Riesenmaschine

09.08.2006 | 11:52 | Anderswo | Papierrascheln

Eccentric America


(Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)
Einerseits ist das Originelle, Interessante und Exzentrische Lockstoff für Langweiler, und Fachleute meiden die Orte, an denen der Schleim der Interessanz klebrigbunt aus dem Boden quillt. Andererseits aber enthält der Reiseführer "Eccentric America" (eccentricamerica.com) neben ca. 950 Hinweisen auf verdammenswerte Kleinstadtparaden mit Froschmotto und Fledermausdevotionalien-Shops eben auch Informationen über das herrliche Forevertron, den vielleicht, vielleicht auch nicht, einzigen Grund, nach Wisconsin zu fahren. Als Amerika-Reiseführer eignet sich das Buch nur für hartgesottene Sam&Max-Fans, aber wer nach fremdenverkehrsbefördernden Konzepten für unattraktive Kleinstädte ("Future Birthplace of Captain Kirk" werden) oder Beschäftigungsideen für die Rente (Petersdom 1:1 aus leeren Flaschen nachbauen) sucht, wird hier fündig. Und für den Connaisseur gibt es Orte von vorbildlicher Langweiligkeit wie das Sandpapiermuseum von Minnesota (200 Sorten Sandpapier in 30.000 Farben).

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Appendix der Wahrnehmung


08.08.2006 | 03:24 | Anderswo | Alles wird besser

Unmotiviertes Feiertagen


Zufrieden mit der Welt: Strand
(Foto: John Vetterli / Lizenz)
Kanada, der monolithische Landkloss auf der anderen Seite, zeigt, wie es geht: Während anderswo immer noch an vage religiös motivierten, aber ansonsten nutzlosen Feiertagen wie dem Ostermontag, dem Dreikönigsfest oder dem Buss- und Bettag festgehalten wird, erfindet Kanada einfach ein randomisiertes Sample von sauber weltlich oder auch gar nicht motivierten Festtagen und verteilt sie gleichmässig über die warme Jahreszeit. Ende Mai ist Victoria Day (zu Ehren einer toten Königin), Anfang Juli Canada Day (zu Ehren Kanadas), Anfang September der Labour Day (aus offensichtlichen Gründen) und gestern, am ersten Montag im August, der sogenannte "Civic Holiday". Fragt man Kanadier, was es damit auf sich hat, sagen sie verwirrt "kinda like a nice summer day", und tatsächlich hat es mit dem Civic Holiday rein gar nichts auf sich – er wurde 1869 offiziell als "midsummer holiday" nur so zum Spass eingeführt. Denn wie Sir John Lubbock 1871 in England über diese Sitte richtig feststellte: Einen Tag freihaben im August ist "advisable and satisfactory". So, Zwergstaaten in der restlichen Welt, kann man auch regieren.


07.08.2006 | 12:19 | Anderswo | Alles wird besser | Was fehlt | Essen und Essenzielles

Alkoholikerbedarf

Manchmal sind chinesische Produkt- und Markennamen wirklich imponierend brutal auf die jeweilige Zielgruppe zugeschnitten: So stehen auf dieser bereits hastig leer gemampften Erdnusspackung die vier Zeichen 'Jiu Gui Hua Sheng', wobei 'Hua Sheng' Erdnuss und 'Jiu Gui' Alkoholteufel bedeutet. Letzteres ist die landläufige chinesische Bezeichnung für einen Alkoholiker. Wer also diese, übrigens sehr gut mit Salz und getrockneten Chilischoten gewürzten Erdnüsse erwerben will, sagt am Wasserhäuschen in Peking: "Äh, und dann noch ne Packung Alkoholikererdnüsse, bitte." Wäre Gleiches wohl auch im Rest der Welt möglich? In Deutschland gar, im Porscheladen: "Ich glaube, ich nehme 'Angeberkarre 911 Turbo' in Silbermetallic da hinten"? Im Handyshop: "Hm, das Hartplaste-Handyschutzhüllen-Modell 'Vollhorst' gefällt mir ganz gut." Auf dem Weg ins Theater: "Ich seh' heute mit meiner 'Zahnarztgattin' ein Stück von 'Schlingensief'." Schön wär's.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Pearoefoam

Christian Y. Schmidt | Dauerhafter Link | Kommentare (9)


06.08.2006 | 21:56 | Anderswo | Supertiere

Böser Affe – Guter Affe


Auch ein Affe (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)
In der von Seth MacFarlane entwickelten und im Original auch zu einem guten Teil gesprochenen Cartoonserie Family Guy wird Sohn Chris von einem bösen Affen terrorisiert, der in seinem Schrank haust. Sonst ist der Affe in der Serie nicht zu viel gut – ganz anders verhält es sich mal wieder im wirklichen Leben. In Indien nämlich werden in der U-Bahn in Delhi neuerdings trainierte gute Affen eingesetzt, um böse Affen vom Zugfahren abzuhalten. Ein Beispiel, das unseretwegen ruhig Schule machen könnte. Abschreckelefanten in Porzellanläden, Schabenagenten unter unseren Kühlschränken, die vorbeikommenden Fremdschaben den Weg zum Schinkenbrötchen völlig falsch erklären, und eine Katzenfellmütze zur Kopfwehprophylaxe – es wäre eine schöne neue Welt.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Affenwurst


06.08.2006 | 00:45 | Anderswo | Alles wird besser

Where The Streets Have Yo Name


Populärkunst, bald auch in Deiner Strasse.
(Foto: Maggie loves Hopey / Lizenz)
Hipness ist für gewöhnlich nicht eine Eigenschaft, die von Gemeinderäten gemeinhin erwartet wird. Schon gar nicht in Wien, wo man vor allem damit beschäftigt ist, Plätze nach toten Professoren zu benennen und es bisher als Gipfel des kommunalen Jugendappeals galt, dass sich Planungsstadtrat Schicker offiziell von Rudolf in Rudi umbenannt hat.

Doch auf der Website der Stadtverwaltung findet man ausser Putzigem wie der Einladung zum Sammeln von Kübeln und zum Graben für Greise auch die Verkündigung, dass man im Rahmen des Stadterneuerungsprojektes Kabelwerk ein Stück Asphalt Graffitistrasse (runterscrollen) getauft und somit das "street" back in die street credibility geputtet hat. Während man in Berlin jährlich 50 Millionen Euro für die Beseitigung von Wandbesprühungen ausgibt, weiss man in Österreich längst, dass es sich hierbei um "Popularkunstwerke" (Zitat Rudi) handelt. Letztlich versteckt sich dahinter natürlich nur die übliche Gentrifizierung eines Arbeiterviertels, aber trotzdem: Respect, Wien. Schliesslich bekommt auch der tote Exbundespräsident Thomas Klestil nur eine zugige Plaza in einem schrundigen Bürokomplex am Stadtrand nach sich benannt, und darf noch nicht mal seinen Doktortitel mitnehmen.

Als nächstes böten sich diese zur Zeit an Wiens Fassaden aufpoppenden Populärkunstwerke zur Vereinnahmung an, und wenn wir uns dereinst mit dem Fiaker vom Stammbeisl nach Hause in die Space-Invaders-Gasse fahren lassen, werden wir der Stadt Wien und ihrem Kunstverständnis das nächste "Respect" entgegenlallen.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Da Bürgamasta

Maik Novotny | Dauerhafter Link


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