Riesenmaschine

19.12.2007 | 03:20 | Anderswo | Alles wird besser | Zeichen und Wunder

Umlauterer Wettbewerb


Zwei Punkte für Singapur

Singapore Beäuty
Gleich nachdem im Jänner dieses Jahres in China das Ü eingeführt wurde, konnte sich auch die chinesische Kolonie Singapur, die der lateinischen Schrift schon seit vielen Jahren mächtig ist, diesem Trend nicht mehr entziehen. Singapurer Trendscouts erkannten das Eye-Catch-Potenzial, das Umlauten innewohnt. Kurzerhand wurde das Billardcafé Pool Fusion umbenannt, welches sich nach einer Umsatzflaute nun wieder zu einem beliebten Szenetreff entwickelt hat, und ein bislang aussageschwacher Slogan einer Druckerei wurde durch zwei Punkte in poetische Sphären gehoben.

Damit nicht genug, dachte man sich, und entdeckte jetzt endlich auch das Ä: Im oberen Stockwerk des geschichtsträchtigen Kolonial-Hotels Raffles (gesprochen: Räffels) eröffnete vor kurzem my BEÄUTY hub, dessen Schreibweise jedoch den anstehenden Webauftritt noch etwas hinauszögert. Auch streitet man bisher über die korrekte Aussprache.

Dennoch wird der Trend weitere Teile Asiens erreichen. In Korea wurde bereits ein möglicher Ableger von my BEÄUTY hub gesichtet, der stilistisch noch einmal ganz neue Wege in Sachen Umlaut geht.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Das Ü ist da


22.11.2007 | 12:44 | Anderswo | Zeichen und Wunder

Hinweisschilderung


Was ich noch zu sagen hätte

In der Literatur gilt: Eine Erzählform aus der Ich-Perspektive wirkt meistens intensiver, weil sich der Leser dadurch in die erzählende Figur hineinversetzen kann. Von der Literatur scheinbar inspiriert, wird in Tokio diese Regel nun auch bei Hinweisschildern an den dortigen Smoking Areas angewandt. Zwar wird durch diese neue Form der Erlebniserzählung das Verstehen der (auch für Japaner) eher unverständlichen Piktogramme nicht wirklich einfacher, dennoch wurde durch die Ich-Botschaften erstmals eine Lösung gefunden, das komplizierte Keigo zu umgehen.

Ob sich dieser Trend in Deutschland durchsetzen wird, bleibt abzuwarten, bislang durften dort ja nur Hunde und Katzen auf Schildern über ihre Geworfenheit sprechen. Aber vielleicht möchte die Möbelkette Ikea demnächst ja mal den Anfang machen, die sich beim deutschen Keigo noch etwas schwertut.


04.02.2007 | 03:24 | Anderswo | Alles wird besser

Good Gadgets Go to Heaven


Nicht immer brandaktuell: Geekstuff fürs Jenseits
In der chinesischen Kultur ist es oft üblich, bei Beerdigungen, beim sogenannten Fest der hungrigen Geister oder auch mal ganz nebenbei Gegenstände aus Papier zu verbrennen und diese über das Medium Rauch einem Verstorbenen zu senden, um ihm einen angenehmeren Aufenthalt im Jenseits zu ermöglichen. Spezialgeschäfte bieten hierfür ein reiches Sortiment papierner Waren an, wie etwa die Hell-Banknotes, mit denen sich die Wächter einer vermutlich sehr korrupten Hölle schmieren lassen oder den Hell-Passport, der die Grenzabfertigungen zwischen Hölle und Himmel erleichtern soll. Diese lassen sich dann am besten mit einem Papier-Mercedes nebst Papierchauffeur passieren. Auch Radios, Fernseher oder Handys gibt es aus Papier, sie haben allerdings den Nachteil, dass sie oft Kopien schon älterer Modelle sind und möglicherweise drüben gar nicht funktionieren.

Dieser Missstand ändert sich nun erstmals mit der bereits hier erwähnten Bastelanleitung des iPhones. Während wir noch geduldig auf das Release des Originals warten, wird im Jenseits bereits eifrig telefoniert etc. Vielleicht könntet ihr uns wenigstens schon mal ein paar Aufnahmen von drüben rübermmsen.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Gebärmuttersarg


07.12.2006 | 19:51 | Anderswo | Alles wird besser

Tumorvolle Zigarettenbildchen


Neue Bilder für Singapur
Nachdem im dreisprachigen Belgien jüngst beschlossen wurde, im kommenden Jahr die Text-Warnungen auf Zigarettenschachteln durch abschreckende Bilder zu ersetzen, wird nun auch in Deutschland immer häufiger der Wunsch geäussert, dieses zu tun, unter anderem, um auch nichtdeutschsprachige Parallelgesellschaften auf die Gefahren des Rauchens hinzuweisen.

Machte das zweisprachige Kanada bereits 2001 den Anfang, zogen Länder mit hoher Analphabetenrate nach und visualisierten, passend zu den Primärängsten ihrer Bewohner, Beischlafstörungen (Brasilien) oder Vanitas-Botschaften im Fantasy-Look (Thailand). Das viersprachige Sündenbabel Singapur, immer schon Freund schwarzer Pädagogik, nahm diese Idee ebenfalls vor geraumer Zeit auf. Als man dort jedoch merkte, dass die Bildchen gar nichts brachten und geraucht wurde wie schon immer, gab es für Singapur nur eine Möglichkeit: Es musste alles noch viel blutiger, fleischiger und tiefgehender dargestellt werden. Seit kurzem gibt es daher eine neue Bilderstaffel mit rot-violett-eingefärbten offenen Geschwüren, Raucherbeinstümpfen und entgegengestreckten tumorösen Zungen in einem so endmässigen Endstadium, dass zartbesaitete Gemüter etwas brauchen werden, bis sie sich, daran gewöhnt, wie gewohnt die Nächste anstecken.

Wenn in Belgien, und vielleicht auch Deutschland, demnächst also die ersten Bildchen gedruckt werden, wird Singapur vielleicht schon Phase drei einläuten, bei deren Visualisierung es eigentlich nur noch die eine Steigerung geben kann: Endlich Raucher!

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Völkermord in der Schweiz!

Menno Aden | Dauerhafter Link


23.11.2006 | 12:00 | Anderswo

Das Land des Mitte

Dass Berlin das neue New York ist, weswegen viele New Yorker nach Berlin ziehen, ist lange bekannt. Seit kurzem gilt es aber auch als gesichert, dass eine weitere Weltstadt sehnsüchtig gen Deutschlands arme aber sexy Hauptstadt blickt, und zwar direkt auf deren kultigsten Kult-Stadtteil. Vor kurzem hat in Tokios Stadtteil Meguro eine Cafe-Lounge namens Mitte eröffnet, die – um alle Doppeldeutigkeiten aus dem Weg zu räumen – den Berliner Fernsehturm im Logo trägt. Wie im übrigen Tokio nimmt man es hier, zumindest, was die Preise angeht, mit der Unterscheidung zwischen Gastronomie und Astronomie nicht so genau: eine Flasche frisch eingeflogenes Beck's kostet ca. 5,80 Euro, dazu gibt es Erdnüsse und es lässt sich in älteren Ausgaben deutscher Design-Zeitschriften blättern. Alles eben richtig mittemässig, was dadurch nur verstärkt wird, dass die Bediensteten kein Deutsch sprechen, geschweige denn aus Berlin kommen.


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