Riesenmaschine

27.11.2005 | 11:10 | Anderswo | Was fehlt

Fast wie dabeigewesen


(Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)
Es ist mittlerweile eine Zeit erreicht, da dieses ewige Bildersammeln im Netz hochgradig redundant wird. Ist nicht schon alles irgendwann mal fotografiert? Hochgeladen? Bei Flickr gelandet? Man könnte soviel Mühe und Speicherplatz sparen, wenn es endlich eine Kamera gäbe, die GPS kann und ständig in Kontakt mit den relevanten Online-Bildersammelplätzen steht. Dann leuchtet einfach ein rotes Lämpchen, wenn man sich das Bild sparen kann, das gerade im Sucher angezeigt wird, oder entsprechend ein grünes, wenn es das Bild noch nicht gibt. Oder es gibt so eine Art Flickr-Sidebar im Kamera-Display, wo die vorhandenen Aufnahmen angezeigt werden. Man muss nicht zum dreimillionsten Mal den Niagarafall ablichten und kann sich darauf konzentrieren, einen Bus zu erwischen, was an diesen Wasserfällen gar nicht so einfach ist.

Andererseits kann man sich, weil ja ohnehin schon alles fotografiert ist, die Sache mit der Kamera auch gleich schenken. Es gibt ja Menschen unter uns, ich möchte da keine Namen nennen, die fahren ganz ohne Kamera in den Urlaub, und müssen den Daheimgebliebenen dann umständlich mit Worten erklären, wie es war. Bisher jedenfalls, aber jetzt googelt man einfach, stellt ein paar Links zusammen und jeder zu Hause weiss, wo man sich herumtreibt. Zum Beweis, dass es funktioniert, obenstehend ein Beispiel aus aktuellen Anlass: "Das bin ich auf dem Marktplatz von Hornopiren in Nordpatagonien, am vorläufigen Ende der Carretera Austral, kurz vorm Nationalpark Pumalin, also so ziemlich am Arsch der Welt. Im Hintergrund links das einzige Internet des Dorfes. (Die Wolken und ein paar Details am Kopf habe ich wegretuschiert. Meine Haarfarbe sieht nur wegen der Abendsonne so dunkel aus. Den oberen Teil des Vulkans konnte ich nicht sehen, habe daher den Gipfel des Ätna draufkopiert.)"


23.11.2005 | 15:58 | Anderswo

Deutsch im Ausland, heute: Südamerika


(Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)
Im Rahmen eines grossangelegten Projekts untersucht die Riesenmaschine, was Deutsche im Ausland angerichtet haben. Bisher berichteten wir über den Hitlerhof in Korea und das Oktoberfest in Kanada. Heute nun: Deutschtum in Chile. Landet man im sogenannten Kleinen Süden, dem Land der Pferdebremsen mit dem Flugzeug, so glaubt man zunächst, man wäre in Niedersachsen; fährt man weiter nach Süden, kommt folgerichtig Hessen und später taucht dann das Allgäu am Horizont auf. Deutsche Einwanderer haben es sich im vorletzten Jahrhundert genauso eingerichtet, wie sie es gern haben, und die Reste erzeugen heute den Eindruck, man befände sich im Schwarzwald, nur mit seltsam verschwurbelten Bäumen, Vulkanen, und eben Pferdebremsen. Was ansonsten übrig geblieben ist: "leckerer Kuchen", "Hotel Frau Holle", "das gute Bier", "Cafe Krüger" und Wahlwerbung für "Senadore Kuschel". Und dann taucht noch ein Ort namens "Nueva Braunau" auf (übrigens: Grundstücke zu verkaufen!), was auch immer das zu bedeuten hat.

Nach drei Erdteilen also mal zusammengefasst: Was nach Jahrhunderten Exil vom Deutschen übrig bleibt, also nach gründlichem Zentrifugieren, Absaugen, Durchverdampfen, Trocknen und Schleudern, ist eine relativ unangenehme Mischung aus "Bier", "Gemütlichkeit", "Kuchen" und "Hitler". Das ist der deutsche Schlick, der Bodensatz, der kleinste gemeinsame Nenner (bitte noch weitere Synonyme nach Wunsch einfügen). Und so bleibt am Ende nichts anderes übrig, als zu akzeptieren, dass in uns allen ein schmunzelnder, bärtiger Nazigartenzwerg steckt. Egal, wieviel Berlin-Mitte man drübergiesst.


22.11.2005 | 14:57 | Alles wird besser | Sachen kaufen | Sachen anziehen

Nie mehr frieren


(Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)
Mit diesem Handschuh kann man sich viel schneller aufwärmen als mit allen anderen Technologien (warmes Getränk, Schlafsack, Gruppensex). Und er wärmt nicht nur die Hand, sondern gleich alles; ein Universal-Aufwärmgerät, das schon bald verhindern wird, dass man jemals wieder herumzittert, nur weil der Bus nicht kommt oder so. Das Beste aber: Man kann ihn auch verwenden, um sich abzukühlen. Teufelszeug. Wie er allerdings im Detail funktioniert, ist selbst mir nicht so ohne weiteres klar, aber wen interessiert's, Hauptsache warm.


21.11.2005 | 08:55 | Anderswo | Supertiere

Mehr über Nagetiere


(Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)
Nagetiere sind schon seit vielen Jahrtausenden die Schutzpatrone der Riesenmaschine. Einmal im Jahr, so der Brauch, muss, um ihre Eitelkeit zu befriedigen, über sie berichtet werden, und zwar in ekelhaft opportunistischem Tonfall, sonst wird der Fluch der Nager usw., das kennt man ja und das wollen wir nicht. Diesmal geht es einmal nicht um Biber oder Bilche, sondern um eine Art Meerschweinchen aus der Familie der Chinchillas: das Vizcacha. Auf nebenstehendem Bild, das "Gene with Vizcacha" zeigt, kann man deutlich die Vorzüge dieses Tierchens erkennen. Es hat die Ohren und die Figur eines Hasen, aber den Schwanz und die Körperhaltung eines Eichhörnchens, und dies alles noch in einer derart praktischen Grösse, dass man nicht immer Angst haben muss, es beim Kosen zu zerquetschen. Man muss klar anerkennen, dass die Idee, ein Tier von der Grösse eines Hundes herzustellen, das alle Vorzüge von Hase und Eichhörnchen vereint, einer der herausragendsten und einmaligsten, ja, unbeschreiblich grossartigsten (man muss hier etwas übertreiben, wir bitten um Verzeihung) Einfälle in der Geschichte der Einfälle war. Wir können uns keine Droge vorstellen, naja, ehrlich gesagt fast keine, die uns zu einer solch phantastischen Erfindung, so, das muss jetzt aber reichen, Freunde.

Das Vizcacha, eigentlich gesellig, lebt zurückgezogen in den Wüsten Südamerikas, und zwar notgedrungen in Gesellschaft von Schlangen, Eidechsen und Eulen, nur um nicht an Vereinsamung zu sterben. Deshalb, und gerade weil es ein Nagetier ist, werden wir heute, Montag, den heiligen Berg der Vizcachas aufsuchen, und zwar um ihnen eine Freude zu bereiten. Ausserdem verlangen sie es von uns.


21.11.2005 | 02:07 | Anderswo | Alles wird schlechter

Nur über meine Leiche


(Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)
Der einzige Trend, der in den letzten Jahrzehnten in Deutschland erfunden wurde, ist die Ausstellung von Leichen. Vermutlich hat es etwas zu bedeuten, dass dieser Renner erst vor etwa einem Jahr in Amerika Fuss gefasst hat, vielleicht funktioniert Trendwanderung nur mit dem Golfstrom oder es hängt mit der Hühnergrippe und den Importschwierigkeiten für Naturmaterialien zusammen, aber damit muss man sich nicht befassen. Viel aufschlussreicher ist es, die Expansion der Leichenindustrie mitzuverfolgen. Ideen, zumal wenn sie Geld bringen, rufen immer Epigonen hervor; Mozart, Beatles, Nirvana, alle wurden sie noch zu Lebzeiten kopiert, und so ist es nicht verwunderlich, dass jetzt gleich mehrere Leichenshows auf den amerikanischen Markt drängen, so dass man als Kunde wirklich die Wahl hat. Während das (mutmassliche) Original, Body Worlds 2 zur Zeit in Toronto herumsteht, wird heute, wie wir bei Medgadget erfahren, in New York Bodies, the Exhibition eröffnet. In San Francisco wurde offenbar vor wenigen Wochen bereits wieder geschlossen, und zwar "The Universe Within". Zeitgleich warten in Ostasien, dem Mekka der Leichenverarbeitung, Zombie-Armeen mit so kreativen Namen wie "Body Exploration", "Bodies Revealed" oder "Mysteries of the Human Body" auf ihre Marscherlaubnis für amerikanisches Territorium.

Körperwelten-Erfinder von Hagens, selbst nicht gerade wie ein Lebender aussehend, behauptet natürlich, dass nur er den wahren Beatles-Sound, nein, dass nur seine Gebeine richtige Tote sind. Aber wie obiges Bild zeigt, ist das durchaus Geschmackssache; manche mögen blassgelb lieber als dunkelrosa und nicht jeder kommt mit dreiteiligem Geschlechtsteil klar. Wie immer gibt es Neid und Missgunst zwischen Erfinder und Nutzniessern, so beschuldigen sich von Hagens und sein ehemaliger Mitstreiter Sui Hongjin, der mittlerweile seine eigene Nekrophilieshow leitet, statt der glücklichen Leichen von freilaufenden Hühnern Exponate aus Massentierhaltung, ähm, chinesische Sträflinge also zu verwenden. Man muss dies wohl als ganz normale Abnutzungserscheinung der Trenderscheinung Leichenschau bewerten. Wie immer wird es eine Weile dauern, bis ein neuer Geniestreich die Branche erobert, zum Beispiel Tote irgendwie an speziellen Orten vergraben oder so.


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