Riesenmaschine

17.05.2007 | 20:48 | Alles wird besser | Essen und Essenzielles

Slow Trend Coming


Innendrin: vielleicht gar keine Rosinen!
Es haben zwar wieder mal schon alle darüber berichtet, aber die Riesenmaschine frühstückt nun mal etwas später als die anderen. Und wenn irgendwo auf der Welt etwas massenkustomisiert wird, dürfen wir nicht schweigen: Bei mymuesli.com kann man sich eines von 566 Billiarden Müslen selbst zusammenstellen oder könnte es jedenfalls, wenn derzeit nicht – nur zwei Wochen nach Geschäftsaufnahme – die Müslidosen ausverkauft wären. Aber dass immer alles so lange dauern muss! Wurde nicht die Mass Customization schon allerspätestens 1997 erfunden? Was ist in den unterirdischen Sachenhersteller-Geheimlaboren seitdem passiert? Warum sind Hosenbeine in der richtigen Länge nach wie vor Glückssache? Wieso kann man sich verdammt noch mal nicht mal bei den eigenen Büchern aussuchen, wie sie aussehen sollen? Und draussen gibt es immer noch nur Kännchen? Wenn es in dem Tempo weitergeht, werden wir in ca. fünfzig Jahren frei über unsere Gebisshaftcremezutaten bestimmen können. Ist ja auch schon mal was.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Die Rosinenlobby


17.05.2007 | 09:11 | Alles wird besser | Alles wird schlechter | Vermutungen über die Welt

Mögliche Welten


Andere Welten, andere Leute.
(Bild: ricardo.martin)
Der Optimist Leibniz sagte, diese Welt sei die beste aller möglichen Welten, der Pessimist Schopenhauer hielt entgegen: Diese Welt ist die schlechteste aller möglichen Welten, so scheisse, dass sie beim kleinsten Defekt gar nicht mehr existieren könne. Beide setzen voraus: Andere Welten sind möglich. Die Antike sah das noch wesentlich rigoroser: Möglich ist nur diese Welt, so wie sie uns eben unversöhnlich anspringt – Platons Demiurg schafft die Welt aus bereits vorhandener Urmaterie, nach der festen Schablone der ewigen Ideen. Mit dem Judentum ändert sich diese Weltsicht, der jüdische Gott ist allmächtig, er lässt sich nicht zum Büttel vorgegebener Strukturen machen und schafft Welten voraussetzungslos aus Nichts heraus. Zwischen Gott und die tatsächliche Welt schiebt sich jetzt eine Fülle möglicher Universen, und das Mittelalter diskutierte heftig über die Beschaffenheit solcher Welten und was in ihnen alles vorkommen könne: Etwa auch solch sinnlose Dinge wie viereckige Kreise, geflügelte Einhörner, Schlümpfe, Tokio Hotel? Wenigstens logisch widerspruchsfrei und ethisch vertretbar sollten die Dinge dann schon noch sein, kam man überein. Doch in der Neuzeit explodiert der Markt an Möglichkeiten: Andere Welten, neue Realisierbarkeiten, mögliche vieldimensionale Räume und vielwertige Logiken, mögliche postmoderne Pluralitäten, eine Unendlichkeit möglicher Paralleluniversen! Aber langsam. Alles geht nun doch nicht durch, wie man jetzt weiss, nicht alle erdenklichen Universen sind "creatable". Gewisse physikalische Mindeststandards müssen sie schon erfüllen, um möglich zu sein. Das hindert jedoch Welten wie unsere nicht daran, allerlei unmögliche Leute und Zustände zuzulassen. Der Streit zwischen Leibniz und Schopenhauer bleibt also weiterhin offen.

Ruben Schneider | Dauerhafter Link | Kommentare (13)


16.05.2007 | 21:42 | Nachtleuchtendes | Fakten und Figuren

Milkomania


Credit: NASA/JPL-Caltech/K. Gordon (University of Arizona)
Wenn man sich die Welt auf grossen Skalen ansieht und grosszügig über Staubmausbildung und Kernspaltung hinweg mittelt, gibt es nur noch ein wichtiges Thema: Gravitation gegen den Rest, also allen möglichen anderen Kram. Meist gewinnt die Schwerkraft mit ihrer zuverlässigen "grind it out"-Strategie, nur an der Dunklen Energie hat sie sich verhoben. Darum muss es auch niemanden verwundern, wenn der Andromedanebel, eben noch zweieinhalb Millionen Lichtjahre entfernt, in schon wenigen Milliarden Jahren mit der Milchstrasse zusammenstossen wird, weil es die Gravitation so will. So weit, so Alltag im Weltall.

Was aber nicht hätte sein müssen: In diesem Prozess, so sagt man jetzt könnte der Andromedanebel (alberner Scherzname, in Wahrheit heisst die Galaxie natürlich M31) aus Versehen kurzfristig unser Sonnensystem stehlen. Diebstahl durch Schwerkraft – auch wenn wir davon heute schon etwas ahnen, es gibt nichts, was wir dagegen unternehmen könnten. Ganz schön deprimierende Zustände, da draussen. Und statt uns Papiertüten über den Kopf zu ziehen, sollten wir lieber überlegen, wie unsere Galaxie dann heissen soll, nachdem sich M31 und Milchstrasse zusammengeworfen haben. Andromeda Way oder Milkomeda, wie bisher vorgeschlagen, kommt jedenfalls nicht in Frage. Milkomeda, das klingt fast wie Wikipedia, und wer möchte da schon wohnen.


16.05.2007 | 13:47 | Supertiere

I am the W2


Foto: wheeldog, Lizenz
Den Winter verbringen W1 bis W8 an der Westküste Grönlands. W1 bis W8 sind acht Walrösser, jedes so schwer wie fünf Zwergpottwale und jedes mit Stosszähnen so lang wie männliche Flussaale. Aber was machen W1 bis W8 im Sommer? Einfach zu Hause bleiben? Offenbar nicht, denn weil ihnen "zu Hause" unter dem Hintern wegtaut, migrieren sie, so glaubt man, in Richtung Nordpol davon. Urlaub im Süden ist schliesslich etwas für Weichtiere. Um endlich herauszufinden, wohin genau das Walross im Sommer umzieht, verfolgen grönländische Forscher seit Anfang April die Exemplare W1 bis W8 mit Hilfe von Satelliten und der BBC. Was bisher herauskam: W4 schwamm etwa 300 km nach Norden und meldete sich dann nicht mehr. W1, W3, W5, W6 und W7 lagen ein paar Wochen tatenlos herum und stellten dann die Kommunikation mit dem Satelliten (und der BBC) ein. W8 sagte bisher gar nichts. Bleibt W2, ein Weibchen mit Kalb im Schlepptau. W2 liegt immer noch auf ihrem Eisblock in Grönland und räkelt sich träge. Vielleicht passiert ja später noch mehr im Leben der Walrösser, aber bisher sieht es so aus, als hätten sie etwas gegen Satelliten. Gespannt richten sich alle Blicke jetzt auf W2. Die grosse Frage: Wo lebt W2 im Sommer? Und mit ihm der Rest der Rösser? Eine gewaltige Verantwortung ruht auf schwabbeligen Schultern.


16.05.2007 | 01:57 | Alles wird schlechter | Zeichen und Wunder

Ein Buchstabe mehr


Andere Länder, blödere Buchstaben
Wie man hört, wird draussen in den weniger zukunftszugewandten Ecken der Welt bereits seit etwa drei Jahren über die Einführung des in der Riesenmaschine abgeschafften ß auch noch als Grossbuchstaben debattiert und debattiert und auch schon Vorschläge gemacht, wie so ein Zusatzbuchstabe aussehen könnte. Natürlich von Grafikern, den Menschen, die nach Polizisten und Zeugen Jehovas wohl am dritthäufigsten gefragt werden, ob sie denn NICHTS BESSERES ZU TUN haben. Dabei läge die Arbeit auf der Strasse, zum Beispiel bräuchten wir einen Buchstaben, mit dem sich das Gegenteil von "mhm" ausdrücken lässt, einen für den einzigen Vokal Sachsens, wir bräuchten den Knorkator-Buchstaben (Text / Video) und einen Buchstaben für das Geräusch, das man macht, wenn einem beim Fahrradfahren eine Mücke in den Hals fliegt. Letzterer hätte, einmal erfunden, sicher auch das Zeug zum Exportschlager in die Schweiz.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Ein Buchstabe weniger


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