Riesenmaschine

16.02.2007 | 02:05 | Sachen kaufen

Maximale Retro-Metoo-Futurologie

Die Verschmelzung der echten und der Videospielewelt rückt unweigerlich näher. Nicht nur, weil sich dank der einschlägigen MMORPGs das Leben vieler Menschen immer weiter ins Virtuelle verlagert, sondern auch, weil eifrige Designer immer mehr Kram aus den umgebenden Welten in das dreidimensionale und hochauflösende Level um uns herum portieren. Hierbei wird nach wie vor schwerpunktmässig auf den etablierten Spielekanon der 80er Jahre zurückgegriffen, daran kann auch diese gehäkelte Katamari-Handytasche nichts ändern.

Aktuell neu auf dem Markt: Untersetzer mit Pong-, Berzerk- und Asteroids-Motiven, der Atari Joystick Coathanger, die Tetris-Variante der Play+Soft-Kinderspielblöcke, nach Mariomotiven gestaltete Beruhigungsknetdinger (mittleres Bild), eine NES-Gürtelschnalle und diese neue Schalkollektion. Es kann nicht mehr lange dauern, bis man im Supermarkt endlich auch Extraleben kriegt, die man dann natürlich mit den goldenen Mario-Münzen bezahlen kann. Das Video unter dem letzten Link ist übrigens empfehlenswert.

(via Boing Boing, Kotaku und Wonderland)

Dieser Beitrag ist ein Update zu: 8Bit Mode


15.02.2007 | 21:27 | Fakten und Figuren

Verpasste Chance für den Sieg

Wenn am 12. Mai in der Hartwall Arena in Helsinki zum 51. Eurovisions Songcontest für Dänemark ein Ex-Soldat namens Peter Andersen mit einer mit rosa Federn beklebten Badehaube antritt und ein Lied namens Drama Queen singen wird, ein dürres Hi-Energy Liedchen im Stile Erasures, dann wird das mit ziemlicher Sicherheit eine Position auf den vorderen Plätzen, wenn nicht gar der Sieg. Ein Song, der "auf seine Weise eine Art Lordi auf dänisch ohne heterosexuelle Attitüde ist", wie Taz-Autor und Songcontestspezialist Jan Feddersen kryptisch in seinem Grandprix-Blog gestern orakelte.

Gleichzeitig wird aber auch eine historische Chance verpasst, nämlich eine der allergrössten Ausnahmeerscheinungen des Songcontests an den Start zu schicken, die wie ein Roggenhalm im Wind verbogene Aud Wilken, die schon einmal, nämlich 1995 mit dem elektrisierenden Fra Mols Til Skagen, lediglich bekleidet mit einem Sack und begleitet von einem Banjo, antrat und gar nicht mal so schlecht abschnitt (Platz 5). Sie scheiterte in der Vorausscheidung gegen den Soldatenpfau mit einem unfassbaren Schmachtfetzen namens Husker Du, leider hätten nur die Finnen mit der verloren jammernden Chris-Isaak-Gitarre etwas anfangen können (siehe Update). Aud hätte so wenig Punkte bekommen, wie sich jene amerikanische Studentencombo einst auf ihren Bandnamen gestreut hatte, weil es einfach böse aussieht.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Rauli

Tex Rubinowitz | Dauerhafter Link | Kommentare (1)


15.02.2007 | 13:25 | Alles wird besser | Sachen kaufen

Neue Töne von Fluidem

Post-Newton ist Einstein, aber nicht-Newton ist Senf. So einfach könnte man die wesentlichen physikalischen Erkenntnisse der letzten 500 Jahre zusammenfassen. Das fluiddynamische Element der Welt wäre nämlich entschieden einfacher, würden sich zahlreiche relevante Flüssigkeiten wie Klebstoff, Käse, Sand, Sterne, Lava, Walinnereien, Mist, Schmiermittel oder eben Senf nicht benehmen wie die Narren: Mal wie Beton, mal wie Wasser, mal wie Gummi, es ist nicht auszuhalten mit nicht-newtonschen Flüssigkeiten, jedenfalls nicht, wenn man Physiker ist, weil ihre Viskosität (nicht die der Physiker) so schwankend ist "wie ein Diadem auf dem Haupte einer Kuh" (Heinz Erhardt, circa 1610). Ist man aber kein Physiker, und wer ist das schon freiwillig, dann folgt aus diesem fluidem Durcheinander in Kombination mit einer Badewanne eine herrliche Schweinerei. Noch besser scheint auf den ersten Blick nur das Jelly-Bad vom englischen Hersteller, äh, Gellibaff, zu sein, welches durch Zutun eines harmlosen Pulvers das vollkommen newtonsche Wasser in nicht-newtonsches Wackelzeug und später offenbar auch wieder zurückverwandelt, und zwar abwaschbar und fleckenfrei. Gesellschaftsspiele im Viskositätsirrgarten, warum mussten zwei Weltkriege vergehen, bevor man davon hört?


15.02.2007 | 03:20 | Supertiere

Richtig Walreiten

Einer der besten Gründe für den Schutz der Wale sind die Kalamitäten, die Leute mit gestrandeten Exemplaren anstellen. Der angespülte Pottwal, der einst in Oregon in die Luft gejagt wurde, landet immer wieder in den Social-Bookmarking-Charts, wenn eine Horde 14-Jähriger zum ersten Mal davon hört. Wenn die japanischen Forschungen für ein Erstarken der Population sorgen, stranden bald noch mehr Wale und eine vernünftige Entsorgungsmethode ist noch immer in ferner Zukunft. Bereits belegt ist, dass man ihn vor eine Botschaft ziehen kann, um in den Medien zu landen. Unterhaltsamer ist es dagegen, den Walleichnam zu besteigen, während er von Weissen Haien zerstückelt wird, wie oben demonstriert wird.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Im Walschuppen


14.02.2007 | 17:43 | Berlin | Zeichen und Wunder

Katze Katze Kluge


Übrigens geht es im Beitrag eigentlich nur peripher um Katzen (Foto: polandeze / Lizenz)
Film ist gar keine so wahnsinnig neue Erfindung, wie alle tun. Laut Alexander Kluge gibt es seit einigen zehntausend Jahren Film in unseren Köpfen, in Form von Assoziation, Tagtraum, Erfahrung und Bewusstsein, und die technische Erfindung des Kinos hat dem lediglich reproduzierbare Bilder hinzugefügt. Die allerdings was kosten: der jetzt auf der Berlinale laufende "The Good German" etwa 27 Millionen US-Dollar, was im Vergleich nicht mal so viel ist, aber eben doch geschätzte production values von 173 Dollar pro einzelnem Frame bedeutet. Der Besuch in Krasnogorsk bei Moskau dürfte dabei nicht unbedeutend zu Buche geschlagen haben, wo Hollywood sich in Form von Archivmaterial den authentischen World-War-II-Look einkaufen kann.

Man kann aber auch versuchen, die Bilder billiger von einem Kopf in den anderen zu bekommen. Schon der Konzeptkünstler Robert Barry hatte die Idee, Kunstwerke mittels Telepathie zu übertragen (Telepathic Piece, 1969). Im Büro Friedrich kann man noch bis zum 18. Februar das in der Berlinale Sektion "forum expanded" laufende Telepathie Experiment I von Isabell Spengler sehen. Zwar ruckelt der Projektor anfangs noch etwas, wenn Isabell "Katze, Katze" sendet, und Antonia, die im Nebenzimmer sitzt, nur Hund versteht. Am Ende funktioniert das Ganze aber erstaunlich gut, und man verabredet sich telepathisch zum gemeinsamen Ausreiten. Ist also auch eine praktische Sache, wenn man mal das Handy vergessen hat. Die Ausstellung ist umsonst.

Michaela Gruber | Dauerhafter Link | Kommentare (1)


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