Riesenmaschine

04.01.2006 | 16:21 | Alles wird besser | Zeichen und Wunder | Papierrascheln | In eigener Sache

Riesenmaschine auf Papier


(Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)

(Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)
Aufmerksame Mauspfeilbenutzer werden beobachtet habe, dass seit einiger Zeit eines der Werbebanner auf der rechten Seite verlinkt ist – das der Wochenzeitung Jungle World. Die sich dabei andeutende Kooperation führt aber über dieses Werbemittel hinaus, und zwar direkt in die gedruckte Zeitung selbst. In der heutigen Ausgabe der Jungle World, Nr. 1 2006, ist ein ebenso vielseitiges wie vierseitiges Dossier über und von der Riesenmaschine zu finden und das ist toll und noch aussergewöhnlich. Denn obwohl viele Journalisten selbst Blogger sind, ob sie es zugeben oder nicht, gibt es bekannterweise beiderseitige Animositäten aus verschiedenen Gründen. Dabei könnten sich die Schwächen beider medialen Ansätze perfekt ergänzen! Eine bessere Welt könnte, aber gut, wollen wir nicht übertreiben, letztlich handelt es sich auch nur um vier Seiten Riesenmaschine auf Papier, Blogbeiträge ohne Links sind gar nicht so einfach, aber immerhin stehen nicht nur die Autoren und Kategorien unter den Beiträgen, sondern auch das Datum und die Uhrzeit, es handelt sich also tatsächlich um ein gedrucktes Blog. Und nun gehen Sie und kaufen Sie die Jungle World.


01.01.2006 | 07:13 | Fakten und Figuren | Zeichen und Wunder

Supremely indifferent


Matthias "Matze" Politycki (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)
Der Manifestschriftsteller Matthias Politycki hat anlässlich des Lübecker Literaturtreffens formerly known as Günter Grass kocht Kaffee erneut ein Manifest geschrieben. Diesmal heisst es "Dies ist kein Manifest" und handelt davon, dass sein letztes Manifest ("Was soll der Roman? – Manifest für einen Relevanten Realismus") auch schon kein Manifest gewesen sei. Das Feuilleton habe einen schweren Fehler begangen, es schlecht zu finden, wie man daraus ersehen könne, dass literarisches Bemühen seitdem verstärkt mit dem Begriff "Relevanter Realismus" schlechtgefunden würde. So ähnlich. Ferner wird überraschend eine Rückkehr zum "Brennpunkt des gesellschaftlichen Diskurses" gefordert, "Primär-, Sekundär- und Tertiärliteraten" werden gebeten, an einem "Ruck" mitzuwirken, abermals in alle Richtungen zu denken, mit anderen Worten, mehr Manifeste zu schreiben.

Ein Mann, der in seinem Leben nie ein ordentliches Manifest hinkriegte und auch keiner literarischen Gruppe angehörte, war der vermutlich Quartärliterat Vladimir Nabokov. Er musste einmal in der Zeitung über sich lesen, er würde auf einem Literaturfestival mit anderen Schriftstellern über die Zukunft des Romans diskutieren. Er antwortete in der London Times, dass er nicht im Leben daran denke, mit von ihm verachteten Schriftstellern wie "Sartre", "Russell" oder "Ehrenburg" auf einer Bühne zu sitzen. Und fügte die weisen Worte hinzu: "Needless to say that I am supremely indifferent to the 'problems of a writer and the future of the novel' that are to be discussed at the conference."


30.12.2005 | 11:20 | Zeichen und Wunder

Krieg total


(Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)
Als sich im Zweiten Weltkrieg gerade das Blatt wendete und Goebbels in seiner Sportpalastrede vom 18. Februar 1943 die Deutschen befragte, ob sie ggf. dem Totalen Krieg zuneigen würden, was diese (zumindest die Anwesenden) frenetisch bejaten, hing hinter ihm an der Saalwand ein Transparent "Totaler Krieg – Kürzester Krieg". Am 1. Januar 1943 hatte Goebbels diesen Gedanken bereits in sein Tagebuch notiert: "Der radikalste und totalste Krieg ist der kürzeste, und er bringt den entscheidenden Sieg". Was das alles mit dem im Bild anoncierten Sonderverkaufsaktion der DVD "Krieg der Welten" bei der Tankstellenkette "Total" zu tun hat? Keine Ahnung.


25.12.2005 | 16:56 | Alles wird besser | Sachen kaufen | Zeichen und Wunder

Zeitmaschine, nur 5,99 Euro!


(Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)
Es gibt eine Theorie, laut derer eine Zeitmaschine nicht erfunden werden muss, weil die Baupläne dem vermeintlichen Erfinder ja einfach rückwärts durch die Zeit geschickt werden könnten. Einer anderen Theorie zufolge ist die Tatsache, dass es jetzt noch keine Zeitmaschine gibt, ein ausreichender Beweis dafür, dass es niemals eine geben wird, weil wir ja ansonsten schon längst Besuch aus der Zukunft erhalten hätten.
Zumindest die zweite Theorie ist nun hinfällig geworden, denn ohne grösseren Medienrummel hat Spiezeughersteller Wentoys sie vor kurzem auf den Markt gebracht: Die Zeitmaschine.


(Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)
Das Tollste daran: Sie ist mit "vielen Funktionen, Kontrolleuchten und Melodie" ausgestattet. Ausserdem ist die Zeitmaschine superhandlich, leicht zu bedienen und man kann mit ihr nicht nur durch die Zeit, sondern auch zu anderen Planeten reisen (s. links).

Und das alles für nur 5,99 Euro! Erhältlich ist sie bei der Edeka-Filiale am Kottbusser Damm, Kreuzberg-Seite, allerdings gibt es nur noch zwei Exemplare. Deswegen: Schnell hin – wann hat man sonst schon mal die Chance, bei dem Freizeittrend des kommenden Jahres als einer der Ersten mit dabei zu sein?


25.12.2005 | 14:04 | Anderswo | Zeichen und Wunder

Manic Street Writers

Blogger, sind das nicht befindlichkeitsbesessene Egomanen, die im Internet ohne tiefergehende Rechtschreibkenntnisse ebenso uninteressanten wie weinerlichen Erlebnisschrott ablaichen? Ja. Aber ab und an ist auch mal etwas Interessantes dabei, wie diese Suada von Herrn Argh oder dieser unfassbar gute Witz. Interessant wird es vor allem dann, wenn in einem Blog die an Wahn grenzende Leidenschaft für etwas deutlich wird, wenn manisch sich nicht unbedingt auf die eigene Person bezieht, sondern auf ein Thema. Wie etwa bei Smashtrash.net, eine Art Fotoblog, das der bekannte Schweizer Graffiti-Künstler SMASH 137 (Mitglied der Crew GTK, Got The Key) als digitales Black Book benutzt.

Die Motivauswahl ist begrenzt: SMASH in allen möglichen Formen und Farben. (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)


Alle paar Tage veröffentlicht SMASH 137 dort gescannte Skizzen und dokumentiert so die Entwürfe für seine künstlerische Allnacht. Bis auf die achtzeilige Blogbeschreibung, das jeweilige Datum und den Ort gibt es überhaupt keinen Text, ein Umstand, der im Angesicht des Durchschnittsblogs erheblich zur Qualitätssteigerung beiträgt. SMASH 137 zog im Herbst 2005 aus seiner Heimatstadt Basel nach New York, dem New York des Graffiti, war aber schon lange vorher ein Weltreisender der Sprühkunst. Selbst, wenn das eigene Street Art-Interesse begrenzt ist, so merkt man beim Durchklicken der Skizzen doch, dass ein Getriebener einen Rundgang durch sein Atelier anbietet. Und Verrückte sind aus der sicheren Distanz ja oft unterhaltsam anzusehen.


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