Riesenmaschine

24.06.2007 | 14:54 | Sachen kaufen

Plastikflaschen aus Glas


(Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
2005 berichteten wir über Porzellangeschirr mit Goldrand im Stil von Alu-Einwegnäpfen, über Vasen im Plastikflaschen- und im Milchtütendesign und über Biergläser und Pommesschälchen aus Porzellan. 2006 tat sich auf diesem Sektor nicht viel, aber jetzt kommt der britische Anbieter SCP Furniture mit Glasflaschen in der Gestalt von Plastikflaschen, und es ist Zeit für eine vereinheitlichte Theorie des innenarchitektonischen Slumming. Nur welche? Bieten diese Haushaltsgegenstände uns die komfortable Möglichkeit, viel Geld auf einmal loszuwerden, ohne dass wir uns dabei gleich von den ästhetischen Massstäben unserer Erstsemesterzeit lösen müssten, lassen sie uns also jünger wirken, Faltencreme für die Küche? Oder ist in Wirklichkeit alles noch eine Metaebene komplizierter und die grossen Designer unserer Zeit beschäftigen sich mittlerweile ausschliesslich mit PET-Flaschen und Alugeschirrdesign und überlassen die klassischen Designerbetätigungsfelder Bücherregal, Weinaufbewahrungsregal, Wasserhahn, Sofa, Tasse irgendwelchen zum Designer umgeschulten Hilfskräften? So dass dann jemand kommen muss, der dieses Plastikdesign wieder ins Edelmaterial erlöst, um die ursprünglichen Zielgruppen anzusprechen? Ach, Mode, warum machst du alles immer so sinnlos kompliziert? Vielleicht war es doch eine gute Idee von der DDR, den Distinktionsgewinn zu verbieten.


15.06.2007 | 13:42 | Sachen kaufen | Essen und Essenzielles

Gurke, Gesprächsanlass, Geschlechtsverkehr


Zonen-Pepsi (0,33l) im Glück (PET) (Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Das in der Vorzeile genannte, empirisch dutzendfach bewiesene, Lobo'sche "3G"-Kontaktaxiom ist nun mit zweijähriger Verspätung in der Softdrinkindustrie angekommen. Bei Hendrick's, dem Hersteller eines der wunderbarsten Gins weltweit, weiss man schon länger, dass ein kleiner Gurkenarôm dem Mixgetränk, allen voran dem puristischen Martinicocktail gut tut und lässt daher bei der Herstellung unter anderem ein Gran Gurkenaroma in die Tanks diffundieren. Pepsi möchte sich offenbar etwas vom, nun, Gurkenkuchen abschneiden und wirft nicht feige eine Cucumber Pepsi auf den Markt, wenn auch zunächst vorsichtshalber nur auf den japanischen. Es könnte funktionieren: Mit einer Gurkenpepsi in der Hand ist zumindest der Gesprächsanlass da. Den Rest muss man selbst besorgen.


14.06.2007 | 21:06 | Sachen kaufen | Essen und Essenzielles

Pseudoverknappung


Nur begrenzte Aussichten auf Wertsteigerung (Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Zu den wirksamsten Verkaufsargumenten zählt seit Menschengedenken neben dem Geschlechtlichen die Verknappung: "Wenn du geliebt werden willst, mach dich rar", riet Ovid schon vor 2000 Jahren. Ökonomisch zur Regel umformuliert heisst das: "Die kürzere Marktseite setzt sich durch" (was hinwiederum nichts mit dem "Long Tail", geschweige denn mit Sex zu tun hat). Von daher kann es für den Anbieter durchaus sinnvoll sein, zu simulieren, man sei die kürzere Marktseite – selbst wenn man auf einer nur zur Hälfte ausgelasteten Fertigungsstrasse oder überquellenden Abfüllanlage sitzt. Ein argumentativer Hebel dazu ist das Prinzip Vintage, die Verjahrgangung von allem und jedem, von der wir bereits ahnten, dass sie vor Aldis "Feurigem Texaseintopf" nicht halt machen wird. Ein zweiter ist die "limitierte Edition", die vom Kunstmarkt abgeschaute selbstinduzierte Beschränkung auf eine bestimmte Auflagenhöhe. Damit der Effekt funktioniert, muss es sich dabei allerdings – ähnlich wie bei der Brinkmanship, dem Spiel mit dem Abgrund – um ein glaubwürdiges Commitment handeln, eine wirksame Drohung, selbst im Falle eines drückenden Nachfrageüberhangs die Finger von der Druckerpresse/Abfüllanlage zu lassen. (Von Salvador Dalí heisst es, er habe kurz vor seinem Tod noch ca. 75.000 Grafik-Bögen blanko signiert, später je nach Bedarf zu bedrucken, was eine entsprechende Preisentwicklung zur Folge hatte.) Schwer zu beurteilen, inwieweit dies auf die "Limited Edition" der Grillsauce "Engelchen" von Knorr zutrifft, zumal sich das Etikett hinsichtlich der Auflagenhöhe gänzlich bedeckt hält. Potentiellen Sammlern und Anlegern ohne Interesse an Eigennutzung sei jedenfalls hiermit zur Vorsicht geraten, umso mehr, als das Verfallsdatum 07/2008 einem auf langfristigen Zuwachs angelegten Investment im Weg stehen dürfte.


13.06.2007 | 12:43 | Supertiere | Sachen kaufen

Down the Rabbit-Hole


Vibrator "Snowball". Warum, Universum? Warum? (Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Die Menschheit, zumindest ihr deutscher Anteil, wurde mit flammendem Schwert an jenem düsteren Tag aus dem Vibratorenparadies vertrieben, an dem der Hitachi Magic Wand, der Goldstandard der zeitsparenden sexuellen Betätigung, wegen der Elektroschrottverordnung hierzulande vom Markt genommen wurde. Ratlos taumeln seitdem die Bürger in den Betten herum, das Bruttoinlandsprodukt sinkt, der Hormonhaushalt verwahrlost, es fallen anklagende Worte gegen den Staat. Das mit 2 AA-Batterien betriebene Gummihäslein "Snowball" (12 US-Dollar, abwaschbar) ist da überhaupt keine Hilfe, es spendet bestenfalls ein wenig Trost in schweren Zeiten.


12.06.2007 | 02:32 | Alles wird besser | Sachen kaufen

Gedankenspiele


Was hat es wohl schon alles gesehen, das eine Auge dieses aussterbenden Tiers? (Foto: frenkieb) (Lizenz)
Als die Spieleindustrie ungewaschen aus dem Urschlamm stieg, verlockte sie die Menschen mit Würfeln aus Knochen und Skatkarten auf Schieferplättchen zu enormer Zeitverschwendung. Die Entwicklung verlief mangels dringlicher Deadlines und ausreichender Kaffeeversorgung im Schneckentempo, und jahrtausendelang hätte "Joystick" zum Beispiel ein kleines Stöckchen bezeichnen können, das man in einen Gletscher steckte, um dann ein Stück Eis herauszubrechen und dran zu lutschen, oder sonst irgendwas Längliches, das Spass macht. Dann aber wurden Computerspiele erfunden und ein sogenannter Bedeutungswandel trat ein. Plötzlich war ein Joystick ein Gerät, an dem man rhythmisch manipulieren musste, um Pixelbündel bei Sexspielen zum Orgasmus zu bringen. Das waren barbarische Zustände, die die Betreiber des technischen Fortschritts nicht hinnehmen konnten, und so wurde seitdem unermüdlich an der Ersetzung des Joysticks gearbeitet, damit die Spieler endlich wieder die Hände freihaben. Project Epoc der Firma Emotiv setzt dabei auf EEG-artige Gehirnstrommessung zur Steuerung virtueller Spielfiguren, während NeuroSky, die Binnenmajuskel liess es schon ahnen, zur Bewerbung seines gedankenlesenden Kopfhörers New Age-artigen, vagen Kitsch über Hirnwellen, Meditation und Gefühlszustände auf der Homepage verbreitet. Keins dieser Geräte ist schon serienreif oder auch nur überhaupt erhältlich, aber es kann nicht mehr lang dauern, bis man sich die dann ja nutzlosen Joysticks endgültig auf den Kamin schieben kann (via BrainWaves).

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Kopfgesteuert


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