Riesenmaschine

02.11.2006 | 17:45 | Anderswo | Alles wird besser | Essen und Essenzielles

Food speeds!


Speedfoodschuppen in Kashgar

Noch einer in Turpan
Fast Food gilt in seiner Heimat wenig. Jedes Jahr kommt ein Film heraus, in dem das praktische Essen schlecht gemacht wird; von Büchern ganz zu schweigen. In Fast Food Nation, einem Film zum Buch, wird es ab dem 17. November in den USA (respektive dem 27. Januar in Deutschland) eklig zugehen; u.a. soll Bruce Willis einen Big Mac spielen und Avril Lavigne eine Tüte Pommes, die Kühen aus der Klemme hilft.

Dagegen hat Fast Food in weiten Teilen der Dritten Welt einen guten Klang. So galt in China noch bis vor ein paar Jahren ein McDonalds als Nobelrestaurant. Das hat sich inzwischen geändert, auch weil es jetzt so viele sehr gute Restaurants gibt wie Hamburgerfilialen. In der Provinz jedoch schreibt manch einfacher Reis- und Nudelkoch noch immer "Fast Food" über seine Garküche, weil das so flott klingt, modern und weltläufig. Tatsächlich wird in China traditionell sehr schnell gebrutzelt und auch serviert, es sei denn die Xiao Jie hat die Bestellung wieder mal vergessen.

Noch schneller kochen nur die Uiguren in Xinjiang, der Upper Westside Chinas. Hier wird Speedfood auf den Tisch geschossen. Die Abbildungen lassen allerdings vermuten, dass es sich auch dabei um nichts weiter als des Turkvolks Standardessen handelt: Fetten Hammel am Spiess, Safranreis mit fettem Hammel, Nudeln mit Hammelfleisch (die fettere Sorte) und sehr leckere, mit nicht ganz magerem Hammelfleischhack gefüllte Dumplings. Doch wer weiss? Vielleicht sind die Dumplings hier nichts anderes als Speedballs, hat man den Reis mit Amphetamin gestreckt und getrunken wird dazu Benzedrin-Tee aus Crystal-Gläsern? Wir haben es nicht ausprobiert. Wir hatten es gerade eilig.

Christian Y. Schmidt | Dauerhafter Link | Kommentare (3)


02.11.2006 | 11:11 | Alles wird besser | Sachen kaufen | Essen und Essenzielles

Kundenkunde


Super. (Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
"Der Kunde ist das neoliberalste Wesen, das man sich vorstellen kann", sagt der redefreudige Spiegelschreiber Gabor Steingart, der auch sonst in seinem Buch "Deutschland. Der Abstieg eines Superstars" bewiesen hat, dass er mit der platten Hand auf den Schlamm hauen kann, dass es spritzt. Der Kunde ist aber in Wirklichkeit etwas begriffsträge und analyseschwach und deshalb nur so neoliberal, wie man ihn lässt. Er mag leicht dümmlich daherkaufen, aber er ist im Grunde ein gutmütiger, einfach auszurechnender "Character" (bitte engl. Aussprache). Man muss ihm nur gute Produkte geben und dann ist er froh mit seinem Status quo. Und bleibt deshalb Kunde und tut das kund, hat die Kundenkunde herausgefunden. Dass es tatsächlich so einfach ist, beweist das nebenstehende Produkt der Firma Ricola, namentlich die Zitronenmelisse-Bonbons ohne Zucker. Gott, sind die super. Jede Pastille bedeutet vier Minuten Hals-Nasen-Rachen-Nirvana. Wenn ich jetzt noch dazu sage, dass die famosen Schweizer diese Lukulluslutschlinge als "Kräuterbonbons im Böxli" verkaufen, wer möchte dann nicht der Böxlibegeisterung verfallen und Kunde werden? Die Lösung aller Markt- und Marketingprobleme ist eine Formel, bestehend aus einem Wort: Superprodukte! Dann ist auch gar nicht mehr so wichtig, dass vorne draufsteht "zuckerfrei", aber dafür irgendein Maltose-Zeug drin ist.


02.11.2006 | 04:06 | Alles wird besser

Kraft durch Tetris


(Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Kläglich, aber wahr: Auch im 21. Jahrhundert hat die Menschheit bei der sinnvollen Verbindung von spassigen und notwendigen Tätigkeiten keine grossen Fortschritte gemacht. Nach wie vor lernt man beim Volleyballspielen nicht automatisch Fremdsprachen, bringt Sex nur wenig gegen das Artensterben und kann man seinen Lebensunterhalt nicht dadurch bestreiten, dass man alle Futurama-Folgen auswendig kennt. Immerhin gibt es jetzt Tetris Weightlifting (gefunden im MAKE-Blog): Um den Tetris-Stein nach links oder rechts zu bewegen, muss man am entsprechenden Gewicht ziehen, beim Druck der auf Daumenhöhe angebrachten Knöpfe wird der Klotz gedreht. So geht es in 20 einfachen Levels zur Traumfigur und ist das Ziel erstmal erreicht, muss man sich auch nicht länger in seinem Tetris-Cosplay-Kostüm verstecken, wenn man auf die Strasse geht.


Dieser Beitrag ist ein Update zu Kopfgesteuert und Sitzenbleiben.


01.11.2006 | 19:13 | Anderswo | Fakten und Figuren

Urbane Urinale


Baugleich, in Brighton (Foto: elsie)
Ganz allgemein weiss man ja nicht, ob es so gut ist, ohnehin Unvermeidliches zum Trost ästhetisch zu verbrämen (vgl. Gefängnisse, "Reizwäsche"). Aber nicht deshalb wurden die in der Wiener Opernpassage angebrachte Pissoirs der Marke Kisses von der Grünen-Stadträtin Monika Vana kritisiert, sondern weil sie ein Bild der Frau als willige Schwanzlutscherin vermittelten (Quelle: taz-Blog). Mal abgesehen davon, dass auch Männer, diese notorischen Ferkel, sich nur im äussersten Notfall von Urinalen den Schwanz lutschen lassen, ist das ein bisschen ungerecht: Der Mystique Night Club in Bangkok bleibt trotz gleicher Urinalausstattung vom Zorn grüner Stadträtinnen verschont.

So lange die weltweite Pinkellandschaft ästhetisch so karg ausgestattet bleibt, kommen wir einer Antwort auf die eingangs angesprochene Frage jedenfalls nicht näher. Ausser Clark Sorensens Blumen und Muscheln und irgendwelchen Porzellankirchen und Ritterburgen gibt es kaum Alternativen zum klassischen Baumarktmodell. Wir müssen also zum wiederholten Male die Designer ermahnen, nicht so viele Weinaufbewahrungslösungen und Wasserhähne zu designen, sondern hin und wieder auch mal ein Urinal, eine geräumige Flasche oder wenigstens einen Baum zum Dranpinkeln. Bäume sind auch ganz schön.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Was ist eigentlich Bayerische Gesundheitsideologie genau?


01.11.2006 | 13:43 | Gekaufte bezahlte Anzeige

Wider die fruchtlose Saftsuche mit DoorOne


Gib mir deinen Saft, ich geb dir meinen. (Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Saft ist mehr als Flüssigkeit in oder von organischen Körpern, und fliessende Säfte sind für biologische Prozesse ähnlich essenziell wie der Cashflow für die Wirtschaft. Man merke: Saft ist Spass und hat ausserdem noch die allseits beliebten Vitamine. Der kreative Umgang mit Saft ist allerdings durch die Restriktionen der Fruchtsaftverordnung völlig am fruchtnektarverklebten Boden, sodass der konsumsensitive Mensch am Safteuphemismus Multivitamin wohl nicht vorbeikommt.

Historisch eigentlich nichts Neues: Mit dem richtigen Entsafter kann man die Missstände überwinden. Auf den tautologisch korrekten Weg zur Saftautarkie hilft der vitaminschonende Netzentsafter: DoorOne. Hier findet man eine willige Armada von Maschinen, die organische Körper zentrifugal zerschnipseln oder dezent zermalmen, nur um eines zu erhalten: Saft – so frisch und biologisch aktiv, dass er dann auch bald mal getrunken werden muss. Damit einem der matschige Perikarpkuchen nicht in Form von Trester um die Ohren fliegt, bietet DoorOne unter vielem die Wahl zwischen Geräten mit und ohne Fruchtfleischauswurf und erhöht die Mündigkeit des Suchenden noch durch kompetente Begriffserklärungen: Der automatische Auswurf erlaube laufendes Entsaften ohne Arbeitsunterbrechung – ein mächtiges Feature, das selbst die grösste Safttüte nicht bieten kann. Dazu sollte man auf eine ordentliche Ausgangsleistung achten, so 850 Watt klingen ganz gut, und schon präsentiert DoorOne ein Gerät, das aussieht wie R2-D2 mit Rucksack, aber ohne piepsende Sentimentalitäten daherkommt.

Den sprichwörtlich nostalgischen Weg des Saftköchelns, weg von mechanischem Rumgewirble, geht der Rommelsbacher EE 1505, der mit seinen 1500 Watt auch das zäheste Exokarp versaftet und dessen robustes Äusseres härter wirkt als Kruppstahl. Fast könnte man meinen, hinter dem Sunkist Saftprofi stecke doch ein Unterminierungsversuch der Saftlobby, aber der originäre Tropfschutz mit angedübelter Sunkist-Orange verwischt jeden Verdacht der Unauthentizität. Mit DoorOne steht man bald voll im Saft und gräbt der einfallslosen Industrie die Südfrüchte ab. Das ist mehr als nur Pürieren.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Das neue System der Dinge

Jan-Christoph Deinert | Dauerhafter Link


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