16.01.2007 | 01:22 | Sachen kaufen | Essen und Essenzielles
Über Engländer kann man sagen, was man will, und viele tun das ja auch. Zum Beispiel sollte man ganze Huldigungsepen über die vollbotanische Curiosity Cola des englischen Limonadenherstellers Fentiman's in Newcastle upon Tyne verfassen, und nicht nur ein winziges Lobeshymnchen. Das vielleicht später. Heute jedoch zwei weitere Produkte desselben Herstellers im Gebrauchstest.
1) Fentiman's Dandelion & Burdock jedenfalls schmeckt wie ein gezuckerter Blumenstrauss, sieht aber deutlich besser aus (siehe Bild), hat eine weit angenehmere Konsistenz und rettet notfalls Leben. Wenn einem das nichts sagt, weil man noch nie einen Blumenstrauss gegessen hat, muss man es jetzt auch nicht mehr tun, weil man dasselbe ja trinken kann. Je nachdem, von welcher Seite man den Schluck Dandelion & Burdock im Mund betrachtet, kommt ausserdem eine Note Ingwer oder Lakritz hinzu. Ein 3D-Adventure in Flaschen also, für die lange, englische Polarnacht.
2) Fentiman's Victorian Lemonade ist leider, wie der Name schon verspricht, in der falschen Zeit geboren. Man nehme alten Kräutertee, füge grosse Mengen sauren Regen hinzu und fertig. Die wohl obligatorische Ingwernote ist dermassen dezent, dass man nicht mal niesen muss, selbst wenn man wollte. Es handelt sich einfach um ein sachlich falsches Getränk, an dem nichts stimmt.
Bestimmt wird bald wieder jemand über England reden, zum Beispiel über Shandy und Seville Orange Jitter von Fentiman's, dem Limonadisten mit Schäferhundemblem.
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21.12.2006 | 03:08 | Was fehlt | Sachen kaufen | Essen und Essenzielles | Papierrascheln
 (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.) Der vierte Kondratieffsche Übergang der kapitalistischen Konjunkturentwicklung hält zur bevorstehenden Weihnachtszeit neben Globalisierung und Nanotechnologie gerne auch mal greifbarere Gimmicks bereit. Zum Beispiel in Gestalt eines – beim Lebensmitteldiscounter Plus nach dem grossen Erfolg im Vorjahr bereits zum zweiten Mal nur für kurze Zeit zu erwerbenden – Toilettenpapiers mit Rentiermotiven und Spekulatiusduft. Vorsicht ist trotz Dreilagigkeit für empfindliche Hintern geboten, denn Verbraucherratgeber geben Verbrauchern gemeinhin den Rat, auf parfümiertes Klopapier zu verzichten, um Reizungen vorzubeugen. Spannender und passender hätten wir übrigens eine Variante mit Spekulatiusmotiven und Rentierduft gefunden, selbst wenn, wie der Riesenmaschinen-Korrespondent aus Inari zu berichten weiss, Rentierragout nach nassem Hund riecht und schmeckt. Also vermutlich ganz ähnlich wie das noch aus dem Sommer übriggebliebene Papier mit Grasgeruch. Naja, ist ja auch vom gleichen Hersteller.
19.12.2006 | 12:25 | Essen und Essenzielles
 (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)Der Franzose ist ein weltweit anerkannter kulinarischer Topchecker. Er hat das Salz erfunden, den Pfeffer und das mit Schnepfenwürfeln und Trüffelscheiben gefüllte Rebhuhn. Wo die beliebtesten Getränkezutaten der Amerikaner "null Kalorien" und "200% Vitamin C" sind, da enthält die französische Limonade "La Mortuacienne" (dt.: Die schöne Gehilfin des Bestattungsunternehmers) einfach nur "pur sucre", ein Kaufargument, wie es selten in dieser süssen, nichts beschönigenden Klarheit vorgebracht wurde. Hier wird nichts um 32% reduziert, hier werden keine Zusatzstoffe aus der Weltraumforschung vorgegaukelt. "Memento Mori", so steht es auf dieser Limonade geschrieben, "steck dir irgendwas Filterloses dazu an, irgendwann sterben wir alle, aber wenigstens wartet auf uns eine schöne junge Mortuacienne." Die Geschmacksrichtung Pampelmuse allerdings sollte man meiden. Dafür ist das Leben echt zu kurz.
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19.12.2006 | 03:56 | Berlin | Essen und Essenzielles
 Wie füreinander geschaffen: Pommes- und WurstautomatBeim Thema Vending-Machines schweift der Blick normalerweise fast reflexhaft nach Japan, das Land des scheinbar unbeschränkten Automatenangebots (auch wenn der legendäre Höschen-Automat dort ebenso zu den Exoten gehört wie der Berliner Maden-Automat, der kanadische Wurm-Automat oder die belgische Variante für Schweinesperma). Fast verliert man den Blick dafür, dass sich auch hier auf dem Terrain einiges tut und sich zu den Europa mittlerweile flächendeckend überziehenden Pommes-Automaten in der Tradition der seinerzeit noch manuell operierten "Heissen Hexe" immer öfter auch Wurstautomaten gesellen (gesehen am Innsbrucker Platz in Berlin) – und das nicht erst seit gestern, sondern "seit mindestens zwei Jahren" (Michael Brake). Deutschländer und Trueman's gibt es dort wahlweise heiss oder kalt ab 1,30 Euro. Fehlt eigentlich nur noch ein Automat, aus dem man Wurst- und andere Automaten ziehen kann, um sie dann zu Hause bei sich oder im Büro aufzustellen.
11.12.2006 | 12:03 | Anderswo | Essen und Essenzielles
In Ontario ist der Winter die Jahreszeit für Bier: Es gibt ausreichend Strom, man braucht sowieso keinen Kühlschrank und würde man am See trinken, käme man vor Kälte um, weswegen draussen trinken auch verboten ist. Alles passt zusammen. Einziges Problem: Auch wenn man auf ausländische Produkte vollkommen verzichtet, verfügt das kalte Land über mindestes 30, wahrscheinlich 50 oder 100, jedenfalls aber sehr viele winzige Bierakkumulationsorte, über das recht riesige Land verteilt und versteckt in Getreidesilos, Hinterhöfen und Bärenquartieren, an denen es aus jeweils mehreren Hähnen fröhlich tröpfelt. Was soll man nur trinken? So fragt man sich daher ratlos jedes Jahr zum Winteranfang. Weil Ratlosigkeit schlecht für das Selbstbewusstsein ist und angekratztes Selbstbewusstsein Infektionskrankheiten provoziert, empfiehlt es sich, ausschliesslich nach Name und Etikett des Getränks zu urteilen, denn heute, wo die Welt im Kern ausgehöhlt ist, sorgt nur die Oberfläche für Distinktionsgewinn.
Im letzten Winter 2005/06, geprägt von Redundanz und Rekursion, gab es keine vernünftige Alternative zu Cool Beer mit seiner eiskalt blauen Beschriftung. Dieses Jahr jedoch ist anders, das merkt man sofort. Es ist ein ernsthafter, substanzieller, kerniger Winter, jedoch geplagt von Ruckeln und Klappern. Nichts geht vorwärts. Zum Glück bietet die makrohistorische Nano-Brauerei Neustadt in Neustadt am Lake Huron, das nichts zu tun hat mit den vierundachtzig Neustadt-Varianten in Europa, ein Derivat namens 10W30 an, mit einen altmodischen Kühlergrill auf dem Cover, das in den Überfarben der Saison (blau-orange) getönt ist. 10W30, dabei handelt es sich, wie jeder Bierfachmann weiss, um ein Leichtlauföl mit der Grundviskosität 30, das auch im W (Winter) leicht läuft. Mit 10W30 muss der Winter zu schaffen sein, und wenn das immer noch nicht hilft, muss man eben Gin trinken.
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IN DER RIESENMASCHINE
ORIENTIERUNG
SO GEHT'S:
- auch mal was bereuen
- NATIZ! HITOLAR!
- Glätteisenhans
- Schmirgelklötze verstecken
SO NICHT:
- Vergorener Bratapfelsaft
- Heilbutt grüssen
- ein Feuerwerk der guten Laune (Hilfe!)
- Kärcher-Bandenwerbung in Pariser Fussballstadien
AUTOMATISCHE KULTURKRITIK
"The Seasoning House", Paul Hyett (2012)
Plus: 45, 80, 149, 151 Minus: 116, 118 Gesamt: 2 Punkte
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