Riesenmaschine

27.06.2007 | 21:34 | Alles wird schlechter | Sachen kaufen | Essen und Essenzielles

Me-Too-Nade

Das Aufkommen von Nachahmerprodukten des Wundergetränks Bionade war bloss noch eine Frage der Zeit, wie erst vor wenigen Tagen auch die FTD feststellte, so weit also kein Problem, man hatte sich im Hause Bionade ja auch darauf eingestellt. Dass es dann aber gleich so dermassen plump werden würde, hatte wiederum keiner ahnen können: Seit einigen Tagen verkauft Plus Maltonade – das "Bio-Erfrischungsgetränk" aus "fermentierten Gerstenmalzextrakt (3 %)", mit 19,4 kcal und 4,6 g Kohlenhydraten pro 100 ml (natürlich mit dem Bio-Siegel), das sich nur in Nuancen vom Original, dem "biologischen Erfrischungsgetränk" "hergestellt aus Fermentation" und aus Malz (2 %), mit 22 kcal und 5 g Kohlenhydraten pro 100 ml (natürlich mit dem Bio-Siegel) unterscheidet. Auch bei den Geschmacksrichtungen inklusive Farbcode wurde gar nicht erst der Versuch unternommen, innovativ zu wirken: Es gibt Holunder-Cranberry (rot), Kräuter (grün) und Orange-Kiwi (orange), lediglich bei der für die Exotensorten reservierten gelben Variante setzten die Maltonade-Macher statt auf Litschi auf die recht gewollt wirkende Eigenkreation Mango-Chili. Jetzt fehlt eigentlich nur noch eine aufs Produkt abgestimmte Werbekampagne, der Claim "Das offizielle Getränk einer noch voll total viel besseren Welt" dürfte noch frei sein.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Single Cola, Single Cask und Spionadeversuch


12.06.2007 | 20:02 | Anderswo | Alles wird schlechter

Hotels, wir müssen reden


Der Übeltäter
Dass zwar eure verpilzten Wellnessbereiche gratis zu benutzen sind, dass WLAN aber astronomisch kostet (Im Dorint-Hotel Main-Taunus-Zentrum zuletzt 19 Euro für 24 Stunden) – damit haben wir uns längst, nun ja, abgefunden. Dass ihr Duschhauben, mundgeblasene Seifen und andere absurde Kosmetika und Utensilien mit dem Füllhorn vorhaltet, niemals jedoch auf die wenig abwegige Idee verfallen würdet, dasselbe mit Zahnbürsten, geschweige denn Zahnpasta zu tun – geschenkt. Aber was soll diese neue Marotte, das "Betthupferl" aus Schokolade nicht auf den Nachttisch, sondern auf oder gar unter dem Kopfkissen zu plazieren? Auf dass man, wenn man von langer Tage Arbeit mühsel'ger Qual ermattet und kraft per Sozialzwang verabfolgter Limonaden bettschwer sein müdes Haupt dorthin zur Ruhe bettet, am nächsten Morgen wie aus Totenschlaf erwachend ob der verschmierten Laken zuallererst ins Grübeln gerät, ob die kompromittierende Sauerei Resultat trunkener Dekompensation und Spontanentleerung ist oder ob da womöglich doch noch was mit der unscheinbaren Vertriebsperson ging, die sich in privatem Ambiente dann überraschend als ausnehmend kess und Freundin gewisser Praktiken ... Kurz: um uns das alles zu ersparen, lasst es doch in Zukunft bitte einfach bleiben!

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Not so hot spots


08.06.2007 | 19:14 | Alles wird schlechter | Vermutungen über die Welt

Im Calcbergwerk


Der Abakus – Forward Reverse Engineering des Casio Memory 8R. Diese Urmenschen! (Foto: poagao) (Lizenz)
Ein unverständliches Ding, zum Beispiel einen von einer verrückten Frau durch die Gegend geschleppten Holzklotz, kann man erst begreifen, wenn einem das Nacherleben oder der Nachbau gelungen ist, man also selbst eine Holzklotzattrappe aus Pappmache oder eine Kiste Gurken überall hin mitgenommen hat, und in einem plötzlichen Aha-Erlebnis die Verhältnisse durchschaut. In der Ingenieurskunst nennt man das Nachbauen des zu Verstehenden Reverse Engineering, in der Gefühlswelt nennt man es Fiktion. Fiktionen werden oft ins Absurde gesteigert oder durch Paradoxien und Widersprüchlichkeiten angereichert, und bleiben dennoch nicht nur verständlich, sondern gewinnen womöglich noch an Tiefe und Erkenntniswert, wenn auch mitunter nicht in direkt greifbarer Weise. Ähnlich, nur ganz anders, erhellt der im Augenblick bei Worse than Failure laufende OMGWTF-Wettbewerb die der Entwicklung von Verfahren und der Gewinnung von Einsichten zugrundeliegenden Prinzipien. Die Aufgabe, den mit Windows mitgelieferten Taschenrechner auf möglichst verkorkste und unangemessene Weise nachzubauen, wird von den grade nach und nach veröffentlichten Finalisten auf teils atemberaubende Weise gelöst – wenn man das Wort "gelöst" weit genug fasst – und die Wettbewerbsbeiträge in ihrer Gesamtheit, wie überhaupt das ganze erkenntnisintensive Nerdgeräusch des Blogs, versöhnen völlig mit der vor ein paar Wochen erfolgten Namensänderung vom schönen The Daily WTF zum augenblicklichen eierlos mainstreamtauglichen Namen. Worse than Failure? Seriously, WTF Dude?


04.06.2007 | 12:22 | Alles wird besser | Alles wird schlechter | Was fehlt | Zeichen und Wunder

Kommentier die Welt

Wer sich die meiste Zeit seines Lebens im Internet aufhält, dem fallen bei Ausflügen in die analoge Welt deren Defizite besonders deutlich auf. Wieso kann man beim Radio nicht einfach weiterskippen, wenn Nu Pagadi läuft? Warum lässt sich hier nirgends die Werbung abschalten? Und vor allem: Welcher Trottel hat schon wieder die Kommentarfunktion deaktiviert? Anmerkungen, Fragen, Empfehlungen zu den Dingen da draussen ("Das soll eine Hose sein?" "Diesen alten Wäscheständer kann man übrigens mitnehmen, er ist auch nur ein bisschen kaputt." "Wo kann ich das kaufen?" "Auf gar keinen Fall die Zwiebelsuppe bestellen!") kann man zwar leise vor sich hinmurmeln, aber nirgends werden sie festgehalten, niemand geht darauf ein. Nun gibt es immerhin die (bei Boing Boing gefundenen) Graffiti Report Cards. Ein erster Schritt hin zu einer umfassenden Kommentierbarkeit der Welt – bleibt zu hoffen, dass parallel auch endlich etwas erfunden wird, das die durchschnittliche Qualität von Kommentaren auf ein erträgliches Level hebt.


01.06.2007 | 14:04 | Supertiere | Alles wird schlechter

HAI; VISIBLE "Überschrift"; KTHXBYE;


Ja muss denn sowas wirklich sein? Brauchen wir das?
Hilft es Nagetieren in Not?
Seit einigen Monaten geistern durch die Internetze die hart an Spasspostkarten und Bürohumor entlangschrammenden LOLcats. Die teils infantile, teils am 13375P34K orientierte Sprache der Katzenbetitelungen entwickelte sich über die Monate des LOLcat-Fiebers zu einem eigenen LOLcat-Dialekt, mit vagen Regeln und immer wiederkehrenden Satzmustern. Jetzt haben die virulenten Katzen offenbar eine Art kritischer Masse überschritten, denn das Mem schwappt über. LOLbots, LOLpresidents, LOLTapirs und aller möglicher anderer Quatsch breiten sich aus. Man mag über die meisten dieser Spassbildchen bedenkenträgerisch die kultivierte Stirne runzeln, aber an der schlichten Poesie der auf der LOLcat-Grammatik aufbauenden Programmiersprache LOLcode ist nicht zu rütteln. Wollen wir hoffen, dass die Entwicklung der Spezifikation schnell voranschreitet, damit bald schon richtige Programme in ihr geschrieben werden können, und nicht nur die obligatorische "Hello World"-Demo.

HAI
CAN HAS STDIO?
VISIBLE "HAI WORLD!"
KTHXBYE


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