Riesenmaschine

12.07.2007 | 02:02 | Was fehlt

Super Mario – Keeping Your Plumbing in Shape


Schon fast ein Gameboy, aber eben leider nicht ganz: Beckenbodentrainer "Myself" (Quelle)
Es wird so viel erfunden da draussen, Ladegeräte, mit denen man seine Gadgets am Kopfhöreranschluss des Flugzeugsitzplatzes aufladen kann, Fernbedienungskissen, Blitzschlagwarngeräte und Waffeleisen, die tastaturförmige Waffeln backen. Aber das Wesentliche ist für Erfinder unsichtbar, anders sind die Erfindeversäumnisse auf dem Kegeltrainersektor nicht zu erklären. Kegel-Übungen werden von Frauen mit Hilfe ihrer Beckenbodenmuskulatur durchgeführt, eine Art vaginales Bodybuildung zum Spass oder aus anderen Gründen. Wie jeder Sport ist das Kegelüben sehr langweilig, daran ändern auch Geräte wie das abgebildete "Myself" nichts. "Myself" kann den Trainingsfortschritt offenbar irgendwie in Grinsegesichter umsetzen, grundsätzlich ist also der richtige Weg beschritten. Dass aber die logische nächste Stufe, nämlich ein Gameboy-Adapter zur Steuerung von Super Mario per Pubococcygealmuskulatur partout nicht auf dem Markt erscheinen will, ist und bleibt unerklärlich. Vielleicht kann ja ein mitlesender, mitfühlender Gadgetentwickler einspringen? Alle Geschlechter würden es ihm danken.


11.07.2007 | 17:28 | Anderswo | Alles wird besser

Das gute Hotel von Sichuan

Lezhi ist eine kleine Stadt von höchstens 250.000 Einwohnern in der chinesischen Provinz Sichuan. Es gibt hier rein gar nichts zu sehen, ausser vielleicht drei Reiterstandbildern und einem Museum, das General Chen Yi gewidmet ist. Der grösste Sohn der Stadt war chinesischer Vizepremier und bis zu seinem Tod im Jahr 1972 Aussenminister. Seit ca. 60 Jahren war in Lezhi kein Ausländer mehr zu Besuch, schon gar nicht im Hong-Yang-Hotel, das versteckt in einem Hof an der Dong Jie (Oststrasse) liegt. Über der Toreinfahrt zum Hotel prangen die alten Zeichen des Fortschritts, der gute Hammer und die brave Sichel. Und tatsächlich ist das Hong Yang ein Hotel, von dem die Friebes und Lobos dieses Erdballs träumen. Für nur umgerechnet 15 Euro (drei mehr als für das Standardzimmer) kann man hier ein Computerzimmer (wörtlich: Dian Nao Fangjian = Elektrogehirnzimmer) beziehen, das über einen Lenovo-Rechner mit Intel-Celeron-D-Prozessor verfügt, mit DVD-Laufwerk, passablen Boxen und einer fixen ADSL-Internet-Standleitung. Wie in jedem chinesischen Hotel gibt es dazu im Bad Zahnbürsten satt, mit drangepappten kleinen Zahnpastatuben. Hong Yang heisst in etwa: "Loben und preisen, damit die Volksmassen davon wissen." Das tun sie nun.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Hotels, wir müssen reden

Christian Y. Schmidt | Dauerhafter Link | Kommentare (4)


11.07.2007 | 01:25 | Fakten und Figuren | Sachen kaufen

Renderkannen am Rand erkennen


(Foto: Moritz Metz)
Hoppla, denkt sich der auf offener Strasse von diesem Teekannenangebot überrumpelte Passant, ist es jetzt so weit? Ist all das in den 90ern mühsam Hingerenderte endlich Realität geworden, kann man fliegende Toaster kaufen, während Raubsaurier durch die Strassen stapfen? Ein Vergleich mit dem Original Utah Teapot zeigt aber leider, dass es sich trotz der überzeugend surrealen Texturen lediglich um Raubkopien aus Fernost handelt. Gedulden wir uns halt noch ein paar Monate.


10.07.2007 | 15:12 | Alles wird besser | Zeichen und Wunder | Vermutungen über die Welt

Keine Witze über Junk-DNA


Spiel nicht mit der Schmuddel-DNS (Foto: saynine) (Lizenz)
Als den bärtigen Alpha-Onkeln Eric Lander und J. Craig Venter anno 2000 zur Sequenzierung des menschlichen Genoms gratuliert wurde, stand Grosses zu verkünden: Die Menge der Gene war kleiner als geschätzt. Man frage mal seine Grossmutter, wenn man mal wieder zum Spyware-Entfernen und Apfelkuchen-Abgreifen vorbeigeht.

Fortan grämte sich die Menschheit und fürchtete gar, auf Nematodenniveau abzurutschen, bedrückt von der unangenehmen Idee, sich in der Komplexität des Erbguts nicht von den niedersten Tieren zu unterscheiden. Überdies klebte an weiten Bereichen der Begriff "Junk-DNA" wie das Zeug, was sich in einem Küchenabfalleimer sammelt, wenn man wieder keinen Beutel zur Hand hat. Auch wenn jemand aus dem Bio-LK schnell einwarf, alles in der Natur habe ja einen Sinn, so waren die repetitiven Sequenzen, kaputten Transposons und Genwüsten, die den Rest ausmachten, auch nach längerer Untersuchung nur langweiliges Zeugs. Schlimmer noch, es gibt gute Erklärungen für ihre Erzeugung, aber keine, warum der Kram nicht aufgeräumt wird.

Kürzlich aber gab es wieder gute Neuigkeiten aus dem Genom. Und siehe da, es wird bedeutend mehr von ihm ausgelesen, als bisher angenommen wurde, darunter grössere Bereiche der intergenischen Bereiche, denen bisher keine Funktion zugestanden wurde. Aber der Begriff Junk-DNA muss nun keinesfalls den Weg alles Irdischen gehen, ausgelesene Zeitungen sind schliesslich Hauptbestandteil von klassischem Müll, selbst wenn man ihnen noch die Fischverpackungsfunktion zugesteht.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Tsille Pots


10.07.2007 | 03:13 | Essen und Essenzielles

Water goes anywhere


Quelle
Wir leben in wundervollen Zeiten. Früher zum Beispiel hatten die Leute nur drei Sorten Wasser: sauberes Wasser, dreckiges Wasser und Wasser, in dem das tote Pferd liegt. Heute dagegen gibt es Wasser ohne Gas, mit Gas, ohne Mineralien, mit Mineralien, ohne Geschmack und seit circa letztem Jahr auch mit Geschmack (wir berichteten). Und weil Geschmack nun auch nicht das Gelbe vom Ei ist, gibt es Volvic-Wasser nun auch mit Kick-Geschmack, oder genauer gesagt mit Kick-Flavour, und heisst dann Volvic Revive (Achtung, grauenvoll infantiler Flash-Dreck). Klingt soweit okay, aber was soll "Kick" genau bedeuten? Kinderleichte Frage, denn bei einem Kick handelt es sich in Zeiten der antiautoritären Erziehung, wie jeder weiss, um einen Zuschuss aus Guarana, Ginseng und Koffein. Wir erleben hier also die Hochzeit von Wasser mit Geschmack (in gekickter Form) und Energiedrink, der ja per se über einen Kick und (leider) auch über Geschmack verfügt, oft von toten Pferden, womit der Kreis sich schliesst. Früher hätte man über solche Scherze nicht lachen können.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Marula, warum?


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