahrer dazu bewegt werden, die auffällig treffend und sinnfällig benannten Pistenmarkierungen zu respektieren.
Als Mutter der modernen olfaktorischen Kriegsführung gilt ein bereits 1944 in den USA entwickelter Gestank, den französische Widerstandskämpfer mittels Zerstäuber auf deutsche Offiziere auftragen sollten, um sie zu beschämen und zu demoralisieren. Die auf den Namen Who, me? getaufte Stinkbombe war militärisch ein Griff ins Klo, die Krauts offenbar immun. Die Substanz bewährt sich jedoch im zivilen Einsatz bis heute unter dem Namen "U.S. Government Bathroom Malodor" – als gültiger Standard, gegen den Raumerfrischer und Deodorants in der Testphase anstinken müssen.
Seit 1966 beschäftigt man sich vor dem Hintergrund des Misserfolgs von "Who, me?" damit, dass die Nase andernorts möglicherweise anders laufen könnte und erstellt Geruchsreaktionsprofile ethnischer Gruppen, um culturally specific malodorants zu ermitteln. Der mit nichttödlicher Sicherheit erfolgte Nichteinsatz von fried bacon bombs und left hand smell grenades im Irak deutet jedoch darauf hin, dass man in der Sache seitdem nicht wesentlich weiter gekommen ist. Dabei wäre man sicher aktuell auch hierzulande interessiert an nichttödlichen, landesspezifischen, gasförmigen Antworten auf beliebte Fragen wie Who beat the hun 5-1?.
Dieser Beitrag ist ein Update zu: Wunderwaffenwoche in der Riesenmaschine
24.01.2006 | 16:03 | Berlin | Nachtleuchtendes | Zeichen und Wunder
 Weil es geht. (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)Morgen ist Powerpoint Karaoke im NBI. Das NBI ist ein Veranstaltungsort in der Kulturbrauerei in Berlin Prenzlauer Berg, Schönhauser Allee 36. Powerpoint Karaoke dagegen ist das, wonach es sich anhört, nämlich eine Veranstaltung, bei der Freiwillige ihnen völlig unbekannte Präsentationen vor dem Publikum halten müssen. Dabei handelt es sich um nichts weniger als absolut zufällig per Google aus dem Netz zusammengecasteten Powerpointhorror. Wer freiwillig mitmacht, hat nicht nur zum Beispiel die Wahl zwischen "Kleine Geschichte des Kiefernholzmöbels" und "Die ATR-Systemik inverser Pliasmen", sondern bekommt auch den ganzen Abend lang Freiwodka. Über das Gesehene urteilt eine Jury, die unter anderem aus dem Supatopcheckerbunny, dem Hilfscheckerbunny und anderen Experten der Oberfläche (aber auch des Tiefgründigen!) besteht. Zwei dieser Experten haben in der Berliner Zeitung ein erhellendes Interview gegeben. Die Riesenmaschine empfiehlt stärkstens, morgen, am Mittwoch um 20.00 Uhr (pünktlich!) ins NBI zum Powerpoint Karaoke zu kommen, schon allein, damit man am Donnerstag auf dem Schulhof / in der Agenturküche mitreden kann.
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IN DER RIESENMASCHINE
ORIENTIERUNG
SO GEHT'S:
- Ruhe und Besonnenheit
- Halbgares fertigkochen
- "Alter" sagen im Gespräch mit Kindern
- Südpol der Unzugänglichkeit
SO NICHT:
- 13 (Jahre alt sein)
- Essen ohne Kinderwunsch
- Idyllische Winterbilder
- Südpol der Unzulänglichkeit
AUTOMATISCHE KULTURKRITIK
"Splinter", Toby Wilkins (2008)
Plus: 41, 80, 123, 132 Minus: 156 Gesamt: 3 Punkte
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