Riesenmaschine

02.07.2007 | 08:05 | Berlin | Essen und Essenzielles

Apfelkuchen statt Akademie


(Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)
Wer in Berlin Wissenswertes und Nützliches über die Welt erfahren wollte, besuchte in den vergangenen zehn Jahren die Seminare der 1997 gegründeten Wissenschaftsakademie von Rafael Horzon. In kompakten Bildvorträgen vermittelten die Referenten den wissenschaftlichen Erkenntnisstand über Schwarze Löcher im All, Sprengtechnik, das Rasterelektronenmikroskop, Cargokulte oder den Schabrackentapir. Nach dem Besuch von nur vier Vorträgen verlieh die Wissenschaftsakademie ihren Studenten das Diplom. Nachdem mehrfache Angebote zur Fusionierung mit den Berliner Universitäten von diesen abgelehnt wurden, hat Multiunternehmer Horzon diese löbliche Institution an diesem Wochenende für beendet erklärt. Zugleich gab er mit der Verleihung der letzten Diplome im Anschluss an das Abschluss-Seminar "Die letzte Utopie – Massensuizid als Gesellschaftsentwurf" von Christian Kracht die Eröffnung eines Fachgeschäfts für Apfelkuchenhandel am gleichen Ort bekannt. Die bis in die frühen Morgenstunden andauernde Eröffnungsgala wurde einzig und allein mit dem Lied "She's an Apple Pie" der Berliner Band Kissogram bestritten. Auf Nachfrage teilte Horzon mit, dass er bei seiner neuen Unternehmung "dreistellige Umsätze" anpeile. Wir wünschen viel Erfolg.


27.06.2007 | 21:34 | Alles wird schlechter | Sachen kaufen | Essen und Essenzielles

Me-Too-Nade


(Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)
Das Aufkommen von Nachahmerprodukten des Wundergetränks Bionade war bloss noch eine Frage der Zeit, wie erst vor wenigen Tagen auch die FTD feststellte, so weit also kein Problem, man hatte sich im Hause Bionade ja auch darauf eingestellt. Dass es dann aber gleich so dermassen plump werden würde, hatte wiederum keiner ahnen können: Seit einigen Tagen verkauft Plus Maltonade – das "Bio-Erfrischungsgetränk" aus "fermentierten Gerstenmalzextrakt (3 %)", mit 19,4 kcal und 4,6 g Kohlenhydraten pro 100 ml (natürlich mit dem Bio-Siegel), das sich nur in Nuancen vom Original, dem "biologischen Erfrischungsgetränk" "hergestellt aus Fermentation" und aus Malz (2 %), mit 22 kcal und 5 g Kohlenhydraten pro 100 ml (natürlich mit dem Bio-Siegel) unterscheidet. Auch bei den Geschmacksrichtungen inklusive Farbcode wurde gar nicht erst der Versuch unternommen, innovativ zu wirken: Es gibt Holunder-Cranberry (rot), Kräuter (grün) und Orange-Kiwi (orange), lediglich bei der für die Exotensorten reservierten gelben Variante setzten die Maltonade-Macher statt auf Litschi auf die recht gewollt wirkende Eigenkreation Mango-Chili. Jetzt fehlt eigentlich nur noch eine aufs Produkt abgestimmte Werbekampagne, der Claim "Das offizielle Getränk einer noch voll total viel besseren Welt" dürfte noch frei sein.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Single Cola, Single Cask und Spionadeversuch


27.06.2007 | 14:19 | Alles wird besser | Essen und Essenzielles

Gehirnsturm im Zahnputzbecher


Sie denkt, sie denkt! (Ausriss: FTD) (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)
Es gab mal früher einen Witz, der ging: "Was ist ein Kettcar mit einem Taschenrechner? Antwort: Knight Rider auf polnisch." Wir haben einen langen Weg gekommen, seither: Polen wird zum High-Tech-Standort und niemand weiss mehr, wer oder was Knight Rider war. Allein die Dinge blieben stumm und dumm und weigern sich beharrlich, ihren eigenen Nachschub zu bestellen, so sie ein Kühlschrank sind, oder gar zum Spime zu werden, wie Bruce Sterling nicht müde wird, es ihnen anzutragen. Doch just in dem Moment, da sich die ersten Beobachter enttäuscht und entnervt abwenden wollen, beginnt es nun tatsächlich doch noch, das Zeitalter der denkenden Dinge. Und wie? Nicht etwa auf leisen Sohlen durch die Hintertür, sondern mit einem Paukenschlag, einem Triumph des Willens, der Technik und des Fortschritts, namentlich mit der Zahnbürste Oral-B Triumph, die so heisst so, weil sie einen "Triumph über herkömmliches Zähneputzen" darstellt. Und zwar verfügt diese laut Copytext über einen "einzigartigen On-Board-Computer" (nicht zu verwechseln mit dem schnöden Nur-Bordcomputer), der Zähneputzen wie folgt noch effektiver macht: "Er misst die erreichte Putzzeit, zeigt die gewählte Reinigungsstufe und empfielt rechtzeitig den Bürstenkopfwechsel." Die Technik von "Deep Blue Something", wie das technische Wunderwerk in Expertenkreisen bereits hochachtungsvoll genannt wird, stammt vom selben Forscherteam, das seinerzeit beim Brita-Tischwasserfiltern mit dem Memo den ersten funktionsfähigen Produkt-Bordcomputer vorlegte, der freilich nur in der Lage war, nach Ablauf von vier Wochen den notwendigen Filterwechsel anzuzeigen. Wenn die Entwicklung derart rapide voranschreitet, werden elektrische Zahnbürsten in nur wenigen Jahrzehnten imstande sein, eigenständig Nachschub zu ordern, wenn die Zahnpasta zur Neige geht, und dabei "Hänschen klein" zu singen.


16.06.2007 | 13:20 | Essen und Essenzielles

Brauner Saft

Der internationale Saftmarkt gehört zu den lebendigsten Wesen auf dem Planeten. Vermutlich liegt es an der wachsenden Bereitschaft der Menschen, Substanzen zu konsumieren, die nicht vorher dreissigmal chemisch und physikalisch geprüft und runtergebrochen worden sind; der Safterfolg also eine direkte Konsequenz der sich anbahnenden Hochrisikogesellschaft (vgl. Mortalstatistik Mt. Everest). Einer der Profiteure dieser Entwicklung ist Arthur's Juice, im Jahr 2007 auf Platz 25 der am schnellsten wachsenden Unternehmen in Kanada. Im Frühjahr 2006 zeigten sich unabhängige Tester überzeugt von Arthur's grünem, dickflüssigen Saft Green Energy, vor allem, weil er über das hervorstechende Merkmal verfügt, genauso auszusehen wie die Trendfarbe grün, nämlich grün. Geschmacklich jedoch so ausgepresst und daher lala, lebt der Energiesaft einzig von seiner Modefarbe.

Ein gutes Jahr später. Immer noch ist Arthur's Green Energy im Angebot und Top-Seller der Bioschmieren-Kollektion. Jedoch, und das ist eine schockierende Enthüllung, die exklusiv an dieser Stelle erfolgt, grün ist Green Energy nicht mehr. Schamhaft umwickelte Arthur irgendwann innerhalb des letzten Jahres sein bestes Pferd mit grüner Plastikfolie, nur um nicht eingestehen zu müssen, dass der spektakulär grüne Saft mittlerweile, man wagt es kaum usw., braun ist. Und so ist es wohl: Zieht man lange genug von oben am Grünen, so kommt irgendwann etwas zum Vorschein, das genaugenommen wie Dreck aussieht. Öko ist braun, nicht grün.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Durst? Grünwein!


15.06.2007 | 13:42 | Sachen kaufen | Essen und Essenzielles

Gurke, Gesprächsanlass, Geschlechtsverkehr


Zonen-Pepsi (0,33l) im Glück (PET) (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)
Das in der Vorzeile genannte, empirisch dutzendfach bewiesene, Lobo'sche "3G"-Kontaktaxiom ist nun mit zweijähriger Verspätung in der Softdrinkindustrie angekommen. Bei Hendrick's, dem Hersteller eines der wunderbarsten Gins weltweit, weiss man schon länger, dass ein kleiner Gurkenarôm dem Mixgetränk, allen voran dem puristischen Martinicocktail gut tut und lässt daher bei der Herstellung unter anderem ein Gran Gurkenaroma in die Tanks diffundieren. Pepsi möchte sich offenbar etwas vom, nun, Gurkenkuchen abschneiden und wirft nicht feige eine Cucumber Pepsi auf den Markt, wenn auch zunächst vorsichtshalber nur auf den japanischen. Es könnte funktionieren: Mit einer Gurkenpepsi in der Hand ist zumindest der Gesprächsanlass da. Den Rest muss man selbst besorgen.


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