Riesenmaschine

15.02.2008 | 11:55 | Sachen kaufen | Sachen anziehen

Augen zu beim Kauf


Ein funktionaler Sarg, man muss es förmlich dazuschreiben.
Die schlechte Welt hat es sogar eingerichtet, dass selbst die Auswahl eines Produktes, das seit hunderten von Jahren dem Druck von Entwicklung und Auswahl unterliegt, immer noch nach dem am wenigsten schlechten ausgerichtet ist. Die Wahrscheinlichkeit, in einem abstossenden Sarg beerdigt zu werden, ist über die Jahrhunderte jedenfalls nicht kleiner geworden. Viele Lebende suchen daher für später das Weite und bringen sich auf andere Weise wieder in den Stoffkreislauf ein. Die modernen Designs, wie oben abgebildet, mögen in vom Aussterben bedrohten Druckerzeugnissen noch als Innovation durchgehen. Wahrscheinlicher aber sind die demnächst bunten Särge nur das letzte Zucken. Sonst wäre der alte Vorschlag, doch Ikea-Möbel zur Sterbebegleitung zu verwenden längst der wichtigste Artikel im Ikea-Hacker-Blog.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Die Fähigkeit, um sich selbst zu trauern


12.02.2008 | 16:16 | Sachen anziehen

Neues von der Unterhose

Wenn Japaner lustig sein wollen, ziehen sie sich gegenseitig die Unterhose vom Kopf. Nur was macht jetzt der Fetischfreund, wenn ihm das zu albern ist, wenn er einerseits dringend eine Unterhose braucht, ihm der Gang zum Schlüpferautomat aber zu peinlich ist und der in die Wäscheabteilung zu riskant, weil er vielleicht kinderlos ist? Dann kauft er Unterhosen, die gar keine Unterhosen sind.

Während in Schweden Unterhosenreklame verboten ist, waren die Schweizer inzwischen auch nicht gerade faul, sie haben in einer Auflage von 500 Stück eine relativ exklusive Unterhose entwickelt, sie schützt das Sperma vor Handystrahlen. Der Deutsche hingegen hat das nicht nötig, er blickt dem Feind gewissermassen ins Gesicht, dafür hat er den cremasterentlastenden Sacfree entwickelt, denn, so die Produktinformation, "eng anliegende Slips sind Eierkocher. sacfree® ist da anders! Mit ihrer offenen Art sorgt sacfree® besonders an heissen Sommertagen für eine frische Brise am sac. Eine gesunde Eigenschaft, denn so behält ihr sac seine natürliche Temperatur."

Da drängt sich natürlich jedem die Frage auf: Was ist eigentlich aus der Schweizer Hodenbaderbewegung geworden? "Wasser auf die richtige Temperatur erwärmen, Hoden beschweren, damit er nicht obenauf schwimmt, Spezialunterhose montieren, Wasser nachtemperieren. Während dreier Wochen jeden Abend die gleiche Prozedur. Das war nicht jedermanns Sache." Das wird der Grund sein, dass man jetzt in der Schweiz unter der Badehose auch noch zusätzlich eine Unterhose trägt. Und wer weiss, vielleicht demnächst dann nach Art der Japaner auch auf dem Kopf.

Tex Rubinowitz | Dauerhafter Link | Kommentare (3)


11.02.2008 | 08:23 | Alles wird besser | Fakten und Figuren

Wir nennen dann jetzt einfach alles Arbeit


Schon mit 6.000 Pfeffermühlen lässt sich der jährliche Energiebedarf eines Drei-Personen-Haushalts decken
(Bild: Lee Coursey / Lizenz)
Wir haben es immer gesagt, jedenfalls schon
ziemlich oft: Alle beklagen die Vergeudung von Trinkwasser beim Klospülen und Rasenbewässern, aber die Vergeudung menschlicher Mühen erfährt zu wenig Aufmerksamkeit. Immerhin hat Nokia laut heise Newsticker inzwischen erkannt, dass der "potentielle Wert der jährlich freibleibenden freien Plätze in Automobilen" (wohl im krassen Unterschied zum Wert der jährlich freibleibenden besetzten Plätze) "500 Milliarden Euro" beträgt. Und OhGizmo! berichtet von der längst überfälligen Gewinnung von Drehtür-Energie. Mit der so aus Passivdrehtüren entnommenen Energie werden dann anderswo vermutlich aktiv drehende Drehtüren betrieben. Wenn sich die Welt weiter so vernünftig entwickelt, können wir in naher Zukunft den Riesenmaschine-Standort "Haus der Frohen Zukunft" komplett mit selbstgemachter Energie aus Sitzballhüpfen, nervösem Fingertrommeln auf der Schreibtischplatte, Herumliege-Abwärme und einem kleinen Überkochendes-Teewasser-Kraftwerk versorgen.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Von Luft und Liebe allein


10.02.2008 | 15:51 | Essen und Essenzielles

Raffinierte Getränke

Zwei "neue" Energiegetränke, eines heisst Big Energy Shock und kommt aus Tschechien, das andere Energy Boost, offenbar aus Leeds. Sehr unterschiedliches Outfit: Der Tscheche eher 70er, klassische Halbliterdose in knalligem Gelb und Rot, harter Schriftsatz, der Engländer dagegen in stahlgrauer Plastikflasche mit 90er Metallic-Farben und infantilen Fonts. Klarer Vorteil für die Slawen, die auch mit ihrem Internetauftritt punkten, wo mehr Insekten sterben als auf den meisten anderen Websites. Im Geschmack jedoch, und das ist erstaunlich, ähneln sich beide so stark, dass man sie mit wenig Fantasie für identisch halten könnte.

Es gibt verschiedene Theorien, wie es zu der beachtlichen weltweiten Uniformität im Geschmack der Energiegetränke kommt. Eventuell sind wir hier Zeugen eines Wettbewerbs der chemischen Industrie; hundert verschiedene Hersteller versuchen, ohne vorherige Kommunikation exakt denselben Geschmack zu produzieren, alle Mittel erlaubt. Oder gibt es UNO-Konventionen, die keine Abweichungen vom Geschmacksschema erlauben, um internationale Irritationen zu vermeiden? Kathrin Passigs Hypothese: Allen Energydrinks liegt ein in Taiwan hergestellter Sirup zugrunde, mit dem ein alter Mann steinreich wurde, der vorher einfach nur blasenkrank war. Oder aber Energiegetränke werden allgemein auf dieselbe Art und Weise gewonnen – Erdöl schmeckt ja auch weltweit gleich. Raffinieren von Warzenschweinen wäre eine realistische Möglichkeit, ganz oben entweicht Lachgas, in der Mitte Red Bull und unten bleiben die zähflüssigen Warzen liegen.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Sauber wach sein


09.02.2008 | 04:32 | Anderswo

Robot Schafmagen


Foto: Jan Bölsche
Alles dauert immer so lange. Laufenlernen, zum Beispiel, mehrere Stunden lang nichts anderes tun als aufstehen und hinfallen, wer macht das heute schon noch mit? Anderes Beispiel: Dudelsackspielen. Braucht, so sagt man, sieben Jahre, bis man es kann, und davon klingen die ersten sechs horrible. Horrible und dazu noch sehr sehr laut. LAUT. Weil das so ist, werden Dudelsackspieler an der Carnegie Mellon University, der einzigen Universität, die ein Stipendium zum Studium des Dudelsacks anbietet (7000 Dollar pro Jahr plus Kilt), jetzt durch Roboter ersetzt. Und siehe da, der Bau eines Dudelsackrobots dauert ein, zwei Jahre, und damit deutlich kürzer als der Bau eines menschlichen Bagpipers. Damit gibt es an der CMU jetzt schon genauso viele Bagpipe-Roboter wie Bagpipe-Studenten, nämlich jeweils einen. Hier kann man sich Highland Laddie anhören, gespielt von der Maschine, und es klingt, naja, überzeugend. Leider dauert es mehrere Minuten, viel zu lang, alles viel zu lang, aber was soll man machen, in Zeiten, in denen selbst die Tagesschau vierzehneinhalb Minuten zu lang ist.


1 [2] 3 4

*  IN DER RIESENMASCHINE


*  ORIENTIERUNG



Werbung
Unsittliche Werbung Ratgeber

*  SO GEHT'S:

- Farben (aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken)

- Boykotte-Boykott

- Drogen (manche)

- Damen Herren Tiere

*  SO NICHT:

- Kabelsalat

- Bubbles an den Märkten

- Longhorn-Geilheit

- Stromkasten als Theke


*  AUTOMATISCHE KULTURKRITIK

"Planet Terror", Robert Rodriguez (2007)

Plus: 1, 8, 10, 12, 21, 24, 25, 31 doppelt, 32, 37, 41, 64, 74, 77, 79, 80, 89
Minus: 82, 139
Gesamt: 16 Punkte


*  KATEGORIEN


*  ARCHIV