Riesenmaschine

01.08.2006 | 11:55 | Essen und Essenzielles

Maddeningwer Biercalculations


Sieht schon nicht ganz sauber aus
(Foto: notafish / Lizenz)
95% aller Ingwerbiere enthalten heute überhaupt keinen Ingwer mehr. Da ist es nur gerecht, dass das Ginger Beer von Gracefood, Anbieter von angeblich original karibischen Lebensmitteln, insgesamt zu 120% aus Ingwer besteht. Die logische Konsequenz: Knapp neun Zehntel aller Probanden spucken den ersten Testschluck des Getränks sofort in den Ausguss; die restlichen drei bis vier sind danach stundenlang mit Husten beschäftigt, und beklagen sich seitdem viel weniger über Nebenhöhlenentzündungen. Das wird von Ingwermasochisten in Kanada einstimmig bestätigt und erhebt Grace Ginger Beer damit in den Status des untrinkbarsten Getränks seit der Markteinführung von Mug Root Beer und chinesischem Bubbletea.


30.07.2006 | 18:23 | Alles wird besser | Essen und Essenzielles

Schokowüste des Irrealen


Nussnougat oder Vollmilch?
Foto: sindre-wimberger / Lizenz)
In der kurzen Parabel "Von der Strenge der Wissenschaft" stellt sich Jorge Luis Borges die Karte eines Reiches vor, die exakt die Grösse dieses Reiches umfasst. Anstatt diesen originellen Gedanken einfach als das zu nehmen, was er ist, nämlich eine Metapher für irgendwas, gibt es etliche Versuche, diese Idee ansatzweise zu verwirklichen. So stellte der Diktator Félix Houphouët-Boigny 1990 einen kleinen Teil dieser Karte, nämlich das Abbild des Petersdoms, an der Elfenbeinküste auf. Weitere Auschnitte sind in Las Vegas zu besichtigen (Venedig, Paris). Einen anderen Weg geht die Firma Mc Donalds: Statt Kartenmaterial spektakulärer historischer Bauten zu erstellen, fängt man beim Alltäglichen an. So ist die Drive-In Filiale an der A2 eine exakte 1:1-Karte der Drive-In Filiale an der A7.

Doch dies sind alles kümmerliche Ersatzmassnahmen die an technischen Unzulänglichkeiten scheitern müssen. Das ganz grosse Superprojekt (DGGSP) wird die Menschheit erst in Angriff nehmen können, wenn endlich die lange versprochenen 3D-Drucker leistungsfähig genug sind, um die von Borges imaginierte Karte zu verwirklichen. Bis dahin kann man sich allerdings mit dem Schokoladen-3D-Drucker trösten. Mit etwas mehr Lego und zusätzlicher Rechnerkapazität könnte man in vielleicht gar nicht allzu ferner Zukunft den Globus komplett 1:1 aus dem Drucker ziehen, eben aus Schokolade. Die Druckvorlage dafür möge man dann auch bitte als sehr grossen Email-Anhang an den lieben Gott schicken, als kleines Dankeschön, vielleicht mit Weinbrandfüllung.

Christoph Albers | Dauerhafter Link | Kommentare (2)


27.07.2006 | 11:49 | Anderswo | Alles wird besser | Essen und Essenzielles

Vollgestopft im Hier und Jetzt


Bekanntlich haben Keks- und Kuchenkonsumenten Probleme mit der genauen Uhrzeit und dem exakten Datum. Ist es gestern oder morgen, vorhin oder bald, 1956 oder 2014? Orion Corp., einer der grössten koreanischen Keks- und Medienkonzerne (35% Marktanteil am koreanischen Kabelfernsehen), hat sich jetzt des Problems angenommen, und verkauft seine Kekse und Kuchen nur noch mit präziser Zeitangabe. Wer als Orion-Kunde eine Orion Keks- oder Kuchenpackung in der Hand hält, weiss also genau: Es ist nicht 1974, als Orions Flagschiffkuchen, der Choco Pie, erstmals in Korea auf den Markt kam, es ist auch nicht 1995, als Orion nach China expandierte und der Choco Pie auch hier wie Bombe einschlug, es ist nicht mehr eben, als sich der Kunde gleich drei der künstlich-klebrig schmeckenden Schokoteile auf einmal in den Mund stopfte, es ist zum Glück auch noch nicht gleich, wenn ihm entsetzlich schlecht sein wird, sondern: It's now, jetzt, dieser Moment und Augenblick, wo gerade noch erstaunlich viele kleine Orion-Choco Pies in den Kuchenmampfer reinpassen. Danke, Orion Food Corp., für die präzise Auskunft!

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Thementag: Das Vergehen der Zeit

Christian Y. Schmidt | Dauerhafter Link | Kommentare (5)


26.07.2006 | 11:34 | Alles wird besser | Essen und Essenzielles

Machtwort der Neugier


(Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)
Im unentschiedenen Kampf um die Impertinenz von Colainhaltsstoffen bisher unberücksichtigt blieb der Beitrag der altenglischen Getränkebrauerei Fentiman's, die eigenwillig keine Zusatzstoffe weglässt, wie es die Marktführer vormachen, sondern im Gegenteil Dinge hinzufügt. Im Fall der "Curiosity Cola" sind dies das stadtbekannte Stimulanzium Guarana, ein klein wenig Alkohol sowie etwas Rindenextrakt des südamerikanischen Catuaba-Baumes, der anregend, eventuell aphrodisierend und vielleicht sogar HIV-Infektionen verhindernd wirkt, jedenfalls bei Mäusen. ("Jedenfalls bei Mäusen" sollte in Zukunft hinter jedem Satz einschränkend vermerkt werden.) Vollkommen egal, ob das nun wirklich gesund ist oder vielleicht doch nicht, was dabei herauskommt, benimmt sich jedenfalls vorschriftsmässig interessant im Mund, und hat ausserdem einen schraubbaren Kronkorken als Verschluss. Aussenseitererfolg für England im Colakrieg.


24.07.2006 | 01:43 | Essen und Essenzielles

Affenwurst


(Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)
Weil sich unsere Vorfahren nun mal entlang der Austernbänke und nicht entlang der Brombeerbüsche verbreitet haben, stopfen wir uns jetzt alles, was bei zwei nicht rechtzeitig auf den Bäumen ist, in den Mund, in erster Linie Schweine und Kühe. Denn Essen muss zäh sein und Widerstand leisten, das unterscheidet uns vom breiessenden Kind und dem Affenfutter essenden Erwachsenen. Neben üblichen essbaren Kreaturen tauchen in letzter Zeit in Europa und den USA immer häufiger auch Essaffen auf. Illegal, meist in Kühltaschen importiert, ist das Fleisch in erster Linie für Einwanderer bestimmt, die ein bisschen den Ebolageschmack von zu Hause in der Fremde haben wollen. Die Einfuhr ist zwar verboten, aber der Verzehr bleibt straffrei. Sowas ähnliches denkt sich wohl auch die Grossmetzgerei Eggelbusch, die jetzt Affenwurst im Repertoire hat. Wie sie an die Affen kommt, bleibt im Dunkeln; es müssen deutsche Affen sein, die bei zwei nicht schnell genug auf den Bäumen waren.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Chimpsmissbrauch

Tex Rubinowitz | Dauerhafter Link | Kommentare (7)


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