Riesenmaschine

05.07.2007 | 02:29 | Supertiere | Fakten und Figuren

Ökonomie der Nachäffchen


Was hat der Aufkleber davon, dass er wie eine Fliege aussieht? Weitere Forschung ist nötig. (Foto: skyfaller) (Lizenz)
Das Kopieren, um mal bei uns selbst abzuschreiben, ist eine jute Jabe Jottes und regiert die Welt. Beziehungsweise regiert es den täuschend echten Nachbau, den Gott uns vor ein paar tausend Jahren untergejubelt hat. Eins der vielen Beispiele dafür ist die Mimikry-Verteidigung in der Biologie. Harmlose Tiere, die aussehen wie gefährlichere oder ungeniessbare Kollegen, profitieren dabei vom Verteidigungsaufwand der Konkurrenz, ohne sich selbst eine Armee leisten zu müssen. Schwebfliegen zum Beispiel profitieren schamlos vom Wespenstachel. Wohl jeder hat sich allerdings schon mal kopfschüttelnd gefragt, warum die ansonsten eher aggressiv eigennützige Wespe gegen diesen billigen Nachbau nichts unternimmt. Je mehr harmlose Nachbauten schwirren, desto mehr müssten doch Vögel das Risiko einzugehen bereit sein, gestochen zu werden. Denkt man, und hält die Schwebfliege drum für einen Parasiten, der der armen Wespe schadet, aber man irrt. Denn wie eine neue Studie jetzt nachweist, schadet die Mimikry wehrhaften Tieren auch dann nicht, wenn die Nachäffchen sich selbst keinerlei eigene Verteidigung leisten. Zwar steigt tatsächlich die Anzahl der Angriffe auf beide Spezies zusammen, aber ein Teil davon richtet sich wiederum gegen die Mimikry-Spezies, und insgesamt profitieren beide von diesem Deal, um so mehr, je wehrhafter die Nachäffchen sind. Seid also mehr wie andere, Leser! Seid wie die Schwebfliege, seid wie die Wespe.


04.07.2007 | 11:58 | Nachtleuchtendes | Supertiere

Erneuerbare Niedlichkeiten

Der Innovationsdruck lastet stark auf den zoologischen Gärten: Nach wenigen Monaten verlieren Tiere ihre kindlichen Züge und irgendwoher muss ein neues Viech kommen, mit dem man die wirklich interessanten, vom Publikum aber verschmähten Spezies querfinanzieren kann. Es ist an der Zeit, die bisher nur im Internet zusammengestückelten Bakterienzoos in die Tat umzusetzen. Dank kurzer Generationszeiten sind die kleinen Racker fortwährend niedlich und süss.


Halobakteriensafari (Foto: ackook) (Lizenz)
Wie in jedem modernen Zoo sollten die Exponate in einem möglichst natürlichen Lebensraum dargestellt werden. Für den von Pelagibacter ubique bedarf es nur eines etwas grösseren Glasbehälters, etwa einen Kreuzer der Ticonderoga-Klasse lang, zwei Hockeyfelder breit und 2000 aufrechte Murmeltiere tief, der mit stark verdünnter Hühnerbrühe zu befüllen wäre. Der Aufwand ist in jeder Hinsicht gerechtfertigt, handelt es sich bei dem hocheffizienten Bakterium um einen der häufigsten Organismen auf unserem Planeten. Zusammen wiegen seine 10e28 Vertreter mehr als alle Fische zusammen, selbst wenn man die Wale hinzurechnet.

Die Zeit dazu wäre reif, denn die grossen Fortschritte bei der Züchtung von Bakterien in kontrollierten Nährmedien machen nicht nur die Zurschaustellung von Pelagibacter nach anfänglichen überraschenden Schwierigkeiten möglich, sondern auch von echten Exoten wie den quadratische Bakterien, die Walbsy einst so schön beschrieb. Diese Halobakterien und ihre Verwandten bereiten einem nicht nur im Mikroskop Freude, auch in grossen Arealen sind sie kreativ und machen mal was anderes mit der Landschaft als das blöde Grün. Die unvermeidbare Streichelwiese lässt sich durch eine Sammlung von bakteriellem Biofilm auffrischen – niemand, der je einen Bakterienflaum berührte, wird sich wieder um die Krabben kümmern, die man beispielsweise im Monterey Bay Aquarium streicheln kann.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Unsere ganz kleine Farm


03.07.2007 | 17:46 | Anderswo | Alles wird besser | Was fehlt

Die Standspur der Steine


(Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)

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Gneis, Mergel und Brekzie in Aktion (Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Steine – wir wissen noch viel zu wenig darüber! Dabei begegnen uns diese sympathischen Zeitgenossen, die kaum jemals nerven, dafür stets den majestätischen Charme des Unbelebten verströmen, quasi auf Schritt und Tritt. Wo immer wir uns aufhalten, sind wir selten mehr als einen Kilometer vom nächsten Stein entfernt. Und doch kennen wir von der überwältigenden Mehrzahl unserer mineralischen Mitbewohner nicht einmal die Namen.

Steinschlagartig ins Bewusstsein rückt dieses Missverhältnis dem Reisenden, der von Bregenz kommend auf der A 96 in Fahrtrichtung Lindau auf dem Parkplatz "Humbrechts" Rast macht, um dort unverhofft auf die Ausstellung "Autobahn und Eiszeitalter" zu stossen. In keinem Reiseführer verzeichnet und auch bei Google komplett unauffindbar, gehört diese verdienstvolle volkspädagogische Einrichtung neben dem Wildgehege Mesekendahl und der Ordensburg Vogelsang wohl zu den am sträflichsten unterschätzten Tourismusattraktionen Deutschlands. Dabei hat sie so manches zu bieten und fährt mit einigem auf. Entlang des Steinwanderwerwegs, der einmal rund um die Sanitäranlagen führt, begegnen wir an insgesamt 18 Stationen Lokalgrössen wie dem ordinären "Molassen-Sandstein" aus Bildstein, dem "Hornsteinkalk" aus dem Montafon, der "Kalkbrekzie" aus Arosa und ihrer engsten Verwandten, der "Tektonischen Brekzie" aus Klosters-Davos, sowie dem von ebendort stammenden "Ölquarzit". Wir treffen graue Eminenzen wie den "Tristelkalk" aus Liechtenstein, den soignierten"Gault-Grünsandstein" aus Hohenems oder den unsteten "Lias-Fleckenmergel" aus Zimba. Wir lernen die Familie der Gneise kennen, als da wären der "Augengneis" und der "Biotitgneis" (beide östlich von Klosters) nebst dem etwas wunderlichen "Zweiglimmergneis" aus den Gargellen.

Kritikaster mögen monieren, dass der unscheinbare und insgesamt unspektakuläre "Betliskalk" aus Dornbirn gleich zweimal vertreten ist; wir aber sehen über einer solche (sicherlich dem Lokalpatriotismus geschuldete) Schieflage geflissentlich hinweg, versorgt uns der Autobahnparkplatz "Humbrechts" doch insgesamt mit dem nötigen Vokabular und Rüstzeug für eine Poetik – wenn nicht gar Prosa – des Anorganischen, die man im deutschsprachigen Literaturraum längst schmerzlich vermisst hätte, wenn man um ihre Möglichkeiten gewusst oder auch nur geahnt hätte. Ganz zu schweigen von dem Gefühl, inmitten von Abgas, Lärm und Uringestank dem Widerschein echter Erhabenheit zu begegnen.


03.07.2007 | 03:28 | Supertiere | Fakten und Figuren

Damenwahl


Qualität schaut dich an (Foto: 65449462@N00) (Lizenz)
"Die Kosten der Partnerwahl sind ein wichtiger Faktor für die Modelle der Evolution, aber die Art dieser Kosten ist bisher vernachlässigt worden", lobt Robbrooks völlig zu Recht auf den Kommentarseiten eine kürzliche erschienene Arbeit in PLoS ONE, die das Verhalten von wählerischen Meerechsen auf den Galapagosinseln untersucht.

Das Ergebnis fällt auf den ersten Blick wenig ermutigend aus, Die Weibchen, die sich länger als andere in den Territorien von "high-quality, high-activity males" aufhielten, verbrauchten mehr Energie und starben im nächsten Jahr häufiger an den Folgen von El Niño. Allerdings heisst das im Umkehrschluss, dass es grosse evolutionäre Vorteile für die kraftraubende Partnerwahl geben muss. Wir unterlassen an dieser Stelle die übliche Übertragung auf den Menschen mit Witzen zu Schuhkauf, Martini-Trinken und Versatzstücken aus der Romantic Comedy. Schliesslich finden beim Menschen nur Teile des Balzverhalten in Lekking-Territorien statt, in denen sich die Männchen regelmässig zum gegenseitigen Beeindrucken zusammenfinden, die meisten schreiben lieber darüber.

Stattdessen lohnt der Blick in den häufig überlesenen Methoden-Teil, in dem zu lesen steht, dass die Messungen von Herzschlag (fH) und Körpertemperatur (Tb) mit chirurgisch implantierten Messgeräten ohne Todesfall vonstattengingen.

Anhang A.

(Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)

Berechnung des Energieaufwandes als Funktion der Sauerstoffaufnahme vO2 (von Meerechsen), modifiziert nach Adolf Fick.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Kein Wunder


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