Riesenmaschine

27.09.2006 | 16:16 | Anderswo | Alles wird schlechter | Sachen anziehen | Vermutungen über die Welt

Figarau, Figarau, Figarau

Im Weltbrandingskrieg zwischen China und dem Rest der Welt kämpft das chinesische Modehaus La Vico mit besonders raffinierten Waffen: Es bedient sich nämlich auch des erst kürzlich hier entdeckten Louis-Brandings, allerdings ganz ohne Louis. Dafür ist sein Logo so dicht an dem Original-Vuitton-LV dran wie kein anderes. Ob das nun Fälschen, ohne abzukupfern ist oder eher Abkupfern, ohne zu fälschen, müssten eigentlich Experten entscheiden. Doch angesichts der chinesischen Guerilla-Markenflut sind die längst stiften gegangen.

So kann sich neben "Fashion La Vico" auch Yves Figarau anschicken, die Welt zu erobern. Die diversen Anziehsachen der Firma mit dem erfreulich schwulen Namen werden zwar in Shenzhen bei Hongkong zusammengeschneidert. Trotzdem steht "Paris" unter dem Firmennamen und Chefdesigner Zhong Wei erklärt: "Wir sind eine europäische Marke." Wer so entschieden die Realität uminterpretiert, der wird sich auf Dauer mit Halbheiten nicht zufrieden geben. Hat China erst mal den Weltbrandingskrieg gewonnen, dann wird auf Druck der Figarau-Bosse auch im Westen alles (eine Mozartoper beispielsweise, eine führende französische Zeitung oder ein Bernhard Brink-Song) richtig geschrieben werden. Es soll eben nicht nur hinten stimmen, sondern auch vorne. Paris aber heisst zu diesem Zeitpunkt längst Shenzhen.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Der Untergang von St. Louis

Christian Y. Schmidt | Dauerhafter Link


21.09.2006 | 17:57 | Anderswo | Alles wird besser | Sachen anziehen

Schweres Markengeschütz aus China


Biemlfdkk-Shop, Urumqi

Firs Naturalzmzd-Schaufenster, Korla

Fransition-Laden, Korla
"Ein Angriff aus China", so prophezeite letzte Woche der 'Chefstratege der Credit Suisse', Philipp Vorndran, im Spiegel, "ist nur eine Frage der Zeit": Und tatsächlich: Beim Benamsen eigener Modeprodukte und -firmen reiten chinesische Brandingoffiziere ihre nächsten Attacken. So ist das Modelabel BIEMLFDKK – anders als die Hosenmarke OERSNVR – bereits voll googlebar, was den maroden westlichen Abschiedsgesellschaften (Spiegel) einen schweren Schlag versetzen wird. Zudem hat die noblerere Marke, die auf Chinesisch einfach 'bin yin le men gao er fu' heisst, so etwas wie ein Image: Sie steht nämlich, so heisst es hier, für "Golfkultur" sowie das "16. Jahrhundert", und stammt angeblich aus Korea. Ein grosser Fortschritt ist auch die bessere Aussprechbarkeit des Markennamens. Zumindest sein erster Teil dürfte zum Beispiel Mitgliedern der Dachorganisation der Verwertungsgesellschaften für mechanische Vervielfältigungsrechte oder des Brandenburgischen Institut für Existenzgründung und Mittelstandsförderung wie von selbst über die Lippen gehen.

Nur für einen etwas catchyeren, zweiten Markennamenteil hat es immer noch nicht gereicht, so ähnlich wie bei den Hosen- und Pullovermachern des Sublabels FIRS NATURALZMZD. Wohlmöglich waren die fernöstlichen Wissensökonomen (Spiegel) vom tagelangen Branden so erschöpft, dass sie am Ende einfach wahllos zu ein paar von diesen Buchstaben griffen. Oder ist das alles schlicht Branding in FRANSITION? Im Auftrag und Namen des Abendlandes: Wir bleiben dran!

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Der Name der Hose*

Christian Y. Schmidt | Dauerhafter Link | Kommentare (2)


19.09.2006 | 18:02 | Fakten und Figuren | Sachen anziehen

Geschraubt auf jedem Weg


Diesem Herrn wird ungerechterweise überall Platz gemacht. (Foto: Schreiber)
Rollt man ein munteres Liedchen pfeifend auf dem Fahrrad daher, und rollt dann der Knight Rider von hinten heran, auf der Jagd nach einem bösen Buben, dann ist es gut, wenn man einen sicherheitsgeprüften Fahrradhelm auf der Rübe sitzen hat. Denkt man jedenfalls.

Ian Walker aber, der sich hier ganz amüsant über Domaingrabbing echauffiert, erforscht Sicherheitsaspekte des Radfahrens, und weiss es besser. Er fand kürzlich im selbstlosen Selbstversuch heraus, dass Radfahrern mit Helm im Schnitt achteinhalb Zentimeter weniger Raum gelassen wird als unbehelmten. Setzte sich Walker eine blonde Perücke auf, machten Autos sogar einen noch ein bisschen grösseren Bogen. Man könnte jetzt denken, dass es falsch ist, egal wie mans macht, weil man mit Helm umgefahren wird und sich ohne mehr wehtut, aber die Lösung des scheinbaren Dilemmas ist natürlich ganz leicht. Immer als blonde Frau ohne Helm radeln, ausser wenn man einen Zusammenstoss mit K.I.T.T. geplant hat. Dann zuhause bleiben.


30.08.2006 | 02:20 | Sachen kaufen | Sachen anziehen | Vermutungen über die Welt

Lehm, Grafit und Zedernholz


(Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Der Bleistift! Die Schreibmaschine, der Füller, Kuli, Computer konnten ihm nichts anhaben. Jeder besitzt einen, bzw. einen ganzen Haufen davon, denn allein die Jahresproduktion der grossen Nürnberger Firmen Faber, Staedtler & Co. beläuft sich auf drei Milliarden Stück, d.h., die Jahresproduktion an Bleistiften insgesamt dürfte die Zahl der Weltbevölkerung deutlich übertreffen. Gibt es noch anderes Werkzeug, von dem sich das sagen liesse?

Fragt sich allerdings, wo die ganzen Bleistifte bleiben? Leergezeichnet, weggespitzt werden sie wohl kaum. Eher verstecken sie sich in den Ecken von Schubladen, unterm Teppich, hinterm Schrank. Dort fühlt sich der Bleistift erst richtig wohl und kann ein beachtliches Alter erreichen – im Museum gibt es ein immer noch rüstiges, im 17. Jahrhundert vergessenes Blei zu bestaunen.

Das Produkt selbst ist lange schon ausgereift. Ein wenig aus der Reihe tanzt der Premium-Bleistift "Grip 2001" mit seinen Noppen. Ob man dafür einen ganzen Euro ausgeben will? Im Test ist er nicht schlechter als andere Stifte, und die Noppen machen ein lustiges Gefühl im Mund. Geschmackssache.

Statt an einem ausgereiften Produkt herumzudoktern, statt es mit Werbung zu bedrucken, sollte man lieber versuchen, den Bleistift für andere, schreibferne Zwecke zu vermarkten. Ein Beispiel ist der Bleistifttest, mit dem man u.a. prüft, ob es wohl notwendig sei, einen BH zu tragen (eine Variante für den Mann gibt es auch). Hier liesse sich ansetzen. Warum nicht, statt Metall durch Körperteile zu pieksen, diese mit einem Bleistift verzieren? Der gute alte Stift hinterm Ohr könnte so zum Trend werden. Und ist der Trend dann wieder passé, ist auch nichts verloren. Man zieht das Ding ohne Verdruss hinterm Ohr hervor und schreibt, kritzelt, zeichnet. So oder so ist's gut.

Martin Bartholmy | Dauerhafter Link | Kommentare (6)


17.08.2006 | 14:49 | Supertiere | Sachen kaufen | Sachen anziehen

Endlösung der Kuscheltierfrage


(Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)

Ein letztes, ein allerletztes Mal berichten wir über Neues von der Plüschtierfront, wohlwissend, dass ironische Kuschelwesen und ihre Unterformen nach Stoffmikroben, Stoff-Half-Life-2-Kopfkrabben, Stoffrieseninsekten und Stoffgedärmen ungefähr noch so originell sind wie kreative Uhren oder lustige USB-Sticks. Dennoch, wer diese bei BoingBoing gesehene Laptoptasche nicht sofort ins Herz schliesst, der erschiesst in seiner Freizeit vermutlich auch ganz gerne mal Streifenhörnchen – man kann das Monster Laptop Sleeve ausser in krümelmonsterblau übrigens auch in elmorot, kermitgrün und tiffylila erhalten, bei unveränderter Flauschigkeit.

Und dann gibt es nach all den anderen bösen Dingen im Stofftierformat endlich den Kuschel-Hitler, gestaltet vom Street-Art-Künstler Boris Hoppek. Der ist zwar bei weitem nicht so schön wie dieses Kuschel-Hasen-Cthulhu-Dr.Zoidberg-Mischwesen, aber bietet zumindest eine gute Gelegenheit, mal auf das noch halbwegs frische Hitler-Blog des Kollegen Erk zu verweisen.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Die drei Plüschtiere der Apokalypse


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