Riesenmaschine

30.06.2007 | 11:40 | Anderswo | Alles wird schlechter

Kinderwunsch

Das Konzept Kind kann man schlicht und einfach subsumieren auf ein einziges, alles bestimmendes Paradoxon. Je kleiner die Person, desto grösser die Wünsche. Und der grösste Wunsch ist es, grösser zu sein. Alles muss riesig sein, und sehnsüchtig wartet man auf den fernen Tag, an dem man Dinge machen kann, die die Grossen offenbar antreiben, aus denen sie Kraft und Freude gewinnen. Für diese scheinbar unendlich lange Wartezeit gibt man den Kleinen Versprechungen wie Schokoladezigaretten und Spielzeugautos.
Japanische Kinder bekommen nun auch noch ihren eigenen Rotwein, Champagner und ein Mädchen- und ein Bubenbier (Bild), eins das richtig gelb ist, und von dem man einen echten Bierbart bekommt (hier im Filmchen). Der hohe Zuckeranteil in dem Gebräu kann die Kleinen bei einem Übermass an Konsum genauso aufdrehen, schunkeln und lallend machen wie die richtigen Menschen.

In Österreich, Wassermanipulationsweltmeister, hat nun die Firma Vöslauer ebenfalls eine Erwachsenendomäne aufgeweicht, Mineralwasser für Kinder, Vöslauer junior, denn "Mineralstoffe brauchen Kinder beim Spielen oder bei langen Autofahrten" und "in Österreichs Schulen wird tendenziell zu wenig getrunken". Allerdings droht und dräut hier der bekannte Komaeffekt, allerdings durch Mineralschock, denn Kinder können, wie man weiss, den Hals ja nie voll genug kriegen, vor allem wenn sie angehalten sind, sich bereits in der Schule vollaufen zu lassen.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Marula, warum?

Tex Rubinowitz | Dauerhafter Link | Kommentare (2)


27.06.2007 | 01:28 | Anderswo | Fakten und Figuren

Sie haben sich selbst aufgegessen


Regisseur L. Kledolf bei der ZIA Dokumentation, Foto Bölsche
Kurz vor Beginn des diesjährigen Bachmannkampflesens, auch Tage der reitenden Leichenwäscher genannt, erinnert man sich wieder an sie. Jene ominöse Firma ZIA, die die letzten drei Jahre den Wettbewerb durch eingeschleuste Agenten, Inoffizielle Mitarbeiter und Schläfer aufmischte, Preise abräumte und sogar neue Preise schuf. Was ist ausser der Tatsache geblieben, dass die "gratisschnittchenfutternden ZIA-Zombies" (Bachmannjuror Klaus Nüchtern) eine neue Studentengeneration für diese Veranstaltung sensibilisieren konnte? Wo sind sie alle hin, man hört nur mehr sehr wenig von all den fleissigen Lemuren? Die Riesenmaschine, ihr Zentralorgan, ist nahezu verwaist. Wolfgang Herrndorf, wo ist er jetzt? Wasserträger für das Rainald-Goetz-Blog. Sascha Lobo? Verteilt in Kneipen in Berlin Mitte Probepackungen der Zigarette "Digibobo". Holm Friebe? Der Volkswirt hat sich in obskuren Wettgeschäften verspekuliert. Aber der Rest des Haufens?

Die Antwort liegt wie immer so nahe, wenn zu viele Egos aufeinanderprallen. Sie sind heillos zerstritten, produzieren ein hässliches Buch nach dem anderen, mit lauter Sekundärverwertungen und Ausschussware. Dieses erschütternde Filmdokument (Link führt zu Teil 1 von 4) legt das ganze Ausmass der Verrottung der Vereinigung bis in die Knochen dar. Sollte denn ausser Spesen nichts gewesen sein? Man darf über ihre Zukunft gespannt sein, denn momentan befinden sie sich alle an der Stätte früherer Triumphe, in Klagenfurt, um ihre Knochen neu zu ordnen oder aber nur abzunagen.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Zentrale Intelligenz Agentur

Tex Rubinowitz | Dauerhafter Link | Kommentare (5)


19.06.2007 | 10:45 | Anderswo | Nachtleuchtendes | Fakten und Figuren

Are we rudy fer the bake shah?


Plase ramabar, averyune: tines es a vary rimuntec scene thit ends en trudgady
Gerade orthodoxen David-Lynch-Fans sind zwei Aspekte im Oeuvre dieses singulären Meisters vollkommen unbekannt, einerseits, dass er ungeheuer komisch ist, eine Komik, die in allen seinen Filmen immer wieder herausblitzt (Der Cowboy in "Mulholland Drive", die Enten in der Zeichentrickserie "Dumbland"), sie scheint aber offenbar unwillkommen, man hat sich eingerichtet mit der Exegese, er sei düster, unheimlich und böse, und in dieser Schublade ist Klamauk und Klamotte nun mal kontraproduktiv. Darunter hatte schon Kafka zu leiden, der während Lesungen im privaten Kreis vor Lachen schon mal unter den Tisch gerutscht ist, während Freund und Nachlassverwalter Max Brod selber gern unter den Tisch gerutscht wäre, allerdings vor Scham.

Die andere unbekannte Tatsache Lynchs, und sie schliesst nahtlos an den ersten Aspekt an, ist eine Fernsehserie namens On the Air. Sie wurde erstmals 1992 ausgestrahlt und ist gnadenlos gefloppt, laut Lynch, weil sie im Sommer, am Samstag und in der Nacht lief, drei tödliche Komponenten, kein Mensch sitzt da vorm Fernseher, kein Mensch kennt sie demzufolge, und weiss deshalb, dass sie fraglos zu dem Lustigsten gehört, was je für den Film- und Fernsehsektor produziert wurde. Der eigentliche Grund wird aber vermutlich sein, dass OTA ganz knapp nach Twin Peaks lief, teilweise parallel zu Twin Peaks gedreht wurde, die Leute waren konditioniert auf den Grusellynch, und wollten oder konnten einen alle und alles mit Slapstick der billigen Art zerstörenden Lynch nicht akzeptieren.

Das Thema der siebenteiligen OTA-Serie ist der regelmässige Versuch 1957 sowas wie das erste Livefernsehen mit der "Lester Guy Show" zu installieren, etwas, was dann aber regelmässig gewaltig in die Hose geht. Das beste an dieser Serie ist das haarsträubend unkompatible Personal, unter diesen Bedingungen kann natürlich nichts gedeihen, ausser Chaos. Lester Guy (Ian Buchanan), bekannt aus Twin Peaks, als Lucy den Kopf verdrehender Warenhausbesitzer, ist ein abgehalfterter, eitler Schauspieler, der unter der Leitung des heillos überforderten Regisseurs Vladja Gochktch einerseits versucht, das Zentrum des Geschehens zu sein und sein Gesicht zu wahren, und andererseits, Intrigen zu spinnen. Hier weiss niemand was der andere macht bzw. vorhat, es gibt kein Zentrum, keine Orientierung, deswegen muss alles scheitern. Der einzige Kitt des Zusammenhalts ist der schreiend komische Dialekt Vladja Gochktchs (eine auffallende Analogie zu den rückwärts sprechenden Zwergen in Twin Peaks): "Sha cun wutch ot un talavosion en yir un hime" ("She can watch it on television in your own home").

Leider kann man es eben nicht im Fernsehen zuhause anschauen, es existieren weltweit nur eine Handvoll mürber Videos, DVDs überhaupt nicht, deshalb die Serie als bulgarische Filmspulen am 22. Juni, 21 Uhr in der Möbel- und Getränkehandlung Phil, Gumpendorferstrasse 10, 1060 Wien, und, um es noch verwirrender zu machen, mit japanischen Untertiteln.

Tex Rubinowitz | Dauerhafter Link | Kommentare (6)


07.06.2007 | 19:29 | Anderswo | Alles wird besser

Tennis mit Insekten

Finnen sind, wie hier schon schmerzhaft oft zu lesen war, enorm erfinderisch. So dümpelt allsommerlich im Hietalahtihafen in Helsinki ein offensichtlich arbeitsloser Mann in einem kleinen Schlauchboot, angetan mit Badehose und einer Taucherbrille, in der Hand hält er einen Tennisschläger, seine Frau steht am Ufer und verkauft Hühnereier, mit denen man den Mann im Boot befeuern kann. Wenn er es nicht schafft 3 Eier mit seinem Schläger abzuwehren, erhält man ein kleines Stoffkamel. Am Ende seines Arbeitstages sieht der Mann aus wie der Teilnehmer einer Bukkakesitzung. Und auch wenn Finnen nicht besonders überragende Tennisspieler sind, ausser Jarkko Nieminen, derzeit ATP-Rang 23, hat doch fast jeder Finne einen Tennisschläger zuhause, die jetzt wieder verstärkt zum Einsatz kommen. Sie stehen allerdings unter Strom, und man drischt damit nicht auf Filz, sondern auf Mücken ein. Die Produktinformation sagt, man solle sie von kleinen Kindern fernhalten und sie daran hindern, ihre kleinen Zungen zwischen die Bespannung zu stecken. Auch so hält man ein Volk davon ab, eine Tennisnation zu werden. Aber warum gibt es in Finnland so viele gute Gitarristen?

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Mückencup in Magdeburg

Tex Rubinowitz | Dauerhafter Link | Kommentare (5)


31.05.2007 | 17:12 | Anderswo

Der umgedrehte Tisch

Manche Zwillinge sehen sich ähnlich, dizygote heissen die, manche nicht, das sind die monozygotischen. Manche machen andauernd das gleiche, andere nicht. In der physikalischen Zwillingsforschung sprechen sich die Photonen heimlich ab. Man schickt sie auf zwei verschiedene Rennstrecken, mit mehreren Ausgängen, wählt beispielsweise eines den rechten Ausgang, so macht der Zwilling das gleiche. Die Glimmer Twins sehen sich z.B. überhaupt nicht ähnlich und glimmern auch nicht, während die Torpedo Twins nur schnell sind, Videomüll zu produzieren.
Bratislava und Wien sind seit exakt einem Jahr von einer Alufährenreederei zu Twin Cities gemacht worden. Auch hier liegt ein Missverständnis vor, denn die Silhouette Bratislavas gleicht laut Touristeninfo "einem umgedrehten Tisch", was man von Wien nicht behaupten kann. Kürzlich ist die Fähre gekentert, was als Ersatz nehmen? Vielleicht einen umgedrehten Tisch?

Tex Rubinowitz | Dauerhafter Link | Kommentare (3)


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