Riesenmaschine

04.09.2008 | 17:54 | Anderswo | Was fehlt | Zeichen und Wunder

Gottes Bruder


Nein, diese Ähnlichkeit!
Wie Gott früher aussah, weiss praktisch jeder. Dagegen kennt eigentlich keiner das Antlitz von Wikipedia, dem Allwissenden von heute. Gut, dass wir jetzt zumindest ein Bild seines kleinen Bruders Wekipedia haben. Der ist offenbar CEO der Beijing Wekipedia Foods Co., Ltd., eine Bäckerei, die schon seit rund einem Jahr in Peking kleine und grössere Brötchen backt. Natürlich weiss das auch Gott, schliesslich ist er ja allwissend.

Grosszügigerweise hat er aber nichts dagegen, was sein kleiner Bruder da in China macht. Im Gegenteil, Wikipedia-Sprecherin Sandra Ordenez fand bereits im letzten Jahr "Wekipedia" in China "sehr lustig." Vielleicht ist das ja auch der eigentliche Grund, weshalb Wikipedia (mit leichten Einschränkungen) seit April diesen Jahres in China nicht mehr gesperrt ist, wie all die gottlosen Jahre zuvor. Grosszügigkeit bei Copyright- und Markennamensrecht zahlt sich eben aus. Vielleicht sollten dieses Gebot der Nächstenliebe auch deutsche Abmahnspezialisten zukünftig beherzigen.

Christian Y. Schmidt | Dauerhafter Link | Kommentare (5)


01.09.2008 | 03:47 | Alles wird besser | Zeichen und Wunder

Im Bauch des Internets

Das Internet weiss alles, kann alles und macht alles (behauptet es jedenfalls). Im Jahr 2008 gehen immer mehr grosskalibrige Institutionen dazu über, der Kompetenz des Internets Rechnung zu tragen, und sich gar nicht mehr die Mühe zu machen, bestimmte Arbeiten selbst zu erledigen. Beispiel 1: Die chinesischen Sportbehörden kümmern sich nicht mehr um das Alter ihrer Turnerinnen, sondern lassen es nachträglich von amerikanischen Bloggern bestimmen.


Bärin in Alaska: Obwohl ihre Fruchtblase schon geplatzt ist, fährt sie munter fort im politischen Treiben. (Foto, Lizenz)
Beispiel Nummer 2: Der amerikanische Präsidentschaftskandidat John McCain musste am Freitag kurzfristig die Stelle der Vizekandidatin besetzen. Anstatt, wie üblich, dutzende von Kandidaten sauber zu durchleuchten und sich dann für den besten zu entscheiden, nahm er einfach die einzige gutaussehende Bewerberin, Sarah Palin, Governeurin von Alaska, und überliess das Durchleuchten dem treudoofen Internet. Und siehe da: Schon 48 Stunden später hatte das Internet nicht nur ein umfangreiches Dossier über die erstaunliche Biographie der Kandidatin angelegt (Auszug: "Sarah Palin places fossils in the ground to test your faith." – "Death once had a near-Sarah Palin experience."). Nein, zusätzlich hatte das unermüdliche Ding sogleich herausgefunden, dass Sarah Palin ihr letztes Kind, einen im April geborenen behinderten Jungen, gar nicht selbst zur Welt gebracht hat, sondern nur so tat, damit nicht auffällt, dass in Wahrheit ihre 16jährige Tochter die Mutter und Palin somit die Oma ist. (Wer jetzt verwirrt ist, der hat vollkommen recht.) Die Details dieser erstaunlichen, ja, bizarren, fast meta-katastrophalen Enthüllungsgeschichte soll jeder bitte selbst mühevoll nachlesen. Niemand kann derzeit behaupten, es handele sich hierbei um die volle Wahrheit, aber das dürfte keinen stören. Denn in seiner ununterdrückbaren Freude am Möglichen ähnelt das Internet allen anderen denkenden Wesen auf diesem Planeten.


25.08.2008 | 23:36 | Anderswo | Supertiere | Alles wird besser | Zeichen und Wunder

Eichhörnchenrésistance


Balinesisches Hörnchen auf dem Kriegspfad
Ein beachtenswerter Akt zivilen Ungehorsams ereignete sich gestern in Zürich. Als sich die halbe Schweiz die verabscheungswürdige Olympiakitschschlussfeier anschauen musste, war plötzlich Bild und Ton weg. Ein Aufatmen ging durch das Land und man fragte sich, welcher Held diese so nötige Mission vollbracht hatte. Jetzt kam heraus: Ein einzelnes Eichhörnchen, im Alleingang, das sich todesmutig in eine Trafostation geworfen hat und dafür mit seinem tapferen, kleinen Leben bezahlt hat. So sieht es also aus, wenn sich die Eichhörnchen endlich aktiv ins Weltgeschehen einmischen. Dass davon auch ein paar aufrechte, unschuldige Formel-1-Zuschauer betroffen waren und 6000 Haushalte in Zürich komplett auf Strom verzichten mussten – das muss in diesem Krieg einfach akzeptiert werden. Aber man darf hoffen, dass der Widerstand nun endgültig erwacht, dass sich die Nagetiere aktiv ins Weltgeschehn einmischen und der nötige Wandel bis London 2012 vollzogen sein wird – die Weltherrschaft wird in vernünftigen Händen liegen und Milliarden von Menschen müssen sich keine albern verkleideten Männer auf albern leuchtenden Einrädern von 2008 Millimeter Durchmesser mehr anschauen.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Viele Hasen sind des Hundes Tod


21.08.2008 | 05:05 | Berlin | Was fehlt | Zeichen und Wunder

Der neue Berliner Google-Map-Bericht liegt vor

Im März 2007 beklagten wir den kargen Stand der Kartographierung Deutschlands mit Hilfe von selbsterstellten Google Maps. Zeit zu schauen, was seitdem passiert ist, anhand des zufällig gewählten Beispiels Berlin: Vorbildlich, aber selten, sind umfangreich gestaltete Mash-Ups wie die für eine Street-Art-Ausstellung erstellte Graffiti for God-Map, die bequem vom Himmel aus einsehbare Flachdachgraffitis auflistet, oder das klassisch gestaltete ÖPNV-Tool Überbahn. Gleich zweimal am Start: die Visualisierung des RSS-Feeds der Berliner Polizei: Der Blaulichtatlas und Pretty Crime können die Verbrechen jeweils nach Art und Zeitpunkt filtern, zudem gelangt man von der Karte direkt zu den stets markant betitelten Tickermeldungen – warum auf beiden Karten trotz gleicher Quelle weitestgehend verschiedene Verbrechen zu sehen sind ist hingegen, ach, man soll auch nicht immer alles hinterfragen.

Ergänzt wird das Angebot durch zahlreiche nur bei Google Maps einsehbare Karten ohne Website drumrum, die vor allem auf einen spröden DIY-Charme setzen. Besonders gelungen ist das bei den rührenden Map Air Tempelhof – Treffpunkte, die aus genau vier Orten besteht: Dem Hangar, dem GAT, dem Meeting Point am Flugplatz Finow und dem Geschäftssitz am Werner-Voss-Damm. Auch Kirchenligasportplätze, Fachmarktagglomerationen, die Schülerlabore des Netzwerks GenaU, Hitlers Berlin, Second Hand Bike Shops, Random Museums, Frühstückscafés, Babyläden, Obi@Berlin, Strassennamen mit Bezügen zum Kolonialismus in Berlin und vieles mehr ist bereits vergooglemappt.

In der Breite ist man also bereits gut aufgestellt, dennoch bleibt einiges zu tun. Als Notversorgungsprogramm bis Jahresende wären angebracht: Eine Map "Doofe Nachbarn", die man vor Umzügen konsultieren kann. Fähnchen in verschiedenen Farben warnen vor "mehrere Polkaabende pro Woche", "Kinder mit Betonschuhen", "Ausleihterror" usw. Eine Unrat-Map, auf der man Sperrmüll und Hundekot vermerken kann und die stündlich von der BSR gegengelesen und bereinigt wird. Dazu Karten mit Sam+Max-Memorabilia-Bezugspunkten, öffentlich zugänglichen Brombeervorkommen und Stellen, an denen man Igeln unauffällig Nahrung hinterlegen kann – und zwar nicht nur für Berlin, sondern auch für den Rest des Landes.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Brandneues Mash-Up


15.08.2008 | 08:15 | Zeichen und Wunder

Man schreibt nie zweimal in dasselbe Blog


Foto, Lizenz
Mark Cuban kennt wohl jeder. Er hat zweimal seine Firma verkauft, einmal für sechs Millionen Dollar an Compuserve, einmal für sechs Milliarden an Yahoo. Wenig überraschend handelte es sich um vollkommen unterschiedliche Firmen. Denn man verkauft nie zweimal dieselbe Firma.

Mark Cuban ist eine Legende. Ihm gehören knapp drei Milliarden Dollar, und er steht im Guinness Buch der Rekorde, weil er via Internet 40 Millionen seiner Dollar in einen Gulfstream-Jet umtauschte. Er erstand eine Basketballmannschaft für 285 Millionen und bald wird ihm auch eine gehören, die Baseball spielt. Er ist vermutlich der einzige Mensch im Universum, der anderthalb Millionen Dollar Strafe für Schiedsrichterbeleidigungen bezahlt hat. Denn jeder Dollar, den man heute besitzt, ist morgen schon ein ganz anderer Dollar.

Mark Cuban ist ein Genie. In seinem Blog "Blog Maverick", dem Mark-Cuban-Weblog, lässt er uns an seinem Genie teilhaben. In seinem vermutlich kürzesten Beitrag aller Zeiten vermerkt er luzide, dass wir nicht in der Welt wohnen, in der wir geboren worden sind. Mit anderen, Marks, Worten: You Don't Live in the World You Were Born Into. Mit nochmal ganz anderen (jetzt wirklich) Worten: Unaufhörlich rinnt die Zeit davon. Dinge ändern sich. Aus Bäumen werden Mobiltelephone. Aus Giraffen Nähzubehör. Und wenn Mark Cuban das nächste Mal in sein Weblog sieht, wird er ganz viele sogenannte Kommentare finden. Nichts bleibt so, wie es einmal war.

Mark Cubans Gehirn ist jetzt im Moment schon ein ganz anderes als noch am 12. August. Dieser Blogeintrag wird sich sofort nach seiner ordnungsgemässen Verwendung in ein Walross verwandeln. Das Wetter war auch schonmal anders.


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